Chefjurorenmangel – ein paar Gedanken

Datum: Feb 7th, 2018
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Category: Jurieren, Mittwochs-Feature

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33 Kommentare zu “Chefjurorenmangel – ein paar Gedanken”

  1. Robert Pietsch says:

    Ich empfand persönlich auch die in der Ausschreibung formulierten Ansprüche als so hoch, dass ich mir z. B. nicht zugetraut hätte/habe, mich darauf zu bewerben.

    Vielleicht muss man da nochmal checken, was realistische Ansprüche sind und nicht wie auf dem Jobmarkt erstmal ein Maximum reinschreiben?

    Wir sollten dabei nicht vergessen, das ist ehrenamtliches Engagement.

    Liebe Grüße
    Robert

    1. Christian (MZ) says:

      Sehr guter Hinweis! An diesen Punkt habe ich beim Verfassen des Textes leider nicht gedacht. Vielen Dank 🙂

  2. Ruben H says:

    Ich glaube, dass es grundsätzlich gar nicht wenige Leute gibt, die bereit sind chefzujurieren, aber viele davon nicht die Gelegenheit bekommen, dass mal auf einem kleineren Turnier auszuprobieren. Gerade bei Freundschafts- und DDL-Turnieren werden die Chefjurys in der Regel von der Orga direkt angefragt, sodass ich als Orga auch gar keine Überblick habe, welche Personen, die bisher nicht chefjuriert haben, prinzipiell Lust darauf hätten. Wenn man aber die Erfahrungen von den kleinen Turnieren nicht hat, ist man aber in den Ausschreibungen entweder relativ chancenlos oder traut sich bei den inzwischen – wie ich finde – in der Tat erheblichen Anforderungen in manchen Ausschreibungen sich auch nicht zu bewerben.
    Wenn man es schaffen würde, dass die Ausrichter von kleineren Turnieren einen Überblick darüber bekämen, wer mal Lust hätte, Erfahrungen zu sammeln – sei es über eine “Mini-Ausschreibung” oder eine Liste mit Interessenten oder so etwas, wäre es für neue CAs denke ich wesentlich einfacher den Einstieg zu schaffen.

    1. Christian (MZ) says:

      Mir ging es im Artikel mehr um die erfahrenen Chefjuroren, die immer weniger werden und oftmals auch weniger motiviert sind aufgrund diverser Probleme (siehe Artikel). Nachwuchschefjuroren gibt es einige, definitiv nicht weniger als früher (dafür mehr Turniere), aber es ist eigentlich schon seltsam, dass manche ihre ersten Erfahrungen ausgerechnet auf den großen Turnieren machen (müssen), weil nur dort die Posten ausgeschrieben werden. Da gebe ich dir völlig recht.

      Trotzdem sehe ich hier aus Perspektive einr Turnierorga eines kleinen Turniers weniger ein Problem, denn:
      – Man kann Leute anfragen, die einem auf Turnieren als gute Juroren aufgefallen sind (oder auch als tolle Redner, siehe Daniels Kommentar).
      – Man kann erfahrene Chefjuroren fragen, wen sie empfehlen würden als neue Chefjuroren. Deshalb muss man die erfahrenen Personen nicht fragen, ob sie auch selbst chefjurieren wollen und selbstverständlich muss man den Empfehlungen auch nicht folgen.
      – Man kann die 8M durchschauen, wer evtl. erst ein Turnier chefjuriert hat und auch Jurorenbreaks sind problemos herauszufinden.
      – Man kann auch bei einem kleinen Turnier eine Ausschreibung machen. Man kann so ein Turnier ja acht bis zehn Wochen vorher ankündigen und eine ein- bis zweiwöchige Bewerbungsfrist machen. Entweder für die ganze Jury oder nur für einen Nachwuchsposten.

      Wenn ich Orga bin und CJ-Nachwuchs fördern will, gibt es aus meiner Sicht genügend Möglichkeiten. Man wird dadurch nicht jeden finden, der gerne mal chefjurieren möchte, aber so ist das nun mal. Es gibt ja auch keinen Anspruch des Einzelnen an die Szene, dass man allein schon, weil man es gerne mal machen würde, auch unbedingt mal was chefjurieren darf. Ausschreibungen gibt es genug und ebenso die Möglichkeit, sich durch gute Arbeit als Juror auf Turnieren zu empfehlen.

