“Spaß an allem, was mit dem Debattieren zu tun hat” – Nachwuchspreisträger Anton Leicht im Interview

Datum: 28. Mai 2018
Redakteur:
Kategorie: DDG, Menschen

Auch 2018 kürte die Deutsche Debattiergesellschaft (DDG) in geheimer Wahl einen Nachwuchspreisträger unter den unter-23-jährigen Teilnehmern der Deutschsprachigen Debattiermeisterschaft (DDM). In diesem Jahr fiel die Wahl auf Anton Leicht vom Debattierclub Münster e.V., der damit die Nachfolge der letztjährigen Preisträgerin Angélique Herrler antritt. Wie sein Werdegang verlief und was seine Zukunftspläne sind, erklärt Anton im Interview mit der Achten Minute.

Hallo Anton, zu Beginn noch einmal herzlichen Glückwunsch zum Nachwuchspreis der DDG. Fangen wir doch damit an, dass du dich kurz für die Leute vorstellst, die dich noch nicht kennen.

Ich bin Anton Leicht, 19 Jahre alt und studiere in Münster im dritten Semester Philosophie, Soziologie und Geschichte. Beim Debattieren bin ich seit ziemlich genau einem Jahr.

Wie bist du zum Debattierclub Münster gekommen?

Anton erhält den Nachwuchspreis der DDG 2018 - © Manuel J. Adams

Anton erhält den Nachwuchspreis der DDG 2018 – © Manuel J. Adams

Ursprünglich hat mich ein alter Schulfreund überzeugt, dort hinzugehen. In meinen ersten Wochen habe ich einige wenig beeindruckende Freie Reden mit viel zu hohem Sprachtempo und niedrigen 30er Punkten gehalten und war noch nicht so überzeugt. Irgendwann bin ich dann zur englischen Debatte gekommen und habe dort BPS kennen gelernt. Das hat mich deutlich mehr begeistert und danach habe ich mich mehr mit dem Debattieren auseinander gesetzt.

Was fasziniert dich am Debattieren?

Das ist etwas schwer zu beantworten, weil es sehr viele Ebenen sind. Erstmal natürlich die inhaltliche Auseinandersetzung mit so vielen verschiedenen Themen. Dann die Anwendung von den abstraktesten Prinzipien auf die interessantesten Streitfragen, die beim Debattieren aufkommen. Aber ich muss auch zugeben, dass mich die rhetorische Herausforderung und der Anspruch schöne und interessante Reden zu halten ebenfalls interessiert. Ich glaube, die meisten Facetten des Debattierens interessieren mich sehr und nicht zuletzt fühle ich mich auch in der Debattierszene und mit den Menschen darin sehr wohl.

Der Münsteraner Club hat ja recht viele starke Rednerinnen und Redner. Hattest du zu Beginn ein Vorbild?

Ich habe es ja schon auf dem Galaabend erwähnt: In meiner ersten BPS-Debatte und auch in den darauffolgenden habe ich Christoph (Saß, A.d.R.) reden gehört. Er hat mir von meinen ersten Debatten an bei allen Themen rund ums Debattieren weitergeholfen. Von Regelerklärungen und Verbesserungsfeedback bis hin zu Tipps für Youtube-Debatten und Antworten auf alle möglichen komischen Fragen die ich im Laufe der Zeit hatte. Christoph war über das gesamte letzte Jahr ein riesiges Vorbild und eine große Hilfe.

Du hast bereits sehr früh damit begonnen, auf Turniere zu fahren. Wie lief es?

Anton Leicht Christoph Saß Schwarzwaldcup 2017 - © DC Freiburg

Schwarzwaldcup 2017 – © DC Freiburg

Mein erstes Turnier war der Reedhovencup im letzten Juni. Damals war ich knapp einen Monat beim Debattieren und habe, glaube ich, eine ähnliche Erfahrung wie viele andere Debattieranfänger gemacht. Ich wurde in ein paar Räumen ziemlich geshreddert und kannte auch noch niemanden. Mein erster Turniereindruck war also eher nicht so begeisternd.

Nach den Semesterferien habe ich dann beim Schwarzwaldcup in Freiburg das erste Mal mit Christoph in einem Team geredet und es lief tatsächlich sehr gut. Wir haben es bis ins Finale geschafft und vor einer kleinen Öffentlichkeit zu sprechen hat Spaß gemacht. Ab da war ich dann auch sehr viel begeisterter von Turnieren.

Kurz darauf warst du ja nicht nur als Redner bei der ZEIT DEBATTE Berlin erfolgreich, sondern konntest bei der darauf folgenden Ausgabe in Hamburg auch gleich die Auszeichnung für Nachwuchsjuroren gewinnen.

