Tübingen ist Deutschsprachiger Debattiermeister 2016

Datum: 30. Mai 2016
Redakteur:
Kategorie: Turniere, VDCH, ZEIT DEBATTE
Finalisten (v.l.n.r.): Peter Giertzuch, Jakobus Jaspersen, Sven Schuppener, Marion Seiche, Konrad Gütschow, Alexander Hans, Lennart Lokstein und Pegah Maham - © Matthias Carcassona

Finalisten (v.l.n.r.): Peter Giertzuch, Jakobus Jaspersen, Sven Schuppener, Marion Seiche, Konrad Gütschow, Alexander Hans, Lennart Lokstein und Pegah Maham – © Matthias Carcasona

Der Titel des Deutschsprachigen Debattiermeisters 2016 geht an die Streitkultur e.V. nach Tübingen. Konrad Gütschow und Lennart Lokstein gewannen das Finale in der Alten Aula der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg aus der Schließenden Opposition zum Thema “Dieses Haus bedauert den hohen Stellenwert von Arbeit für das Selbst- und Fremdbild von Menschen.” Das Thema wurde vom Publikum ausgewählt, zur Alternative stand das Thema “Dieses Haus begrüßt den Bedeutungsverlust von ehemals großen Volksparteien zugunsten des Erstarkens von kleineren Parteien.” Die übrigen Teams waren in der Eröffnenden Regierung vom Debattierclub Goethes Faust e.V. aus Frankfurt (Marion Seiche, Sven Schuppener), in der Eröffnenden Opposition von der Rederei e.V. aus Heidelberg (Jakobus Jaspersen, Peter Giertzuch) und in der Schließenden Regierung von der Berlin Debating Union e.V. (Alexander Hans, Pegah Maham). Die Entscheidung traf die studentische Jury, bestehend aus den Chefjuroren Willy Witthaut (Hauptjuror des Finales), Tobias Kube, Barbara Schunicht sowie den Juroren Andreas C. Lazar und Christian Strunck, in einer 3:1:1 gesplitteten Entscheidung.

Voll besetzter Finalraum in der Alten Aula der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg - © Matthias Carcassona

Voll besetzter Finalraum in der Alten Aula der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – © Matthias Carcasona

Zum Besten Finalredner der Deutschsprachigen Debattiermeisterschaft (DDM) kürte die Ehrenjury Lennart Lokstein. Die Ehrenjury bestand aus Prof. Dr. Dieter W. Heermann (Prorektor der Universität Heidelberg), MdL Muhterem Aras (Präsidentin des baden-württembergischen Landtags, Grüne), MdB Lothar Binding (SPD), Regina Bossert (Leiterin der LpB-Außenstelle Heidelberg), Dr. Norbert Lehmann (Magazinleiter und Moderator des ZDF) und Daniel Sommer (Deutsche Debattiergesellschaft e.V.). Moderiert wurde das Finale von Sarah Kempf. Eine Videoaufnahme des Finales wurde bereits veröffentlicht:

Darüber hinaus war am Samstagabend von der Deutschen Debattiergesellschaft e.V. der jährlich auf der DDM vergebene Nachwuchspreis an Florian Schneider von der BiTS Debating Society verliehen worden. Die Achte Minute veröffentlicht im Laufe der Woche noch ein Interview mit Florian.

An der DDM 2016 nahmen insgesamt 68 Teams aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Form der kürzlich dem VDCH beigetretenen Oxford Union auch aus England teil. Ausrichter war der Debating Club Heidelberg e.V.

Alle Themen des Turniers in der Übersicht:

VR1: Dieses Haus bereut den Bologna-Prozess.

Factsheet: Als Bologna-Prozess wird eine auf europaweite Harmonisierung von Studiengängen und -abschlüssen sowie auf internationale Mobilität der Studierenden zielende transnationale Hochschulreform bezeichnet, die auf die Schaffung eines einheitlichen Europäischen Hochschulraums gerichtet ist. Wesentliche Elemente der Harmonisierung sind ein zweistufiges System berufsqualifizierender Studienabschlüsse (typischerweise in der Form von Bachelor und Master), die durchgängige Etablierung des European Credit Transfer System (ECTS), eine vereinheitlichte Qualitätssicherung im Hochschulbereich und eine auf Beschäftigungsfähigkeit (Employability) am Arbeitsmarkt zielende Ausrichtung der Studiengänge.

VR2: DHG Frauen- und Menschenrechtsorganisationen sollten Frauen in oppressiven Staaten nicht zu sexueller Freizügigkeit ermuntern, wenn diese dort unter schwerer Strafe steht.

