Was tun mit den Schoolies? – Wie beide Verbände von einer Zusammenarbeit profitieren könnten

Datum: 14. November 2018
Redakteur:
Kategorie: Mittwochs-Feature

Was haben Julian Stastny (DDM-Sieger 2018), Lucía Arce Cubas (Beste Sprecherin EUDC 2018) und Lisa Schallenberg (WUDC 2017 ESL Finalistin) gemeinsam?

Alle 3 haben ihre Debattierlaufbahn bereits in der Schule begonnen. Die berüchtigten „Schoolies“ waren in den letzten Jahren immer präsenter in der globalen Unidebattierszene und haben inzwischen zu einem relevanten Grad auch in die deutsche Szene Einzug erhalten. Jedoch wissen wenige, was es mit dieser Form des Schuldebattierens auf sich hat. Dieser Artikel möchte daher ein wenig darüber aufklären, was die Spezifika des World Schools Debating sind und wie der VDCH davon profitieren kann.

Das World Schools Debating ist eine Form des englischen Schuldebattierens. Das Format wird international verwendet und ist auch das Format in dem die Worlds für Schüler*innen abgehalten werden, die World Schools Debating Championships. Wie funktioniert dieses Format?

Aufbau einer WSD-Debatte - © Debating Society Germany e.V.

Aufbau einer WSD-Debatte – © Debating Society Germany e.V.

Die Sprecherpositionen erfüllen weitestgehend die Rollen, die aus OPD bekannt sind. Eine Besonderheit sind die 4-minütigen Reply Speeches, die für jede Seite zum Ende zusammenfassen sollen, wo die relevanten Abwägungen liegen und warum das eigene Team gewonnen hat. Redezeit sind 8 Minuten. Der große Unterschied (auch dem geschuldet, dass viele unerfahrene Schüler*innen debattieren) ist, dass es zwei verschiedene Arten von Debatten gibt, zwischen denen in den Vorrunden gewechselt wird. Es gibt „prepared debates, die bereits vor dem Turnier vorbereitet werden. Die „impromptu-debates“ haben dagegen eine Stunde Vorbereitungszeit. Die Bewertung wird in drei Kategorien durchgeführt. Stil und Inhalt zählen jeweils 40 %, Strategie 20 %. Auf spezifisch andere Punkteskalen, kann hier nicht eingegangen werden, dies ist jedoch für den Artikel auch zunächst nebensächlich. Im Übrigen laufen Debatten wie allen bekannt mit Zwischenfragen ab, jedoch ohne Zwischenrufe. Eine exemplarische Videodebatte können Interessierte hier finden.

Eine weitere Besonderheit ist die Organisation der Worlds, spezifischer der World Schools Debating Championships. Bei diesen treten nicht Schulen als Institutionen an, sondern jedes Land entsendet ein Nationalteam mit den besten 5 Debattierenden der Schulen im eigenen Land. Das diesjährige deutsche Team wird vom Autor dieses Artikels trainiert. Es nehmen bis zu 65 Nationen teil.

Was hat das jetzt mit dem Debattieren des VDCH zu tun?

Die These, die ich in diesem Artikel aufwerfen möchte ist, dass eine engere Zusammenarbeit für beide Seiten sinnvoll wäre. Welche Vorteile würde eine solche bieten?

