Turniere der Zukunft: Ein Plädoyer

Datum: 28. Januar 2016
Redakteur:
Kategorie: Mittwochs-Feature

In den letzten Jahren hat sich die deutschsprachige Debattierszene bedeutend vergrößert: Immer mehr neue oder lange Zeit inaktiv gewesene Clubs besuchen inzwischen regelmäßig Turniere. Es gibt mehr Turniere in der Deutschsprachigen Debattierliga (DDL) als jemals zuvor, so dass die DDL-Koordinatoren zum Ende der Saison 2014/15 erstmals vier statt drei Turniere bei der Einzelrednertabelle berücksichtigt haben. Auf der ZEIT DEBATTE Mainz 2014 wollten in der ersten Anmeldephase beinahe mehr Clubs einen Teamslot haben, als zur Verfügung standen.

teilnehmer auf der DDM 2015 in Münster (c) Anna Mattes

So viele Teilnehmer wie auf einer Deutschsprachigen Meisterschaft – hier in Münster 2015 – können viele Clubs aus personellen und finanziellen Gründen nicht zu sich einladen (c) Anna Mattes

Die internationalen Turniere wurden so stark besucht, dass die deutsche Delegation auf den Weltmeisterschaften in Thessaloniki dafür plädierte, dass für die Einstufung als A-Land, das im Worlds-Council vier Stimmen erhält, eine höhere Anzahl regelmäßig teilnehmender Teams als bisher nötig ist. Das ist ein deutliches Zeichen der Zuversicht, auch zukünftig viele Teams aus dem deutschsprachigen Raum entsenden zu können.

Und nicht nur an Breite, auch an Tiefe gewinnt das Hochschuldebattieren: Immer mehr engagierte Debattanten absolvieren die Train-The-Trainer-Ausbildung, immer mehr wird Wissen auch kleineren Clubs zugänglich. Diese Entwicklungen zeigen, dass das Debattieren zu einem festen Bestandteil der deutschsprachigen Universitäten wird. Es ist sicher nicht vermessen anzunehmen, dass dieser Trend sich auch zukünftig fortsetzen wird.

Turniere, Regionalität und Austausch

Die Grundpfeiler des studentischen Debattierens sind zwei Säulen: Da wäre zunächst die Arbeit der Clubs vor Ort, die das Debattieren an die Studierenden heran tragen, Einsteigerabende planen und so neue Mitglieder werben. Diese können sich später ebenfalls engagieren, beim Ausrichten von Turnieren helfen oder sogar beim Verband der Debattierclubs an Hochschulen (VDCH) mitarbeiten.

Die zweite Säule ist die Zusammenarbeit der Clubs in einem Netzwerk: Ohne enge Verknüpfung kann das Debattieren niemals wachsen und besser werden. Ein Club kann, wenn er isoliert existiert, stets nur so viel lernen, wie sein erfahrenstes Mitglied weiß – denn gelernt wird aus dem Feedback der anderen oder dem Kopieren von Vorbildern.

Wenn man regelmäßig auf Turnieren anderen Debattierern begegnet, erweitert sich der Kreis derjenigen, von denen man lernen kann, beträchtlich. Man tauscht sich aus und verbessert vielleicht sogar die Strukturen im eigenen Club. Auch über die hier geknüpften Freundschaften und Erfahrungen entsteht eine persönliche Bindung ans Hochschuldebattieren. Dem Willen, dieses zu fördern, verdanken wir es, dass wir heute VDCH-Jurierseminare, Train-The-Trainer und eine national gesponserte Turnierreihe haben.

Herausforderung: Kapazitätsgrenzen auf Turnieren

Mit mehr Clubs und wachsenden Mitgliederzahlen kommen wir hier an Kapazitätsgrenzen. Bereits seit der vegangenen Saison ist es für die Clubs üblich, dass sie aufgrund mangelnder Teamplätze statt zwei Teams nur eines stellen können. Wenn nun aber die Clubs wachsen, dann gibt es oftmals mehr Interessenten, als mit einem Teamplatz regelmäßig bedient werden könnten. Das führt zu einer Aufteilung der Teilnahmen auf viele Clubmitglieder – was nur gerecht ist –, aber damit gleichzeitig auch zu einer geringeren Möglichkeit für Einzelne, sich besser zu entwickeln.

Es sind aber gerade diese Einzelnen, die am Ende Positionen, etwa Clubvorstände oder Ämter für den VDCH, produktiv besetzen. Sie sind tendenziell diejenigen Menschen, die das Debattieren nicht bloß verwalten, sondern auch ausbauen. Wenn zusätzlich zu den Mitgliedszahlen einzelner Clubs, wie es der Fall ist, auch die Gesamtzahl der aktiven Clubs wächst, dann wird bald nicht einmal mehr jeder Club einen ersten Teamplatz sichern können.

Lösungsansatz Eins: Mehr Turniere, mehr Dezentralität

Voraussichtlich wird es neben mehr aktiven Clubs auch mehr Turniere geben, weil neue Clubs auch neue DDL-Turniere etc. ausrichten. Auch diesen Trend können wir bereits beobachten. In der aktuellen Saison gab es erstmals an diversen Terminen mehrere Debattierveranstaltungen gleichzeitig, zum Beispiel die Einsteigerturniere in Berlin und Tübingen zeitgleich mit dem Schwarzwaldcup in Freiburg, die Einsteigerturniere in München und Magdeburg und, ebenfalls dreifach parallel, das Turnier in Jena, das VDCH-Jurierseminar und das Train-The-Trainer-Symposium, letztere beide in Hamburg. Diese Entwicklung wird helfen, dem gewachsenen Interesse an Turnierteilnahmen und den limitierten Startplätzen pro Turnier entgegenzuwirken.

Lennart Lokstein auf der DDM 2015 in Münster Entspannung Pause (c) Katharina Koerth

Lennart Lokstein (links) vernetzt sich auf der Deutschsprachigen Debattiermeisterschaft 2015 in Münster (c) Katharina Koerth

Das bedeutet aber, dass Turniere besser geplant und koordiniert werden müssen, damit sie nicht parallel in Nachbarstädten stattfinden – wie beispielsweise die Tübinger Herbstdebatten und der Freiburger Schwarzwaldcup, der infolgedessen eher mäßig besucht war, obwohl das Interesse an dem Turnier sicherlich vorhanden war. Daher sollte insbesondere die Kooperation und Abstimmung auf regionaler Ebene intensiviert und die Turnierplanung möglichst früh begonnen werden.

