Die MV 2016: Beschlüsse und Bedeutung

Datum: 21. September 2016
Redakteur:
Kategorie: Mittwochs-Feature, VDCH

Die Mitgliederversammlung ist vorüber, der neue VDCH-Vorstand gewählt, das Protokoll liegt der Achten Minute vor. Während wir auf Twitter live über Abstimmungen und die behandelten Tagesordnungspunkte (TOP) berichteten, ist es nun Zeit, sich einmal der neuen Sachlage durch die MV zu widmen, welche durchaus einige Neuheiten brachte.

 

Zunächst werfen wir chronologisch einen Blick auf den Haushalt:

Quelle: pixabay.com

Quelle: pixabay.com

Insgesamt war die Projektion für das kommende Jahr der des vergangenen Jahres ähnlich. Das Budget für die ZEIT DEBATTEN-Serie wurde gegenüber dem Vorjahr verringert, da die Mehrheit der Turniere im vergangenen Jahr Gewinn gemacht hatte. Die zur Verfügung gestellten Mittel sind für die kommende Saison dennoch um knapp 2600€ höher als die in der vergangenen Saison benötigten Mittel.

Der Posten für Jurierseminare wurde gegenüber der vergangenen Saison um 1200€ erhöht, nachdem dafür im Vorjahr Finanzierungsengpässe aufgetreten waren. Hierbei ist anzumerken, dass die tatsächlichen Kosten in der vergangenen Saison höher waren als die Ausgaben des VDCH und z.T. von der DDG mitgetragen wurden, womit letztlich zwar nicht mehr Geld zur Verwendung zur Verfügung steht, dieses jedoch nicht mehr extern beschafft werden muss. Die MV hat nach Diskussion ebenfalls entschieden, dass im Falle einer Nichtbewilligung der BMBF-Anträge für Jurierseminare kein VDCH-Geld als Ersatz ausgegeben werden soll.

Für die Öffentlichkeitsarbeit soll ein professionell hergestellter Imagefilm in Auftrag gegeben werden. Für diesen stehen, einem Angebot entsprechend, 2500€ zur Verfügung. Die MV beschloss hier nach längerer Diskussion, dem Vorstand keine Verwendungsrichtung für den Film vorzugeben – im Gespräch waren als Primärziele wahlweise Sponsorengewinnung oder Mitgliedergewinnung genannt worden. Der Vorstand hat jedoch angekündigt, dem VDCH-Land während des Entstehungsprozesses die Möglichkeit zu konstruktiven Anregungen zu geben.

Neu ist außerdem der Posten Freies Budget, das ursprünglich als Posten “Reisekosten für Ehrengäste” zur Verwendung für die Reisekosten der, vom VDCH-Vorstand zu ZEIT DEBATTEN eingeladenen Ehrengäste zur Verfügung stehen sollte. Der VDCH-Vorstand erhält durch den neuen Posten 250€, die er unter anderem dafür, aber generell nach eigenem Ermessen, einsetzen kann.

Die Mitgliederversammlung hat insgesamt einen Haushalt beschlossen, der eine Verringerung der Rücklagen von ca. 56000€ auf ca. 52400€ beinhaltet; es werden nach Plan etwa 3600€ mehr ausgegeben als eingenommen werden.

 

Werfen wir nun einen Blick auf die veränderte Beschlusslage zu Turnieren:

Logo ZEIT DEBATTEN ab 2013 (Viereck)Turniere der ZEIT DEBATTEN-Serie rechnen bei der Aufteilung der vom VDCH gestellten Mittel nun mit Räumen, statt einer Teilnehmerzahl. Maßgeblich für das Verteilungsverhältnis zwischen den Turnieren sind also die bei der Vergabe durch die MV angekündigten Vorrundenräume. Aus deren Anzahl ergibt sich eine zur Berechnung angenommene fiktive Teilnehmerzahl, auf die dann der herkömmliche Verteilungsschlüssel angewandt wird. Nach wie vor gilt: Bei Unterschreitung der ursprünglich angekündigten Räume wird weniger Geld zur Verfügung gestellt, das dann den übrigen Turnieren zur Verfügung steht, für eine Überschreitung der Ankündigung hingegen gibt es nicht mehr Geld. OPD-Turniere rechnen mit 11,75 Teilnehmern/Raum (DDM: 12), BPS-Turniere mit 10,75 Tteilnehmern/Raum (DDM: 11).

