Chefjurorenmangel – ein paar Gedanken

Datum: 7. Februar 2018
Redakteur:
Kategorie: Das Thema, Jurieren, Mittwochs-Feature

Die letzten Ausschreibungen für Chefjuryposten erhielten allesamt wenige Bewerbungen – Christian Strunck geht einige Gedanken durch, wo die Gründe liegen und wie Lösungen gefunden werden könnten.

In der Vergangenheit wurden mehrere Initiativen gestartet, um die Juriersituation auf Turnieren zu verbessern. Dabei wurde zunächst vor allem an Jurierneulinge gedacht, denen man das Erleben eines Turniers auf der Jurorenbank möglichst angenehm machen wollte (siehe hier und hier). Mit Einführung der Jurorenpreise möchte man nun auch Anreize für erfahrenere Juroren setzen, da insbesondere auf ZEIT DEBATTEN oftmals ein großer Mangel an erfahrenen Hauptjuroren bestand. Aber was ist eigentlich mit den Chefjuroren?

Aktuell ist es für Turnierausrichter oftmals schwierig, Chefjuroren zu bekommen. Das gilt insbesondere für erfahrene Chefjuroren. Teils wurden ganze Turniere abgesagt, weil man niemand passendes fand, aber auch bei den Auswahlverfahren für die DDM 2018, die ZEIT DEBATTE Münster 2018 und auch die SDM 2018 hatte man offensichtlich Probleme, erfahrene Chefjuroren zu gewinnen. Zum Glück gibt es viele Interessierte aus dem Nachwuchsbereich, aber selbstverständlich ist es leichter, das Chefjurorenhandwerk von Leuten zu lernen, die schon einige Erfahrung darin mitbringen. Für das Problem gibt es weder eine einfache Analyse noch einen Patentlösungsvorschlag. Ich möchte versuchen, einige denkbare Ursachen für die Problematik aufzuzeigen und gleichzeitig Denkanstöße zu geben, was man womöglich in der Zukunft anders machen könnte.

 

Christian Stunck (r) im Gespräch mit Barbara Schunicht beim Alstercup 2017 - © Debattierclub Hamburg e.V.

Christian Stunck (r) im Gespräch mit Barbara Schunicht beim Alstercup 2017 – © Debattierclub Hamburg e.V.

Strukturelle Faktoren

Zunächst möchte ich einige strukturelle Faktoren beschreiben, die man kaum beeinflussen kann und die in der Problematik natürlich trotzdem eine große Rolle spielen:

  1. In der Vergangenheit gab es einige sehr erfahrene Chefjuroren, die diesen „Job“ über Jahre auf sehr vielen Turnieren auf sehr hohem Niveau ausgeübt haben (beispielsweise Andrea Gau, Willy Witthaut oder Tobias Kube). Aber irgendwann ist eben auch mal Schluss bzw. man widmet sich anderen Dingen im Leben. Wenn aber auch schon vorher keine besonders große Breite geherrscht hat in der Chefjurorenszene, dann wiegt der Ausfall von einigen wenigen sehr erfahrenen Personen zu einem ähnlichen Zeitpunkt doppelt schwer.
  1. In den letzten beiden Saisons haben einige wenige Chefjuroren recht viele (insbesondere der großen) Turniere chefjuriert (z.B. Jule Biefeld und Nikos Bosse). Da ist es nur logisch, dass man nach einer sehr anstrengenden Saison auch mal durchschnaufen möchte und sich mal wieder anderen Dingen widmen möchte als ständigen Skypekonferenzen, Leitfäden und/oder Casefiles.
  1. Die Verweildauer innerhalb des Debattierens scheint – zumindest in der Breite der Szene – abzunehmen. Früher war es nichts Besonderes, dass Leute vier, fünf oder auch noch mehr Jahre debattiert haben. Es gab sogar einmal das geflügelte Wort, dass man erst nach vier Jahren Debattiererfahrung sein volles Potenzial ausschöpfen könne. Heute ist es nicht ungewöhnlich, dass Leute schon in ihrer ersten Saison auf einer ZEIT DEBATTE breaken. Das sind fraglos dann auch sehr talentierte Leute, denen ihr Erfolg zu gönnen ist, aber es zeigt eben auch, dass die noch vor einigen Jahren von vielen als Problem wahrgenommene Situation, dass zahlreiche Debattierdinosaurier den neuen Leuten jede Möglichkeit für Turniererfolge weg nehmen, heute längst nicht mehr gegeben ist. Das mag man begrüßen oder bedauern, aber je kürzer die Verweildauer innerhalb der Debattierszene ist, desto unwahrscheinlicher ist es natürlich auch, dass man a) überhaupt Chefjuriererfahrung sammelt oder gar b) dies auch öfter als zwei oder drei Mal tun wird.

 

Beeinflussbare Faktoren

Es mag sicherlich noch mehr strukturelle Gründe für die Situation geben. Da die Lösungsmöglichkeiten hier aber begrenzt sind, möchte ich mich auf diejenigen Stellschrauben konzentrieren, an denen man drehen kann. Wichtig ist mir dabei, dass diese Ideen keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erheben und manche halte ich selbst noch für verbesserungswürdig. Aber vielleicht können sie zumindest der Diskussion und Inspiration dienen:

 

Sarah Kempf beim Jurier-Think-Tank - © D. Pakhomenko

Sarah Kempf beim Jurier-Think-Tank –
© D. Pakhomenko

Ausschreibungen überdenken oder zumindest koordinieren:

Die Idee von Ausschreibungen ist, jedem einen Zugang zu einer Chefjury zu geben. Dieses hehre Ziel schafft aber auch Probleme: So gab und gibt es einige sehr erfahrene Leute, die an Ausschreibungen prinzipiell nicht teilnehmen und zwar aus ganz persönlichen Gründen. Eine Ausschreibung kann also auch den potenziellen Pool reduzieren und das kann womöglich gerade die Leute ausschließen, die man eigentlich gerne dabei haben möchte (insbesondere erfahrene Chefjuroren bei großen Turnieren). Ich persönlich bin hier gespalten. Meine bevorzugte Lösung wäre wohl, eine oder zwei Personen gezielt anzufragen und einen oder zwei Posten auszuschreiben, um die Stärken beider Systeme nutzen zu können. Aber eine Patentlösung ist auch das sicher nicht. Hierzu hat sich der Jurier-Think-Tank schon einmal ausführlich Gedanken gemacht.

