BPS-Bewertungen und Kreativität

Datum: 5. Juli 2017
Redakteur:
Kategorie: Jurieren, Mittwochs-Feature

Über das Verhältnis dieser beiden machte sich Jakobus Jaspersen Gedanken. Kritische Gedanken.

OPD zu reden, ist eine Kunst; BPS zu reden, ist ein Handwerk. Dieser Einstieg ist zugegebenermaßen ein recht durchschaubarer Versuch, Aufmerksamkeit zu erheischen, und in BPS würde so etwas kaum honoriert werden – in OPD hingegen schon. Die Frage, die sich aufdrängt, ist nun: Sollte es honoriert werden? Und die Antwort ist: Ja, sollte es. Oder wer hätte es lieber gehabt, wenn ich angefangen hätte mit: Ich werde über BPS reden, den Mechanismus liefern, wie das Format Kreativität unterdrückt, und den Impact beschreiben, den das auf die Welt hat? Das ist zwar alles wahr, aber ist es nicht essentiell für das Lebens- und Debattierglück, hässliche Wahrheiten in schöne und auch passende Gewänder zu hüllen?

BPS: Lieber unkreativ eingereiht? - Quelle: pixabay.com

BPS: Lieber unkreativ eingereiht? – Quelle: pixabay.com

Ich habe den Eindruck, dass sich im BPS bestimmte Muster und Formen etabliert haben, welche nun in einer endlosen Parade der Wiederkehr des Ewiggleichen durch die Debatten marschieren. Lasst mich an dieser Stelle eine Fallunterscheidung machen: Ein bestimmtes Strukturmuster kann entweder dabei helfen, ein Thema tiefer zu verstehen, oder es kann nutzlos sein. Nehmen wir z.B. die gerade gemachte, total triviale Fallunterscheidung. War sie nötig und hat zum besseren Verständnis des Phänomens beigetragen? Nicht wirklich – aber in manchen BPS-Debatten wäre sie mir in der Jurierdiskussion trotzdem zugute gehalten worden. Denn bestimmte Strukturmuster haben einen Nimbus, welcher den jeweiligen Inhalt überstrahlt. Man denke an das Auflisten von Betroffenengruppen, das Überprüfen der Legitimität, das Selbst-Wenn-Argument oder die allseits beliebte Risikoabwägung – am besten mit Atomkrieg. All diese Strukturmuster haben ihren Platz in bestimmten Debatten, doch zu häufig überqueren sie von dort klammheimlich die Grenze hin zum bloßen Selbstzweck.

Der Anschein von Struktur und Konsistenz zählt manchmal mehr als das eigentliche, mitunter hanebüchene Argument. Und nichts ist trauriger, als wenn solche schick angezogenen Argumente aus der großen Stadt dann gegen gute, ehrliche und hart arbeitende Argumente die Nase vorn haben, nur weil sie bestimmte Erwartungen der Juroren, was Struktur und Sprache betrifft, besser zu erfüllen wissen. Ich vermute, dass ein nicht geringer Teil der Leistungssteigerung, welche man im Laufe seiner BPS-Laufbahn erfährt, darauf zurückzuführen ist, dass man lernt, diesen Spielregeln besser zu folgen. Dazu gehört bedauerlicherweise auch, dass man auf Metaphern und andere sprachliche Mittel verzichtet, um sich stattdessen einer kalten und leblosen Sprache zu bedienen, welche ich im Verdacht habe, den Naturwissenschaften entkrochen zu sein. Obwohl unser Denken, Fühlen und Handeln selber metaphorisch strukturiert sind, wird man äußerst misstrauisch beäugt, sollte sich dies im Sprachgebrauch niederschlagen.