Die im Vorjahr beschlossenen Teilnahmebeschränkungen für die DDM, die Redner nach vier Teambreaks ins Viertelfinale oder höher bei DDMs von der Teilnahme ausschloss, wird gestrichen. Da die Regelung erst 2017 in Kraft getreten wäre, wurde sie somit nie angewandt. Einzige Bedingung für die Teilnahme an der DDM sind somit aktuell nur noch VDCH-Mitgliedschaft des anmeldenden Clubs sowie Studierendenstatus und Clubzugehörigkeit der für den Club antretenden Mitglieder.

ddl_logo_400Im Bezug auf die DDL werden nun Punkte für Juroren vergeben. Einen Punkt erhält jeder an einem Turnier teilnehmende Club für die Erfüllung der Jurorenregel, zwei Punkte für die Übererfüllung der Jurorenregel, jeder Juror im Break bringt seinem Club einen weiteren Punkt ein. Chefjuroren von DDL-Turnieren sind somit angehalten, im Break sämtliche Juroren zu nennen, die die Leistungskriterien erfüllen, selbst wenn einige unter diesen aufgrund von Clashes keine KO-Runden jurieren werden. Bemerkenswert an dieser Regelung ist einerseits, dass die DDL nun nicht mehr die reine Rednerstärke von Clubs anzeigt, andererseits, dass sie nicht mehr ausschließlich nach Qualität Punkte verteilt.

 

Abschließend veränderte sich noch die Beschlusslage zum Vetorecht von DDL-Ausrichtern bezüglich von MV-Beschlüssen:

Ursprünglich war bei der Aufnahme der DDL (damals: FDL) in den VDCH davon ausgegangen worden, dass DDL-Ausrichter gegen MV-Beschlüsse nach der MV über die Koordinatoren ein Ausrichtermehrheits-Veto einlegen können, um wie gehabt als einzige über Belange der DDL abzustimmen. Dieser Gedanke lief auf mehreren Ebenen schief: Wie sich ein Jahr später herausstellte, konnten Ausrichter nur direkt auf der VDCH-MV ein Ausrichtermehrheits-Veto einlegen, abwesende Clubs waren also machtlos. Gleichzeitig konnten DDL-Clubs keine neuen Regelungen mehr ohne Mehrheit aller Clubs auf der VDCH-MV einführen, de facto hat also auch die VDCH-MV ein Mehrheits-Veto gegenüber DDL-Clubs. Mit dem neuen Beschluss zum Vetorecht von DDL-Ausrichtern wird die Abstimmung über die Anwendung des Ausrichtermehrheits-Vetos nun immer erst nach der MV und über die Koordinatoren erfolgen. Gegenüber dem vorigen Status Quo bringt das die Beschlusslage näher an die ursprünglich vorgesehene Unabhängigkeit der DDL zurück. Allerdings benötigen die DDL-Ausrichter zur Anwendung des Vetos eine Mehrheit innerhalb ihrer Reihen, d.h. bei gleichen Verhältnissen setzt sich die Änderung durch, wohingegen ursprünglich angedacht war, dass bei Gleichstand innerhalb der DDL-Ausrichter der Status Quo beibehalten würde. Eine entsprechende Korrektur lehnte die Mitgliederversammlung ab. Weiterhin bleibt bestehen, dass Nicht-Ausrichter mit abstimmen, ob Anträge überhaupt den DDL-Clubs zur Abstimmung vorgelegt werden.