Mehr Potenzial sehe ich in der Koordination von Ausschreibungen. Es ist sehr unglücklich, wenn sich Ausschreibungsphasen überschneiden (wie z.B. bei der ZEIT DEBATTE Hannover 2018 und der SDM 2018). Denn es kann natürlich sein, dass man an beiden Turnieren interessiert ist, sich dann für das eine bewirbt und die Ausschreibung für das zweite Turnier endet womöglich schon vor der Bekanntgabe der Chefjury des ersten Turniers. Zwei große Turniere in einem kurzen Zeitraum dürfte den meisten Leuten aber zu viel sein. Durch die parallele Ausschreibung wird aber der Bewerberpool des zweiten Turniers zweifelsfrei kleiner. Hier könnte man versuchen, sich zukünftig bei den Zeiträumen besser abzustimmen. Gerade bei größeren Turnieren steht das Datum des Turniers ja schon frühzeitig fest und Überschneidungen sollten vermeidbar sein auch ohne dass ein Turnierausrichter unter Zeitdruck gerät.

 

Zeitpunkt der Bestimmung der Chefjurys

Unabhängig davon, ob man ausschreibt oder direkt kontaktiert, sollte man seine Chefjury frühzeitig bestimmen. Früher stand diese für ZEIT DEBATTEN meist schon im Sommer bei der VDCH-MV fest. Heute wird diese teils erst im Winter bestimmt. Für die Arbeit der Chefjury muss das kein so großes Problem sein (kann es aber!), im Regelfall hat man noch genug Zeit. Aber es gibt trotzdem einige Probleme bei einer späteren Auswahl:

  • Der Pool ist kleiner, da potenzielle CJ ihr Jahr vielleicht schon ganz anders geplant haben, volle Stundenpläne haben, Urlaub geplant haben etc.. Wenn man im Sommer schon weiß, dass man im Frühjahr ein Turnier chefjurieren wird, kann man das in seine Planung einbeziehen. Wenn man im November/Dezember/Januar gefragt wird, ist es vielleicht nicht mehr möglich, sich so viel Zeit zu nehmen, wie man nach eigenem Empfinden benötigt, um eine bestmögliche Vorbereitung zu gewährleisten. Bewerben wird man sich dann natürlich erst recht nicht mehr, aber auch Anfragen wird man eher ablehnen. Diese Erwägung gilt natürlich auch bei kleineren Turnieren.
  • Der Pool ist auch deshalb kleiner, weil natürlich auch kleinere Turniere gerne erfahrene CJ in ihrem Panel sehen. Wenn diese den Ausrichtern der größeren Turniere zuvor kommen, kann das schwierig werden. Denn nicht jeder Chefjuror sieht sich in der Lage in einer Saison mehr als zwei oder drei Turniere auf einem Niveau zu chefjurieren, das er für angemessen hält. Das bedeutet aber, dass die Erfahrenen dann gerade auf den „wichtigen“ Turnieren fehlen.

Auch wenn diese Faktoren für sich vielleicht nicht besonders gewichtig sind, so können sie aufgrund des ans ich schon sehr kleinen Pools an erfahrenen Chefjuroren aber letztlich entscheidend sein.

 

Erwartungen an die Chefjurys

Die Vorbereitung eines Turniers ist je nach eigenem Anspruch sehr aufwendig. Hier könnte man versuchen, den Anspruch etwas herunter zu fahren und auch das Wiederaufgreifen von Themen aus der Vergangenheit mehr zu „gestatten“. Alte Themen sind ja schließlich nicht deshalb schlecht, weil sie auf anderen Turnieren schon gestellt worden sind. Natürlich soll vermieden werden, dass einzelne, die diese Debatten schon einmal geführt haben, bevorteilt sind. Aber viele Themen ähneln sich strukturell ohnehin und was in Clubdebatten schon alles debattiert wurde, weiß sowieso niemand. Viele Themen kann man auch sehr unterschiedlich angehen. Und gleichzeitig würde es Chefjurys auf kleinen Turnieren, die ja auch und gerade zum Lernen da sind, die Möglichkeit geben, für viele Teilnehmer klare, einfache und zeitlos aktuelle Themen zu stellen. Beispielsweise lief im Halbfinale des Reedhovencups 2014 das Thema: „Brauchen wir ein bedingungsloses Grundeinkommen?“. Das war sicher nicht neu, hat aber trotzdem gut funktioniert. Hier könnte die Szene ihre Anspruchshaltung gegenüber den Chefjurys womöglich etwas überdenken und beim Stellen einige Jahre alter Themen etwas toleranter sein.

 

Tobias Kube erklärt die Grundlagen des British Parliamentary Style auf dem Jurierseminar Karlsruhe-Nancy 2014 in Karlsruhe - © Johannes Grygier

Tobias Kube erklärt die Grundlagen des British Parliamentary Style auf dem Jurierseminar Karlsruhe-Nancy 2014 in Karlsruhe – © Johannes Grygier

Allgemeiner Umgang mit Themen und Chefjurys

Bisher findet selten eine öffentliche Diskussion über gestellte Themen statt. Die Diskussion über die ZEIT DEBATTE Bayreuth sollte hierbei auch mahnendes Beispiel sein, wie man es nicht machen sollte. Ich denke, dass es normal ist, dass man die Themen diskutiert und natürlich kann man es nie allen recht machen. Was aber jeder bedenken sollte, egal wo und wann und mit wem er über ein vielleicht doch missglücktes Thema diskutiert (und ich bin sicher, jedem Chefjuror ist schon mindestens ein Thema misslungen, da nehme ich mich nicht aus): Die Chefjury hat sich im Zweifel sehr viel Arbeit bei der Vorbereitung des Turniers gemacht und will immer allen Teilnehmern, der Orga und eventuellen Zuschauern ein bestmögliches Turniererlebnis verschaffen. Das kostet Zeit, Energie und macht nicht nur Spaß. Bedenkt also, dass diese Leute das für euch tun und dafür kein Geld bekommen. Themenkritik ist völlig in Ordnung. Das macht jeder, auch in der Hitze des Gefechts direkt nach der Debatte. Aber versucht gerade deshalb sachlich und fair zu bleiben, insbesondere bei öffentlichen Diskussionen.