Diese Standardisierung gilt ebenso für ganze Themenkomplexe, Argumentationsketten und Streitfragen. Lässt sich ein Thema irgendwie in eine Freiheit vs. Sicherheit-Debatte verbiegen, so sorgt schon der Wiedererkennungswert der Labels und Argumentationsketten dafür, dass eine solche Gewalttat von den Juroren viel zu oft gutgeheißen wird. Kreative Auslegungen des Themas und kreative Argumentationsketten ziehen dagegen in der Regel den Kürzeren. Schon die Verwendung des Begriffs ‚kreative Auslegung‘ gerade hat bei manchem gestandenen BPSler wahrscheinlich nervöse Zuckungen ausgelöst, wird es doch oft synonym verwendet für ‚Wie seid ihr denn auf die bescheuerte Idee gekommen?‘. Dabei muss eine ‚kreative Auslegung‘ keineswegs zwangsläufig bedeuten, dass man sich von der Wahrheit entfernt. Ganz im Gegenteil hält sie mitunter weit mehr Körperkontakt zur Realität, als eine konventionelle Auslegung dies täte. Wird z.B. mal wieder über Sanktionen debattiert, könnte man auch mal über Lobbygruppen, NGOs und kulturellen Austausch reden, anstatt sich wie immer herbeifabulierte Wirkmechanismen über die internen Machtstrukturen von Ländern an den Kopf zu werfen.

Jakobus Jaspersen während einer Rede -© privat

Jakobus Jaspersen während einer Rede – © privat

All diese Konventionen führen dazu, dass BPS nicht immer, aber häufig, hinter seinem Potential zurückbleibt. Denn die Normierung von BPS-Argumentationen in die immer gleichen Formen grenzt naturgemäß viele für die Realität bedeutsame Aspekte einer Argumentation aus. Gerade Elemente, welche etwas schwerer zu fassen sind und sich deshalb der BPS-Normierung nicht beugen wollen, bleiben so häufig völlig außen vor. Z.B. ist in vielen Themen die Signalwirkung das in der Realität bedeutsamste Argument für oder wider eine bestimmte Sache. Trotzdem landen Signalwirkungs-Argumente oft lediglich im Verzweiflungsstapel der Schließenden Teams, weil sie in BPS schwer plausibel zu machen und einzuordnen sind. Eine weitere Art von Argumenten, welche schwer gewinnbringend zu verkaufen sind, stellen Argumente bezüglich bestimmter Gefühlswelten dar. Die Relevanz solcher hängt stark davon ab, ob man sie nachfühlbar machen kann. Der durchschnittliche BPS-Juror hat jedoch den Anspruch, für die Dauer der Debatte seine oder ihre Gefühle in einem kleinen Kästchen einzuschließen, an welchem man sich als Redner dann oft die Zähne ausbeißt. In einer Sterbehilfedebatte wird deshalb beispielsweise häufig über abstrakte Rechte argumentiert, anstatt das konkrete Leiden der Betroffenen in den Mittelpunkt zu stellen.

Die speziellen Ordnungsvorstellungen des BPS-Gottes verzerren also die Wirklichkeit, welche man eigentlich abbilden möchte und frustrieren gerade neuere Teams, welche man eigentlich gerecht bewerten will. Darüber hinaus aber langweilen sie und das ist vielleicht die größte Sünde. Sie langweilen nicht nur die Redner, sondern auch die Juroren und etwaige Zuschauer. Wenn ich einer BPS-Debatte beiwohne, welche sich mal wieder wie Malen nach Zahlen anfühlt, dann schmälert das stark meine sonst überbordende Begeisterung für den Debattiersport. Und ich bin sicher, dass dies nicht nur mir so geht. Diese inhaltliche und sprachliche Einförmigkeit sind bedauerliche Folgen eines ganz bestimmten Anreizsystems innerhalb des BPS.

Vielleicht sollten also wir als Redner versuchen, nicht immer den selben Werkzeugkoffer mit zur Debatte zu nehmen und vielleicht sollten wir als Juroren versuchen, nicht immer den selben Werkzeugkoffer zu erwarten und zu fordern. Dies bedeutet nicht, dass in BPS-Debatten nicht mehr kompetent gehandwerkelt werden sollte, doch man sollte darüber nicht vergessen, dass Debattieren auch eine Kunst ist und Kreativität ihre Freiheit braucht.

Jakobus Jaspersen/lok.

Mittwochs-Feature

Jakobus K. Jaspersen erreichte die Finals der DDM 2016 und 2017 und gewann verschiedene Turniere. Er ist seit Beginn 2015 in der Rederei Heidelberg aktiv. Zur Zeit promoviert er in Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Heidelberg.

