Zum Umgang mit persönlicher Betroffenheit auf Turnieren – ein Denkanstoß

Datum: May 9th, 2018
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Category: Das Thema, Jurieren, Mittwochs-Feature

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7 Kommentare zu “Zum Umgang mit persönlicher Betroffenheit auf Turnieren – ein Denkanstoß”

  1. Robert P aus P says:

    Danke für diesen wertschätzenden, respektvollen und emphatischen Artikel zu diesem Thema.

    Der Artikel setzt einen Kontrapunkt zu einem Großteil der Facebook-Diskussion, bei der viele “Sportlichkeit”* als einzig relevantes Kriterium gesetzt haben, egal ob Menschen, die betroffen sind, damit von einem Ereignis ausschließt.

    Ich stimme euren Ansätzen: 1. CAs sollen ein Backup-Thema haben und 2. es in einem persönlichen Gespräch klären, genau richtig.

    Guter Beitrag.

    * Mit “sportlich” war in der Facebook-Diskussion “Wettbewerb” eines Hobbys gemeint. Sportliches Verhalten beinhaltet Partnerschaftlichkeit und kein Sieg um jeden Preis.

    1. Allison (MZ) says:

      Nur kurz zu den Ansätzen:
      1. klar, wäre cool
      2. geschenkt, aber: Was folgt aus dem Gespräch? Sprich, was meinst du mit “klären”?

  2. Allison (MZ) says:

    Wow, eine wirklich umfassende Zusammenfassung des Dilemmas. Allein, eine zufriedenstellende Lösung für alle scheint in weiter Ferne. Vielleicht wäre eine Kombination möglich?

    1. Wenn die CJen möchten, können sie Backup-Themen verfassen und diese im Ernstfall stellen (bei einem kleinen Turnier mit wenig Runden kann es ja durchaus mal vorkommen, dass es 5 coole Themen gab, aber nur 4 Runden debattiert wird). Da wäre der Rechtfertigungsdruck für die betroffenen Leute mE nicht so hoch, weil alle weiterhin unter denselben Bedingungen debattieren, nur eben zu einem anderen Thema.

    2. Da Backup-Themen wohl eher die Ausnahme bleiben werden, könnte man auch zwischen Vor- und K.O.-Runden unterscheiden. In den Vorrunden könnte man je nach Art der Betroffenheit verschiedene Wege anbieten: Seitentausch, Iron(wo)man, Springerteam ohne Anrechnung der Punkte. Das betroffene Team entscheidet gemeinsam mit den CJen, hier entsteht dann natürlich ein gewisser Rechtfertigungsdruck.

    3. Für K.O.-Runden sollten mE eine verbindliche Vorgehensweise festgelegt werden:
    a) Iron(wo)man ODER
    b) das Team scheidet aus und das punkthöchste Team aus der vorherigen Runde (Vorrundentab, Tab nach Viertel- oder Halbfinale) rückt – mit vollen Breackchancen (sonst wäre das bei OPD ja witzlos) – nach.
    Die Möglichkeit des Positions-/Seitenwechsels halte ich für doch recht missbrauchsanfällig, daher würde ich diese Option in K.O.-Runden nicht favorisieren.

    Diese Regelung für K.O.-Runden ist zwar hart, den anderen unbeteiligten Teams gegenüber aber aus meiner Sicht am fairsten. Persönlich favorisiere ich die Iron(wo)man-Regel, weil dann das Team weiterhin Breakchancen hat und den anderen Teams in der Runde ihr eigentlicher Gegner (mehr oder weniger) erhalten bleibt. Das Problem eines Gefälles zwischen einzelnen Teampartnern mag bestehen, dürfte aber außerhalb von Pro/Am-Turnieren im Optimalfall nicht zu groß sein und wäre in dem Fall ein vertretbares Opfer, zumal Iron(wo)man nicht unüblich (= nicht ungewohnt) ist, wenn ein/e Redner/in mal ausfällt.

  3. Martin says:

    Der Text scheint mir doch recht lang und verwinkelt geschrieben. Diese Gedanken hat er bei mir angestossen:

    * Individuelle Betroffenheit: Ist bei jedem Thema für jede Person vorhanden. Ausser vielleicht bei japanischen Töpferwaren aus dem 5ten Jahrhundert. Doch auch da entstehen Bezüge, sei es nur zur eigenen Lieblingstasse.

    * Rolle: In der Debatte ist allerseits bekannt, dass die Rede nicht der eigenen Überzeugung entsprechen muss. Die Angriffe sind nicht persöhnlich und Biographisches kann nach eigenem Ermessen genutzt werden.