 

Zusammenarbeit mit der Orga im Vorfeld und vor Ort

Die meisten Turnierorgas sind gut vorbereitet, sehr engagiert und machen einen tollen Job. Manchmal sind die Leute aber auch überfordert, das kann passieren. Was aber nicht passieren sollte, ist, dass Chefjuroren auf Turnieren von der Orga das Gefühl vermittelt wird, dass sie eigentlich nur stören oder dass man sie gar anschreit und persönlich angreift. Ebenso sollte es nicht sein, dass Chefjuroren Aufgaben der Orga übernehmen müssen, wie beispielsweise die Sicherstellung der Transfers der Halbfinalteams, Transportfahrten, die Gewährleistung, dass Getränke für die Teilnehmer vorhanden sind, oder das Tragen von schweren Kisten, während mehrere Helfer daneben stehen bzw. sitzen und untätig bleiben. All diese und noch mehr grenzwertige Situationen sind in der letzten Saison auf verschiedenen Turnieren passiert. Auch wenn das zum Glück Einzelfälle gewesen sind, die wahrscheinlich vor allem Stress und Überforderung und keiner bösen Absicht geschuldet waren, so befördert dies sicher nicht die Motivation, weitere Turniere chefzujurieren.

Klar, zu menschlichen Beziehungen und entsprechenden Problemen gehören immer mindestens zwei, aber auch hier mein Appell an Turnierorgas: Eure Chefjury steckt – wie ihr – sehr viel Arbeit in so ein Turnier und sie macht das auch für euch. Ein anständiger persönlicher Umgang sollte daher das mindeste sein. Und von entspannten Chefjuroren, die Spaß an dem haben, was sie tun, profitieren letztlich alle Teilnehmer und damit im Ergebnis immer auch die Orga.

 

Kleinere CJ-Panels

Früher waren Zweierpanels bei kleineren Turnieren absolut üblich. Dass heute bei eigentlich jedem Turnier meist drei Leute chefjurieren, hat nach meiner Erinnerung erst im Frühjahr 2014 begonnen. Nicht dass mich jemand falsch versteht, ich persönlich ziehe die Arbeit zu dritt einer Arbeit zu zweit definitiv vor. Aber wenn der Gesamtpool an Chefjuroren klein ist und der an erfahrenen noch einmal kleiner, dann braucht man bei der heute sehr großen Anzahl an Turnieren auch deutlich mehr Chefjuroren bzw. es gibt wesentlich mehr solcher Posten. Da aber viele Chefjuroren nicht mehr als zwei bis drei Turniere pro Jahr chefjurieren wollen (oder aus Zeitgründen nicht können), könnte man bei kleinen Turnieren auch mal auf “nur” zwei Chefjuroren zurückgreifen. Mir ist klar, dass diese Maßnahme aus spieltheoretischen Gründen wenig Aussicht auf Erfolg hat, denn von einem Verzicht auf eine dritte Person profitieren im Zweifel nur andere Turniere, nicht aber das eigene. Trotzdem wollte ich diesen Gedanken einmal einbringen. Und selbstverständlich kann man auch zu zweit ein Turnier hervorragend vorbereiten und vor Ort managen.

 

Mehr Flexibilität in der Vorbereitung und vor Ort

Lennart Lokstein hat bereits im Sommer den Vorschlag gemacht, dass nicht alle Chefjuroren, die ein Turnier vorbereiten, auch vor Ort sein müssen. Dafür gab es viel Kritik. Chefjuroren sollten immer auch schauen, wie ihre Themen tatsächlich laufen und der Verantwortung persönlich stellen. Zudem macht es vielen Chefjuroren auch gerade viel Spaß, vor Ort mit der Orga ein tolles Turnier für alle Teilnehmer auf die Beine zu stellen und in schwierigen Situationen gemeinsam zu improvisieren. Dem würde ich zustimmen, das ist sicher der Optimalzustand. Gleichzeitig sollte man aber auch bedenken, dass man als Orga vielleicht ganz bestimmte Chefjuroren in der Themenvorbereitung haben möchte (jeder hat da seinen eigenen und definitiv wiedererkennbaren Stil!), die aber womöglich am Tag des Turniers keine Zeit haben. Gleichzeitig kann es Leute geben, die keine Zeit für eine Themenvorbereitung hätten, aber an dem Wochenende Zeit und Lust hätten, die Aufgaben vor Ort zu übernehmen. Und selbstverständlich könnte man letzterer Gruppe alle Casefiles und Notizen etc. zur Verfügung stellen, man müsste sie also nicht blind in das Turnier schicken wie beim Schwarzwaldcup 2013.

Eine solche ausnahmsweise Verteilung der Aufgaben könnte alle Beteiligten entlasten und die Hürde, ein Turnier chefzujurieren, senken. Denn letztlich ist das einfach sehr, sehr viel Arbeit und viele haben eben einfach nicht die Zeit dafür bzw. nicht die Zeit, die sie für erforderlich halten, um einem Turnier, der Orga und den Teilnehmern gerecht zu werden. Im Endeffekt kann das dazu führen, dass die Orga dann ein Panel zusammenstellt, von dem sie weniger überzeugt ist, oder, dass sie sogar das Turnier verschieben oder absagen muss, weil es nicht genügend Leute gibt, die für alle CJ-Aufgaben für ein konkretes Turnier die nötige Zeit haben. Das ist schade und könnte durchaus vermieden werden, wenn man den Anspruch senkt, dass jeder Chefjuror alle Aufgaben in der Vorbereitung und vor Ort übernehmen muss.

 

V.l.n.r. Marion Seiche, Stefan Torges, Sabrina Göpel

Auszeichnungen für Juroren wurden auf einer ZEIT DEBATTE erstmals mit Beginn der Saison 2017/18 in Berlin verliehen – © Matthias Carcasona

Jurierpreise überdenken

Die Einführung der Jurierpreise auf ZEIT DEBATTEN soll Anreize für erfahrene Juroren setzen, an diesen Turnieren als Juroren teilzunehmen und, noch wichtiger, hiermit soll die Jurierarbeit gewürdigt werden. Ich persönlich bin kein großer Freund dieser Regelung, da ich a) nicht glaube, dass Juroren sich als Konkurrenten in einem Wettbewerb empfinden sollten und b) weil ich es nicht für möglich halte, diese Preise in einem wirklich gegenüber allen (!) teilnehmenden Juroren fairen Verfahren zu vergeben. Aber völlig unabhängig davon bereitet es den Chefjuroren nochmals deutliche Mehrarbeit vor Ort. Das macht den Job weniger attraktiv.