lok./jm.
Mittwochs-Feature

Lennart Lokstein ist Deutschsprachiger Debattiermeister 2016 und Chefredakteur der Achten Minute. Er war von 2013 bis 2015 Vorsitzender der Streitkultur e.V. in Tübingen und ist seit 2014 Mitglied der OPD-Regelkommission. Er gewann zahlreiche Turniere und erhielt auf den Deutschsprachigen Debattiermeisterschaften 2015 und 2016 den Preis für die beste Finalrede. Als Juror erreichte er auf den WUDC und EUDC 2016 jeweils das ESL-Halbfinale, in Deutschland war er auf verschiedenen Turnieren Chefjuror. In der Saison 2015/16 war er Beirat des VDCH für Jurierseminare. Derzeit arbeitet er an einer Masterarbeit in Allgemeiner Rhetorik zum Hochschuldebattieren in Europa.

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12 Kommentare zu “Die MV 2016: Beschlüsse und Bedeutung”

  1. Jonas G. (Münster / Potsdam) sagt:

    “Bei Unterschreitung der ursprünglich angekündigten Räume wird weniger Geld zur Verfügung gestellt”

    Wie ist das gemeint? Wenn der Ausrichter weniger Räume zur Verfügung stellt als angekündigt oder auch dann, wenn weniger Räume als zur Verfügung gestellt werden zustande kommen, ohne dass dies der Ausrichter zu verschulden hat.
    In letzterem Falle wäre diese Regel nämlich relativ neu und in Einzelfällen ziemlich problematisch.

    1. Lennart Lokstein sagt:

      Die Regeln in Bezug auf Unterschreitung haben sich nicht geändert. Wie sie vorher interpretiert wurden möge im Zweifelsfall Julius Steen beantworten, aber du hast ja schon eine Beschreibung angeboten.

  2. Christian (MZ) sagt:

    Könnte mir bitte jemand noch einmal erklären, welche Beweggründe hinter der Regelung über Jurorenpunkte in der DDL stecken? Was ich bisher dazu gehört habe:

    – Juroren sollen mehr wertgeschätzt werden
    – Anreiz für Clubs, mehr Juroren zu entsenden
    – Auch die Jurorenleistung stellt eine Clubleistung dar; daher Aufnahme in die Club- bzw. Teamwertung statt einer separaten Wertung der Jurierleistungen der Clubs in einer eigenen Tabelle

    Gab es da noch mehr? Mich würde das wirklich sehr interessieren!

  3. Alexander Osterkorn (Gö/DDL) sagt:

    Das waren in der Tat die Hauptgründe für die Einführung. Mir kam es z. B. immer etwas seltsam vor, dass es für Juroren zwar auch einen “Break” gibt, also eine Ermittelung ihrer Performance, aber keine sportliche Wertung dessen.
    Insbesondere gibt es ja auch einige Menschen in VDCH-Land, die wesentlich nur als Juroren auf Turnieren in Erscheinung treten.
    Insofern auch der Gedanke, Jurorenpunkte mit in die Clubwertung einzubeziehen, da sie ebenfalls über die sportliche Leistung eines Clubs innerhalb der DDL Aussage geben.
    Man kann sich sicher fragen, ob die Vergabe von Punkten für das (Über-)Entsenden von Juroren hier etwas inkonsequent ist. Fakt ist aber, dass auf vielen DDL-Turnieren Jurorenmangel herrscht, weil vermutlich zu viele Menschen in ihren Clubs der Ansicht sind, dass Jurieren die weniger eventbetonte Tätigkeit bei Turnieren ist. Die Würdigung dadurch, dass sie jetzt Punkte zur Clubleistung beitragen können und ihre Anwesenheit überhaupt irgendwie registriert wird, soll gegensteuern.
    Man kann diesen Teil der Regelung auch einfach als Abstrafung der Clubs ansehen, die zu wenige Juroren schicken, weil sie eben keine Punkte dafür bekommen.
    Und wenn das dann manchen Club motiviert, intensiver nach Juroren für Turniere zu suchen, hat wohl niemand etwas dagegen und es ist auch sportlich mindestens im Sinne von Fairness.

