VDCH-Umfrage: So war es früher

Datum: 16. Februar 2017
Redakteur:
Kategorie: DDG, VDCH

Wie bereits vor einigen Monaten angekündigt worden war, wurden einzelne Personen mit der inhaltsspezifischen Interpretation der Ergebnisse aus der großen Debattierumfrage beauftragt. Insgesamt schrieben Nikos Bosse zur Mitgliederwerbung und -bindung, Christian Landrock zur Zusammensetzung der Szene und Philipp Stiel zum Clubabend. Zum Abschluss gibt es nun noch einen von VDCH-Altpräsident Florian Umscheid gezogenen Vergleich zwischen der Datenerhebungen von 2007 und 2016.

Logo Debattierumfrage ErgebnisseDen bekannten Aphorismus, man solle keiner Statistik trauen, die man nicht selbst gefälscht hat, hat Churchill nie gesagt. Ob nun die deutsche Abwehr oder das Propaganda-Ministerium das Zitat schrieb (man verlor möglicherweise gerade den U-Boot-Krieg), oder aber noch verschlungenere Wege in der Nachkriegszeit das Zitat zusammenführten, wird wohl im Dunklen bleiben. Fakt dagegen ist, dass Zahlen und Statistik ein nützliches Mittel sind, um zu beschreiben und Entscheidungen vorzubereiten, wenn man sie nur nicht fälscht.

Damit das Debattieren Statistiken nicht selbst fälschen muss, erhob der VDCH seit 2007 immer wieder Daten zur Lage der deutschsprachigen Debattiernation. Den vorläufigen, krönenden Abschluss der Datenerhebungen bildete die große Umfrage des VDCH mit Correlaid, die in 2016 abgeschlossen wurde. Anlässlich von Umfragen, die nun fast 10 Jahre abdecken, ist es Zeit, ein wenig auf die Trends im VDCH-Land zu schauen.

Vorab aber eine Warnung an alle, die sich hier nun große Trendkurven erwarten: So einheitlich wie der Begriff Umfrage tut, ist es nicht. Die Items in der Umfrage sind zum allergrößten Teil disparat: Unterschiedliche Klassengrößen, wechselnd relative und absolute Anteile, vage Definitionen und unklare Operationalisierung gehen wild durcheinander, jede Umfrage erfand sich in gewissem Umfang neu. Besonders die Correlaid-Umfrage bereitet ironischerweise die meisten Probleme: Hier sind die einzelnen Debattiererinnen und Debattierer die Analyseeinheit, vorher waren es die Clubs (wobei die Frage, wie viele VDCH-Clubs es exakt gibt, Gegenstand lebhafter Diskussion ist).

Genug der Vorrede, was lässt sich nun sagen? Zuerst einmal die Anzahl der seit 2007 teilnehmenden Clubs. Die liegt recht regelmäßig bei 60 Prozent der Clubs, die laut VDCH-Akten debattieren müssten. Aus eigener Anschauung kann ich sagen: Man dringt auch nicht immer zu den Clubs durch. 2016 lässt sich nicht abbilden, aus welchen Clubs die Debattierenden stammen.

Grafik: Die absolute und relative Anzahl der an den VDCH-Umfragen teilgenommen habenden Clubs.

Grafik: Die absolute und relative Anzahl der an den VDCH-Umfragen teilgenommen habenden Clubs.

Bei den aktiven Debattierern ist ebenfalls Vorsicht geboten. In der Regel wurden sie aus der Zahl der teilgenommenen habenden Clubs nach der Formel: SummeDebattierer aus Clubs in Umfrage/ZahlClubs in Umfrage x VDCH-ClubsVermutet berechnet.

Für den „Berg“ des Jahres 2008 habe ich keine Erklärung, dito für den Rückgang von 2011 auf 2014. In der aktuellen Umfrage äußerten sich 960 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Genauer lässt sich die Entwicklung leider nicht aufschlüsseln.

Grafik: Die mit der angegebenen Formel errechnete Gesamtzahl der VDCH-Debattanten.

Grafik: Die mit der angegebenen Formel errechnete Gesamtzahl der VDCH-Debattanten.

Bei den Studienfächern ist nur der deutliche Anwuchs bei den Ingenieuren auffällig und konsistent. Für diese Auswertung wurden die verschiedenen Angaben der Umfragen teilweise arg zusammengezogen, das Bild mit der Correlaid-Umfrage ist entsprechend wenig einheitlich. Weiterhin fassten wahrscheinlich frühere Umfragen die Zugehörigkeit von Studienfächern zu Fakultäten und Richtungen unterschiedlich auf. Dabei beißt sich die Datenlage hier mit einigen Schlussfolgerungen aus Christians Analyse.

Grafik: Studienfachrichtungen der Umfragenteilnehmer.

Grafik: Studienfachrichtungen der Umfragenteilnehmer.

Ansonsten bleiben noch Einzelbefunde: 2011 sagten die Clubs noch, dass 236 ihrer Mitglieder erfahren sein. In 2014 waren, hier wurde „erfahren“ recht liberal als „Turnierfahrten oder Organisation“ operationalisiert, nur noch 156 Mitglieder nach Clubmeinung erfahren. Die sicherlich sehr interessanten Zahlen zur Geschlechterverteilung sind für 2008 nicht mehr als relativer Anteil an der Grundgesamtheit ausrechenbar, für die anderen Jahre sind sie nicht erhoben worden.

Der Vergleich der Umfragen zeigt dabei vorallem eines: Sie sind nicht vergleichbar. Jede Umfrage war auch ein wenig Kind ihrer Zeit. Die Umfragen 2007 und 2008 versuchen eine Vermessung in debattierpolitischer Sicht: Was wird wo debattiert, welche Formate dominieren, was ist die grundsätzliche Soziologie, wie international ist das Debattieren. Die Umfrage 2011 evaluiert den VDCH und seine Arbeit, besonderer Wert wird auf die Plattformen gelegt. In meinem Vorstandjahr war uns in erster Linie die Kontaktaufnahme zu den Clubs und die Akzeptanz und Nutzung der Kommunikationskanäle wichtig. Die aktuelle Studie ist die soziologisch breiteste wie tiefste. die dem Verband die weitreichendste Beschreibung des Debattierens gibt. Dabei ist besonders die Verschränkung qualitativer und quantitativer Elemente ein Gewinn.

Die Fragen jeder Umfrage spiegeln die Verbandsfragen der Zeit wieder. Dass sich damit keine standardisierte Item-Batterie entwickeln konnte, überrascht wenig. Die Daten sind wichtig für die Entscheidungsfindung und Schwerpunktsetzung des Verbandes. Andererseits sollten sie abseits der Bedarfsorientierung des einzelnen Vorstandes auch abstrakter erhoben werden, so dass in weiteren 10 Jahren begründete quantitative Analysen möglich sind. Im Mittelmaß zwischen der Correlaid-Untersuchung und den bisherigen Umfragen liegt wohl der Kompromiss eine Umfrage, den man in zweijährlichem Rhythmus bei den Clubs umsetzten sollte.

Florian Umscheid/lok.

Florian Umscheid studierte zuletzt Kommunikationswissenschaft in Bamberg, nun arbeitet er dort in einem DfG-Projekt. Im Debattieren trat der Nachwuchspreisträger zuletzt bei der DDM 2015 als Chefjuror in Erscheinung. In seiner aktiven Zeit besuchte er auch als Redner erfolgreich Turniere.

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