VR3: DH bedauert die zunehmende Finanzierung von Profisportvereinen durch private Investoren.

VR4: DHW Gated Communities verbieten.

Factsheet: Eine Gated Community beschreibt einen geschlossenen Wohnkomplex mit verschiedenen Arten von Zugangsbeschränkungen. Die Größe von Gated Communites variiert von einzelnen bewachten Appartementblöcken bis hin zu großflächigen Siedlungen mit über 100.000 Einwohnern mit eigenfinanzierter Infrastruktur wie Einkaufsmöglichkeiten, Gemeinschaftseinrichtungen, Schulen sowie Krankenhäusern, Bürozentren und Arbeitsstätten. Seit den 1970er Jahren ist die Anzahl der geschlossenen Wohngegenden kontinuierlich gestiegen, vor allem in den Ballungszentren Nord- und Südamerikas. Auch in Asien und Europa gibt es seit Beginn des 21. Jahrhunderts diese Art von Wohnform.

VR5: DH begrüßt die Entstehung einer Bewegung, die Übergewicht als Kultur zelebriert. (Fativism: “I’m proud to be fat.”) 

VR6: DH verbietet international den Einsatz autonomer Kampfroboter.

Factsheet: Überall auf der Welt wird zurzeit intensiv an Autonomen Waffensystemen geforscht. Experten gehen einstimmig davon aus, dass es in Zukunft möglich sein wird, autonome Kampfroboter herzustellen. Die für die Bewegung und das Treffen von Entscheidungen notwendigen Algorithmen würden zwar von Menschen programmiert werden; im Einsatz würden die Roboter dann allerdings gemäß den von den Programmierern vorgegeben Parametern eigenständig handeln und entscheiden können. Sie unterlägen keiner Echtzeit-Kontrolle durch einen Menschen.

VR7: In Fällen, in denen ein gesellschaftlich relevanter wissenschaftlicher Nutzen der Forschung eindeutig absehbar ist, erlaubt dieses Haus Forschungsprojekte trotz ethischer Bedenken.

Factsheet: Zahlreiche Länder haben Gesetze erlassen, die die Forschung in bestimmten Bereichen verbieten oder zumindest erheblich erschweren. Dies geschieht unter anderem aus ethischen Bedenken. Beispielsweise ist es in vielen Ländern verboten, embryonale Stammzellen zu Forschungszwecken aus abgetriebenen Embryonen zu gewinnen. Ferner sind Versuche zum Klonen von Menschen oder das Vermengen von Erbinformationen verschiedener Eizellen mit dem Ziel einer Hybrid- oder Chimärenbildung verboten, obwohl all diese Verfahren auf ein erhebliches Heilpotential in der Medizin hoffen lassen. Strikte Restriktionen gibt es auch für die Forschung mit gentechnisch veränderten Pflanzen oder Tieren, die es kaum möglich machen, solche unter “normalen” Umweltbedingungen zu erproben.

Viertelfinale: DHG in Industriestaaten ist Umverteilung mit dem Ziel einer Einkommens- und Vermögensgleichheit wichtiger als Wirtschaftswachstum.

Halbinale: DH als Mitgliedsstaat der NATO würde allen Einheimischen aus Krisen- und Kriegsgebieten, die NATO-Einsatzkräften über längere Zeit vor Ort geholfen haben, zusammen mit ihren Familien ein unbedingtes und unbefristetes Aufenthaltsrecht gewähren.

Finale: DH bedauert den hohen Stellenwert von Arbeit für das Selbst- und Fremdbild von Menschen.

lok./hug.

01.06.2016, 11:43 Uhr – alternatives Finalthema hinzugefügt/lok.

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2 Kommentare zu “Tübingen ist Deutschsprachiger Debattiermeister 2016”

  1. Daniil sagt:

    Vielen Dank an alle Beteiligten für das schöne Turnier!

    Ich habe nur einen einzigen Kritikpunkt: “Metrik” ist ein irreführender Modebegriff, der schon an sich problematisch ist, solange nicht erklärt wird, was genau gemeint ist (in der Regel Maßstab, ab und zu aber auch was anderes). Und in ein öffentliches Finale gehört dieses debattierinterne Wort einfach nicht hin. Die Teams haben allesamt einen tollen Job gemacht, ihnen gebührt hohe Annerkennung, aber auch von den Fehlern der Profis kann man lernen!

  2. Alex (HD) sagt:

    Ooh, Daniil, Dein Wort in DS’ Ohr!

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