“Mir ist es wichtig, das Image des Debattierens ein wenig aufzupolieren” – Sabrina Effenberger kandidiert für den VDCH

Datum: 18. August 2016
Redakteur:
Kategorie: Menschen, Themen, VDCH

Die Heidelbergerin Sabrina Effenberger hat sich entschlossen, ihre Kandidatur für das Amt des Vizepräsidenten für die Turnierbetreuung bei der Achten Minute zu verkünden. Aufgrund einer Stimmbandentzündung unserer Redakteurin Jule wurde das Interview erneut per Chat geführt.

Hallo Sabrina, du bist schon die zweite Person, die ihre Kandiatur über die Achte Minute bekannt gibt. Wofür willst du kandidieren?
Hallo Jule! Ich möchte mich für den Posten der Turnierbetreuung bewerben. Das ist der Vorstandsposten, den Nikos momentan noch besetzt.

 Sabrina auf der DDM 16 breit grinsend © Matthias Carcasona

Sabrina auf der DDM 2016 – © Matthias Carcasona

Warum genau dieser Posten?
Vor allem glaube ich, dass ich meine eigenen Stärken so am besten einbringen kann. Ich habe in den letzten drei Jahren um die 50 Turniere mitgenommen, selbst welche ausgerichtet und durch meinen Job als DDL-Koordinatorin in den letzten zwei Jahren schon etwas Erfahrung sammeln können. Dabei ging es auch hauptsächlich um die Betreuung neuer Turnierorganisatoren. Natürlich ist der VDCH da viel größer, aber ich freue mich auf diese Herausforderung. Außerdem gefällt mir die Rolle als Vermittlerin zwischen der ZEIT und den Menschen in Debattierland. 🙂

In der Tat hast du zwei Jahre DDL-Koordinatorin gemacht, kannst du das jetzt guten Gewissens hinter dir lassen?
Ehrlich gesagt werde ich die Arbeit auf jeden Fall vermissen. Es hat viel Spaß gemacht, die Liga mitzugestalten und sich immer wieder Gedanken darüber zu machen, in welche Richtung es gehen soll – bei dem Antrag mit den Thementurnieren im letzten Jahr beispielsweise. Aber Alex Osterkorn und Habakuk Hain werden es im nächsten Jahr sicher wirklich gut weitermachen. Da kann ich sie guten Gewissens abgeben. 🙂

Du bist zwar schon recht bekannt im Debattieren, aber könntest du dich trotzdem noch einmal vorstellen?
Ich debattiere seit drei Jahren in der Rederei Heidelberg, wo ich nebenbei Politik und Germanistik auf Lehramt studiere. Bis zum Staatsexamen brauche ich noch etwa zwei Jahre. Trotzdem bin ich nur sehr selten tatsächlich zuhause, sondern meistens auf Debattierturnieren irgendwo in Deutschland unterwegs oder ich verbringe das Wochenende in Hamburg. Solang ich nicht hungrig bin, bin ich eigentlich immer gut gelaunt und mag es, Menschen um mich herum zu haben. Eine gewisse Tollpatschigkeit kann ich leider auch nicht leugnen. 😉

Was würdest du im Falle deiner Wahl gerne  im VDCH bewirken?
Mir ist es wichtig, das Image des Debattierens ein wenig aufzupolieren. Ich glaube, viele stellen sich darunter noch immer entweder eine diskutierende, abgehobene Elite oder eine Art Stammtisch vor. Wir gelten einfach nicht als cool und haben es damit schwer gegenüber den Fachschaften und anderen politischen Angeboten. Bei Sponsoren ist das Problem meines Erachtens ähnlich. Lösen kann man es zum Beispiel durch den Imagefilm. Ich habe schon vor der DDM ein bisschen mit verschiedenen Leuten gesprochen, unter anderem Elisa, und Kontakte zu passenden Firmen geknüpft. Fehlt im Endeffekt nur noch der Segen der MV. 🙂 Außerdem möchte ich den VDCH für die Mitglieder wieder greifbarer machen. Es stimmt schon, dass man sich wenig darunter vorstellen kann und wenig Bezug dazu hat. Daran sollten wir arbeiten und diese Interviews mit dir und der Achten Minute sind, finde ich, ein guter erster Schritt!

Im Gespräch mit dem jetzigen Turnierbetreuuer Nikos © Manuel Adams

Im Gespräch mit dem aktuellen Amtsinhaber Nikos – © Manuel Adams

Es ist ein Schritt, wie sehen die anderen aus um den VDCH nahbarer zu machen? Vielleicht speziell für junge Clubs?
Dafür muss man vor allem reden und immer wieder Sachen ansprechen. Probleme nicht still und heimlich lösen; Probleme aus der Szene aufnehmen und Hilfe anbieten. Und da du gerade die jungen Clubs ansprichst: vor allem das sehe ich als meinen Job an. Es reicht nicht, dass sie vom VDCHWiki wissen. Sie sollten vor allem wissen, dass es vier Leute im Vorstand gibt, die die Fragen persönlich und direkt beantworten können. Es läuft darauf hinaus, ansprechbar zu sein und selbst Leute anzusprechen.