Das Jurieren hat mir überraschenderweise viel Spaß gemacht. Nach all den höchst negativen Bemerkungen über OPD-Jurierungen, die man so hört, fand ich es eigentlich ganz interessant. Es hat mich auch gefreut, dass ich das Halbfinale jurieren und dort zwei gute Teams bei einer wirklich relevanten Debatte erleben durfte.

Sieht man dich in Zukunft häufiger am Rednerpult oder auf der Jurorenbank?

Wenn ich ein Ranking aufstellen würde, wäre es wohl: BPS Reden schlägt BPS Jurieren schlägt OPD Reden schlägt OPD Jurieren. Es wäre aber eine sehr knappe Reihenfolge. Ich habe genug Spaß an allem, was mit dem Debattieren zu tun hat.

Gibt es eine spezielle Art von Debattierthemen, die dir  besonders gefällt?

Tatsächlich hatte ich mit wenigen Motions mehr Spaß, als mit der sechsten Vorrunde der DDM. Also das Thema mit den drei Kindern auf den Felsen im Meer. Das Halbfinalthema der ZEIT DEBATTE Berlin mit dem Human Voluntary Extinction Movement fand ich ebenfalls sehr toll. Ich würde sagen, dass mir Themen gefallen, bei denen eine konkrete Anwendung von abstrakten und begründbaren Prinzipien auf Situationen gefordert ist.

Du hast bereits einige Preise gewonnen. Was sind die nächsten Ziele deiner Debattierkarriere?

Der DC Münster: Von Anton begeistert - © Manuel J. Adams

Von Anton begeistert: Der DC Münster – © Manuel J. Adams

Da muss ich zwischen kurzfristigen Zielen und solchen, die ich gerne irgendwann erreichen würde, unterscheiden. In nächster Zukunft möchte ich weiter auf Turnieren antreten, besser werden und vielleicht langfristig auch bei einer der neuen Campus Debatten erfolgreich sein. Mittelfristig möchte ich dann auf internationalen Turnieren antreten und dort gut abschneiden. Diesen Sommer fahre ich auch auf die Euros, mal sehen wie das wird.

Müssen wir uns denn Sorgen machen, dass du uns Richtung internationale Szene verlässt?

Tendenziell werde ich wohl schon den Schwerpunkt in der deutschen Szene haben. Aber ein bisschen internationales Debattieren, gerade auf den großen Turnieren wie den Europa- und Weltmeisterschaften finde ich auch interessant.

Die Worlds sind natürlich nichts gegen den Masters Cup in Eisenach, an dem du als Nachwuchspreisträger in diesem Jahr ebenfalls teilnehmen darfst. Fährst du hin?

Ich habe in der letzten Zeit sowieso schon wenig Turniere ausgelassen. Aber selbst wenn ich priorisieren müsste, wäre der Masters Cup recht weit oben auf meiner Liste. Es sind einige Leute da, mit und gegen die ich gerne reden würde.

Zum Beispiel?

Das offensichtliche Beispiel ist Lukas Haffert, den ich nur einmal und das in der ersten Runde meines ersten Turniers getroffen habe. Dort wurde ich komplett von ihm zerstört. Ich bezweifle zwar, dass das auf dem Masters Cup anders aussehen wird, aber ich hätte schon gerne die Chance auf eine – und wenn auch nur ansatzweise – Revanche. Ansonsten hat ja auch Philipp Stiel beim Galaabend angekündigt, in Eisenach anzutreten.

Apropos Philipp Stiel: Viele der vergangenen Nachwuchspreisträger sind später auch im Verband tätig geworden. Wäre das etwas, was du dir auch für die Zukunft vorstellen könntest?

Ein Interesse und die Motivation, sich in der Szene zu engagieren, ist bei mir auf jeden Fall vorhanden. Kurz- und mittelfristig werde ich aber tendenziell erstmal schauen, dass ich bei uns in Münster etwas mehr administrative Verantwortung übernehme. Danach könnte ich mir aber auch vorstellen, etwas auf Verbandsebene zu machen.

Du bist also in Münster schon für den Club aktiv?

Bisher habe ich nur Kleinigkeiten gemacht, zum Beispiel Trainings gegeben. Ich hoffe aber, in der nächsten Saison aktiv im Vorstand mithelfen zu können. Mal sehen, wie es von da aus weitergeht.

Zum Abschluss: Was ist dein Tipp für Leute, die gerade am Anfang ihrer Debattierkarriere stehen?

Der einfachste Tipp ist, so schnell wie möglich auf Turniere zu fahren. Man lernt dort durch die Debattendichte unglaublich viel. Für Leute mit einem ungesunden Maß an Motivation, wie ich in meinen ersten drei, vier Wochen: Redet eine Antragsrede pro Tag.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

jm.

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