Das Mittwochs-Feature: Jeden Mittwoch ab 10.00 Uhr stellt das Mittwochs-Feature eine Idee, Debatte, Buch oder Person in den Mittelpunkt. Wenn du selbst eine Debatte anstoßen möchtest, melde dich mit deinem Themen-Vorschlag per Mail an team [at] achteminute [dot] de.

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10 Kommentare zu “BPS-Bewertungen und Kreativität”

  1. Simon Villa sagt:

    Bilde, Künstler! Rede nicht!
    Nur ein Hauch sei dein Gedicht!

    Ich finde es immer schwierig, den Begriff Kunst ins Debattieren und damit in einen sportlichen Wettkampf zu tragen. Es ist unwahrscheinlich von der Kunst der Überzeugung in einem Raum auszugehen, in dem niemand dazu gedacht ist, sich überzeugen zu lassen, sondern Punkte zu vergeben oder dagegen zu reden.

    Grundsätzlich teile ich natürlich deine Ansicht, Jacobus,
    aber es scheint mir doch etwas wilkürlich, diese fehlgeleitete Erwartungshaltungen alleine BPS zuzuordnen. Es gibt so oft auch in OPD gewisse Strukturen und Bilder um ihrer selbst willen. Das führt dazu, dass dieselbe schlechte Performanz immer eine gewisse Wahrscheinlichkeit in Debatten hat. Vielleicht wäre es zielführender gewesen, dieses Phänomen von BPS abzugrenzen und generell zu beschreiben.
    Ich gebe natürlich zu, dass es bei BPS die Tendenz gibt, vor allem inhaltlich die Debatte in den Köpfen aller Teilnehmer vorzustrukturieren und neue, kreative Argumente abzustrafen. Ich selbst habe oft für diesen Weg im Feedback oft eine Aussage gehört wie „Bei dir wussten wir nicht, ob wir dich auf 1 oder 4 setzen sollten. Auf der einen Seite fanden wir dein Argument sehr kreativ, aber wir waren uns unsicher, ob wir das so wirklich kaufen sollten.“ In der Jurierdiskussion ist so selten Platz dafür, Originalität wahrlich schätzen zu lernen. Deshalb wird es entweder als absolut geniales Argument eingestuft (was selten ist, vor allem wenn man von dem Redner nicht erwartet, gut zu sein) oder als absolut unpassend. Ich glaube aber, selbst der Versuch zur Originalität sollte honoriert werden. Das hätte zum einen den Vorteil, dass selbst erfahrene Teams dazu gezwungen wären, sich nicht auf erprobte Debatte einzulassen, sondern auf neue Interpretationen zu reagieren. Dadurch schrumpft der statische Vorteil, der durch das Themenprepping o.ä. erzeugt wird.

    Aber vergessen wir nicht: Es gibt genauso verhängnisvolle Tendenzen bei OPD! Das einzig relevante dabei ist, dass es bei BPS weniger populäre Selbstzwecke gibt, also dass ein durchschnittliches Publikum positiver auf schlechte Bilder als auf eine scheinbare Struktur reagiert. Wenn dieser Unterscheid es legitimiert, BPS kritischer als OPD zu sehen oder diese Probleme als genuin BPS-evoziert darzustellen, na dann gute Nacht.

  2. Julian S. sagt:

    Stimme dem Artikel auf mehreren Ebenen nicht zu:
    1. Mein subjektiver Eindruck ist, dass Teams, die Themen in Clashes wie „Freiheit vs Sicherheit“ pressen, in guten Räumen tendenziell eher verlieren und in schlechten Räumen eher gewinnen, weil die anderen Teams keine ordentlichen Argumente zu Stande bringen. Gleichzeitig hatte ich meine besten Runden fast immer mit exotischen/neuartigen Argumenten. Wäre gespannt, wie der Eindruck anderer Debattierer ist.
    2. Dass generische Argumente stärker belohnt werden als sie verdienen, sofern das stimmt, wäre kein strukturelles BPS-Problem, sondern eher ein Problem mit schlechten Juroren.
    3. Wenn Argumente mit emotionalen Intuitions-Pumpen bekräftigt werden, sollte das nicht belohnt werden, da der Wert von BPS darin besteht/bestehen sollte, rationalen Diskurs darzustellen.
    4. Viele deiner Beispiele für nicht-typische BPS-Argumente wie zB „Signalwirkung“ sind selbst in ihrer ursprünglichen Form ziemlich generisch. Die Herausforderung in einer Debatte liegt darin, sie an die Motion und an greifbare Konsequenzen anzubinden. Dabei versagen die meisten, aber das heisst nicht, daß man den Versuch pauschal belohnen sollte.

