„Zuhause ist, wo man sich zu Hause fühlt“ – Sarah Jaglitz und Tina Reimann über Interkulturelles auf den Worlds

Datum: 15. Dezember 2012
Redakteur:
Kategorie: [:de]International[:en]international[:], Turniere

Wenn am 27. Dezember Teilnehmer aus 82 Nationen für die Weltmeisterschaften im Debattieren in Berlin zusammenkommen, dann treffen unzählige Kulturen, Religionen und Weltanschauungen aufeinander. Dass es dabei ein friedliches Miteinander gibt, darauf haben Sarah Jaglitz und Tina Reimann seit Monaten hingearbeitet. Als Verantwortliche für den Bereich „Intercultural Affairs“ der Worlds ist es ihre Aufgabe, das interkulturelle Miteinander der Teilnehmer und Helfer zu begleiten, damit für die 400 Teams aus aller Welt der Aufenthalt in Berlin so angenehm wie möglich gestaltet wird.

Tina Reimann

Tina Reimann

Ob bei Formulierung der Teilnehmerbroschüre, beim Essen oder im alltäglichen Umgang miteinander – überall lauern Fettnäpfchen, die vermieden werden wollen. Sarah und Tina haben dazu im Vorfeld Informationen über die verschiedenen Kulturkreise vorbereitet, andere Organisationsteams der Worlds beraten und die freiwilligen Helfer in Workshops für kulturelle Belange sensibilisiert.

Tina studierte Interkulturelle Kommunikation in Halle, wo sie auch Mitglied bei „klartext Halle“ war. Heute arbeitet Sie in internationalem Umfeld in China. Sarahs Debattierheimat ist der Debattierclub Greifswald e.V.. Internationale Debattiererfahrung sammelte sie unter anderem bei Welt- und Europameisterschaften. Im Jahr 2010 schaffte sie in Antalya den Halbfinaleinzug bei der Weltmeisterschaft. Heute lebt sie in Berlin und studiert in Potsdam Jüdische Studien.

Für die Achte Minute sprach Marcel Sauerbier mit Sarah und Tina über ihre interkulturellen Aufgaben auf den WUDC in Berlin 2013.

Achte Minute: Sarah, Tina, ihr wollt, dass sich die Teilnehmer  in Berlin zu Hause fühlen. Was dürfen wir uns darunter vorstellen?

Sarah: Es heißt ja: Home is where you’re happy. Jeder bei den WUDC sollte die Zeit trotz ungewohnter Umgebung genießen können und sich bei uns wohlfühlen. Deshalb überlegen wir, was die Grundvoraussetzungen dafür sind, wo die kulturellen Unterschiede zu Problemen führen könnten und wie wir dem vorbeugen. Wir wollen, dass sich die Teilnehmer so wenig Gedanken wie möglich, um die kleinen Alltagsdinge bei den WUDC zu erledigen und sich voll und ganz auf das Debattieren konzentrieren können.

Sarah Jagdlitz

Sarah Jagdlitz

Tina: Außerdem ist man zuhause mit Leuten zusammen, die man mag und bei denen man sich verstanden fühlt. Sollte es also trotz allem zu Problemen kommen, sollen die Teilnehmer das Gefühl haben, dass wir ihren Bedürfnissen, auch den kulturellen, mit Verständnis begegnen und versuchen, Lösungen dafür zu finden.

Achte Minute: Sarah, du bist nach deinem Studium in Greifswald selbst wieder nach Berlin zurückgekommen. Was fühlt sich für dich in Berlin heimisch an?

Sarah: Berlin ist unglaublich lebendig und vielseitig. Egal wofür du dich interessierst, du wirst irgendwo Gleichgesinnte finden. Und da meine ich nicht nur das Debattieren. Außerdem mag ich die Berliner Art: Trocken und etwas ruppig, aber immer menschlich.

Achte Minute: Du hast selbst interkulturelle Studien studiert, Tina. Was reizt dich an deinem WUDC-Arbeitsfeld am meisten?