    1. Christian (MZ) sagt:

      Ich muss gestehen, ich bin kein besonderer Freund von der Regelung. Meiner Ansicht nach vermischt sie Dinge, die einfach nicht zusammen gehören. Mit der gleichen Argumentation ließen sich auch Punkte für die Ausrichtung von Turnieren (das finde ich wesentlich lobenswerter, als bei einem Turnier lediglich anwesend zu sein) oder die Ausrichtung einer eigenen Party auf einem Turnier mit Punkten belohnen (auch das ist ziemlich viel Arbeit für die Beteiligten!).
      Auch das Stellen eines CJ auf einem Turnier könnte man mit Punkten belohnen, schließlich wurde der ja offensichtlich von seinem Club gut ausgebildet, was ja auch eine Clubleistung darstellt.

      Aber gut, jetzt haben wir die Regelung. Dazu mal ein paar kleine Fragen:

      Zählen Chefjuroren zu der Anwesenheitsklausel? Wenn nein, warum nicht?

      Zählen Chefjuroren bei der Breakklausel? Wenn nein, warum nicht?

    2. Alexander Osterkorn (Gö/DDL) sagt:

      Ich kann das unwohle Gefühl durchaus nachvollziehen, bin aber trotzdem auch überzeugt von der Sinnhaftigkeit der Regelung, da sie sich immerhin einmal konkret des teilweise eklatanten Problem des Jurorenmangels auf DDL-Turnieren anzunehmen versucht.
      Hier gibt es tatsächlich Potential zur Verbesserung, während wegen eines DDL-Punktes nun realistischerweise niemand ein ganzes Turnier ausrichten wird.

      Zu den konkreten Fragen: Mitglieder der Chefjury sind von beiden Regelungen ausgenommen,
      da sie zum einen von den Ausrichtern eingesetzt werden und so Punkte-Politik verhindert werden soll.
      Zum anderen glauben wir sie durch ihre exponierte Stellung schon hinreichend wertgeschätzt.
      Weiterhin ist ihr Sprung in die KO-Runden nun einmal schon von vornherein vorbestimmt (Sperrung soll ja kein Hinderungsgrund mehr sein), so dass wir es für wenig sportlich hielten, vergäbe man dafür Punkte.

    3. Alexander Osterkorn (Gö/DDL) sagt:

      Erratum!
      Durch meine Nichtanwesenheit auf der MV habe ich wohl die letzte Beschlusslage nicht mehr auf der Rechnung gehabt und muss mich korrigieren:
      Mitglieder der Chefjury sind nur von der Breakregelung ausgenommen, bekommen aber regulär als Juroren Punkte für ihre Anwesenheit.

      Entschuldigung für die potentielle Verwirrung und Dank an den Protokollanten Alex Hiller für den Hinweis!

  4. Christian (MZ) sagt:

    Danke für die Korrektur bzw. den entsprechenden Hinweis 🙂

    Im Übrigen denke ich ebenfalls, dass ein Punkt für das Ausrichten eines Turniers ganz schön wenig wäre. Daher wäre ich dafür, dafür 10 oder 15 oder von mir aus auch 20 Punkte zu vergeben. Das wäre ein Anreiz dafür, mehr Turniere auszurichten (in der letzten Saison gabs leider nicht so viele). Zudem würden kleine Clubs, die nicht sowohl ein Turnier ausrichten, als auch dabei starten können (und damit durch die Turnierorganisation ihre Chancen in der Gesamtwertung verschlechtern), für ihre Mühen trotzdem belohnt. Zudem wird die Turnierorga im SQ zwar durchaus gewertschätzt, aber ich denke schon, dass da noch einiges mehr geht. Schließlich gibt es auch genug Leute, die über die Orga vor allem meckern (ich erinnere mich da an diverse Diskussionen über das Essen auf Turnieren). Auch hier ist also mehr Wertschätzung angebracht.