  3. Aleksandar aus Kiel sagt:

    Warum sehen wir dich auf dem 4. Platz, Jakobus? Rhetorisch war deine Rede sehr gut, aber was wir vermisst haben war eine stringente Struktur und ein klarer Impact. Ich sage immer: Mehr Labels und mehr Mechanismus, dann können wir auch sehen was du uns sagen wolltest. Der Punkt ääääähhmmm „BPS-Gott“ und „die Normierung von BPS-Argumentationen in die immer gleichen Formen grenzt naturgemäß viele für die Realität bedeutsame Aspekte einer Argumentation aus“, da wussten wir nicht, warum ist das relevant in dieser Debatte? Uns ist auch negativ aufgefallen, dass du als OC den von OG sehr starken Vegan Trans Genderfluid „I stopped wearing underpants“ Feminismuspunkt komplett ignoriert hast.

    Wie kannst du dich verbessern? Versuch nächstes mal etwas freier zu sein und häng dich nicht zu sehr an der klassischen Struktur und am Mechanismus auf. Geh einfach hin und tu so als würde es einfach funktionieren. Außerdem brauchst du nicht so lange über so Punkte zu reden wie ääähhhmmmmmm „BPS-Gott“ und „die Normierung von BPS-Argumentationen in die immer gleichen Formen grenzt naturgemäß viele für die Realität bedeutsame Aspekte einer Argumentation aus“. Jedem war sofort klar welcher Schaden und dass die Relevanz da war; du musst uns das nicht nochmal explizit erklären, da hast du einfach viel Zeit verschenkt. Auch dein Rebuttal von OG gegen den Vegan Trans Genderfluid „I stopped wearing underpants“ Feminismus war viel zu lang und einfach verschenkte Zeit, da brauchst du nicht so viel zu machen insbesondere weil der jetzt auch nicht so relevant war in der Debatte.

    [Ich fand deinen Beitrag super und sehr unterstützungswürdig!]

    1. Nicolas (MZ) sagt:

      Sehr gut, Alex.

  4. Toni(München/Oxford) sagt:

    Ich muss zugeben, dass ich es durchaus unterhaltsam finde, einem Format, das Reden in Kategorien presst und in dem es vor ein paar Jährchen noch Punktabzüge gab, wenn man in seiner Begrüßung die „lieben freien Redner“ nicht erwähnt hat, zu unterstellen, dass es Kreativität mehr würdigt als eines, in dem holistisch juriert wird. Und auch „kreative Auslegungen“ sind wahrscheinlich eher nicht zu erwarten, wenn über mir gleich das Damoklesschwert namens „Thema verfehlt“-Abzug hängt. (P.S.: Wenn ich eine Sache benennen müsste, die ich debattiermäßig zur Zeit vermisse, dann ist das OPD)