Mehr Turniere, auch parallel in verschiedenen Regionen, können der wachsenden Nachfrage nach Startplätzen entgegen wirken. Sie haben jedoch einen ungewünschten Nebeneffekt: Langfristig werden Clubmitglieder und –vorstände in der Szene vor allem regionale Bekanntschaften schließen, da Turniere in der Nähe den weiter entfernt stattfindenden Parallelturnieren vorgezogen werden dürften. Das bedeutet, dass sich die Szene weniger vernetzt. Wer weiter entfernte Clubs kaum kennt, kann sich mit ihnen weniger gut austauschen, sei es über Konzepte und Strukturen oder über regionale Probleme und das Verständis für sie.

Lösungansatz Zwei: Wichtige Turniere ausbauen und mehr explizite Foren

Damit auch noch in einigen Jahren die Szene gut vernetzt bleibt, ist es wichtig, dass es weiterhin genügend große Turniere gibt, an denen die ganze Szene ausreichend vertreten sein kann. Das wären heute zunächst einmal die ZEIT DEBATTEN. Diese sind allerdings bereits in der aktuellen Saison eng am Startplatzlimit, das vor allem von zwei Faktoren abhängt: Den menschlichen Ressourcen einerseits, also der Organisationskapazität des Ausrichterclubs, und der Finanzierung andererseits. Jugendherberge oder Hotel, die Socials und zum Teil auch die Finallocation sind teuer. Der Zuschuss durch den VDCH steigt jedoch für die Turniere nicht insgesamt, wenn es mehr Teilnehmer gibt. Zwar erhält das größte Turnier das meiste Geld, die anderen im Verhältnis jedoch weniger. Diesen Betrag zu erhöhen, erfordert mehr Geld. Ich schlage daher eine strategische Orientierung über fünf Wege vor:

1. Mehr Geld durch Sponsorenakquise: In diesem Bereich wird bereits intensiv nach Möglichkeiten zum Ausbau gesucht, aktuell durch die VDCH-Beiräte Tobias Kube und Sebastian Schwab. Doch nicht nur nationales Sponsoring kann Geld liefern – auch Verträge mit lokalen Partnern vor Ort können vieles erleichtern und sollten unbedingt angestrebt werden. Ebenso ist ein gutes Verhältnis zur Universitätsleitung, Stadt und örtlicher Jugendherberge oftmals sehr viel wert, was Kostenersparnis angeht, wenn etwa Räume kostenlos genutzt werden können.

2. Mehr Geld durch Neupriorisierung: Insbesondere im internationalen Debattieren auf den Europa- und Weltmeisterschaften wird großer Wert auf Komfort bis hin zu Luxus gelegt. Auch ZEIT DEBATTEN- und DDL-Ausrichter versuchen selbstredend ihr Bestes, die anderen Ausrichter preisleistungsmäßig zu übertreffen. Das führt gelegentlich zu sehr ambitionierten Unterbringungen oder Socials. Aber brauchen wir diese wirklich? Ich glaube, wir sollten uns fragen, ob man nicht vielleicht auch ohne Luxusessen am Samstagabend und ohne Sterne-Hotel auskommen kann, wenn dafür mehr Personen am Turnier teilnehmen können. Derzeit wird Komfort jedoch tendenziell immer höher priorisiert und ist oft ein ausschlaggebendes Kriterium für Bewerbung und Bewertung von Turnieren.
Die Ausrichter liefern nur, was die Teilnehmer verlangen. Und klar: Für den Einzelnen ist ein luxuriöses Turnier zum gleichen Preis besser. Daher sollten wir diese Diskussion aus einer übergeordneten Perspektive führen. Wir sollten in Zukunft zuerst fragen: “Wie viel Teilnehmern bietet ihr eine Teilnahme?” bevor wir fragen: “Was bietet ihr den Teilnehmern neben den Debatten?” Es geht darum, was wir wie sehr wertschätzen und umgesetzt sehen wollen.

3. Mehr Geld durch Innovativität: Muss das Turnier sein Limit erreicht haben, wenn ein Ausrichterclub keine Crashplätze mehr stellen kann? Oder wären einige Teilnehmer nicht vielleicht bereit, für etwas mehr Geld in die Jugendherberge zu gehen? Man könnte eine kleine Anzahl Jugendherbergsplätze reservieren und diese bei der Anmeldung für einen etwas höheren Teilnehmerbeitrag anbieten. Sollte sie keiner beanspruchen, würden sie per Los verteilt, quersubventioniert durch einen für alle Teilnehmer marginal höheren Teilnehmerbeitrag oder die Vereinskasse. Vielleicht auch durch die Deutsche Debattiergesellschaft – was immer sich finden lässt. Auch die Unterbringung in Nachbarstädten wie zum Beispiel Heidelberg und Mannheim oder Tübingen und Hohenheim ist für Teilnehmer mit Auto sicherlich zumutbar und würde gerne angenommen, wenn dadurch mehr Teamplätze entstehen können. Es liegt an den Ausrichtern der Zukunft, hier zu experimentieren.

4. Mehr Vernetzung durch Foren: Wir brauchen auf Turnieren einen dedizierten Platz für Diskussionen und Vernetzung. Die heutigen “VDCH-Foren” mangeln leider oft an Zeit sowie thematischer Vorbereitung. Ein erster Schritt wäre, dass die Veranstalter im Voraus genügend Zeit einplanen, etwa zwei Stunden parallel zur Stadtführung. Themen könnten in Ruhe behandelt werden. Es gäbe auch Platz für kritische Nachfragen an den Vorstand oder für das Einholen von Meinungsbildern. Clubs könnten sich so einfacher vernetzen und gerade über die Themen diskutieren, die mehr Zeit benötigen als die kurzen Updates des VDCH-Vorstands oder die sporadischen Turnierankündigungen, die es dort heute gibt.

5. Ausbau der Stammturniere von Vorreiterclubs: Clubs, die heute schon eine Vorreiterrolle im deutschsprachigen Debattieren und in ihren Regionen übernehmen, könnten künftig eine noch tragendere Rolle in der Vernetzung des VDCH spielen. Denn Clubs wie Berlin, Mainz und Tübingen könnten heute oder zukünftig in der Lage sein, nach den beschriebenen Vorschlägen 1.-3. auch ohne finanzielle Unterstützung durch den VDCH Turniere von der Größe einer heutigen ZEIT DEBATTE zu organisieren. Dafür muss auch nicht die Öffentlichkeitsarbeit einer ZEIT DEBATTE erfolgen. Es geht allein um die Größe der Turniere, die eine überregionale Vernetzung ermöglicht. Ob und wie diese Turniere stattfinden könnten, und ob man dafür nicht auch einen Teil der Clubfinanzen vorsehen könnte, obliegt den Clubvorständen der größeren Clubs zu überlegen. Aber überlegen sollten sie es, denn es borgt das Potential, die Szene weiter zu stärken.

