Beschlüsse des WUDC-Councils 2018

Datum: 27. Januar 2018
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Während der diesjährigen Worlds Universities Debating Championship in Mexiko tagte auch der WUDC-Council erneut und besprach eine Reihe von Änderungen an der Verfassung der WUDC. Unser Redaktionsmitglied Jan-Gunther Gosselke saß live für euch in der Sitzung und hat nun die wichtigsten Punkte zusammengefasst.Mexico WUDC 2018 LogoInterpretation der Teilnahmebeschränkung

Die Verfassung der WUDC besagt in Abschnitt 42.1

“Individuals may only compete in a team eligible to proceed to the Elimination Rounds in the Preliminary Rounds at a maximum of four Editions of the Championship”

Eine Interpretation dieses Abschnitts nimmt an, dass Redner beliebig oft teilnehmen dürfen, sie (und damit auch ihr Team)  jedoch nur bei ihren ersten vier Teilnahmen breaken können. Als Mehrheitsverständnis kristallisierte sich im Pre-Council jedoch eine Interpretation als sogenannte Grandfather-Rule heraus, die die Anzahl der Gesamtteilnahmen auf vier beschränkt, um wettbewerbsverzerrende Teilnahmen von sogenannten “Dinosaurieren”, also äusserst erfahrenen Debattierern, zu verhindern. Es wurde vorgeschlagen, die Bestimmung entsprechend klarer zu fassen.

Auf kurzfristigen Antrag Kiels brachte der VDCH nach einer 3:1 Befürwortung  durch den deutschen Caucus (Kiel, München und St. Gallen dafür, Berlin dagegegen), einen Antrag ein, der diese Regel ändern würde: Demnach sollen Debattierer solange in breakberechtigten Teams teilnehmen können, bis sie vier mal gebreakt sind. Danach ist eine Teilnahme nicht mehr gestattet.

Dieser Antrag erreichte im Council während einer Probeabstimmung eine Mehrheit, wurde jedoch auf nächstes Jahr verschoben, da mehrere Delegationen den Wunsch äusserten, dies innerhalb ihres Caucus ausführlicher zu besprechen.

Anonymisierte Teamnamen

Bereits im vergangenen Jahr wurde die Einführung anonymisierter Teamnamen diskutiert, bei der Teams statt ihren Universitätsnamen und einem Buchstaben zufällige Begriffe zugeordnet werden, etwa “Rentier”. Dieses Jahr sprach der Council eine Empfehlung aus, während der Capetown WUDC 2019 eine derartige Anonymisierung testweise einzuführen, so dies aus Sicht des Tab-Teams machbar sei. Die in Capetown gesammelten Erfahrungen sollen dann als Grundlage für die Diskussion einer Verfassungsänderung dienen.

Befürworter argumentierten, dass zwar bekannte Redner nachwievor erkennbar blieben, jedoch die unbewusste Bevorzugung von weniger bekannten Rednern von Institutionen mit starken Markennamen(z.B. Harvard E, LSE D) durch die Juroren abnehme. Bezüglich der praktischen Umsetzung wurde angemerkt, dass eine Anonymisierung auf einzelnen amerikanischen und chinesischen Turnieren bereits gängige Praxis sei.

Jan-Gunther Gosselke - © Campbell Galón

Jan-Gunther Gosselke – © Campbell Galón

Gegner hoben hervor, dass viele Teams ihre Strategie nach den Teamnamen ausrichteten und dies nun unmöglich sei. Dies beinhalte beispielsweise die Fokussierung auf schwächere Teams im Raum, um einen zweiten Platz zu erhalten, anstatt erfolglos ein wesentlich stärkeres Team zu attackieren. Ausserdem wurden praktische Probleme wie das Tragen von Universitätspullovern oder der Austausch zwischen Teams und darauf basierend die Erstellung geheimer Dekodierungstabellen, die nur elitären Kreisen zur Verfügung stünden, angesprochen. Zuletzt wurde auch darauf hingewiesen, dass Juroren nicht zuverlässig ihre Sperrungen eintragen und solche Sperrungen nun erst zu Rundenbeginn identifiziert werden könnten.

