Das CA-Seminar – Ein Erfahrungsbericht (und Lobgesang)

Datum: 1. Mai 2019
Redakteur:
Kategorie: Jurieren, Veranstaltungen
Nach dem Jurierseminar in Marburg folgte ein CA-Seminar in Karlsruhe. Mit etwas Abstand schaut Sven Jentzsch auf dieses Wochenende zurück.

„Dieses Haus präferiert die transhumanistische Utopie gegenüber dem gegenwärtigen Zustand der Menschheit in der westlichen Welt.“ +längeres Factsheet
(Campus-Debatte Wien 2019)

„Paulaner statt Silvaner: Ist Bier besser als Wein?“
(ZEIT DEBATTE Jena 2009)

Nicht nur Turnierthemen- auch die Debattierszene befindet sich in ihrem zweiten Jahrzehnt im ständigen Umbruch. Ein Umbruch, der durch die beiden Artikel durch Lara und Lennart wieder diskutiert wird. Zu dieser Diskussion soll und will ich hier nicht beitragen, aber zumindest den folgenden Erfahrungsbericht über das zurückliegende CA-Seminar unter diese Vorzeichen stellen. Denn der Wandel hin zu einer neuen Debattiergeneration vollzieht sich nicht nur auf Vorstandsfotos, Teilnehmerlisten und bei Turnierbewerbungen- er vollzieht sich auch in der Jurierszene.

Die Teilnehmer*innen der CA Seminars in Karlsruhe – © Marion Seiche

Je mehr verdiente Altdebattanten ausscheiden, desto wertvoller ist es, dass Wissen weitergereicht wird. So geschehen vor einigen Wochen für Nachwuchsjurierende in Marburg. Und so nun wieder für junge angehende Chefjurierende in Karlsruhe.
Als Dozierende stellten sich Marion Seiche (Beirätin für Jurierqualität, Chefjurorin DDM 2015, Regios 2013, 2015, 2016, 2019 etc. pp.) und Marius Hobbhahn (Chefjuror auf diversen Turnier der letzten 3 Jahre) zur Verfügung. Einem Gespann, dem man bei abendlichen Werwolf-/Götterdämmerungs-Runden mit maximalen Misstrauen begegnen sollte- tagsüber jedoch mit umso größerer Anerkennung.

Die Fragen, die wir in den drei Tagen (mit der Debattierern angeborenen Lust an ausschweifenden Diskussionen) behandelten, gingen einmal durch eine komplette Turnierphase. Und jede einzelne davon würde wahrscheinlich Gelegenheit für ein ausuferndes Mittwochs-Feature bieten:

  • Wie kann man sich kontinuierlich auf die Chefjury-Arbeit vorbereiten?
  • Was kann einen bei der Suche nach Themen inspirieren?
  • Wie kann man zusammen mit den anderen Chefjurierenden effizient planen, sinnvoll arbeiten und auf Augenhöhe kommunizieren?
  • Was darf man von einem guten Thema erwarten?
  • Wie wird eine Motion so formuliert, dass es einerseits sicher von Missverständnissen und bösartiger Auslegung durch siegessüchtige Debattanten ist- ohne in 20 Nebensätzen und dreiseitigen Factsheets zu münden?
  • Wie findet man für jede Tageszeit und Runde das richtige Thema?
  • Wo, wann und wie kommuniziert man nach außen?
  • Wie setzt man faire Panels?
  • Wie erarbeitet man den Jurierenden-Break?
Denn auch wenn das eine vergleichsweise triviale Feststellung ist: Wie zugänglich, spannend, und ausgeglichen Turnierthemen sind, desto mehr Spaß bringen sie allen Beteiligten. Und für reibungslose und atmosphärisch angenehme Turniere gilt das gleiche.

Sven Jentzsch – © Melanie Hauser

Mitten im 80er-Jahre-Jugendherbergs-Ambiente, Tür an Tür mit Esoterik-Ahnenkult-Gruppen, mit üppiger Essens- und knapper Kaffee-Versorgung, zerbrachen wir uns entsprechend über all das die Köpfe. Marion und Marius warteten mit immer neuen Szenarien und Beispielthemen auf. Mal würde geübt, mal doziert- aber häufig vor allem gemeinsam diskutiert und abgewägt. Einerseits profitierten wir von alten Jurier-Think-Tanks, andererseits befanden wir uns selber auf dem halben Weg dazu, selber einer zu werden.

Als das Wochenende vorbeiging, war nicht nur die Vorherrschaft der Menschheit in DotA beendet, war nicht nur Hamilton Sieger des 1000. F1-Rennens- sondern eine Reihe Nachwuchsjurorinnen und -juroren um einige Erfahrungen reicher. Und bereit, auf die Turnier der Zukunft (Ausrichter vorausgesetzt) losgelassen zu werden. Der Respekt vor dieser Aufgabe- er ist über diese drei Tage sicher nicht kleiner geworden, die Motivation dafür jedoch auch nicht.

Sven Jentzsch/cal

Sven Jentzsch ist Mitglied der OPD-Regelkommission, war Chefjuror der Herbstdebatten 2018 und wurde auf der Campus-Debatte Wien als Juror ausgezeichnet. Er studiert Allgemeine Rhetorik in Tübingen und ist Präsident der Streitkultur.

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