Ich würde mich freuen, wenn weitere Gedanken zur Entwicklung und Zukunft des Debattierens ihren Weg in die Diskussion finden würden – vielleicht auch in Form weiterer Artikel. Auf jeden Fall aber hoffe ich, mit den angesprochenen Themen einen Denkanstoß für die nächsten Mitgliederversammlungen und Strategietreffen geliefert zu haben.

 

Mittwochs-Feature

Lennart Lokstein ist Chefredakteur der Achten Minute. Er war von 2013 bis 2015 Vorsitzender der Streitkultur e.V. in Tübingen und ist seit 2014 Mitglied der OPD-Regelkommission. Er gewann zahlreiche Turniere und erhielt auf der Deutschsprachigen Debattiermeisterschaft 2015 den Preis für die beste Finalrede. Er ist Beirat des VDCH für Jurierseminare und arbeitet an einer Masterarbeit in Allgemeiner Rhetorik zum Hochschuldebattieren in Europa.

Das Mittwochs-Feature: Jeden Mittwoch ab 10.00 Uhr stellt das Mittwochs-Feature eine Idee, Debatte, Buch oder Person in den Mittelpunkt. Wenn du selbst eine Debatte anstoßen möchtest, melde dich mit deinem Themen-Vorschlag per Mail an team [at] achteminute [dot] de.

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21 Kommentare zu “Turniere der Zukunft: Ein Plädoyer”

  1. Christof sagt:

    Wow!
    Sehr guter Artikel, sehr gute Analyse, sehr gute Denkanstöße.

    Eine kleine Ergänzung:

    Ich glaube der Prozess das wir in Zukunft mehr Turniere haben werden ist nicht ganz so Selbstverständlich. Es braucht große Clubs (wie es Tübingen zz. intensiv macht) die kleinere Clubs ansprechen, sie motivieren Turniere auszurichten und sie dabei unterstützen. So können Strukturen in den Clubs aufgebaut werden die es möglich machen das diese Clubs in der Zukunft wieder Turniere ausrichten.

    Zusammengefasst: Ich habe ein bisschen die Befürchtung das der Prozess “es gibt immer mehr Debattierclubs, die dann auch noch an Turnieren teilnehmen” den Prozess “es gibt immer mehr Turniere” mehrfach überrunden wird 🙁

  2. Nikos B. sagt:

    Sehr fein, Lennart! 🙂
    2 weitere Vorschläge:
    1. das mit dem Facebookforum hat im ersten Anlauf nur so mittel geklappt. Die Idee finde ich aber gut und da könnte man weiter drüber nachdenken.
    2. Ich finde die Idee einer German National Championship sehr spannend, also quasi einer englischsprachigen DDM. Viele Teilnehmer, großes Sponosrenpotential, attraktiver Titel.
    Würde gerne beides mal in einem AM-Artikel aufarbeiten, aber vermutlich erst nach den Klausuren… 🙂 Meinungen dazu würden mich natürlich trotzdem interessieren.

  3. Allison J. (MZ) sagt:

    Ich lese hier ziemlich gute Ideen! Punkte 1 und 3 haben wir bei unsere ZD 2014 schon versucht umzusetzen: Wir haben knapp 2.000 € über lokale Sponsoren und einen Waffelverkauf zusätzlich zu dem VDCH-Geld und den TN-Beiträgen eingenommen. Zudem schliefen um die 15 TN nicht im Hotel, sodass mehr freie Juroren anreisen konnten. Diese haben dann auch weniger bezahlt, was schon mit einkalkuliert war.
    In Zukunft sehe ich gerade hier noch Potential nach oben durch bezahlte Workshops (vllt mit Unterstützung des TtT-Programms?) oder Seminare an der Uni oder Schulen, um die Räume dort kostenlos zu erhalten. Vllt wäre dazu ein eigener Reiter im Wiki sinnvoll, wo man auch Unterlagen zur gemeinsamen Benutzung hochladen kann? Es gibt ja schon eine Facebookseite (von Nikos gegründet, wenn ich mich recht entsinne), aber die wird leider kaum genutzt.

    Punkte 2 und 5 sehe ich jedoch etwas kritisch.

    Zunächst: Ja, wir sind kein kleiner Club und können auf viel Expertise zurückgreifen. Trotzdem ist es ein Kampf genug Crashplätze für den GBC oder unser Anfängerturnier zusammen zu bekommen. Ich wüsste nicht, wie wir in MZ ohne VDCH-Geld ein Turnier in der Größe einer ZD ausrichten sollen, da wir für Schlafplätze recht hohe Summen zahlen müssen (die JuHe ist in MZ leider total abseits & man bräuchte dann Busfahrtickets, die wiederum Geld kosten etc.). Man kann das natürlich durch Clubgeld querfinanzieren. Wir wären auch bereit gewesen bei unserer letzten ZD Gelder aus einem anderen WS zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus gehende Summen wären unseren Mitgliedern aber neben der Belastung, die eine ZD sowieso mit sich bringt, kaum zu verkaufen. Unsere interne Turnierförderung wäre dann nämlich kaum mehr zu finanzieren.
    Die Frage ist also, ob man hier clubübergreifend Belastungen verteilen könnte. Die Idee der regionalen Zusammenarbeit finde ich daher sehr gut. Ansonsten sollten wir evtl. doch noch einmal über eine finanzielle Abgabe aller Clubs an den VCDH speziell zur Finanzierung von Turnieren nachdenken (natürlich von der Größe, Belastung, vllt auch dem Clubalter abhängig) – so bliebe nicht alles am Ausrichterclub hängen.

    Man kann natürlich auch einfach weiter immer höhere TN-Beiträge verlangen (siehe auch DDL-Turniere, die inzwischen regelmäßig um die 20€ kosten). Persönlich finde ich das ziemlich unfair gegenüber der SEHR GROßEN Zahl an Studis, die es sich dann einfach nicht mehr leisten können, auf Turniere zu fahren.
    Darüberhinaus würde ich schon zwischen großen prestigeträchtigen Turnieren und bspw. der DDL unterscheiden. Ich finde es ziemlich gut, dass es zumindest 5 Turniere mit vernünftigem Abendessen im Jahr gibt… Socials müssen dabei nicht teuer sein (siehe MZ, das kostet und regelmäßig nur Aufwand, weil wir selbst für den Raum verantwortlich sind). Wer mehr Debatten will und dabei Crashen auf zugigen Fußböden in Kauf nehmen kann, soll auf DDL-Turniere fahren. Im Gegenzug könnte man von VDCH-Seite bspw. auch hier an eine finanzielle Bezuschussung denken, auf die sich Clubs mit einer Mindestanzahl an Teamplätzen bewerben können.