    Im Übrigen frage mich warum man die Kür als CJ nicht einfach an sich mit Punkten für den Heimclub des CJ belohnen sollte (jenseits der Breakregelung). Denn jemanden als Juroren und als Persönlichkeit so gut auszubilden, dass man CJ-Qualität hat, ist ja irgendwo auch eine Clubleistung (mindestens genauso viel, wie einen Juroren so gut auszubilden, dass dieser breakt; eher größer, daher auch mehr Punkte (vielleicht 3? Oder 4?)). Zudem brauchen wir möglichst viele CJ für die Szene (Stichwort Diversität; sowohl was die Personen als auch den Stil der CJ betrifft). Darüber hinaus ist das Chefjurieren sehr viel Arbeit und oft bekommt man von den Teilnehmern vor allem Kritik zu hören (“Was für ein dämliches Thema!”) und bekommt vom Sozialleben auf Turnieren nur wenig mit, weil im Tabraum immer was zu tun ist (zb die Organisation eines fairen Jurorenbreaks).

    Was die Breakregelung bei den CJ angeht: Das Problem, dass Ausrichterclubs auf diese Art anderen Clubs DDL-Punkte zuschanzen würden (die von dir so bezeichnete Punktepolitik) sehe ich als kein großes Problem. Welcher Ausrichter würde aus solchen Gründen jemand unqualifiziertes zum CJ machen und damit sein Turnier in Gefahr bringen? Sympathie ist bei einer solchen Auswahl zumindest unterbewusst sowieso immer im Spiel. Und wenn man aus mehreren gleich qualifizierten Leuten lieber jemanden aus einem kleineren Club auswählt, weil man in das Rennen der in der Tabelle führenden Clubs nicht eingreifen will, würde dies die kleineren Clubs stärken.
    Zudem gibt es das gleiche Problem der Clubpolitik auch beim Jurorenbreak: Mangels klarer Kriterien können die CJ letztlich fast jeden Jurorenbreak begründen, denn nie wird jeder CJ jeden Juror mal erlebt haben, wenn man zb mal nur drei Vorrunden hat. So könnte ein einzelner CJ also immer irgendwen durchkriegen oder verhindern, wenn er oder sie das unbedingt will. Übrigens: Ich glaube wirklich nicht, dass jemand diese Regel missbraucht und denke, dass das sehr unrealistisch ist! Ich halte aber einen solchen Missbrauch für realistischer als einen durch die Ausrichter bei der Wahl ihrer Chefjury oder mindestens genauso realistisch.
    Mal ganz davon abgesehen, dass die Entscheidung zusätzlich erschwert wird, wenn alle CJ aus Clubs kommen, die zufällig gerade die Spitze der Wertung unter sich ausmachen. Da wäre jeder CJ befangen. Wie gewährleistet man da ein faires Ergebnis, auch als CJ, wenn man jetzt immer auch die auf der Entscheidung folgenden Punkte im Hinterkopf hat? Wenn alle CJ befangen sind, kann man sich auch nicht aus der Entscheidung zurück ziehen (wie bei einem Finale mit teilnahme des eigenen Clubs).

    Und das der Sprung der CJ in die KO-Runden garantiert ist und dass dies die DDL-Wertung verzerren würde…naja, der Sprung resultiert ja aus der Qualität der CJ. Und genau diessoll ja durch Punkte für Sprünge in die KO-Runden honoriert werden: qualitativ gute Jurierleistungen. Und wenn man die bei den CJ anzweifelt, dann stellt sich natürlich auch die Frage, warum diese Leute dann mit der Entscheidung über die Breaks der anderen Juroren unmittelbar DDL-Punkte vergeben können sollen, wenn man bei ihnen nicht einmal von einer guten Jurierleistung ausgehen kann.