    Ich denke nicht, dass BP keine Kreativität verlangt, es verlangt eine andere Kreativität. Während ich in einer OPD-Debatte meine generischen Argumente durch hübsche Bilder an die Motion anbinden kann (wenn ich kreativ genug bin, ebendiese Bilder zu finden), ist diese Möglichkeit in BP eher schlechter vorhanden, ich muss also im Zweifel mehr Zeit darauf verwenden, eben gerade konkret passende und spezifische Argumente zu finden. Und in beiden Formaten kommen generische Dinge vor, seien es generische Bilder oder generische Argumente oder die x-te ganz doll benachteiligte Randgruppe, die aber total wichtig ist. Am Ende wird sich in BP aber doch das Team durchsetzen, dass seine Argumente am besten auf die Motion ausrichtet, deren Argumente einzigartig auf die Motion passen. (Weil die generischen Argumente dann dank: Ja, generell passt ja,w as du sagst, aber in unserem Fall ist es eben anders und das wegen (a), (b), (c)…) Und ja, ich finde es super und in meiner Erinnerung wurde das auch immer honoriert, wenn mir eine Rednerin erklärt, warum man zwar die Sprache Bücher nicht umschreiben sollte, egal wie wir die Dinge heute sehen, Theateraufführungen aufgrund des live-Charakters aber etwas komplett anderes sind. Wenn es keine spezifischen, kreativen Argumente gibt oder es die tausendste Kameraüberwachungs-Motion ist, dann wird auch eine OPD-Debatte langweilig, egal wie schön die 1984-Bilder sind.

    Und ich muss zugeben, dass ich mehr Signalwirkungs-Argumente in BP (vielleicht ja wirklich wegen verzweifelter schließender Teams) als in OPD gesehen habe. Und meist waren die sogar recht gut, ganz im Gegensatz zu denen in der Realität. Auch wenn die Realität zwar schön und gut ist, aber eine Welt in der es als Argument gegen die Erlaubnis zur Eheschließung von Homosexuellen zählt, dass ja dann auch bald Geschwister heiraten dürfen, muss jetzt auch nicht unbedingt Einzug ins Debattieren halten. (Auch wenn hier dem Ganzen ein humoristischer Wert nicht abgesprochen werden kann, wenn es gerade von der Ministerspräsidentin des Saarlandes(!) kommt)

  5. René Geci (Rederei Heidelberg) sagt:

    Lieber Jakobus,

    du hast hier sicherlich einen sehr relevanten Punkt erkannt, ganz kurz gesagt: irgendwie läuft es am Ende doch immer auf dieselbe Kackscheiße raus. Menschenrechte, Glück, Freiheit, Minderheiten… bla bla bla!
    Unglücklicherweise warst du in deiner Analyse nicht konsequent genug. Könnte es nicht vielleicht so sein, dass das gar nicht primär ein Problem des BPS (oder des Debattierens insgesamt ist), sondern einfach daran liegt, dass die Welt in der wir leben so simpel und öde ist? Bedauernswerterweise beziehen wir uns immer auf diese „echte Welt“ und unglücklicherweise sind die dort auftretenden Probleme nicht so richtig kreativ. Ehrlich gesagt ist auch das immer dieselbe Kackscheiße, ich glaube daher rührt das Problem von dem du hier redest. Freiheit vs. Sicherheit, Individuelle Rechte vs. Kollektive Rechte, Individuum vs. Staat … bla bla bla, wie laaangweilig!

    Ich könnte drei Lösungen anbieten:

    1. Wir reden einfach nicht mehr über die klassische „echte Welt“. Es ist quasi intrinsisch in dieser veranlagt, dass große Geister, wie du und ich und die anderen Genies dieser Szene, dort an ihre Grenzen stoßen und sich langfristig langweilen. Stattdessen konstruieren wir einfach unsere eigene Realität mit komplexen Regeln und komplexen, spannenden Problemen. Quantenmechanik, parallele Universen, ja wir schaffen das!

    2. Du wirst ein großer Bösewicht und sorgst dafür, dass es auch in der echten Welt mal kreative und spannende Probleme zu lösen gibt, dann müssen wir in Debatten über dich auch mal kreative Ideen haben.

    oder mein Lieblingslösungsansatz:
    3. Vielleicht hast du einfach in zu kurzer Zeit an zu vielen Debatten teilgenommen und zu oft dieselben Gedankengänge oder Mechanismen gehört. Dagegen könnte eine kleine Debattier-Pause helfen, ich bin mir sicher du wärst überall ein gern gesehener Juror.

    Was ich sagen will: obwohl ich mir auch schon öfters mal gedacht habe, was du hier formulierst, bin ich letztlich immer wieder zu dem Schluss gekommen, dass es irgendwie ganz gut so ist, wie es ist. Ich bin dankbar dafür, dass es sowohl das etwas emotionalere (und vielleicht auch kreativere) OPD, als auch das rationalere, kühlere BPS gibt.