    Jetzt bin ich auf weitere Ideen gespannt und freue mich vor allem auf Erzählungen anderer Turnierausrichter bzgl. Sponsoring, weil auf dieser Ebene leider kaum substantieller Austausch stattfindet.

  4. Philip S. (B) sagt:

    Ich schließe mich den anderen an: guter Artikel!
    Vor allem möchte ich aber Allisons Kommentar bestätigen und ergänzen:
    Die Größe eines Clubs hängt natürlich viel vom Standortvorteil und anderen Bedingungen ab, liefert aber den Grundstein um große Turniere (und viele) ausrichten zu können. Dennoch glaube ich, dass der Schlüssel in dem Mitgliederzuwachs der Clubs liegt. Vielleicht sollten sich Vereine mit limitierten Ressourcen daher zunächst stark auf die Mitgliederwerbung konzentrieren und danach erst auf Turnierausrichtung. Nicht nur hilft der Zuwachs an Potential bei der Turnierplanung, Sponsoringakquise und vielem mehr, er sichert auch die Kontinuität des Vereinslebens und damit den Erhalt von Wissen, Wo-manpower und Ressourcen.

    Meines Erachtens, lassen sich dadurch all Deine guten Ideen am besten umsetzen.

    Lieben Gruß aus der verqueren und linksgerichteten Hauptstadt

  5. Christian L. (MD) sagt:

    Ein sehr anregender Artikel.
    Hinsichtlich der Frage, wie man größere Turniere ausrichten kann, obwohl es nur einen begrenzten Bereich an Crashplätzen gibt, wollte ich anmerken, dass man als Ausrichter auch noch die Öffnung eines weiteren Raumes anbieten kann, wenn die Teilnehmer sich selber einen Crashplatz organisieren können. In einigen Schwarm- und Universitätsstädten wie Frankfurt, Hamburg, Berlin oder München, wo man sicher Verwandte oder Freunde hat, wäre dies sicher möglich. An sich ist das eine Notlösung, aber denkbar.

    Bei der Frage, ob neue und/oder kleine Clubs Turniere ausrichten sollten: Wie Philipp richtig gesagt hat muss der Schwerpunkt bei einer solchen Situation auf dem Mitgliederwachstum liegen. Allerdings wäre es ein guter zweiter Schritt, dass wenn ein Stamm an Engagierten da wäre, der ein kleines Turnier selber ausrichten könnte. Für viele junge Clubs bietet sich hier die Möglichkeit an der Universität, in der Debattierszene und in der Stadt sichtbar zu werden. Vor allem aber kann dabei ein Teambuildings-Effekt bei dem Ausrichterverein entstehen und die zwischenmenschlichen Beziehungen im Club werden gestärkt.

    Zur Frage der Abstimmung untereinander: Hier wäre ein internes Forum für Clubvorstände absolut empfehlenswert, es sind nicht nur die Turniere und die Fortbildungen auf der überregionalen Ebene die abstimmt werden müssen. Die Clubs organisieren ja auch interne Workshops und Debattierwochenenden. Wenn bspw. der Konstanzer Debattierclub zwei Trainer für ein Wochenende engagiert hat und den Termin im Sommer schon festgezurrt hat und vier Wochen vor der Veranstaltung die Tübinger ein Nachwuchsturnier bei dem Termin platzieren, dann wäre das schon sehr bedauerlich.

    Ps.: Bei dem zweiten Bild: Die wohlmeinendste Bildunterschrift, die ich je auf der Achten Minute gesehen habe. 😉

  6. Peter G. sagt:

    Um euch viel unnötige Lesearbeit zu ersparen, habe ich den Großteil meines Textes wieder gelöscht und es kommt nur eine komprimierte Form.

    “Mehr Geld durch Verzicht auf Gala-Dinner und Freibier bedeutet größeres Turnier?”
    Fehlschluss. Größe erfordert Räume, Helfer, Schlafplätze und im Übrigen auch Zeit. Nichts oder Weniges davon entsteht durch mehr Geld.
    “Mehr Clubs bedeuten mehr Turniere?”
    Fehlschluss. Das heißt nicht, dass die auch ausrichten (können oder wollen). Dafür aber sicher mehr Interesse an Turnieren teilzunehmen. Problematisch.
    “Mehr Mitglieder in Clubs bedeuten mehr Turniere?”
    Leider auch ein Fehlschluss. Problem 1: In vielen Unistädten ist das Potenzial an Debattanten schon recht gut erschöpft. Problem 2: Mitglieder kommen zunächst um zu Reden, nicht um zu organisieren. Problem 3: Mehr Clubmitglieder erhöht doch wieder den Bedarf an Turnierslots. Hier beißt sich doch die Katze in den Schwanz!

    Was bleibt?
    Die Vernetzung ist sicher gut und sinnvoll, aber mit Ausnahme des Freiburg Beispiels selten ein Problem. Und auch hier eher weniger, alle Beteiligten wussten sicherlich, dass die Termine überlappen. Einfach anzufragen bei der DDL.
    VDCH-Mitgliedsbeiträge? Viele Clubs nehmen wenig oder gar keinen Mitgliedsbeitrag. Nicht zumutbar. Zudem siehe oben.

    Kern des Problems: Reden macht mehr Spaß als organisieren. Das Interesse von Clubs und Clubmitgliedern Turniere auszurichten wird immer geringer sein, als das Interesse auf Turniere zu fahren. Das System bleibt solange stabil, bis die Grenze überschritten ist, der wir uns gerade annähern: Mehr Clubs wollen auf ein Turnier als dieses Kapazitäten bieten kann. Bis dahin haben viele Clubs schlicht auch keinen Anreiz ein Turnier auszurichten, außer man mag Stress oder glaubt durch das gewonnene Prestige etwas zu erreichen (fraglich).

    Das ist dummerweise nur für große Clubs ein Problem, die gerne mit mehr Leuten auf ein Turnier fahren wollen. Kleineren, die ohnehin nur mit einem Team anreisen, kann das ziemlich egal sein.

    Lösungsvorschlag:
    Wie in anderen Sportarten auch: Pflichtausrichtungen. Setze einen beliebigen Grenzwert an Turnierteilnahmen pro Club pro Saison. Darüber hinaus muss ausgerichtet werden. Detailvorschläge kann man sich ja mal überlegen. Ich freue mich auf die MV.