Team Germany WSDC 2019 - © Konstantin Krüger

Team Germany WSDC 2019 – © Konstantin Krüger

Zunächst ist das offensichtliche Argument wohl ein kompetitiverer Circuit. Es ist immer sinnvoll, wenn man versucht, potentiell sehr gute Debattierende in den VDCH zu integrieren. Debattierende, die dieses Hobby bereits in der Schule betrieben haben, sind erfahrungsgemäß auch häufig schnell bereit auf Turniere zu fahren. Hier liegt jedoch das erste Problem: Es wissen viele Schuldebattierende schlicht nicht, dass es noch eine Debattierwelt außerhalb ihres eigenen Circuits gibt. Auch wenn es meine Agenda war, den Alumni und Alumnae des World Schools Debating in Deutschland das Hochschuldebattieren nahe zu legen, so ersetzt dies trotzdem nicht eine systematische Kopplung mit dem VDCH. Projekte, die dies lösen könnten, wären beispielsweise Showdebatten bei den großen Events des World Schools Debating in Deutschland. Eine solche gab es beispielsweise in der Saison 2016/2017. Solche Aktionen müssen als Institution etabliert werden. So kann man die Wahrscheinlichkeit von Zulauf durch eine Gruppe von potenziell sehr motivierten Debattier-Erstis erhöhen. Ein weiteres langfristiges Projekt mit einem hohen möglichen impact wäre die Unterstützung bei der Gründung von Schuldebattierclubs durch die Clubs in der jeweiligen Stadt. Das World Schools Debating in Deutschland ist bisher schwerpunktmäßig in Baden-Württemberg verbreitet. Es gibt daher in allen Universitätsstädten großes Potential für ein schnelles Wachstum. Hier kann man als Debattierclub schon früh die nächste Generation an DDM-Gewinnern heranziehen. Um hier an das Eigeninteresse der Clubs zu appellieren sei gesagt, dass es in jeder Stadt einen relevanten Anteil an Schüler*innen gibt, die in ihrer Heimatstadt studieren.

Weiterhin sollten sich die Clubs über das Format klarwerden und dass es diese Form des Debattierens gibt. Das ist aus zwei Gründen relevant: Zuerst möchte ich eine eigene Erfahrung beim Nikolaus-Turnier 2016/2017 in Münster schildern. Ich fuhr damals als Am. Davor hatte ich 3 Jahre lang auf insgesamt 13 internationalen Schulturniere gesprochen. Die Beschreibung sprach von Uni-Debattierturnieren. Im Nachhinein fand ich meine Teilnahme an diesem Turnier nicht angemessen. Zum damaligen Zeitpunkt nahm ich aber an, dass die deutsche Szene – ähnlich wie die englische oder amerikanische Szene – sich der Existenz von Schoolies bewusst ist. Daher hieraus folgend der erste Appell: Wir brauchen sinnvolle Regelungen für Anfänger bezüglich ehemaligen Schülerdebattierenden. Ich kann nicht für Teilnehmende anderer Formate (e.g. Jugend debattiert) sprechen, halte jedoch eine Regelung im Sinne von „Teilnahme an mehr als 3 internationalen Schools-Turnieren“ für eine sinnvolle Einschränkung. Der zweite Punkt betrifft das bestmögliche Training für Schoolies im Club. Es gibt eben doch relevante Unterschiede zwischen den Formaten. Wenn die Szene das Potenzial ausschöpfen möchte, ist es sinnvoll zu wissen, wo sich die Formate unterscheiden und welche Dinge man schnell erklären kann, um den Formatwechsel zu erleichtern.

Konstantin Krüger als Juror bei den WSDC 2018 in Zagreb - © WSDC Zagreb

Konstantin Krüger beim Zuhören und Flowen auf den WSDC 2018 in Zagreb – © WSDC Zagreb

Zum Abschluss möchte ich ein Beispiel anführen, um die vorstehende Argumentation zu untermauern: die niederländische Debattierszene. Wenn man sich die erfolgreichen ESL-Debattierenden der letzten Jahre in Europa anschaut, findet man garantiert einige Niederländer*innen mit einem Schoolie-Hintergrund. Neben einigen anderen Dingen ist meiner Meinung nach einer der Hauptunterschiede die aktive Einbindung von Schoolies zu einem frühen Zeitpunkt. Besonders sind in den Niederlanden Coaching-Strukturen für Schools-Debater durch Studierende, Seminare an Schulen, sowie Werbung für Uniturniere auch über den Schulverteiler. Hierdurch werden Schüler*innen schon früh mit dem Unidebattieren konfrontiert, wodurch der Einstieg leichter fällt.