    2. Ruben H says:

      Das stimmt schon und wären aus Orga-Sicht auch gute Ideen, Nachwuchs zu fördern. Trotzdem ist es ja sehr auffällig, dass es bei den vergangenen Ausschreibungen es allesamt einen Run auf die Nachwuchsplätze gab, wohingegen die Bewerbungslage für die regulären Plätze eher mau war. Das spricht ja durchaus dafür, dass viele motivierte Personen auf kleineren Turnieren nicht die Chance erhalten, Erfahrungen zu sammeln und es damit auch dauerhaft einen kleineren Pool erfahrener CAs gibt.
      Und auch mit deinen genannten Möglichkeiten ist es ja durchaus so, dass ich eigeninitiativ quasi keine Möglichkeit habe, mich um CA-Posten auf kleineren Turnieren zu bemühen. Wenn Ausrichter ohnehin ein Problem haben, CA’s für ihre Turniere zu finden, spräche aus meiner Sicht ja auch nichts dagegen, diese Plätze in den einschlägig bekannten Gruppen und Verteilern bekannt zu geben und so auch Personen zu erreichen, an die ich als Ausrichter im ersten Moment nicht gedacht hätte.

    3. Christian (MZ) says:

      Klar kann ich als Turnierorga eines kleinen Turniers Leute auch auf anderen Wegen erreichen als über eine reguläre Ausschreibung, wobei man eine Ausschreibung ja üblicherweise genau über den von dir angesprochenen (VDCH-)Verteiler macht. Ob man das auch per Facebook machen kann…naja, wer will kann das tun, aber es ist eben nicht jeder bei Facebook. Andererseits ist auch nicht jeder Debattierer im VDCH-Verteiler (wobei die Unterschiede für das Fernbleiben unterschiedlich sein dürften). Aber das ist ja Sache der Ausrichter, wie sie ihre Leute suchen, das ist einem ja nicht verboten.

      Deine Lesart, dass es einen Run der unerfahrenen CJ auf Turniere gäbe, weil sie sonst keine Möglichkeit zum Sammeln von Chefjuriererfahrungen haben, teile ich nicht. Es gab doch in den letzten Monaten und Jahren viele Leute, die ihr erstes oder zweites Turnier chefjuriert haben. Und es ist doch umso schöner, wenn sich viele zutrauen, auch größere Turniere chefzujurieren. Nur weil sie sich dort auch noch als Anfänger bewerben (als Anfänger zählen da ja meist auch Leute, die schon ein oder zwei Turniere chefjuriert haben), heißt das ja nicht, dass sie sonst keine Möglichkeiten zum Chefjurieren haben.

      Einen Run auf ausgeschriebene Nachwuchsposten sehe ich übrigens nicht. Hier gibt es wenigstens überhaupt einige Bewerbungen, aber das alleine ist doch kein run. Dafür bleiben die Bewerbungen erfahrener Chefjuroren aus. Und das sollte einem als Szene zu denken geben.

    4. Kathrin Niederschuh says:

      Auf dem internationalen Parkett existiert hierfür die European and IONA Debating CV Database, in die Interessenten ihren Wohnort, wichtige Erfolge und Erfahrungen sowie Kontaktdaten eintragen können: https://docs.google.com/spreadsheets/d/1K6gToEktkvjMG_xPy4zxlT4DGaccPOpOxoXcghHpt2g/edit#gid=35307976. Daran anlehnend könnte man eine Google form erschaffen, die Turnierausrichtern als Excel-Tabelle im DebattierWIKI des VDCH zur Verfügung stünde. Anders als die nebenbei bemerkt inaktuelle Seite “Chefjuroren-Pool” in der Kategorie Turnierorganisation schüfe sie auch für eher unerfahrene Interessenten die Möglichkeit, ihr Interesse und ihre Qualifikationen sichtbar zu machen. Mit einem Passwortschutz könnte man eine relative Vertraulichkeit der Daten gewährleisten; stellte man ein, dass Befragte ihre Antwort nach dem Absenden bearbeiten dürfen, dürfte das Aktualisieren von Wohnort u. Ä. kein Problem sein.
      Neben den Interessenten würden davon auch eher kleine und neue Clubs profitieren, die sich mangels institutionellem Gedächtnis bei der Turnierorganisation häufig schwertun, einen Überblick über die Szene zu gewinnen.

  3. Simon V. (Wuppertal) says:

    Also ich bin persönlich etwas verwundert über die Empirie:
    Wo haben wir schonmal signifikante Breakchancen von Anfängern erlebt?
    So weit ich es beurteilen kann, sieht man auf den Siegertreppchen oft dieselben Leute.

    Ich finde es doof das schon jetzt wieder auf den Jurorenpreisen herumgehackt wird. Wie lange gibt es die denn schon? Man sollte der Maßnahme mehr Zeit geben.