  7. Patric Flommersfeld sagt:

    Man könnte natürlich auch Anreize zum Ausrichten setzen… #nudging

    Man könnte z.B. die Startplätze bei der DDM davon abhängig machen:
    1. Runde normales Vergabeverfahren, jedem Club sollte erst ein Mal die Teilnahme ermöglicht werden.
    2. Die Zeit-Debatten/Regio Ausrichter bekommen ihren extra Platz.
    3. Die restlichen Plätze werden aus einen gesonderten Topf aller Turnierausrichter gezogen.
    4. Ziehung aus dem übrigen Rest.
    Somit würden die “Kleinen” die eh nicht mehr als 1 Team stellen können, geschweige denn ein Turnier ausrichten nicht benachteiligt. Größere Clubs würden dann einen gewissen Druck bekommen, wenn eine entsprechende Aktivität der Mitglieder vorhanden ist, ein entsprechendes Turnier auszurichten. Des Weiteren könnte man dann auch leicht die Gewichtung der Lose erhöhen, so dass z.B. ein Club der im Jahr mehr als ein Turnier veranstaltet hat entsprechend für jedes Turnier ein Los im Topf bekommt. Auch könnte man bestimmte Turniere eher belohnen. Ein DDL Turnier mit 70-80 Teilnehmern sollte hinsichtlich des Aufwands stärker gewichtet werden als ein Freundschaftsturnier mit 20-30 Teilnehmern.
    Eine Pflicht zur Ausrichtung halte ich für unfair, bzw. sehe da auch nicht Möglichkeit dies umzusetzen. Gibt sowas nicht auch Probleme mit dem Status der Gemeinnützigkeit des VDCHs, wenn man so eindeutig Clubs ausschliesst?

    Das grundsätzliche Problem scheint mir aber ein anderes: Natürlich ist der Abbau von Barrieren ein bestreben, aber können wir da wirklich einen Unterschied machen, wenn die Teilnahme an einer Zeit-Debatte nur noch 20€ statt 40€ kostet? Wenn ich quer durch die Republik muss ich immer mit viel höheren Reisekosten rechnen? Muss ich nicht in der Situation sein, es mir leisten zu können mal einen Freitag auf Arbeit oder Uni zu scheißen und mich mal für 7-8 Stunden in Bahn/Bus/blablacar setze?

    Ich glaube, dass dieser elitäre Schein, den die Debattierwelt oft hat, eben kein rein oberflächliches Phänomen ist. Wer engagiert debattieren will muss es sich in erster Linie leisten können. Daher entweder einen entsprechenden Job oder familiären Background haben, um auch mal ein Semester länger zu studieren und eben nicht Freitag und Samstag in die Uni zu gehen, oder gar einen Job nachgehen. Von daher ist es zwar durchaus ehren- und wünschenswert die Debattierwelt soweit zu öffnen wie es auch nur geht, aber am Ende kann der VDCH auch nicht in der breiten Masse Bahntickets erstatten…
    Irgendwo muss man sich damit abfinden, dass viele Studenten eben Freitags/Samstags arbeiten oder lernen müssen und somit indirekt ausgeschlossen werden.

  8. Kira (HH) sagt:

    Hey Lennart, ich finde da sind prima Vorschläge dabei, würde ab gern kurz die Finanzfrage für Ausrichter feedbacken: 1. Es gibt ja seit jeher für ZEIT DEBATTEN und Meisterschaften eine Priorisierung der Teilnehmerzahl, indem der Verteilungsschlüssel nach TN-Zahl angepasst wird. Das heisst: Mehr TN, mehr Geld. Das muss man übrigens auch nicht unbedingt gut finden, weil er de facto Ausrichter ziemlich im Unklaren darüber lässt, wieviel sie am Ende bei der MV bekommen. 2. Ich habe glaube ich noch nie von einem Turnier gehört, dass nicht die günstigste Unterbringungsmöglichkeit gewählt hat, mit Ausnahme der Berliner DDM, die in finanzieller Hinsicht eine grosse Ausnahme war. Ich wäre auf Beispiele gespannt, und glaube ehrlich, dass die ZEIT DEBATTEN Budgets inzwischen so eng sind, dass man sich das auch schlicht nicht leisten kann. GalaAbend Budgets dagegen sind Stellschrauben, an denen man bis zum Turniertag selbst noch drehen kann – die TNZahl dagegen muss weit davor feststehen, bevor man über viele Budgetpunkte Sicherheit hat. Ich möchte damit sagen: Ich sehe hier keine Spielräume, und ich sehe die Anreize für Ausrichter, gerade an der TNZahl zu drehen, schon sehr sehr hoch.

  9. Christian (MZ) sagt:

    Ich persönlich finde auch den Punkt der Vernetzung spannend. Da bieten sich selbstverständlich die VDCH-Foren auf Turnieren an, aber vielleicht gibts auch noch andere Möglichkeiten, sich regelmäßig zu treffen und auszutauschen? Denn bei Turnieren ist man ja oft auch mal froh, wenn man mal eine Pause hat.
    Der Kick-Off ist ja eine super Sache in puncto Vernetzung und Austausch. Vielleicht könnte man etwas kleineres in der Richtung auch öfter veranstalten, auf Crash- und Selbstkostenbasis? Ein bis zwei bis drei mal im Jahr oder so. Jeder kann Themen mitbringen und jeder kann hin kommen und dann kann man mal informell diskutieren und Wissen austauschen? Klar, irgendwer muss das am Ende wieder koordinieren und so. Vielleicht kann man das ja ähnlich wie die Jurierseminare handhaben über einen Beirat Vernetzung und Austausch oder so etwas, nur mal eine Idee 🙂 Man könnte vorher Ideen sammeln, über die die Leute sich austauschen möchten (Verbandsfragen, aber auch Kleinigkeiten aus dem Clubtagesgeschäft), dann dazu einladen und dann mal sehen, wie viele Leute an so etwas Interesse haben. Und die Ergebnisse kann man natürlich auch dem Wiki zur Verfügung stellen und sei es nur in Protokollform (Transparenz und so).

  10. Andreas Lazar sagt:

    Sehr guter Artikel Lennart, vielen Dank dafür! Mehr Turniere gleich welcher Größe sind ein uneingeschränktes gesellschaftliches Gut!

    Könnte es nicht möglich sein, Turnierkapazitäten durch mehr Crashplätze zu steigern? In Großbritannien und Irland läuft es schon lange gut, viele preiswerte Turniere dadurch anbieten zu können, dass die Teilnehmenden sich ihr Essen selbst besorgen und bei Studierenden der ausrichtenden Uni crashen (auch wenn das dann zu zweit auf dem nicht so sauberen Boden eines 7m²-Wohnheimszimmers sein kann …) Ich glaube, die Debattierclubs dort geben auch Nichtmitgliedern ihrer Clubs kleine finanzielle Anreize, Debattierende bei sich aufzunehmen, um genug Crashplätze zu sichern. Warum sollte das nicht auch hierzulande möglich sein?