Von der Expertise der debattier- und wissenstechnisch weiter entwickelten Unidebattierenden könnte natürlich auch die Schuldebattierszene enorm profitieren. Dies wirkt für alle oben beschriebenen Effekte verstärkend und birgt natürlich auch Vorteile altruistischer Natur.

Bei weiteren Fragen über das Schuldebattieren steht ich gerne allen zur Verfügung und verweise auch auf die Seite: www.schoolsdebate.de vom Dachverband, der Debating Society Germany e.V.

Konstantin Krüger/jm.

Mittwochs-Feature

Konstantin Krüger debattiert seit 2016 im Heidelberger Debattierclub „Die Rederei e.V.“ Seitdem hat er unter anderem Breaks bei den ZEIT DEBATTEN Berlin 2017 und Münster 2018 sowie mehrere Jurorenbreaks erreicht. Zuvor war er im World Schools Debating aktiv. Er gewann 2014 die German Schools Debating Championships 2014 und erzielte international zahlreiche Breaks und Top 10 Platzierungen. Seit 2017 trainiert er das deutsche Nationalteam im englischen Schuldebattieren.

Das Mittwochs-Feature: Jeden Mittwoch ab 10.00 Uhr stellt das Mittwochs-Feature eine Idee, Debatte, Buch oder Person in den Mittelpunkt. Wenn du selbst eine Debatte anstoßen möchtest, melde dich mit deinem Themen-Vorschlag per Mail an team [at] achteminute [dot] de.

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9 Kommentare zu “Was tun mit den Schoolies? – Wie beide Verbände von einer Zusammenarbeit profitieren könnten”

  1. Ferdi sagt:

    Wie ist denn das WSD in Deutschland organisiert? Über Schüler-AGs oder über privatrechtliche Vereine wie bei uns? Und abhängig von der Antwort: Gibt es irgendwo eine Karte, Liste o.ä. um zu sehen in welchen Städten es diese Strukturen gibt?

  2. Konstantin (Rederei) sagt:

    WSD wird in Deutschland an Schulen über AGs organisiert. Zudem gibt es den Dachverband Debating Society Germany e.V. , der die Wettbewerbe koordiniert und in dem alle teilnehmenden Schulen Mitglied sind. Eine Karte gibt es nicht, daran arbeite Ich gerade, aber grob gesagt gibt es eine Schule in Hamburg, 2 in Dresden, eine in München und sonst ganz viel in Baden-Württemberg und Hessen.

    1. Konstantin (Rederei) sagt:

      bzw. Ich habe eine Liste der diese Saison angemeldeten Schulteams, die Ich auf Anfrage weitergeben könnte. Hier aber schon einmal eine kurze Zusammenfassung der Städte:

      Stuttgart und Umgebung (viele)
      Frankfurt
      Bad Camberg
      Lörrach
      Heilbronn
      Besigheim
      Lauffen
      München (im Aufbau)
      Göppingen
      Schorndorf
      Singen
      Stockach
      Ulm und Umgebung
      Schwäbisch Gmünd
      Emmendingen
      St. Blasien
      Hamburg
      Dresden
      Chemnitz (im Aufbau)
      Berlin (im Aufbau)

      (grobe Zusammenfassung, bei der Ich hoffe nichts vergessen zu haben)

  3. Konstantin (Rederei) sagt:

    und vielleicht noch interessanter: VDCH-Mitglieder (Städte) in denen es bisher noch kein WSD gibt und die in der letzten Saison (aus meiner Sicht) im VDCH aktiv waren:

    Freiburg (im Aufbau, Konstanz, Würzburg, Kaiserslautern, Mannheim, Heidelberg, Bamberg, Bayreuth,
    Mainz, Halle, Jena, Leipzig, Magdeburg, Göttingen, Marburg, Paderborn, Bonn, Münster, Wuppertal, Köln, Hannover, Potsdam, (Berlin), Greifswald, Kiel, (Tübingen). Aber nur weil es eine Debattierschule in einer Stadt gibt, heißt das nicht, dass es keine zweite geben sollte.