Ein sehr kontrovers diskutiertes Thema ist die Altersregelung auf der DDM. Welche Meinung hast du dazu?
Ich glaube, die Debatte um die Altersregelung hat vor allem gezeigt, dass Debattierer nicht nur feste Positionen einnehmen, sondern sich tatsächlich auch auf Kompromisse einigen können. 😉 Der angenommene Vorschlag kam aus meinem Club, als ich dort noch Vorstand war. Ich kann also schlecht leugnen, dass er mir auch zugesagt hat und ich halte ihn bis heute für eine gute Lösung, mit der die meisten bestimmt zufrieden sind. An sich sehe ich es aber nicht in meiner Aufgabe, über Abstimmungen zu urteilen. Für mich geht es eher darum, die Szene zu dem zu machen, zu dem sie werden will.

Nun etwas allgemein zu Turnieren. Was glaubst du, muss sich in der Szene in diesem Bereich tun? Wo haben wir Entwickungsbedarf?
Entwicklungsbedarf besteht vor allem dort, wo wir noch entwickeln können: bei den neuen Debattierern. Turniere sind leider nicht so inklusiv, wie wir es gerne hätten. Es reicht eben nicht, einen Anfänger mitzunehmen – man muss ihn nach einer Runde gegen Topteams auch ein bisschen aufbauen oder ihn sanft in Richtung neuer Bekanntschaften schubsen. Da sind aber nicht nur die Clubs gefragt, sondern auch der VDCH. Der kann wahrscheinlich am meisten beim zweiten Problemfeld wirken: den Juroren. Die letzten Jahre wurde ein bisschen was ausprobiert – vieles davon hat geklappt – aber das müssen wir jetzt natürlich auch weiterführen und dürfen es nicht einschlafen lassen.

Sind Anfängerturniere oder Profi-Amateur-Turniere, wie das Nikolausturnier in Münster, eine mögliche Lösung?
Um das ProAm-Turnier gab es ja einige Diskussionen in der letzten Saison, aber ich bin ein großer Fan davon. Das ist das Schöne an der DDL: man kann sowas einfach mal ausprobieren und schauen, ob es klappt. Vielleicht bin ich da aber auch ein bisschen vorbelastet, das Nikolausturnier war mein erstes Turnier. 😉

Was die Juroren angeht, welches Mittel war deiner Meinung nach das beste in den letzten Jahren, um diese zu fördern?
Einfach darüber zu reden. Eigentlich hab ich lieber eine konkrete Maßnahme, aber in dem Fall hat Reden schon geholfen. Man musste dafür sensibilisiert werden, dass ein Anfängerjuror nicht der nervige Punkteverzerrer ist, sondern derjenige, der im nächsten Jahr (hoffentlich) chaired. Kleinigkeiten, wie längere Pausen, um auch den Juroren Möglichkeiten zum Socializen zu geben, genügend Essen für sie und so weiter – das klingt lächerlich, aber ich glaube, das hat schon einiges geholfen. Wir sind aber lange noch nicht da, wo wir hinwollen. Bisher haben wir es den Juroren, die schon auf dem Turnier waren, schöner gemacht. Jetzt müssen wir sie aber auch noch anlocken.

Sabrinas glückliches Gesicht nach der Verkündung des Nachwuchspreisträgers bei der DDM 2015 © Henrik Maedler

Sabrina bei der Verleihung des Nachwuchspreises bei der DDM 2015 – © Henrik Maedler

Letzte Saison sah es noch ganz gut aus bis zum HeidelBäm, da gab es dann extemen Jurorenmangel. Hat es vielleicht auch was mit zu hohen Teilnahmegebühren insgesamt zu tun?
Ja, vielleicht auch das. Man muss für so ein Debattierwochenende mit Anfahrt und allem ja schon 50-70€ hinlegen. Aber beim HeidelBÄM hatten wir eher Pech mit dem Temin – Klausuren sind ja leider ein notwendiges Übel – und der Tatsache, dass viele Mixedteams ohne Juror angereist sind.

Glaubst du wir brauchen mehr regionale Aufteilung in den Turnieren? Sprich: Sollten wir darauf achten, dass es gleich viele Turniere in z.B. Nord- und Süddeutschland sind?
Solang wir noch eine so kleine Szene sind, ist das glaube ich nicht sinnvoll. Da sind Vernetzungen und der Austausch von Wissen viel zu wichtig, als dass wir da regionale Grenzen ziehen sollten.

Du warst durch deine Vorstandsarbeit in der Rederei und als DDL-Koordinatorin im letzten Jahr durchaus wichtig für die Szene. Würdest du auch einen anderen Posten belegen, wenn jemand anderes sich erfolgreicher auf die Turnierbetreuung bewerben würde?
Engagieren werde ich mich auf jeden Fall weiter für die Szene! Die letzten drei Jahre haben mir andere Menschen dieses Hobby – was ja eigentlich schon mehr als ein normales Hobby ist – ermöglicht. Jetzt bin ich mal dran, anderen das Debattieren schön zu gestalten. Ich glaube aber, dass ich in der Turnierbetreuung am besten mich und mein Können einbringen kann. 🙂

jbi./jm.

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