  11. Johannes S. (Freiburg) sagt:

    Zum Thema mehr Turniere und einfachere Turnierorganisation:

    Woher kommt eigentlich die Idee, dass die Turnierausrichter ein “All-Inclusive-Rundum-Sorglos-Paket” zu möglichst wenig Geld auf die Beine stellen müssen? Sofern ein Club die Möglichkeit hat über kostenlose Räume zu verfügen, könnte man theoretisch auch Turniere ohne Startgebühr anbieten, bei dem sich die Teilnehmer selbst versorgen.
    Mit Zürich und Karlsruhe haben wir vor Jahren einmal etwas Ähnliches gemacht und zu einem kleinen, kostenlosen Freundschaftsturnier geladen. Wir haben lediglich ein paar Flaschen Wasser und Knabbereien besorgt und daneben eine Kasse für die Selbstkosten (19 Cent die Flasche Wasser) gestellt. Genügend Schnell-Essenslokalitäten gibt es bei uns rund um die Uni en masse, sodass jeder nach seiner Façon gestärkt aus der Mittagspause kommen konnte.
    Aufgrund der Distanzen entfiel die Übernachtung, aber warum sollten sich Teilnehmer nicht auch selbst um die evtl. anfallende Übernachtung kümmern? Entweder kennt man ohnehin jemanden, findet was mit Couchsurfing, AirBnB oder greift auf die gute alte JuHe zurück, die mehr oder weniger geeignet in jeder Unistadt zu finden ist. Zusätzlich können die Veranstalter ja auch ein paar Crashplätze anbieten oder zur Not die Leute auf Isos auf den Böden der Veranstaltungsräume übernachten lassen. Hat zwar alles weniger Komfort, aber hey: es geht hier um das Debattieren, nicht darum, eine gemütliche Städtetour mit 5-Sterne-Hotel zu buchen.
    Ich glaube, wenn Turnierausrichter sich nicht mehr um die Essensversorgung und Übernachtung kümmern müssen, würde das auch kleineren Clubs, die ohnehin nur begrenzt helfende Hände zur Verfügung haben, leichter ermöglichen, Turniere zu veranstalten und diesbezügliche Hemmschwellen abzubauen.
    Während meiner Vorstandszeit ist mir noch ein anderes Turnierkonzept durch den Kopf geschwirrt, was ich jedoch aufgrund der höheren Kosten letztendlich nicht umsetzte. Prinzipiell ist es aber eine sehr interessante Idee und gerade wenn man mehr Komfort haben möchte, vielleicht auch für hoffentlich weitere Methusalemturniere, eine Option: Turniere in Tagungshäusern!
    Viele Universitäten besitzen Tagungshäußer (Uni Freiburg in Himmelreich; in Freudenstadt betreibt die Uni Tübingen zusammen mit dem KIT eines). Außerdem gibt es viele Tagungshäuser von den Landeskirchen und selbstverständlich auch „normale“ Business-Tagungshäuser (letztere sind wahrscheinlich am teuersten).
    Vorteile:
    – Übernachtung und Turnier sind an einem Ort
    – Zimmer sind in der Regel deutlich besser als JuHe
    – Arbeit für Turnierausrichter wegen Vollpension marginal
    – Bei Methusalemturnieren können Familien und Kinder mitkommen und Alternativprogramm unternehmen (Wanderungen, Sport etc.)
    – Turniere könnten auch an unifernen und landschaftlich schönen Standorten durchgeführt werden
    Nachteile:
    – Kosten sind aufgrund der Vollpension höher
    – Geringere zeitliche Flexibilität, da die Essenszeiten in der Regel fix sind
    – Haus muss über ausreichend Vorrundenräume verfügen
    – Teilnehmerzahl ist in Abhängigkeit des Hauses enger limitiert
    – Abendveranstaltung (Party) im Haus kann unter Umständen andere Gäste stören

    PS: Ich weiß nicht warum, aber die pompösen Galaabende auf den DDMs haben mich selten überzeugt. Sofern man da etwas einsparen kann, hätte ich damit keine Probleme gehabt, die Abendveranstaltung lieber in einer etwas bodenständigeren Location mit „einfachem“ Essen zu veranstalten. Auch hier: es geht ums Debattieren – wenn ich ein Fünf-Gänge-Menü in Abendgarderobe genießen möchte, kann ich auch privat in ein gehobenes Restaurant meiner Wahl gehen.

  12. Konrad Tübingen sagt:

    Ich glaube jeder der schon mal in England auf einem Turnier war schätzt die deutsche Turnierorga. Turniere sind einfach nicht nur Debatte Debatte Debatte sondern auch soziales Event. Und das wird durch ein bisschen Komfort verbessert.
    Bisher gefällt mir der deutsche weg über vdch und Kooperation zwischen Clubs besser. Es ist etwas anstrengender aber das Ergebnis ist auch deutlich besser.

  13. Patric Flommersfeld sagt:

    Da muss ich Konrad zustimmen. Die 2 englischen Turniere auf denen ich bisher war, waren mit Abstand die schlechtesten an die ich mich zurückerrinnern kann. Man hetzt nur von einer Debatte zur nächsten und hockt in den 30-45 Minuten Pause mit den anderen Ausländern/Newbies in einem x-beliebigen Sandwichshop, weil die anderen Clubs jeweils separat Tische in den umliegenden, überfüllten Restaurants gebucht haben…die lassen es einen spüren, wenn man nicht zur Szene gehört…..neeeeeeee, da fliege ich lieber nochmal zur Yonsei und tue mir ein nicht ganz so hohes Debattenniveau an und werde dafür mit viel Soju und noch mehr korrekten Leuten entschädigt!

  14. Benedikt R. (HD) sagt:

    Was bringt es mir, wenn ein Turnier in der Anmeldung günstiger ist, aber ich dann beim Döner 4€ bezahle statt mit Massenrabatt von 3€, was bereits bei der Anmeldung enthalten ist?
    Und noch dazu lange Warteschlangen, weil die Bude nebenan auf einmal überfüllt ist?
    Nach einem Auslandssemester / gerade mal drei internationalen Turnieren muss ich sagen, dass m.E.n. gerade die Vollverpflegung sowie das gesamte Rund-um-sorglos Paket etwas ist das dt Turniere auszeichnet. Die Kosten für Essen hat man, wenn man nicht hungern will, so oder so.