    Und mal fernab von all diesen Diskussionen: Natürlich kann man mit diversen Anreizen versuchen, ein bestimmtes erwünschtes Verhalten attraktiver zu machen. Ob man dafür aber die sportlichen Regeln ändern sollte, halte ich für sehr fragwürdig. Ich fände es auch seltsam, wenn ein Bundesligaclub Bonuspunkte für seine Platzierung in der Fair-Play Tabelle bekäme (ja, die gibt es, allerdings als separate Wertung) und faires Verhalten ist ja schließlich auch auf dem Fußballplatz aus vielen gründen erwünscht.
    Ich finde es gut und schön, wenn man Jurierleistungen aufwerten will. Von mir aus auch die bloße Anwesenheit von Juroren. Aber ich halte es für sehr fragwürdig, dies auf Kosten der sportlichen Regeln zu tun (übrigens auch auf Kosten der Transparenz).

    Wenn man aber wirklich sozial erwünschte Verhaltensweisen mit Punkten belohnen möchte, dann sollte man sich wirklich ernsthaft Gedanken darüber machen, warum andere Verhaltensweisen vielleicht ebenfalls wünschens- und dementsprechend auch belohnenswert sind (oder auch nicht). Nicht aufgrund von Dammbruch oder sowas, sondern tatsächlich aus Fairness- und Gerechtigkeitsgründen.

    1. Peter G. sagt:

      *signed*

    2. Alexander Osterkorn (Gö/DDL) sagt:

      Lieber Christian,

      vielen Dank für deine Anregungen. Vor der MV angebracht hätten sie allerdings potentiell auch noch Einfluss auf die Regelung haben können.
      Wir als Koordinatoren sind aber auch weiterhin überzeugt, dass mit den Änderungen auf der MV ein insgesamt gutes und praktikables Modell herausgekommen ist.

      Zu den CJ-Bestimmungen:
      Wir glauben, dass trotz der von dir angeführten negativen Aspekte Chefjurieren für die meisten Debattierenden weiterhin sehr attraktiv ist.
      Wenn man mehr verschiedene Leute auf diesen Posten haben möchte, sollten einfach mehr verschiedene Leute angefragt oder Stellen sogar offen ausgeschrieben werden.
      Wichtig ist dann, dass es genug Menschen mit der potentiellen „Befähigung“ zum CJ gibt, wofür es einfach erstmal viele Leute mit guter Juriererfahrung braucht.
      Das zu fördern, ist ja gerade die Idee der ganzen Regelung.
      Dass die CJ nun zur Kontingentregelung hinzugezählt wird, soll verhindern, dass Clubs bestraft werden, wenn sie ihre vermeintlich besten Juroren als Chefjuroren zu Turnieren entsenden.
      Beim „Break“ sind die CJ hingegen nicht dem sportlichen Wettkampf ums Weiterkommen ausgesetzt, weshalb wir im Sinne des übrigen Jurorenfeldes dafür auch keine Punkte vergeben wollen.

      Zur DDL-Tabelle:
      Ich denke, der beschlossenen Regelung ist ansehbar, dass sie die „Tradition“ der bisherigen Bewertung zunächst nur vorsichtig berührt.
      Realistisch werden über den Gewinn am Saisonende weiterhin nur die Redeleistungen entscheiden.
      Allerdings wird nun zum ersten Mal überhaupt auch das Jurieren als sportliche Aktivität erfasst und mit Punkten gewürdigt.
      Wenn du Jurieren doch tendenziell in den Topf der „sozial erwünschten Verhaltensweisen“ schmeißt (und sei es nur die Anwesenheit als Juror), steht das eigentlich hinter dem von mir so wahrgenommenen Szenekonsens zurück,
      Jurieren nun auch stärker öffentlich als bedeutsame sportliche Tätigkeit neben dem Reden wahrzunehmen.
      Wenn du das Nicht-Entsenden von Juroren nicht als sanktionswürdig innerhalb der DDL ansiehst (und Punktevergeben ist nunmal das Hauptinstrument der DDL),
      dann kann ich das begreifen, empfinde dieses Instrument aber selbst durchaus als angebracht und praktikabel.