  4. Alena (Mz) sagt:

    Ich finde die Idee grundsätzlich gut, als VDCH oder Hochschuldebattierclub bei den Schülern präsenter zu werden. Aber wäre eine Zusammenarbeit mit Jugend Debattiert nicht naheliegender? (Was nicht heißen soll, dass man nicht von mir aus beides machen kann, wenn man die Kapazitäten hat.)

    Einerseits ist Jugend Debattiert soweit ich weiß schon in ganz Deutschland präsent (und ich kann mir auch kaum vorstellen, dass eine Schule beides anbietet).
    Andererseits sind sich die Formate sehr viel ähnlicher, weil in der gleichen Sprache debattiert wird.

    Darüber hinaus glaube ich, dass Jugend Debattiert mehr Potenzial hat, und zwar aus den gleichen Gründen, aus denen die meisten Hochschulclubs in Deutschland auch (fast) nur national debattieren:
    Sprache (zusätzlich zum Reden vor Publikum noch eine weitere Hürde, die bei Schülern vermutlich noch schwerer wiegt)
    und Reisen (zu internationalen Turnieren kommen ist erheblich aufwendiger in Kosten, Zeit, Organisation und für die Umwelt).

    1. Rene G. (Rederei) sagt:

      “Andererseits sind sich die Formate [Jugend debattiert und Hochschuldebattieren] sehr viel ähnlicher, weil in der gleichen Sprache debattiert wird.”

      Genau das Gegenteil ist doch der Fall. Ja die Sprache ist eine andere, aber vom Format her ist Wold Schools dem Hochschuldebattieren ziemlich ähnlich, während Jugend debattiert verhätlnismäßig weit weg ist.

    2. Sabine (St. Gallen) sagt:

      Ich stimme da René zu. Viele Jugend-Debattiert-Alumni*ae, die ich kenne, hatten am Hochschuldebattieren keinen Spaß, weil es so kompetitiv ist und man nicht von seiner Position abweichen darf, während man bei JD, soweit ich weiß, in der Debatte die sinnvollste Lösung finden soll und dadurch nicht an seine ursprüngliche Position gebunden ist.
      Natürlich sollte man die trotzdem einbinden, man müsste nur, denke ich, eine andere und speziellere Art finden, sie ans Hochschuldebattieren heranzuführen.
      Die Sprache ist dann auch kein Problem – wenn man sich traut, auf Englisch zu debattieren, dann wird man vor Deutsch wohl eher wenig zurückschrecken. Schwieriger wäre es, die JD-Schüler*innen zum englischen Debattieren zu bringen, aber das müssen wir ja im deutschsprachigen Raum zum Glück gar nicht.

  5. Lennart Lokstein sagt:

    Tatsächlich hat der VDCH zu verschiedenen Zeitpunkten bereits mit sowohl der DSG als auch JD kooperiert. Beides wurde jedoch nie stärker intensiviert, weswegen ich vonseiten des VDCH vor über einem Monat bereits den Kontakt zu beiden Organisationen wieder aufgenommen habe.

    Sollten wir da zu neuen Ergebnissen kommen, werdet ihr davon im POI erfahren. Das wird aber sicher noch ein paar Monate dauern.

  6. Peter G. sagt:

    Kleiner Hinweis meinerseits:
    Sowohl der Niederländische, als auch der Rumänische Dachverband sind finanziell bestens aufgestellt. Gerade der Rumänische hat mWn. innerhalb von ca. 10 Jahren ziemlich solide Strukturen geschaffen, in denen nicht nur die Verbandsfunktionäre bezahlt werden, sondern auch noch angestellte Debattiertrainer. Dieser Verband hat in nahezu jeden Stadt Schulen als Mitglieder – allerdings nur wenig Studentenclubs. Beide Mitglieder der Verbände mit denen ich sprach (Niederlande und Rumänien) waren einhellig der Meinung, dass zwecks Förderung und Sponsoren die Gelder, die mit Studentischem Debattieren eingeworben werden können, absolut vernachlässigbar sind im Vergleich zu dem was für Schuldebatten erreicht werden kann.

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