  15. Andreas Lazar sagt:

    Ganz schön verwöhnte Ansichten 😛 Meines Erachtens sind Debattierturniere zum Debattieren da und nicht zum Essen von Gourmetmenüs oder Schlafen in Luxusho(s)tels. Ich habe in mehr als 40 Turnieren außerhalb Deutschlands auch so einiges erlebt, von einem Crash, bei dem der Boden vor Dreck buchstäblich geklebt hat, über zwei verächtlich dahingeworfene Tüten Instantkaffee für 100+ Teilnehmende, bis zu Botswana Worlds. Aber ich habe fast immer mehr langfristigen Debattiernutzen mitgenommen, als ich kurzfristigen Komfortschaden erlitten habe. Wir müssen es hier im deutschsprachigen Raum nicht gar so weit treiben und unsere etablierten Standards ganz aufgeben; aber wenn wir mehr Turniere für mehr Menschen zu gleichen oder geringeren Preisen organisieren möchten, was ich für sehr sinnvoll halte, da mehr Turniere wie geschrieben ein uneingeschränktes gesellschaftliches Gut sind, sollten wir unsere Standards und Erwartungen an Komfort und Rundumversorgung etwas senken.

  16. Johannes S. (Freiburg) sagt:

    @Benedikt: Es geht darum, Ideen zu sammeln, die die Organisation von Turnieren einfacher für die Veranstalter machen. Wenn, wie Lennart in seinem Artikel aufgezeigt hat, immer mehr Clubs auf Turniere drängen, sodass die Kapazitäten auf den bisherigen Turnieren immer knapper werden, besteht eine Kompensationsmöglichkeit darin, mehr Turniere (auch parallel) anzubieten. Da dies unmöglich von den bisherigen Clubs, die regelmäßig Turniere anbieten, vollständig kompensiert werden kann, müssen neue Turnierausrichter gewonnen werden. Ich finde es toll, dass z.B. Tübingen bereits jetzt zum Teil drei Turniere pro Jahr anbietet. Aber wenn man nun noch von ihnen einfordert, aufgrund doppelt so vieler VDCH-Clubs wie vor 8 Jahren auch doppelt so viele Turniere auszurichten, wage ich zu bezweifeln, dass das auf große Begeisterung stößt und schlicht und ergreifend auch den Club an seine Grenzen bringt, wenn sie nun alle zwei Monate ein Turnier ausrichten dürfen. (Ich lass mich aber gerne des Gegenteils überzeugen 😉 ) Das heißt, es müssen Ideen her, die auch junge und personell nicht so großzügig besetzte Clubs ermutigen, Turniere auszurichten, um den gestiegenen Turnierbedarf zu decken. Ich denke hier an Clubs, die vielleicht mit Ach und Krach unter der Woche eine OPD-Debatte ohne FFR auf die Beine stellen, wovon nicht alle dann auch am Turnier helfen können. Ich sehe das ein wenig anders als Philip. Bevor ein kleiner Club eine ZEIT-Debatte ausrichtet, sollte er in der Tat vorher erst genügend Mitglieder besitzen und sich zunächst um Nachwuchs kümmern. Beim aktuellen Trend ist das aber nur noch mittelfristig machbar und ich hoffe, dass in Zukunft auch kleinere Clubs kleinere Turniere ausrichten können. Dazu versuche ich mit meinen Überlegungen beizutragen.
    Ich denke, jeder der selbst bereits einmal ein Turnier ausgerichtet hat, weiß, was es bedeutet, ein solches Event zu veranstalten. Und es ist definitiv nicht gerade einfach, vier Mahlzeiten für 8,50 Euro pro Person zu organisieren, die auch noch abwechslungsreich und qualitativ akzeptabel sind und sowohl karnivore, vegetarische und inzwischen sogar vegane Wünsche berücksichtigen. Wenn das Debattieren weiterhin dem Inklusionstrend folgt und versucht, es jeder Minorität recht zu machen (siehe Gender-Pronouns-Frage), dann kommen demnächst auch noch koschere und Halāl-Essenswünsche hinzu, wie es bereits bei den Worlds der Fall ist.
    Wenn wir also mehr Turniere haben wollen und diese auch von Clubs ausgerichtet haben wollen, die personell nicht in der Lage sind, ein Rundum-Sorglos-Paket auf die Beine zu stellen, dann heißt das leider aber, dass man Abstriche in Kauf nehmen muss. Aus meiner Turnierausrichtererfahrung her am einfachsten lässt sich dies im Punkt der Versorgung umsetzen, in dem man eben (Teil-)Selbstversorgerturniere hinnimmt. Das bedeutet ja nicht, dass nun alle Turniere Selbstversorgerturniere werden!
    Unterm Strich: Wenn es letztendlich nun heißt, dass du auf einem Turnier für deinen Hummus-Pide statt mengenrabattierten drei Euro nun vier Euro zahlen und diesen ggf. vielleicht sogar noch selber in der Mittagspause abholen musst, ist das vielleicht für dich schlimm, aber immer noch besser, als wenn du gar nicht auf ein Turnier hättest fahren können, weil euer Club bei der Verlosung der 20 zur Verfügung stehenden Teamslots aufgrund 40 interessierter Clubs leer ausging…
    Auch glaube ich nicht, dass dadurch der soziale Charakter von Turnieren komplett verloren geht, wie es Konrad befürchtet.
    Wenn man lieber weniger Aufwand und stattdessen Komfort haben möchte, gibt es wie gesagt ja auch die Idee der Tagungshäuser. Allerdings kostet dann dort ein einfaches DDL-Turnier fast so viel wie ein ZEIT-Turnier oder die DDM.
    Letztendlich bleibt es eine Abwägung zwischen Status Quo (immer mehr Clubs wollen auf die wenigen Turniere) oder Vereinfachung von Turnierausrichtung für kleinere Clubs durch entweder Qualitätseinbußen oder deutlich teureren Turnieren.