Das mag im Verhältnis nicht besonders viel Mehrarbeit sein, aber es kann durchaus Chefjuroren geben, denen die Vergabe eines Preises ohne klare Kriterien und unklarer Datenlage einfach unangenehm ist. Allein deswegen wird wohl niemand die Chefjurierung eines Turniers ablehnen. Aber attraktiver wird die Aufgabe durch diese Mehrarbeit sicherlich nicht.

 

Chefjurorenforen und Seminare

Um Chefjurorennachwuchs nicht zu verschrecken, könnte man eigene Foren und Seminare einführen. Das einige Male auf dem Kick-Off organisierte Forum wurde zuletzt kaum noch besucht. Das sollte eigentlich auch nicht verwundern, denn der Kick-Off richtet sich ja vor allem an neue Vorstände und das sind zwar oft Leute, die in einer Saison Turniere organisieren, aber eher selten diejenigen, die auch Turniere chefjurieren. Hier wäre ein neues Format gefragt, zu dem Jule Biefeld mit ihrer E-Mail über den VDCH-Verteiler am 2.02.2018 auch bereits einen Anstoß gegeben hat.

Themen solcher Seminare könnten sein: Vorgehen bei Themensuche, Casefileerstellung, Effektive Diskussionsführung und Moderation von Themenvorschlägen, Jurorenmanagement, Zusammenarbeit mit der Orga (im Vorfeld und vor Ort), Auswertung von Feedbackbögen oder Umgang mit Problemen vor Ort (Zeitplan und – management, typische Probleme mit dem Tabprogramm etc.).

 

Ausblick

Wie gesagt, ich kenne kein Heilmittel, gerade für die strukturellen Probleme. Vielleicht wachsen sich diese auch zukünftig von selbst aus. Aber es gibt eben auch Stellschrauben, die wir beeinflussen können. Und vielleicht sind unter diesen Punkten einige Anstöße, über die es sich nachzudenken und zu diskutieren lohnt.

Christian Strunck/lok.

 

Mittwochs-Feature

Christian Strunck begann im Herbst 2012 beim Debattierclub Johannes Gutenberg e.V. in Mainz zu debattieren und war von Sommer 2013 bis 2014 Präsident des Clubs. Er gewann die Deutschsprachige Debattiermeisterschaft 2015 in Münster und erreichte bei der Deutschsprachigen Debattiermeisterschaft 2014 in Berlin das Finale. Er gewann die ZEIT DEBATTEN Wien und Heidelberg 2014 und erreichte die Finals in Frankfurt 2013 und Tübingen 2015. Zudem wurde er Westdeutscher Vizemeister 2014 und 2015. Er jurierte unter anderem das Finale der Deutschsprachigen Debattiermeisterschaft 2016 in Heidelberg sowie der ZEIT DEBATTE Hamburg 2016. Er chefjurierte unter anderem das HeidelBÄM-Turnier 2016 in Heidelberg, den Schwarzwaldcup 2016 in Freiburg, den Alstercup 2017 in Hamburg sowie die Westdeutsche Meisterschaft 2017 in Wuppertal. Aktuell arbeitet er als Anwalt für einen Arbeitgeberverband in Wiesbaden und vervollständigt seine Promotion zum Tarifvertragsrecht an der Universität Mainz.

Das Mittwochs-Feature: Jeden Mittwoch ab 10.00 Uhr stellt das Mittwochs-Feature eine Idee, Debatte, Buch oder Person in den Mittelpunkt. Wenn du selbst eine Debatte anstoßen möchtest, melde dich mit deinem Themen-Vorschlag per Mail an team [at] achteminute [dot] de.

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23 Kommentare zu “Chefjurorenmangel – ein paar Gedanken”

  1. Robert Pietsch sagt:

    Ich empfand persönlich auch die in der Ausschreibung formulierten Ansprüche als so hoch, dass ich mir z. B. nicht zugetraut hätte/habe, mich darauf zu bewerben.

    Vielleicht muss man da nochmal checken, was realistische Ansprüche sind und nicht wie auf dem Jobmarkt erstmal ein Maximum reinschreiben?

    Wir sollten dabei nicht vergessen, das ist ehrenamtliches Engagement.

    Liebe Grüße
    Robert

    1. Christian (MZ) sagt:

      Sehr guter Hinweis! An diesen Punkt habe ich beim Verfassen des Textes leider nicht gedacht. Vielen Dank 🙂

  2. Ruben H sagt:

    Ich glaube, dass es grundsätzlich gar nicht wenige Leute gibt, die bereit sind chefzujurieren, aber viele davon nicht die Gelegenheit bekommen, dass mal auf einem kleineren Turnier auszuprobieren. Gerade bei Freundschafts- und DDL-Turnieren werden die Chefjurys in der Regel von der Orga direkt angefragt, sodass ich als Orga auch gar keine Überblick habe, welche Personen, die bisher nicht chefjuriert haben, prinzipiell Lust darauf hätten. Wenn man aber die Erfahrungen von den kleinen Turnieren nicht hat, ist man aber in den Ausschreibungen entweder relativ chancenlos oder traut sich bei den inzwischen – wie ich finde – in der Tat erheblichen Anforderungen in manchen Ausschreibungen sich auch nicht zu bewerben.
    Wenn man es schaffen würde, dass die Ausrichter von kleineren Turnieren einen Überblick darüber bekämen, wer mal Lust hätte, Erfahrungen zu sammeln – sei es über eine “Mini-Ausschreibung” oder eine Liste mit Interessenten oder so etwas, wäre es für neue CAs denke ich wesentlich einfacher den Einstieg zu schaffen.