    Ferner muss ich ganz ehrlich sagen, die Probleme liegen klar auf der Hand und haben sich seit Barbaras Analyse (die ich immer noch für die beste halte) nicht stark verändert:
    – immer noch zu wenig Anerkennung für die Juroren. Die Juroren die ich kennengelernt habe sind, sofern sie eine steile Lernkurve aufgezeigt haben, gut im Debattieren angekommen. Diese Lernkurve kann aber nur dann glaubwürdig bestätigt werden, wenn sie in irgendeiner Weise mehr bekommen als eine Zeile “kann man in Zukunft als Hauptjuror setzen” oder guten Zuspruch. Selbst wenn dieses Wissen sich auf zukünftige Raumsetzungen übertragen würde, weiß der Juror es einfach nicht sicher. Hier muss man wirklich besseres Feedback betreiben und auch mal mehr Interesse in den Juror oder deren Clubs setzen. Wenn man jemandem sagt, er sei ein vielversprechender/bester Nachwuchsjuror für seinen Club, kann dieser jemand sich genauso freuen wie ein junger Nachwuchsjuror. Oder ein besseres Tracking der Ergebnisse betreiben. Wenn man am z.B. Ende eines Turniers eine Übersicht darüber bekommt, in welchen Räumen, mit welchen Teams, mit wievielen Punkten, und wie erfahrenen Hauptjuroren man nebenjuriert hat, dann hat man sicherlich eine bessere Möglichkeit, sich zu vergleichen und eine “Jurieridentität” auszubilden.

    – Wir haben wenig Wissen über Jurorenrecruiting. Das fängt schon bei Werbevorschlägen und Anwerbetipps an. Wo bitte wird explizit damit geworben, dass man Leute für eine Jury sucht? Oder dass man politische und philosophische Reflexion explizit anwirbt? Die meisten Vorschläge, die ich bisher kennengelernt habe, handeln vom reden, nicht vom zuhören, bewerten oder analysieren. Das klingt wahrscheinlich wirklich orthodox, aber wenn man so gut wie alle Neuankömmlinge mit Reden anwirbt, wer wird intrinsisch zuhören wollen?

    – Wir haben noch weniger Motivation zur Jurorenanwerbung.
    Welche institutionellen positiven Anreize gibt es, dass ein Club gute Juroren ausbildet? Das einzige, was wir daran wahrnehmen werden ist wahrscheinlich dass dieser Club weniger gute Redner dann dabei hat. Das einzige, was wir benutzen, sind negative Anreize, die hauptsächlich dazu nutzen, dass nicht so viele Redner von einem Club bei zu wenigen angemeldeten Juroren zum Turnier kommen.
    Welchen positiven Nutzen gibt es denn, wenn ein Club viele Juroren hat? Besondere Aufmerksamkeit? Einen zusätzlichen Teamplatz auf einem Turnier?

    Was schlage ich stattdessen vor?
    Ich glaube, wir präferieren Teamrednerplätze, weil diese begrenzt sind. Daher müssen wir auch Jurorenplätze begrenzen um eine “natürliche Nachfrage” herzustellen.

    Wie stelle ich mir das vor?
    Es gibt Teamjurorenplätze, die explizit einem Club zugeordnet werden. Die Leistung dieses Juroren werden dem Club zugerechnet (Breaks, Preise). Diese Plätze sind limitiert.
    Dann gibt es die allgemeinen/unabhängigen Jurorenplätze. Diese Juroren treten unabhängig von ihrem Club an und ja, das ist natürlich kontrovers. Aber die Leistungen dieser Juroren werden nicht auf ihren Club zugerechnet.

    Alle Club melden also ihre Teams und Juroren an. Sind die Teamjurorenplätze aufgebraucht, dann werden die verbleibenden Juroren auf die unabhängigen Jurorenslots aufgeteilt.

    Wenn ein Club mit besonderen Leistungen (Breaks auf Regios/Großturnieren von Rednern oder Juroren) geglänzt hat, bekommt derjenige Club einen zusätzlichen Teamplatz, verbunden mit einem zusätzlichen Jurorteamplatz. Das bedeutet, dass gute Jurierleistungen dazu führen können, dass der eigene Club ein Team + Juror schicken darf.

    Der Anreiz, gute Juroren auszubilden steigt, weil gute Jurorleistungen zu mehr Teamplätzen führen können, also die Chance steigern, Prestige zu gewinnen. So werden Juroren explizit am Erfolg der Redner beteiligt und andersrum.