Tina: Daran reizt mich vor allem, dass ich mein theoretisches Wissen in die Praxis umsetzen kann. In der Wissenschaft fokussiert man sich in der Regel auf bestimmte Kulturräume. Wann hat man aber mal die Gelegenheit zu erleben, dass so viele Kulturen aufeinander treffen? Diese Vielfalt finde ich unglaublich spannend.

Achte Minute: Was war eure größte Baustelle bis hierhin?

Sarah: Unser wichtigstes Projekt im Rahmen der WUDC sind die Helfertreffen, bei denen wir die Volunteers, die übrigens auch aus ganz unterschiedlichen Nationen kommen, auf ihre Aufgaben vorbereiten. Vom 21.-23. September fand so ein Helfertreffen in Berlin statt. Unser Ziel war es dort, die Volunteers für kulturelle Unterschiede zu sensibilisieren und ihnen Tipps zu geben, wie sie damit umgehen können. Es war unsere Chance, das Know-How weiterzugeben, aber auch die Möglichkeit, eine kleine Kostprobe der Vielfalt zu erleben, wie sie uns dann bei den Worlds begegnen wird.

Tina: Allgemein sollte man auch sagen, dass sich unseres Wissen nach das allererste Mal ein Ressort ausschließlich mit kulturellen Fragen in Bezug auf die Worlds beschäftigt. Wir leisten hier sozusagen auch ein Stück Pionierarbeit. Daher sind wir kontinuierlich dabei, unsere Rolle zu definieren und unseren Platz zwischen den anderen Ressorts zu finden.

Achte Minute: Jeder Tag bis zum Beginn der WUDC am 27.12. bringt neue Ideen, aber auch neue Herausforderungen. Wo drückt derzeit der Schuh?

Sarah:  Im Moment suchen wir noch nach Informationen bezüglich Indien und afrikanischen Ländern. Das kann sich auch auf Erfahrungen bei internationalen Debattierturnieren beziehen. So können wir nicht nur unser eigenes Wissen, sondern das der ganzen Debattierszene nutzen und in unsere Arbeit einfließen lassen.

Achte Minute: Wenn du selbst als Debattiererin dabei wärst, was würde dir am Berliner Konzept besonders ins Auge fallen?

Sarah: Hoffentlich, dass mir eben nichts auffällt, weil alles glatt läuft! Wir versuchen, viele etwaige Probleme schon jetzt mitzudenken und zu vermeiden, wie eben auch die durch kulturelle Unterschiede möglicherweise entstehenden Probleme.

Achte Minute: Die Worlds sind nicht nur für Teilnehmer und Veranstalter ein Riesenevent. Aus deiner Sicht: Wieso ist es Pflicht, bei den Worlds dabei gewesen zu sein?

Tina: Das Debattieren ist für mich etwas, das es einem ermöglicht, über Meinungen und Positionen anderer nachzudenken und so seinen Horizont zu erweitern. Bei den Worlds hat man diese Chance sogar auf internationalem Niveau. Und das direkt vor der eigenen Haustür. Dieser Erfahrungsreichtum ist für mich Grund genug, dabei zu sein.

Achte Minute: Einen Wunsch zu den Worlds – welches wäre Eurer?

Tina: Dass alles reibungslos läuft, natürlich.

Sarah: Kein Glatteis.

Die World Universities Debating Championship (WUDC oder Worlds) sind das größte Debattierturnier des Welt und finden vom 27. Dezember 2012 bis 4. Januar 2013 in Berlin statt. 400 Teams werden dort um den Titel des Weltmeisters streiten, 1400 Gäste erwartet die ausrichtende Berlin Debating Union dazu aus 82 Ländern. In 2011 fand die Weltmeisterschaft in Botswana statt. Die World Universities Debating Championship (WUDC oder Worlds) werden seit 1981 jährlich um den Jahreswechsel ausgetragen, seit 1996 immer im British Parliamentary Style.

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