    1. Christian (MZ) sagt:

      Mir ging es im Artikel mehr um die erfahrenen Chefjuroren, die immer weniger werden und oftmals auch weniger motiviert sind aufgrund diverser Probleme (siehe Artikel). Nachwuchschefjuroren gibt es einige, definitiv nicht weniger als früher (dafür mehr Turniere), aber es ist eigentlich schon seltsam, dass manche ihre ersten Erfahrungen ausgerechnet auf den großen Turnieren machen (müssen), weil nur dort die Posten ausgeschrieben werden. Da gebe ich dir völlig recht.

      Trotzdem sehe ich hier aus Perspektive einr Turnierorga eines kleinen Turniers weniger ein Problem, denn:
      – Man kann Leute anfragen, die einem auf Turnieren als gute Juroren aufgefallen sind (oder auch als tolle Redner, siehe Daniels Kommentar).
      – Man kann erfahrene Chefjuroren fragen, wen sie empfehlen würden als neue Chefjuroren. Deshalb muss man die erfahrenen Personen nicht fragen, ob sie auch selbst chefjurieren wollen und selbstverständlich muss man den Empfehlungen auch nicht folgen.
      – Man kann die 8M durchschauen, wer evtl. erst ein Turnier chefjuriert hat und auch Jurorenbreaks sind problemos herauszufinden.
      – Man kann auch bei einem kleinen Turnier eine Ausschreibung machen. Man kann so ein Turnier ja acht bis zehn Wochen vorher ankündigen und eine ein- bis zweiwöchige Bewerbungsfrist machen. Entweder für die ganze Jury oder nur für einen Nachwuchsposten.

      Wenn ich Orga bin und CJ-Nachwuchs fördern will, gibt es aus meiner Sicht genügend Möglichkeiten. Man wird dadurch nicht jeden finden, der gerne mal chefjurieren möchte, aber so ist das nun mal. Es gibt ja auch keinen Anspruch des Einzelnen an die Szene, dass man allein schon, weil man es gerne mal machen würde, auch unbedingt mal was chefjurieren darf. Ausschreibungen gibt es genug und ebenso die Möglichkeit, sich durch gute Arbeit als Juror auf Turnieren zu empfehlen.

    2. Ruben H sagt:

      Das stimmt schon und wären aus Orga-Sicht auch gute Ideen, Nachwuchs zu fördern. Trotzdem ist es ja sehr auffällig, dass es bei den vergangenen Ausschreibungen es allesamt einen Run auf die Nachwuchsplätze gab, wohingegen die Bewerbungslage für die regulären Plätze eher mau war. Das spricht ja durchaus dafür, dass viele motivierte Personen auf kleineren Turnieren nicht die Chance erhalten, Erfahrungen zu sammeln und es damit auch dauerhaft einen kleineren Pool erfahrener CAs gibt.
      Und auch mit deinen genannten Möglichkeiten ist es ja durchaus so, dass ich eigeninitiativ quasi keine Möglichkeit habe, mich um CA-Posten auf kleineren Turnieren zu bemühen. Wenn Ausrichter ohnehin ein Problem haben, CA’s für ihre Turniere zu finden, spräche aus meiner Sicht ja auch nichts dagegen, diese Plätze in den einschlägig bekannten Gruppen und Verteilern bekannt zu geben und so auch Personen zu erreichen, an die ich als Ausrichter im ersten Moment nicht gedacht hätte.

    3. Christian (MZ) sagt:

      Klar kann ich als Turnierorga eines kleinen Turniers Leute auch auf anderen Wegen erreichen als über eine reguläre Ausschreibung, wobei man eine Ausschreibung ja üblicherweise genau über den von dir angesprochenen (VDCH-)Verteiler macht. Ob man das auch per Facebook machen kann…naja, wer will kann das tun, aber es ist eben nicht jeder bei Facebook. Andererseits ist auch nicht jeder Debattierer im VDCH-Verteiler (wobei die Unterschiede für das Fernbleiben unterschiedlich sein dürften). Aber das ist ja Sache der Ausrichter, wie sie ihre Leute suchen, das ist einem ja nicht verboten.

      Deine Lesart, dass es einen Run der unerfahrenen CJ auf Turniere gäbe, weil sie sonst keine Möglichkeit zum Sammeln von Chefjuriererfahrungen haben, teile ich nicht. Es gab doch in den letzten Monaten und Jahren viele Leute, die ihr erstes oder zweites Turnier chefjuriert haben. Und es ist doch umso schöner, wenn sich viele zutrauen, auch größere Turniere chefzujurieren. Nur weil sie sich dort auch noch als Anfänger bewerben (als Anfänger zählen da ja meist auch Leute, die schon ein oder zwei Turniere chefjuriert haben), heißt das ja nicht, dass sie sonst keine Möglichkeiten zum Chefjurieren haben.

      Einen Run auf ausgeschriebene Nachwuchsposten sehe ich übrigens nicht. Hier gibt es wenigstens überhaupt einige Bewerbungen, aber das alleine ist doch kein run. Dafür bleiben die Bewerbungen erfahrener Chefjuroren aus. Und das sollte einem als Szene zu denken geben.

  3. Simon V. (Wuppertal) sagt:

    Also ich bin persönlich etwas verwundert über die Empirie:
    Wo haben wir schonmal signifikante Breakchancen von Anfängern erlebt?
    So weit ich es beurteilen kann, sieht man auf den Siegertreppchen oft dieselben Leute.

    Ich finde es doof das schon jetzt wieder auf den Jurorenpreisen herumgehackt wird. Wie lange gibt es die denn schon? Man sollte der Maßnahme mehr Zeit geben.

    Ferner muss ich ganz ehrlich sagen, die Probleme liegen klar auf der Hand und haben sich seit Barbaras Analyse (die ich immer noch für die beste halte) nicht stark verändert:
    – immer noch zu wenig Anerkennung für die Juroren. Die Juroren die ich kennengelernt habe sind, sofern sie eine steile Lernkurve aufgezeigt haben, gut im Debattieren angekommen. Diese Lernkurve kann aber nur dann glaubwürdig bestätigt werden, wenn sie in irgendeiner Weise mehr bekommen als eine Zeile “kann man in Zukunft als Hauptjuror setzen” oder guten Zuspruch. Selbst wenn dieses Wissen sich auf zukünftige Raumsetzungen übertragen würde, weiß der Juror es einfach nicht sicher. Hier muss man wirklich besseres Feedback betreiben und auch mal mehr Interesse in den Juror oder deren Clubs setzen. Wenn man jemandem sagt, er sei ein vielversprechender/bester Nachwuchsjuror für seinen Club, kann dieser jemand sich genauso freuen wie ein junger Nachwuchsjuror. Oder ein besseres Tracking der Ergebnisse betreiben. Wenn man am z.B. Ende eines Turniers eine Übersicht darüber bekommt, in welchen Räumen, mit welchen Teams, mit wievielen Punkten, und wie erfahrenen Hauptjuroren man nebenjuriert hat, dann hat man sicherlich eine bessere Möglichkeit, sich zu vergleichen und eine “Jurieridentität” auszubilden.