      Die aktuelle Regelung wird ihre Möglichkeiten und Grenzen in dieser Saison zeigen.
      Für Vorschläge z. B. deinerseits oder seits anderer Aktive der Szene, gibt es dann zur nächsten MV die Gelegenheit, Bilanz zu ziehen, Teile der Regelungen zu verändern, neue Punkte aufzunehmen, Regelungen wieder aufzuheben.
      Wir sehen darin den besten Weg, die DDL weiterzuentwickeln, kleine Veränderungen zu implementieren und zu evaluieren, ohne zu sagen, dass wir die beste aller möglichen Welten schon vorher hatten, oder dass, wenn man etwas ändert,
      man nun auch gleich das ganze System auf den Kopf stellen muss.

    3. Lennart Lokstein sagt:

      Also dass die Punkte nicht siegentscheidend hätten sein können, halte ich für eine gewagte These. Die vorderen Clubs lagen ja schon nah genug beisammen – ich will nicht sagen, dass es so passiert wäre, aber eine ganz gute Chance wäre schon da gewesen, die man nicht leugnen sollte.

    4. Christian (MZ) sagt:

      Nicht jeder hat zu jedem beliebigen Termin Zeit, daher war ich nicht auf der MV. Allerdings hat mein Club, so hab ich mir sagen lassen, ausführlich gegen die Regelung argumentiert, wurde aber überstimmt. Ich sehe allerdings keinen Grund, warum man diese Regelung nicht trotzdem (auch öffentlich) kritisieren sollte. Vielleicht kannst du mir einen nennen?

      Schaut man sich die Tabellen der letzten Jahre mal an, hätten einige Punkte mehr oder weniger sicher etwas ausgemacht. Einfach zu sagen, die Punkte seien egal, ist daher eine gewagte These.

      Aber gut, setzen wir mal voraus, dass die These stimmt und die paar Punkte sind sowieso egal: wozu brauchen wir sie dann? Ist das dann wirklich eine Form von Wertschätzung, wenn man eigentlich der Meinung ist, dass die Punkte, die man auf diese Art holt, sowieso eher egal sind und letztlich keine Rolle spielen? Fühlen sich Juroren dann wirklich so viel mehr wertgeschätzt?

      Interessant wäre übrigens für mich immer noch die Frage, wie man einen wirklich fairen (und nicht nur Pi mal Daumen fairen) Jurorenbreak organisieren können soll, wenn man zb 5 Räume hat, aber evtl nur 3 Vorrunden (davon eine geschlossene) und 2 CJ und nicht für jeden Juror die Möglichkeit, Feedback zu geben. Wie soll man da fair (!) vergleichen? Dazu gibt es aber immer auch einige sehr erfahrene Juroren, deren Qualität man an sich kennt. Soll man die dann einfach breaken lassen, auch wenn man sie an sich nicht konkret auf dem Turnier mit den anderen Juroren vergleichen kann? Oder soll man die genauso überprüfen und wie soll das logistisch gemacht werden?
      Feedback der Redner gibt es, aber nur für die Hauptjuroren. Wie sollen da alle (!) Juroren gleiche Chancen auf einen Break haben?

      Ich persönlich bin übrigens nicht der Meinung, dass das Jurieren ein eigener Wettbewerb ist oder sein sollte. Meiner Ansicht nach geht es darum, den Rednern ein möglichst gut begründetes Ergebnis zu ergeben plus konstruktives Feedback zur Verbesserung. Ich habe mich noch nie im Wettbewerb zu meinen Mitjuroren gesehen. Aber wenn man da wirklich einen Wettbewerb draus machen will, dann sollte man versuchen, möglichst objektive und faire Kritierien abzuliefern. Das kann man vielleicht bei einer DDM oder einer ZD noch schaffen, einfach weil man da so viel Feedback bekommt und daher sehr viel Datenmaterial hat. Aber wie soll das bei einem DDL-Turnier geschehen mit evtl nur zwei (!) offenen Runden?

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