Hinsichtlich der praktischen Kritikpunkte schlugen Befürworter als mögliche Gegenmassnahme die Klassifizierung solchen Verhaltens (Austausch mit Teams, Tragen von entsprechender Kleidung) als “grob regelwidrig” und die Einführung entsprechender Sanktionen vor.

Die einschränkende Formulierung “so dies aus Sicht des Tab-Teams machbar sei” wurde nach Anhörung des Tab-Teams der Capetown Worlds 2019 hinzugefügt, welches aufgrund der parallelen Einführung von Tabbie-Cat (als Alternative zu Tabbie 2) als Tabbing-Software Komplexitätsbedenken äusserte.

Der VDCH stimmte wie im vergangen Jahr für die Einführung anonymisierter Teamnamen.

Thailand 2020 Bid

Als einziger potentieller Ausrichter für die WUDC 2020 reichte Thailand einen Bid für Bangkok ein. Als Austragungsort wurde die katholische Assumption-Universität vorgeschlagen. Hier wurden bereits die elfte Ausgabe der All Asians Inter-Varsity Debating Championship (105 Teams / 600 Teilnehmer) und im Jahr 2008 die 28. Ausgabe der WUDC (400 Teams / mehr als 1500 Teilnehmer) ausgerichtet.

Der Bid wurde angenommen, auch der VDCH stimmte dafür. Weitere Informationen sind auf dem Google Drive des WUDC Councils verfügbar.

Umbenennung des ESL Grand Final Best Speaker Awards

Für den besten Redner des ESL Grand Finals wurde bisher der ESL Grand Final Best Speaker Award vergeben. Dieser wird nach Antrag durch Malaysia und Beschluss durch den Council in Zukunft als Sadiq Ayinde Award vergeben, um an den gleichnamigen Debattanten der Azusa Pacific University zu erinnern. Sadiq war ein nigerianischer Debattant, der spät mit dem Debattieren begann, jedoch den Sport zu seiner obersten Priorität machte und damit anfängliche Schwierigkeiten bzgl. Akzent und Turnierteilnahmen (aufgrund von Visabeschränkungen) überkam, um schliesslich im ESL Finale der Dutch WUDC 2017 zu reden. Sadiq starb überraschend im vergangenen Jahr und Malaysia schlug eine Umbenennung vor, um sein Andenken und seinen Willen, sich von anfänglichen Sprachbarrieren nicht vom Debattieren abhalten zu lassen, in Ehren zu halten.

Einführung der Playoff-Debatte als ultimativer Break-Entscheid

Der Break der WUDC wird bestimmt auf Basis von Teampunkten, Rednerpunkten, Anzahl von Erstplatzierungen, Anzahl von Zweitplatzierungen und Anzahl von Drittplatzierungen (in dieser Reihenfolge, bei gleichen Team- und Rednerpunkten rückt also das Team mit mehr ersten Plätzen in die KO-Runden vor.)

Bei der diesjährigen Mexico WUDC kam es vor, dass zwei Teams an der Grenze des EFL-Breaks auf allen Kategorien die gleichen Resultate erzielten. Dies wurde bisher per Los entschieden. Ab sofort findet in diesem Falle eine sogenannte Playoff-Debatte statt, bei welcher es sich um eine normale Debatte handelt, an der die betroffenen Teams sowie ggf. erforderliche auffüllende Teams teilnehmen. Bei nur zwei betroffenen Teams müssen diese Teams in der selben Debattenhälfte (beide eröffnend oder schliessend) debattieren. Die auffüllenden Teams werden durch Juroren gebildet, welche nicht gegen eines der betroffenen Teams gesperrt sind und zufällig aus einem Pool durch die Chefjury ausgewählt werden.

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