    – Wir haben wenig Wissen über Jurorenrecruiting. Das fängt schon bei Werbevorschlägen und Anwerbetipps an. Wo bitte wird explizit damit geworben, dass man Leute für eine Jury sucht? Oder dass man politische und philosophische Reflexion explizit anwirbt? Die meisten Vorschläge, die ich bisher kennengelernt habe, handeln vom reden, nicht vom zuhören, bewerten oder analysieren. Das klingt wahrscheinlich wirklich orthodox, aber wenn man so gut wie alle Neuankömmlinge mit Reden anwirbt, wer wird intrinsisch zuhören wollen?

    – Wir haben noch weniger Motivation zur Jurorenanwerbung.
    Welche institutionellen positiven Anreize gibt es, dass ein Club gute Juroren ausbildet? Das einzige, was wir daran wahrnehmen werden ist wahrscheinlich dass dieser Club weniger gute Redner dann dabei hat. Das einzige, was wir benutzen, sind negative Anreize, die hauptsächlich dazu nutzen, dass nicht so viele Redner von einem Club bei zu wenigen angemeldeten Juroren zum Turnier kommen.
    Welchen positiven Nutzen gibt es denn, wenn ein Club viele Juroren hat? Besondere Aufmerksamkeit? Einen zusätzlichen Teamplatz auf einem Turnier?

    Was schlage ich stattdessen vor?
    Ich glaube, wir präferieren Teamrednerplätze, weil diese begrenzt sind. Daher müssen wir auch Jurorenplätze begrenzen um eine “natürliche Nachfrage” herzustellen.

    Wie stelle ich mir das vor?
    Es gibt Teamjurorenplätze, die explizit einem Club zugeordnet werden. Die Leistung dieses Juroren werden dem Club zugerechnet (Breaks, Preise). Diese Plätze sind limitiert.
    Dann gibt es die allgemeinen/unabhängigen Jurorenplätze. Diese Juroren treten unabhängig von ihrem Club an und ja, das ist natürlich kontrovers. Aber die Leistungen dieser Juroren werden nicht auf ihren Club zugerechnet.

    Alle Club melden also ihre Teams und Juroren an. Sind die Teamjurorenplätze aufgebraucht, dann werden die verbleibenden Juroren auf die unabhängigen Jurorenslots aufgeteilt.

    Wenn ein Club mit besonderen Leistungen (Breaks auf Regios/Großturnieren von Rednern oder Juroren) geglänzt hat, bekommt derjenige Club einen zusätzlichen Teamplatz, verbunden mit einem zusätzlichen Jurorteamplatz. Das bedeutet, dass gute Jurierleistungen dazu führen können, dass der eigene Club ein Team + Juror schicken darf.

    Der Anreiz, gute Juroren auszubilden steigt, weil gute Jurorleistungen zu mehr Teamplätzen führen können, also die Chance steigern, Prestige zu gewinnen. So werden Juroren explizit am Erfolg der Redner beteiligt und andersrum.

    Dieser Anreiz ist mMn besonders wichtig, da nur gut ausgebildete Juroren zu einer größeren und effektiveren Jurorenanwerbung führen können. Er ist quasi absolut notwendig, weil es nur dann zu einer guten Juriersituation kommen kann, wenn das Jurieren auch eine extrinsische Motivation (durch das Prestige und die Extraplätze für den Club) erhält.
    Die Verschmelzung der Limitation der Teamplätze mit den Jurorenteamplätzen führt dazu, dass vor allem größere Clubs mit der Intention der Ausweitung ihrer Chancen, gute Juroren auf ihreen Clubplätzen mitnehmen, anstatt diese als Redner mitzunehmen.

    Die Spaltung in Teamjuroren und unabhängigen Juroren führt dazu, das es jedem Club selbst überlassen ist, die Leistungen ihrer Nachwuchsjuroren zu honorieren, indem sie auch auf die Teamjurorenplätze dürfen. (Wenn dich dein Club mit etwas belohnt ist das nachhaltiger/glaubwürdiger als wenn das ein fremder Chefjuror macht). Es bietet aber immer noch die Möglichkeit, dass Juroren zum Trainieren mitfahren dürfen.

    Der letzte Vorschlag, der damit verbunden ist: Der Nachwuchspreis muss an wirkliche Nachwuchsjuroren verliehen werden. Leute, die die Szene nicht kennen, Leute, die wirklich noch Blut schmecken. Für eine nachhaltige Bindung der Nachwuchsjuroren an die Szene sollte der Preis genutzt werden und nicht für die Belohnung einiger ubiquitärer Langzeitredner, die mal das Jurieren ausprobieren.

    Letzte Idee:
    Ein wirklich abgestimmtes und nicht bunt zusammengemischtes Jurierwochenende. Wo es vom ersten bis zum letzten Workshop eine zusammenhängende Linie gibt. Dieses ganze “da ein Workshop, hier ein Workshop” killt so viel Lernpotential. Aber wie ich sagte: Wir haben wenig Wissen und Motivation, das zu guter Jurorenausbildung führt.

    1. Christian (MZ) sagt:

      Aus meiner Sicht machst du ganz am Anfang deines Kommentars ein großes Problem des Jurierpreises deutlich: Jurorenanfänger haben in jedem Fall deutlich geringere (Juroren-)Breakchancen und im Zweifel sind die üblichen Verdächtigen im Vorteil. Nicht aus Bosheit, sondern einfach weil man die Anfänger weniger gut einschätzen kann als die bekannten Gesichter. Wenn aber ein Wettbewerb signifikant unterschiedliche Startbedingungen hat, kann die Preisvergabe nicht fair sein. Schon deshalb bin ich gegen den Jurorenpreis.