    Dieser Anreiz ist mMn besonders wichtig, da nur gut ausgebildete Juroren zu einer größeren und effektiveren Jurorenanwerbung führen können. Er ist quasi absolut notwendig, weil es nur dann zu einer guten Juriersituation kommen kann, wenn das Jurieren auch eine extrinsische Motivation (durch das Prestige und die Extraplätze für den Club) erhält.
    Die Verschmelzung der Limitation der Teamplätze mit den Jurorenteamplätzen führt dazu, dass vor allem größere Clubs mit der Intention der Ausweitung ihrer Chancen, gute Juroren auf ihreen Clubplätzen mitnehmen, anstatt diese als Redner mitzunehmen.

    Die Spaltung in Teamjuroren und unabhängigen Juroren führt dazu, das es jedem Club selbst überlassen ist, die Leistungen ihrer Nachwuchsjuroren zu honorieren, indem sie auch auf die Teamjurorenplätze dürfen. (Wenn dich dein Club mit etwas belohnt ist das nachhaltiger/glaubwürdiger als wenn das ein fremder Chefjuror macht). Es bietet aber immer noch die Möglichkeit, dass Juroren zum Trainieren mitfahren dürfen.

    Der letzte Vorschlag, der damit verbunden ist: Der Nachwuchspreis muss an wirkliche Nachwuchsjuroren verliehen werden. Leute, die die Szene nicht kennen, Leute, die wirklich noch Blut schmecken. Für eine nachhaltige Bindung der Nachwuchsjuroren an die Szene sollte der Preis genutzt werden und nicht für die Belohnung einiger ubiquitärer Langzeitredner, die mal das Jurieren ausprobieren.

    Letzte Idee:
    Ein wirklich abgestimmtes und nicht bunt zusammengemischtes Jurierwochenende. Wo es vom ersten bis zum letzten Workshop eine zusammenhängende Linie gibt. Dieses ganze “da ein Workshop, hier ein Workshop” killt so viel Lernpotential. Aber wie ich sagte: Wir haben wenig Wissen und Motivation, das zu guter Jurorenausbildung führt.

    1. Christian (MZ) says:

      Aus meiner Sicht machst du ganz am Anfang deines Kommentars ein großes Problem des Jurierpreises deutlich: Jurorenanfänger haben in jedem Fall deutlich geringere (Juroren-)Breakchancen und im Zweifel sind die üblichen Verdächtigen im Vorteil. Nicht aus Bosheit, sondern einfach weil man die Anfänger weniger gut einschätzen kann als die bekannten Gesichter. Wenn aber ein Wettbewerb signifikant unterschiedliche Startbedingungen hat, kann die Preisvergabe nicht fair sein. Schon deshalb bin ich gegen den Jurorenpreis.

      Und im Übrigen: auch bei der MV wurde schon gesagt, man solle dem Jurierpreis Zeit geben und schauen, was er bewirkt. Wie soll das Ablaufen? Selbst wenn auf den betroffenen Turnieren die Zahl der Juroren sinkt oder steigt (hier wäre schon die Frage: sinken oder steigen in Vergleich zu welchem Turnier?), können wir dadurch noch lange keine Kausalität zum Jurierpreis feststellen. Auch den Punkt “Wertschätzung” kann man kaum messen. Dass es keine einfache Methode bei der Vergabe gibt, zeigt sich schon bei den unterschiedlichen Vorgehensweisen bei der ZD Berlin und der ZD Hamburg. Wenn man eine Maßnahme nicht für richtig (weil unter anderem für unpraktikabel) hält, sollte man das lieber früher als später sagen, damit entsprechend umgesteuert werden kann. Selbstverständlich kann die MV am Ende entscheiden, wie sie es für richtig hält. Aber sachliche Kritik an Sachthemen sollte erlaubt sein.

    2. Lennart Lokstein says:

      Ich finde die Jurierpreise gut und richtig. Juroren werden praktisch überhaupt nicht wertgeschätzt, auf jedem zweiten Turnier sagen die Chefjuroren bei der Breakverkündung in ironisch-verschwörerischem Tonfall “Zuerst zu dem “wichtigsten” Break, den Juroren”… solange das die Einstellung ist, mit der man Juroren gegenübertritt, wird das niemand machen.

      Und natürlich erhalten Anfänger nur sehr selten Jurierpreise, genauso wie Anfänger selten ein Finale gewinnen – das ist ja wohl normal! Eben darum arbeitet man an sich, verbessert sich als Juror und alle profitieren.