  6. Teresa (BO) sagt:

    Ich stimme dem Artikel auf vielen Ebenen nicht zu. Kleiner Denkanstoss: Jura betrachten manche auch als das immer selbe über Dekaden in Formen gepresste Herunterbeten von Schemata. Das mag auch für den Beginn (als Srudent/Referendar) und für bestimmte Grundstrukturen stimmen. Aber die Meister des Fachs brechen an den richtigen Stellen die Strukturen auf und werden dafür auch belohnt. Genauso sehe ich das auch bei BPS. Es gibt einem am Anfang Halt – dafür gibt es aber auch ein glass ceiling an Punkten. Die richtigen Punkte holt man jenseits der ausgetretenen Pfade.

    Aber es stört mich etwas anderes an dem Artikel. Ich kann gar nicht mehr zählen der wievielste Beitrag in der endlosen Serie des Formatkriegs das hier ist. An dieser Stelle möchte ich dann immer rufen: get over it! Es gibt nunmal zwei etablierte Formate in Deutschland und das finde ich auch erfrischend. Den Versuch, das eine Format dem anderen anzugleichen und umgekehrt finde ich ehrlich gesagt unangebracht, solange es nicht darum geht die Logik des jeweiligen Formats aus sich heraus voranzubringen. Was ja zuletzt für immense Verwirrungen gesorgt hat, war der Versuch Themenformate des BPS in das OPD einzuführen. Meine Meinung dazu: wer BPS-Themen reden will, soll auf ein entsprechendes Turnier fahren und umgekehrt.

    Aber vielleicht ist meine Sicht auch veraltet und die Debattierwelt hat sich in diesem Punkt weitergedreht. Dies jedenfalls meine 2 cents zum Thema.

    1. Nicolas (MZ) sagt:

      Siehe meinen zwischenzeitlich altertümlich anmutenden Beitrag auf dieser Seite. Es hilft wirklich, wenn man zwei Formate stehen lässt und deren jeweiligen Vorzüge auszubauen sucht, statt Schwächen überall konstruieren zu wollen.

  7. Alex (HD) sagt:

    Ich finde es toll, dass wir endlich mal wieder darüber reden, wie wir eigentlich reden! Und ich glaube, Ihr habt irgendwie alle Recht (buh!).

    In der Breite kann ich Jakobus‘ Beobachtung durchaus teilen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Kunst und Handwerk Hand in Hand gehen: Um eine Engelsstatue aus dem Marmor zu hauen, muss ich eben erstmal wissen, welchen Meißel ich nehme. Und dann muss ich immernoch lernen, ihn richtig zu benutzen. Bis ich das obere Mittelmaß erreicht habe, sieht das Ergebnis wahrscheinlich ziemlich komisch aus. Das mag den alten Hasen von uns vielleicht auf Dauer öde vorkommen. Aber das liegt vielleicht auch daran, dass die eigentliche Kunst in der Wahl des richtigen Werkzeugs liegt. Das erfordert viel Erfahrung, und die ist nicht von jetzt auf gleich zu haben.

    Das sollte uns nicht davon abhalten, nach Höherem zu streben, und vielleicht auch alte Strukturen aufzubrechen – volle Zustimmung zu Teresa. Aber ich glaube, auch ohne ein Meister zu sein darf auch und gerade in OPD mehr experimentiert werden. Das war früher anders (sagen Leute, die noch länger dabei sind als ich).

  8. Andreas Lazar sagt:

    Struktur und Form in BP sind Mittel zum Zweck, um Inhalte besser zu transportieren. Sie sollten nicht als Zwecke an sich gesehen und bewertet und auch nicht allzu generisch eingesetzt werden, aber vor allem zu Anfang können Standardstrukturen Redner*innen und Juror*innen helfen, sich mehr um den Inhalt zu kümmern und so bessere Debatten mit kreativeren und clevereren Argumenten zu ermöglichen. Man sollte also durch die „Matrix“ ihrer oberflächlichen Struktur auf die Substanz einer Rede schauen, um richtig zu beurteilen, ob sie kreativ war oder nicht.

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