  17. Benedikt R. (HD) sagt:

    Zugegeben habe ich das oben etwas provokativ-verallgemeinernd und ohne weitere Analyse in den Raum geworfen, deshalb vielleicht etwas ausführlicher:
    Zum Thema verwöhnt / in Richtung Andreas Post: Natürlich brauche ich auch keine Luxusmenüs bei Turnieren. Wenn man sich aber überlegt, dass man ja zu Hause auch konsumiert hätte, frage ich mich, warum wir bei Turnieren den Standard sogar noch unter mein normales studentisches Niveau legen sollen? Als wir in Heidelberg für ein Turnier eingekauft haben, haben wir beim Einkaufen immer penibel auf den Preis geschaut und teilweise Dinge gekauft, die ich nicht mal selbst sonst kaufen würde. Und das obwohl die Grenzkosten pro Person dank Großpackungen denke ich geringer sind als meine normalen Aufwendungen zum Essen.
    Zur Vereinfachung der Turniere / Johannes: Sowohl Lennart als auch du haben vollkommen Recht, dass mehr Turniere wünschenswert sind und eine Vereinfachung der Orga hier ein guter Punkt ist, insbesondere für kleinere Vereine. Während ich diesen Grund vollkommen akzeptiere, möchte ich ihn jedoch eindeutig von der Geldfrage, die ja oben auch angestoßen ist, trennen: Letztlich ist hier der wunde Punkt ja nicht der Verein, sondern der Teilnehmende. Falls die Vereine trotz allen Bemühungen mit dem Geld nicht auskommen, hat man zwei Möglichkeiten: Leistungen / Mahlzeiten kürzen oder Beiträge erhöhen. Bei Letzterem wird oft gesagt, dass dies Leute ausschließt. Dagegen zwei Gründe: 1. Ich glaube immer noch, das zentral organisierte Verpflegung zumindest im Mittel günstiger ist. Natürlich sind dann erwähnte Humus-Halal-Ausnahmen damit nicht inbegriffen. Oftmals wird dann ja von der Orga aber den betreffenden Leuten gesagt: “Schau hier um die Ecke gibt es den und den Falafel-Laden etc. ” Die Kosten, sich hier dann selbst etwas zu besorgen, sind damit nicht höher, als wenn dies von vorneherein so gehandhabt wäre. 2. Einige Vereine bezuschussen Turniere. Während also bei einem etwas höheren Beitrag dann womöglich auch ein höhrer Zuschuss dabei wäre, muss ich bei Selbstversorgerturnieren meine Mahlzeiten komplett selbstbezahlen.
    Fazit: In der Abwägung Turnier / Kein-Turnier aufgrund Organisationskapazitäten kleiner Vereine: Zustimmung, Mahlzeiten zu kürzen. In der Abwägung 10€ weniger Teilnehmerbeitrag gegen weniger Essen glaube ich, dass das eine Milchmädchenrechnung wird.

  18. Jonathan Scholbach sagt:

    Wir sollten den DDG-Galaabend streichen und das Geld lieber in ein DDL-Turnier investieren.

  19. Peter G. sagt:

    Ich halte es noch immer für eine Behauptung, dass wegen mangelnder Finanzmittel ein Turnier nicht ausgerichtet wird. Es fehlt nicht an Geld, es fehlt an Willen, Zeit und (Wo)Manpower.
    Aber wenn es tatsächlich irgendwen von der Ausrichtung abhält, dann erhöht einfach die TN-Beiträge. Dazu mal was zum Ausschluss von finanzschwachen Studenten bei teureren Turnieren. Ob ein Turnier 10, 20 oder 30€ mehr kostet ist dafür schlicht völlig irrelevant. Teuer sind nicht die Startgebühren, sondern die Fahrten. Auch wenn man die Mfg oder den Fernbus wählt übersteigen diese Kosten die TN-Beiträge um ein Vielfaches. Weiterhin ist das a) nicht immer möglich, je nach Angebot, b) können auch die mal spontan absagen oder man hat c) keine 10 Std Zeit um den Fernbus der Bahn vorzuziehen etc. Und noch was: Jedes weitere organisierte Turnier schließt finanzschwache Debattanten faktisch aus. Irgendwann kann ich’s mir nicht mehr leisten, egal wie gering der TNB ist. Übrigens gilt das auch für die verfügbare Zeit, nicht nur das Geld. Ich könnte mir unser Hobby in diesem Umfang ohne Nebenjob überhaupt nicht leisten. Und auch für diesen braucht man zusätzlich Zeit, die schlicht nicht jeder hat.
    Macht euch mal frei von dem Gedanken wir wären so integrativ, dass jeder die gleichen Chancen hat. Das ist einfach völliger Unfug. Und wenn dieser Gedanke zu weniger Turnieren führt (was ich nach wie vor bezweifle), weil Clubs nicht ausrichten, weil man sich nicht traut nen höheren Beitrag zu nehmen, dann stellt euch der Realität.
    Wenn ein teures Turnier ausgerichtet wird, statt nicht ausgerichtet zu werden, so ist das für niemanden ein Verlust, evtl. aber für einige ein Gewinn.
    Dennoch halte ich die Finanzierung für ein nebensächliches Problem.

  20. @Peter G.: I second that!

    Wann immer die Frage aufgeworfen wird, warum Debattieren nicht divers genug ist, dann stellt euch die Frage, wie viele Leute, die nicht bereits in der zweiten oder dritten Generation Akademiker sind, es sich leisten können, an Wochenenden quer durch die Republik zu fahren, anstatt für den eigenen Lebensunterhalt zu arbeiten. Debattieren ist ein verdammt kostspieliges Hobby, insbesondere wenn man international unterwegs ist – wen von uns Heavy usern juckt es also wirklich, ob ich 10 oder 20 EUR TN-Beitrag zahlen muss?

  21. Sabrina Effenberger sagt:

    Wir als DDL-Koordinatoren reden gerade momentan wieder mit einigen kleineren Clubs und versuchen sie zu ermutigen, ein Turnier auszurichten. Meistens stoßen wir da auf Probleme, die nur im zweiten Schritt tatsächlich etwas mit Geld zu tun haben. Die meisten Clubs “leiden” unter dem Druck, den sie sich selbst machen und unter dem sie sich aus der Debattierlandschaft wähnen: Größer, besonderer, besser. Da sind fantastische Ideen und Wünsche nach Finallocations, die einer ZEIT-Debatte oder Regio würdig wären. Wenn da noch die ganz normalen Crashpplatzprobleme hinzu kommen, entscheiden sich viele gegen eine Ausrichtung.
    Wir erleben, dass vor allem kleine Clubs gerne durch den Wow-Effekt das Lob der Szene erhoffen, aber weder ist eine Finallocation notwendig, noch muss ein eigener Club gemietet werden. Meistens reicht ein Partykeller oder eine Grillparty im Freien völlig aus. Worauf es ankommt, ist die Stimmung die verbreitet wird. Beim HeidelBÄM schaffen wir es eigentlich immer uns nur aus den 100€ DDG-Unterstützung und einem TNB von 10€ zu finanzieren. Das reicht. Zumal ein Turnier nun wirklich nicht von Freitag Abend bis Sonntag Nachmittag dauern muss.
    Wir sollten vorsichtig sein, immer mehr zu fordern. Jetzt könnte man natürlich sagen: gebt den kleinen Clubs mehr Geld, dann können die (auch wirklich guten) Ideen realisiert werden. Aber das fördert doch nur einen Trend, der uns zu immer weniger Turnieren bringt. Die Low-budget-Turniere sind die, auf denen wir uns regelmäßig sehen und die für die Turnierausrichter auch stemmbar sind.

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