      Ob man nun die Verleihung des Nachwuchsjurierpreises an Leute gut findet, die seit 5 Jahren reden und nie juriert haben (ich nehme an, das ist der Fall, den Simon anspricht), kann man separat diskutieren. Beispielsweise könnte man als zusätzliches Nachwuchsjurorkriterium einführen, dass die Person auch auf maximal 10 Turnieren geredet haben darf etc., dann fällt die Gruppe der Erfahrenen-die-langsam-mal-jurieren weg. Für die ist dann aber natürlich auch weniger Motivation da, das jemals zu tun. (Aber würden sie das denn überhaupt mehr als ein paarmal, wenn sie es vorher nie taten?)

      Ich persönlich kann sagen: Jurieren ist aktuell nach wie vor ein undankbarer Job und völlig unabhängig von den schlechten “Arbeits”bedingungen macht es mir persönlich, und ich glaube vielen, weniger Spaß als zu reden. Ich mache es aber trotzdem, weil die Szene ohne Juroren nicht funktioniert und ich lange Zeit Spaß am Reden haben konnte, weil andere juriert haben. Daher hat mich die Auszeichnung in Berlin als Zeichen der Anerkennung sehr gefreut und ich gehe davon aus, dass sie auch in kommenden Jahren viele andere Menschen erfreuen kann und wird.

    3. Peter G. says:

      @ Lennart:
      Ich sage hier einfach nochmal das gleiche, wie ich in dieser Debatte schon oft gesagt habe:
      Mir macht kicken auch mehr Spaß als pfeifen. Das tut man, weil’s halt wer machen muss. Einige wenige machen eine Karriere draus, weil es ihnen Spaß bereitet und sie besonderes Talent dafür haben, oder für den Bolzplatz zu alt geworden sind aber das Bier nach dem Spiel noch zu schätzen wissen. Aber der Großteil der Schiris in egal welcher Sportart tut das nun mal weil es jemand machen muss um den Sport zu ermöglichen, nicht weil es so geil wäre. Da kann man den Leuten noch so viele Medaillen umhängen, wer kicken will hat keinen Bock zu pfeifen. Lösung wie in anderen Sportarten auch: Es gibt Pflichtpartien in denen man, wenn man in anderen Partien spielen will, eben als Juror seinen Dienst ableisten muss.
      Das soll nicht aussagen, dass man Juroren nicht wertschätzen soll, sondern nur, dass die Idee einer Subsportart, die innerhalb des Debattierens kompetitiv stattfindet und für die man Leute motivieren kann, meiner Ansicht nach nicht aufgeht.

      PS: Hat mit Chefjuroren jetzt nur sehr begrenzt was zu tun, sehe ich ein, aber die Debatte hier ist ohnehin davon abgeglitten…

      PPS: Dass ich keine weiteren intelligenten Dinge zu Simons Kommentar dazuschreibe soll nicht als Zustimmung zu selbigem gewertet werden.

    4. Lennart Lokstein says:

      @Peter: Ich glaube, da wurde ich missverstanden. Ich denke auch nicht, dass wir über die Jurierpreise eine große zweite Bühne aufmachen und Leute sich darum dann erbittert streiten. Aber ich finde sie als Zeichen der Wertschätzung nett und es gut, wenn auch hier ein Anreiz zur Verbesserung der eigenen Leistung besteht.

  4. Simon V. (Wuppertal) says:

    * Am Anfang bei den Nachwuchsjuroren meinte ich im folgenden Satz:
    “dieser jemand sich genauso freuen wie ein junger Nachwuchsjuror” natürlich einen Nachwuchsredner, der eine gute Punktzahl bekommt o.ä.

  5. Christian L. (MD) says:

    Ein schöner, wichtiger und richtiger Artikel. Hier noch ein, zwei Anmerkungen:

    Jurorenanzahl zu kleinen Turnieren:
    In der Tat war es bis 2014 gang und gäbe, dass auf kleinen FDL-Turnieren mit bis zu 50 Rednern nur zwei Chefjuroren gewirkt haben und es hat gut funktioniert. Auch wurden Regionalmeisterschaften mit jeweils einem Duo besetzt, was auch kein Problem bei der Durchführung darstellte.