      Und im Übrigen: auch bei der MV wurde schon gesagt, man solle dem Jurierpreis Zeit geben und schauen, was er bewirkt. Wie soll das Ablaufen? Selbst wenn auf den betroffenen Turnieren die Zahl der Juroren sinkt oder steigt (hier wäre schon die Frage: sinken oder steigen in Vergleich zu welchem Turnier?), können wir dadurch noch lange keine Kausalität zum Jurierpreis feststellen. Auch den Punkt “Wertschätzung” kann man kaum messen. Dass es keine einfache Methode bei der Vergabe gibt, zeigt sich schon bei den unterschiedlichen Vorgehensweisen bei der ZD Berlin und der ZD Hamburg. Wenn man eine Maßnahme nicht für richtig (weil unter anderem für unpraktikabel) hält, sollte man das lieber früher als später sagen, damit entsprechend umgesteuert werden kann. Selbstverständlich kann die MV am Ende entscheiden, wie sie es für richtig hält. Aber sachliche Kritik an Sachthemen sollte erlaubt sein.

    2. Lennart Lokstein sagt:

      Ich finde die Jurierpreise gut und richtig. Juroren werden praktisch überhaupt nicht wertgeschätzt, auf jedem zweiten Turnier sagen die Chefjuroren bei der Breakverkündung in ironisch-verschwörerischem Tonfall “Zuerst zu dem “wichtigsten” Break, den Juroren”… solange das die Einstellung ist, mit der man Juroren gegenübertritt, wird das niemand machen.

      Und natürlich erhalten Anfänger nur sehr selten Jurierpreise, genauso wie Anfänger selten ein Finale gewinnen – das ist ja wohl normal! Eben darum arbeitet man an sich, verbessert sich als Juror und alle profitieren.

      Ob man nun die Verleihung des Nachwuchsjurierpreises an Leute gut findet, die seit 5 Jahren reden und nie juriert haben (ich nehme an, das ist der Fall, den Simon anspricht), kann man separat diskutieren. Beispielsweise könnte man als zusätzliches Nachwuchsjurorkriterium einführen, dass die Person auch auf maximal 10 Turnieren geredet haben darf etc., dann fällt die Gruppe der Erfahrenen-die-langsam-mal-jurieren weg. Für die ist dann aber natürlich auch weniger Motivation da, das jemals zu tun. (Aber würden sie das denn überhaupt mehr als ein paarmal, wenn sie es vorher nie taten?)

      Ich persönlich kann sagen: Jurieren ist aktuell nach wie vor ein undankbarer Job und völlig unabhängig von den schlechten “Arbeits”bedingungen macht es mir persönlich, und ich glaube vielen, weniger Spaß als zu reden. Ich mache es aber trotzdem, weil die Szene ohne Juroren nicht funktioniert und ich lange Zeit Spaß am Reden haben konnte, weil andere juriert haben. Daher hat mich die Auszeichnung in Berlin als Zeichen der Anerkennung sehr gefreut und ich gehe davon aus, dass sie auch in kommenden Jahren viele andere Menschen erfreuen kann und wird.

    3. Peter G. sagt:

      @ Lennart:
      Ich sage hier einfach nochmal das gleiche, wie ich in dieser Debatte schon oft gesagt habe:
      Mir macht kicken auch mehr Spaß als pfeifen. Das tut man, weil’s halt wer machen muss. Einige wenige machen eine Karriere draus, weil es ihnen Spaß bereitet und sie besonderes Talent dafür haben, oder für den Bolzplatz zu alt geworden sind aber das Bier nach dem Spiel noch zu schätzen wissen. Aber der Großteil der Schiris in egal welcher Sportart tut das nun mal weil es jemand machen muss um den Sport zu ermöglichen, nicht weil es so geil wäre. Da kann man den Leuten noch so viele Medaillen umhängen, wer kicken will hat keinen Bock zu pfeifen. Lösung wie in anderen Sportarten auch: Es gibt Pflichtpartien in denen man, wenn man in anderen Partien spielen will, eben als Juror seinen Dienst ableisten muss.
      Das soll nicht aussagen, dass man Juroren nicht wertschätzen soll, sondern nur, dass die Idee einer Subsportart, die innerhalb des Debattierens kompetitiv stattfindet und für die man Leute motivieren kann, meiner Ansicht nach nicht aufgeht.

      PS: Hat mit Chefjuroren jetzt nur sehr begrenzt was zu tun, sehe ich ein, aber die Debatte hier ist ohnehin davon abgeglitten…

      PPS: Dass ich keine weiteren intelligenten Dinge zu Simons Kommentar dazuschreibe soll nicht als Zustimmung zu selbigem gewertet werden.

    4. Lennart Lokstein sagt:

      @Peter: Ich glaube, da wurde ich missverstanden. Ich denke auch nicht, dass wir über die Jurierpreise eine große zweite Bühne aufmachen und Leute sich darum dann erbittert streiten. Aber ich finde sie als Zeichen der Wertschätzung nett und es gut, wenn auch hier ein Anreiz zur Verbesserung der eigenen Leistung besteht.

  4. Simon V. (Wuppertal) sagt:

    * Am Anfang bei den Nachwuchsjuroren meinte ich im folgenden Satz:
    “dieser jemand sich genauso freuen wie ein junger Nachwuchsjuror” natürlich einen Nachwuchsredner, der eine gute Punktzahl bekommt o.ä.

  5. Christian L. (MD) sagt:

    Ein schöner, wichtiger und richtiger Artikel. Hier noch ein, zwei Anmerkungen:

    Jurorenanzahl zu kleinen Turnieren:
    In der Tat war es bis 2014 gang und gäbe, dass auf kleinen FDL-Turnieren mit bis zu 50 Rednern nur zwei Chefjuroren gewirkt haben und es hat gut funktioniert. Auch wurden Regionalmeisterschaften mit jeweils einem Duo besetzt, was auch kein Problem bei der Durchführung darstellte.

