MDD 2012: Was ist eigentlich ein Heuriger?

Datum: 8. Juni 2012
Redakteur:
Kategorie: Turniere, VDCH

Beim Heurigen gibt’s Heurigen. Das war die erste Lektion in Sachen Wiener Gastronomie, die einige Debattierer am ersten Tag der Meisterschaft im deutschsprachigen Debattieren (MDD) lernten. Der Heurige ist eine auch „Buschenschank“ genannte Gaststätte, in der Winzer seit dem 18. Jahrhundert traditionell den eigenen Wein von heuer, süddeutsch für „aus diesem Jahr“, ausschenken dürfen. „Heuriger“ bezeichnet dabei also sowohl das Getränk als auch den Ort, an dem man selbiges zu sich nimmt. In der Wirtschaft, in die der Turnierausrichter AFA am Fronleichnamabend die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Weinberge vor Wien entführte, sind im Heurigen „garantiert 70 Prozent Veltliner enthalten – der Rest ist geheim“, verriet die Kellnerin. Und der nach gut gehütetem Rezept gemischte Rebensaft floss denn auch reichlich in die von der ersten Runde trockenen Debattierkehlen. Einhellige Meinung: Das war ein perfekter Sommerabend in den Wiener Weinbergen und ein guter Start in die MDD.

Die Chefjuroren Lukas Haffert, Tom-Michael Hesse und Gudrun Lux (von links; nicht im Bild: Chefjurorin Isabelle Fischer) und der Tabmaster Oliver Hörtensteiner bereiten die Setzung für die Vorrunden vor. (Foto: Anja Pfeffermann)

Die Chefjuroren Lukas Haffert, Tom-Michael Hesse und Gudrun Lux (von links; nicht im Bild: Chefjurorin Isabelle Fischer) und der Tabmaster Oliver Hörtensteiner bereiten die Setzung für die Vorrunden vor. (Foto: Anja Pfeffermann)

Was lauschig anfing, nahm am zweiten Tag an Fahrt auf: Vier Vorrunden standen am Freitag auf dem Programm. Inlandsgeheimdienste, die keine Parlamentsabgeordneten mehr überwachen sollen; eine Fußballeuropameisterschaft, die doch nur noch 16 Mannschaften einen Startplatz bieten soll; einen Neandertaler klonen und Eurobonds einführen – für jeden Debattiergeschmack war etwas dabei. Utilitaristische Prinzipien, Völkerverständigung, die Wehrhaftigkeit der Demokratie, Fragen zur Europäischen Union und noch viel mehr haben die Debattanten auseinandergenommen.

Aber die MDD ist nicht das einzige Debattier-Event, das hier Thema ist: Patrick Ehmann von der Berlin Debating Union (BDU) und Ausrichter der World Universities Debating Championship (kurz WUDC oder Worlds) stellte die Weltmeisterschaft vor, bei der um den kommenden Jahreswechsel in Berlin Redner aus aller Welt um den Titel streiten. Er warb auch dafür, ins Helferteam einzusteigen – so einen riesigen internationalen Redewettstreit hat man ja nicht alle Tage vor der Haustür. Und helfende Hände können die Berliner allemal gebrauchen: Gute 1.000 Debattiererinnen und Debattierer erwartet die BDU zum Turnier in der deutschen Hauptstadt.

Auch die Deutsche Debattiergesellschaft (DDG), der Alumniverein des Debattierens, gibt sich heute ein Stelldichein und berät schon mal über die Vergabe des Nachwuchspreises. In Frage kommen Jungrednerinnen und -redner, die in dieser Saison mit Talent aufgefallen sind und bis kommenden Sonntag das 23. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Verliehen wird der Preis – ein Wanderpokal, in den die Namen der Preisträger eingraviert sind – traditionell am Samstagabend bei der MDD, zu dem es heuer (aufmerksame Leser wissen: in diesem Jahr!) ins Palais Auersperg geht. Im vergangenen Jahr überzeugte Sina Strupp die alten Hasen.

Am MDD-Samstag stehen zwei weitere Vorrunden und ein Viertelfinale auf dem Programm, der Gala-Abend der DDG im Palais Auersperg und natürlich die Fußball-EM – für eine Übertragung des Deutschland-Portugal-Spiels haben die Ausrichter gesorgt.

Die Themen der ersten fünf Vorrunden im Überblick:

  • Dieses Haus verpflichtet Pharmakonzerne, die Hälfte ihres Forschungsetats auf Krankheiten zu verwenden, die primär in Entwicklungsländern auftreten.
  • Dieses Haus verbietet Inlandsgeheimdiensten, Parlamentsabgeordnete zu überwachen.
  • Dieses Haus trägt die Fußballeuropameisterschaft weiterhin mit 16 Teams aus.
  • Dieses Haus, das technisch dazu in der Lage ist, klont den Neandertaler.
  • Dieses Haus führt Eurobonds ein.

Die Meisterschaft im deutschsprachigen Debattieren (MDD) wird heuer zum ersten Mal außerhalb Deutschlands ausgetragen und hat deshalb ihren alten Namen (Deutsche Debattiermeisterschaft, DDM) abgelegt. Die MDD ist wie zuvor die DDM Teil der Turnierserie ZEIT DEBATTEN. Die Serie wird vom VDCH in Zusammenarbeit mit der Wochenzeitung DIE ZEIT und der Deutschen Telekom AG veranstaltet sowie durch eine Medienpartnerschaft mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) unterstützt. Seit einem Jahrzehnt werden jährlich mindestens fünf große Debattierturniere im Rahmen der ZEIT DEBATTEN ausgetragen. Schirmherr der Serie ist der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt.

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