    öffentliche Ausschreibungen:
    Ich stehe der Maßnahme skeptisch gegenüber, dass zu jeder Regionalmeisterschaft und zu jeder ZD eine Jurorenausschreibung stattfinden muss. Wie Christian dargelegt hat, kann der unklare Bewerbungsprozess bei mehren Turnieren gleichzeitig Juroren davon abhalten sich für ein Turnier zu bewerben. Daneben sind die Bewerbungen auch eine neue Entwicklung, die seit 2014 immer mehr Einzug in die Szene gehalten hat. Zwar wäre es für eine DDM richtig und wichtig, doch braucht es nicht jedes Turnier, da jahrelang sehr gute Panels ohne Ausschreibung zustande gekommen sind, ohne dass es dafür einer Ausschreibung bedarf, die bis jetzt scheinbar wenig Diversität unter den Panels hervorgebracht hat. Eher wirkt die Ausschreibungpraxis wie ein Zeichen der Ausrichter, dass man sich um die Jurierqualität bemüht. Allerdings bindet der Auswahlprozess sowohl die Ausrichter intern als auch externe Experten, welche damit selber weniger Zeit für CJ-Pflichten haben.

    Öffentliches Ansehen:
    Wie Christian gesagt hat, halte ich die öffentliche Zurechtweisung von CJ-Panels wegen Themen für kontraproduktiv, wie es bspw. nach der ZD in Bayreuth geschehen ist. Wieso sollte man viel Zeit und Arbeit in die Vorbereitung reinstecken, wenn irgendjemand rumtrollt.

    1. Christian (MZ) says:

      Interessanterweise war ein Gedanke dabei, drei Chefjuroren statt nur zwei zu nehmen, explizit die Nachwuchsförderung. Denn wenn es mehr Plätze gibt, können mehr Personen in die Verantwortung gebracht werden. Gleichzeitig ist die Vorbereitung vermutlich einfacher wenn eine neue Person mit zwei erfahreneren arbeitet statt nur mit einer.

    2. Witthaut (Mainz) says:

      Ich bin ein großer Freund von 3er Panels. Klar, wenns nicht anders geht, gehts nicht anders. Aber bei drei Leuten kann man halt 2:1 splitten. Nicht jede Chefjury ist sich einig über alles. Und es gibt halt Dinge, die man entscheiden muss. Und am Ende muss halt vielleicht abgestimmt werden. Sonst heißt es nämlich “Wir machen das, wie X sagt, der/die hat ja die Erfahrung”. Das ist auch kein Fortschritt sondern im Zweifel ein Zementieren.

  6. Daniel (Heidelberg) says:

    Ich weiß, das ist heutzutage unbeliebt, aber wenn es nicht ausreichend Kandidaten gibt, die über die geforderte Ausbildung , ein vollständiges Skillset , die notwendige Leidensfähigkeit und einschlägige Erfahrung verfügen, dann würde ich ein Old-School-Kriterium durchaus wieder aus der Mottenkiste holen: oft genug sind gute Redner auch gute (Chef-)Juroren!

    Ich bestreite gar nicht, dass das kein Automatismus ist. Ich nehme auch die Argumente ernst, die auf Think Tanks, hier in der 8. Minute und anderswo dazu bereits vorgebracht wurden. Ich bin aber davon überzeugt, dass da ein gewisser Zusammenhang dennoch plausibel unterstellt werden kann. Mir wäre es auch lieber, wir könnten unsere selbstgewählten Standards und Ideale durchsetzen. Aber bevor ich deswegen Turniere ausfallen lasse, würde ich mich als Ausrichter einfach mal wieder trauen: Da ist ein Debattant, der Dir gefällt, und Du wärst schon zufrieden, wenn er als Chefjuror die Maßstäbe ansetzt, die er selbst als Redner erfüllt, dann lade ihn halt ein, Dein Chefjuror zu sein. Und hinterher hältst Du die Schelte einfach aus, Dein Auswahlverfahren sei intransparent, die Themen unausgewogen, die Entscheidungsbegründungen nicht nachvollziehbar und das Verbesserungsfeedback miserabel gewesen. Denn davor bist Du auch mit seminargeschulten, casefileerstellenden alten Recken nicht gefeit.

    Ich musste z.B. wirklich laut lachen, als ich im Verteiler gelesen habe, dass Willy aus dem wohlverdienten Ruhestand gejammert wurde, weil Peter ja noch kein BPS-Turnier chefjuriert hat… Habt Vertrauen, der kann das schon, auch wenn er bei der Rederei gelernt hat 😉

    Grüße

    DS

    P.S.: „Ganz früher“ (zwischen 2005 und 2008?) haben wir kleinere Turniere auch häufig mal mit nur einem Chefjuror sehr akzeptabel über die Bühne gebracht. Nicht optimal, aber auch besser, als gar kein Turnier.