    * Betroffenheit ist nicht immer negativ: Dank dem eigenen Rucksack hat man sich mit den Stärken und Schwächen der Argumente, den Konsequenzen schon tiefer auseinandergesetzt.

    * Unwohlsein ist nicht immer schlecht: Dank der Themenvielfalt wird das pro Tournier höchstens einmal der Fall sein. Ausserdem lernt man viel über sich selbst. Wenn man sich mit den ‘bösen’ Argumenten auseinandersetzt, den “undifferenzerten Verallgemeinerungen oder [der] flapsiger Sprache” begegnet, übt man sich auch darin, diesen zu widerstehen. Neue Blickwinkel entdecken. Emotional und psychisch gefordert werden. Eine Referenz dazu: https://www.nzz.ch/feuilleton/wenn-dus-nicht-schaffst-versuchs-wieder-ld.1359674

    * Massnahme Ausweichthema: Sensible Themen werden umschifft, es findet eine Tabubildung statt. Dem Bösen soll mit guten Argumenten – geschäft durch “Teufelsadvokaten” – begegnet werden, statt es unter den Teppich zu kehren. Wäre das Ersatzthema kantenlos, damit es sicher niemandem weh tut?

    * Massnahme Sensibilisierung: Eine Triggerwarnung, die sich trotz kurzer Dauer mit der Zeit wie eine Ubahn-Durchsage anhören würde: “Mind the gap”. Einerseits scheinen die Extremfälle doch rar, andererseits sollte es normal sein, sich bei Problemen zu melden.

    * Massnahme Gespräch: Falls es wirklich Härtefälle gibt, ist zu bezweifeln, ob die Verantwortlichen ohne psychiatrische Kompetenzen eine korrekten Beurteilung vornehmen können.

    Grundsätzlich sind die Themen ausgewogen. Wer trotzdem auf Debatten treffen könnte, welche die psychische Stabilität gefährden, hat die Möglichkeit, eine andere Freizeitbeschäftigung wählen, wo nicht die Kontroverse im Vordergrund steht.

  4. Martin Zett says:

    Spitzensport ist immer unangenehm, weil er an die Grenze des individuell Machbaren geht. Und genau das ist es auch, was uns an Sport allgemein gefällt: Wir möchten unsere eigenen Grenzen kennenlernen, und sie überwinden.

    Wenn der Debattiersport “entschärft” wird, indem eine der wesentlichen Herausforderungen entfernt wird, riskiert er damit, langfristig irrelevant zu werden: Es wird keine kontroversen, öffentlichkeitwirksamen Debatten mehr geben (z.B.: https://en.wikipedia.org/wiki/The_King_and_Country_debate), und potentielle Neuzugänge werden sich für einen anderen Denksport entscheiden.

    1. Robert Pietsch says:

      Debattieren ist kein Spitzensport und sorry, hat nicht wirklich eine Öffentlichkeitswirksamkeit.

      Was du hier machst ist Behauptungen aufstellen und ohne Begründung oder Abwägung zu sagen, ist halt so. Was du hier vergisst, ist dass etwa sportliches Verhalten genau das Gegenteil ist, von dem was du sagst.
      Zudem setzt du alle persönlichen Grenzen gleich.

      Übrigens ist deine Behauptung in sofern Schwachsinn, weil wenn etwas nicht “Machbar” ist, ist es wirklich nicht machbar. Das ist so eine leere Phrase wie “110 % geben”.

      Übrigens haben uns neue DebattierInnen explizit im Club gefragt, wie das mit solchen Themen wäre und sie hätten sich für ein anderes Hobby entschieden, wenn wir so wie du geantwortet hätten. Also auch deine letzte Behauptung hat null Evidenz.

  5. Konstantina (Berlin) says:

    Vielen Dank für den Beitrag, es war eine tiefgründige, aber kurz gefasste Darstellung des Themas!

    Nur eine kurze Ergänzung hätte ich noch:

    Mir erscheint das Missbrauchsrisiko nicht so hoch, wie die meisten befürchten würden, uns zwar aus folgendem Grund:

    Wenn ein Team diese “Betroffenheitsregelung” ausnutzen möchte, dann würde ich vermuten, dass der Hauptgrund dafür wäre, dass es behauptet, keine (oder keine guten) Argumente/ keine Extension zum Thema finden zu können. Es erscheint mir aber unwahrscheinlich, dass man gleich nach Ankündigung der Motion zu diesem Gedanken gelangen wird. Stattdessen braucht man normalerweise 4-6 Minuten, um zu diesem Ergebnis zu kommen. Da ich also für vollkommen legitim halte, zu erwarten, dass die Betroffenheit eines Teams gleich nach Ankündigung geltend gemacht wird, finde ich dass das Missbrauchspotential eher im Hintergrund bleiben kann.

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