    öffentliche Ausschreibungen:
    Ich stehe der Maßnahme skeptisch gegenüber, dass zu jeder Regionalmeisterschaft und zu jeder ZD eine Jurorenausschreibung stattfinden muss. Wie Christian dargelegt hat, kann der unklare Bewerbungsprozess bei mehren Turnieren gleichzeitig Juroren davon abhalten sich für ein Turnier zu bewerben. Daneben sind die Bewerbungen auch eine neue Entwicklung, die seit 2014 immer mehr Einzug in die Szene gehalten hat. Zwar wäre es für eine DDM richtig und wichtig, doch braucht es nicht jedes Turnier, da jahrelang sehr gute Panels ohne Ausschreibung zustande gekommen sind, ohne dass es dafür einer Ausschreibung bedarf, die bis jetzt scheinbar wenig Diversität unter den Panels hervorgebracht hat. Eher wirkt die Ausschreibungpraxis wie ein Zeichen der Ausrichter, dass man sich um die Jurierqualität bemüht. Allerdings bindet der Auswahlprozess sowohl die Ausrichter intern als auch externe Experten, welche damit selber weniger Zeit für CJ-Pflichten haben.

    Öffentliches Ansehen:
    Wie Christian gesagt hat, halte ich die öffentliche Zurechtweisung von CJ-Panels wegen Themen für kontraproduktiv, wie es bspw. nach der ZD in Bayreuth geschehen ist. Wieso sollte man viel Zeit und Arbeit in die Vorbereitung reinstecken, wenn irgendjemand rumtrollt.

    1. Christian (MZ) sagt:

      Interessanterweise war ein Gedanke dabei, drei Chefjuroren statt nur zwei zu nehmen, explizit die Nachwuchsförderung. Denn wenn es mehr Plätze gibt, können mehr Personen in die Verantwortung gebracht werden. Gleichzeitig ist die Vorbereitung vermutlich einfacher wenn eine neue Person mit zwei erfahreneren arbeitet statt nur mit einer.

    2. Witthaut (Mainz) sagt:

      Ich bin ein großer Freund von 3er Panels. Klar, wenns nicht anders geht, gehts nicht anders. Aber bei drei Leuten kann man halt 2:1 splitten. Nicht jede Chefjury ist sich einig über alles. Und es gibt halt Dinge, die man entscheiden muss. Und am Ende muss halt vielleicht abgestimmt werden. Sonst heißt es nämlich “Wir machen das, wie X sagt, der/die hat ja die Erfahrung”. Das ist auch kein Fortschritt sondern im Zweifel ein Zementieren.

  6. Daniel (Heidelberg) sagt:

    Ich weiß, das ist heutzutage unbeliebt, aber wenn es nicht ausreichend Kandidaten gibt, die über die geforderte Ausbildung , ein vollständiges Skillset , die notwendige Leidensfähigkeit und einschlägige Erfahrung verfügen, dann würde ich ein Old-School-Kriterium durchaus wieder aus der Mottenkiste holen: oft genug sind gute Redner auch gute (Chef-)Juroren!

    Ich bestreite gar nicht, dass das kein Automatismus ist. Ich nehme auch die Argumente ernst, die auf Think Tanks, hier in der 8. Minute und anderswo dazu bereits vorgebracht wurden. Ich bin aber davon überzeugt, dass da ein gewisser Zusammenhang dennoch plausibel unterstellt werden kann. Mir wäre es auch lieber, wir könnten unsere selbstgewählten Standards und Ideale durchsetzen. Aber bevor ich deswegen Turniere ausfallen lasse, würde ich mich als Ausrichter einfach mal wieder trauen: Da ist ein Debattant, der Dir gefällt, und Du wärst schon zufrieden, wenn er als Chefjuror die Maßstäbe ansetzt, die er selbst als Redner erfüllt, dann lade ihn halt ein, Dein Chefjuror zu sein. Und hinterher hältst Du die Schelte einfach aus, Dein Auswahlverfahren sei intransparent, die Themen unausgewogen, die Entscheidungsbegründungen nicht nachvollziehbar und das Verbesserungsfeedback miserabel gewesen. Denn davor bist Du auch mit seminargeschulten, casefileerstellenden alten Recken nicht gefeit.

    Ich musste z.B. wirklich laut lachen, als ich im Verteiler gelesen habe, dass Willy aus dem wohlverdienten Ruhestand gejammert wurde, weil Peter ja noch kein BPS-Turnier chefjuriert hat… Habt Vertrauen, der kann das schon, auch wenn er bei der Rederei gelernt hat 😉

    Grüße

    DS

    P.S.: „Ganz früher“ (zwischen 2005 und 2008?) haben wir kleinere Turniere auch häufig mal mit nur einem Chefjuror sehr akzeptabel über die Bühne gebracht. Nicht optimal, aber auch besser, als gar kein Turnier.

    1. Peter G. sagt:

      Lieb von dir 🙂

  7. Johannes M. sagt:

    Bezüglich der Sichtbarkeit (und Anerkennung) von Juroren: Ich fände es super, wenn die gebreakten Juroren endlich auch schriftlich im Tab genannt würden. Ist meiner Ansicht nach schon lange überfällig und würde es wesentlich einfacher machen, einen Überblick zu erhalten.

    1. Christian (MZ) sagt:

      Stimmt, gute Idee 🙂

    2. Allison (MZ) sagt:

      Ja, das ist wirklich eine sehr gute Idee!!
      Kann man das einfach umsetzen? Wenn ja, würde ich das gleich beim GBC und der ZD Münster so machen 🙂

  8. Florian U. sagt:

    Vllt. muss man das CJ-Problem mehr von der Angebotsseite aufzäumen. Es sollen also CJ-Willige verkünden, was sie machen würden, und die Ausrichter suchen aus.
    Bsplw.: “Debattierer*In mit 20 Turnieren, 2 Top-of-the-Tabs, 3 Jurorenbreaks, würde gerne OPD chefjurieren. Max. 3 VR+F; mit max. 1 weiterer CJ; Keine Casefiles, kein Jurorenfeedback. Max. 10h für Themenfindung; keine Extras. Raum: Süddeutschland. Nur seriöse Zuschriften.”

    1. René G (Rederei Heidelberg) sagt:

      “gebildet, junggeblieben, links-grün m. Int. für Feminismus und Minority-Themen SUCHT kleines, schnuckeliges Turnier um Neigung für crazy Nischen-Themen nachgehen zu können. keine casefiles oder anderen modernen shit. biete klassiche gottimperator ausstrahlung und 1A twitter-abdeckung.”

    2. Florian U. sagt:

      Genau so. Kann auch über die App (Debattindr) laufen …

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