    1. Peter G. says:

      Lieb von dir 🙂

  7. Johannes M. says:

    Bezüglich der Sichtbarkeit (und Anerkennung) von Juroren: Ich fände es super, wenn die gebreakten Juroren endlich auch schriftlich im Tab genannt würden. Ist meiner Ansicht nach schon lange überfällig und würde es wesentlich einfacher machen, einen Überblick zu erhalten.

    1. Christian (MZ) says:

      Stimmt, gute Idee 🙂

    2. Allison (MZ) says:

      Ja, das ist wirklich eine sehr gute Idee!!
      Kann man das einfach umsetzen? Wenn ja, würde ich das gleich beim GBC und der ZD Münster so machen 🙂

  8. Florian U. says:

    Vllt. muss man das CJ-Problem mehr von der Angebotsseite aufzäumen. Es sollen also CJ-Willige verkünden, was sie machen würden, und die Ausrichter suchen aus.
    Bsplw.: “Debattierer*In mit 20 Turnieren, 2 Top-of-the-Tabs, 3 Jurorenbreaks, würde gerne OPD chefjurieren. Max. 3 VR+F; mit max. 1 weiterer CJ; Keine Casefiles, kein Jurorenfeedback. Max. 10h für Themenfindung; keine Extras. Raum: Süddeutschland. Nur seriöse Zuschriften.”

    1. René G (Rederei Heidelberg) says:

      “gebildet, junggeblieben, links-grün m. Int. für Feminismus und Minority-Themen SUCHT kleines, schnuckeliges Turnier um Neigung für crazy Nischen-Themen nachgehen zu können. keine casefiles oder anderen modernen shit. biete klassiche gottimperator ausstrahlung und 1A twitter-abdeckung.”

    2. Florian U. says:

      Genau so. Kann auch über die App (Debattindr) laufen …

    3. Nicolas (MZ) says:

      Gute Idee. Ehrlich.

    4. Sabine (Tübingen/ St. Gallen) says:

      Finde die Idee auch nicht schlecht, würde aber eine Sache zu bedenken geben: Es gibt Menschen, die sich nicht trauen, sich so selbst anzupreisen (schließlich ist eine Eintragung da ein Statement, dass man sich für geeignet hält, den Posten zu übernehmen). Zum einen ist Chefjurieren glaube ich eine Sache, in die man reinwachsen muss und die wahrscheinlich kaum einer “kann”, wenn er oder sie das zum ersten Mal macht, deshalb sind diese Bedenken vielleicht auf gewisse Weise berechtigt. Zum anderen, und das ist mein eigentlicher Punkt: Sobald so ein Dokument (oder welche Plattform auch immer) existiert, werden viele TurnierausrichterInnen nicht mehr so sehr in Betracht ziehen, Leute anzufragen, die nicht in dem Dokument stehen. Das benachteiligt dann systematisch eher schüchterne oder unsichere Menschen – und das sind, empirisch betrachtet, glaube ich überproportional viele Frauen. In Anbetracht der Tatsache, dass wir im Moment ja eh zu wenig ChefjurorInnen haben (und meinem Empfinden auch nur wenige Frauen, dafür aber öfter, den Job machen), sollte man zumindest bedenken, dass man Leute abschrecken könnte, und im Auge behalten, dass v.a. bereits erfahrene (Chef-)JurorInnen aktiv auf andere JurorInnen, die sie für geeignet halten, zugehen und sie ermutigen, sich einzutragen.

    5. Lennart Lokstein says:

      Ich bin mir nicht sicher, aber spontan geschätzt würde ich sagen, Frauen sind in Chefjuries im Vergleich zu Turnierteilnehmern anteilig überrepräsentiert. Ist sicher auch gewollt so. Es stimmt aber leider, dass sich das auf wenige Einzelpersonen aufteilt.

      Sabine hat aber fürchte ich bezüglich z.B. einer Liste im Wiki recht: Da der Gesichtsverlust, sich dort eingetragen zu haben aber dann länger nicht angefragt zu werden, hoch wäre, würden sich wohl nur wenige Leute dort eintragen. Gleichzeitig gäbe es die Erwartung an Ausrichter, die Datenbank zu nutzen, so dass die Nicht-Eingetragenen auch weniger angefragt würden. Schließlich will man eher nicht rechtfertigen, warum man diese mutigen eingetragenen Jurierwilligen dann zugunsten anderer nicht angefragt hat.

      Und nicht zuletzt: Die meisten Leute machen den Job durchaus auch, weil es eine gewisse Ehre ist, unaufgefordert gefragt zu werden.

    6. Allison (MZ) says:

      Sabine, Lennart, echt jetzt? So eine Liste ist kein exklusives Super-Gebilde, das Leute wie ein Monster abschreckend entgegensteht. Wenn man so was einführt, würde ich es einfach als grundlegende Datenbank aller, die chefjurieren möchten, bezeichnen. Da ist dann keine Wertung im Sinne von “kann das sehr gut” oder “wird besonders empfohlen” enthalten. In den Clubs sagt man seinen Mitgliedern, dass man sich dort bitte eintragen möchte, gerade wenn man vom Namen her vllt nicht so bekannt ist, aber Lust hätte. Das ist doch GERADE für schüchterne Menschen ideal! (Abgesehen davon Sabine, dass schüchterne Leute doch auch heute nicht angesprochen werden würden, weil sie sich nicht als potentielle CJ-Kandidaten präsentieren, oder?) Auch Frauen kann man nicht zu ihrem Glück zwingen. Halte daher so eine freiwillige Meldung für eine sehr gute Idee. 🙂

    7. Sabine (Tübingen/ St. Gallen) says:

      Also ich würde mich nicht eintragen wollen, oder nur mit sehr viel Überwindung. Obwohl ich hin und wieder angefragt wurde und die Bestätigung dadurch habe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich der einzige Mensch bin, der so ist.

    8. Florian U. says:

      Gekauft, ich wollte nur zeigen, dass man es nicht nur von der Nachfrage-Seite denken kann, sondern auch von den Angebotsseite. Man muss ja auch nicht tracken, wer angefragt wird. Man sieht ja im Endeffekt nur, wer CJ wird. Angefragt werden können ja mehr (Dunkelziffer und so)…
      So eine Liste gestattet nur, dass Menschen, einfach ihre Bereitschaft oder Ansprechbarkeit erklären können.

      On a lighter note: Die Idee, einfach mal Leute anzusprechen oder gar ohne Verfahren einfach zu berufen ist revolutionär! Bleibt die Frage: warum haben wir das noch nie gemacht?!!?!11elf!

    9. Christian (MZ) says:

      Zustimmung zu allen Bedenken von Lennart und Sabine, wobei ich schlechtere Chancen (als bisher) für Schüchterne unabhängig von deren Geschlecht unschön fände. Wer unbedingt will, kann sich ja in den offenen Ausschreibungen bewerben, die gibt es ja nun wirklich oft genug. Aber das nur am Rande.

      Rein von den Posten sind Frauen beim Chefjurieren sicher überrepräsentiert, aber ich hatte ehrlich gesagt nie das Gefühl, dass das irgendwie besonders gewollt ist und wenn das bei Turnieren mal vor kam, ist mir das oft erst im Nachhinein eher zufällig aufgefallen. Von Ausrichtern aufgestellte Frauenquoten in Chefjuries sind mir ebenfalls nicht bekannt. Ich glaube, die Ursache für die Überrepräsentanz ist eher, dass m Debattieren aktive Frauen sich im Schnitt mehr für die Szene einsetzen als Männer. Das sieht man schon am extrem hohen Anteil an Präsidentinnen bei der großen VDCH-Umfrage. Ich glaube, Männern geht es (im Schnitt!) eher um den persönlichen Spaß/Erfolg und deshalb reden die auch so gerne ewig auf Turnieren statt mehr zu jurieren, während (im Schnitt!) mehr Frauen sich auch für die Gruppe engagieren. Man schaue sich auch mal die Geschlechterverhältnisse der 8M-Redakteure der Vergangenheit an, zumindest früher war der Frauenanteil sicher über 90%. Und auch wenn für manche (wenige) Leute Chefjurieren ein Stück weit Selbstinszenierung ist, ist dieser Job aus meiner Sicht vor allem etwas, was man für die Debattiergemeinschaft tut (und nicht für sich). Und solches Verhalten ist (im Schnitt!) bei den Frauen im Debattieren (über das außerhalb der Debattierszene treffe ich keine Aussage!) nach meiner Beobachtung häufiger.

      Übrigens glaube ich, dass gerade Leute, die das Chefjurieren eher als Dienst an der Gruppe ansehen, sich auch nicht unbedingt in eine solche Datei eintragen oder bei Turnieren als CJ bewerben.

    10. Christian (MZ) says:

      (Die Überrepräsentanz bezieht sich natürlich auf die Verhältnisse innerhalb der Debattierszene und mit der Feststellung dieser Überrepräsentanz ist keinerlei Wertung verbunden.)

  9. Nicolas (MZ) says:

    @Sabine: Doch, Du bist da definitiv der einzige Mensch, der so ist 😉

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