{"id":3060,"date":"2010-04-23T21:45:10","date_gmt":"2010-04-23T19:45:10","guid":{"rendered":"http:\/\/achteminute.vdch.de\/?p=3060"},"modified":"2010-04-26T14:13:35","modified_gmt":"2010-04-26T12:13:35","slug":"shakespeares-erben-%e2%80%93-ein-einblick-in-die-norddeutsche-meisterschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.achteminute.de\/en\/20100423\/shakespeares-erben-%e2%80%93-ein-einblick-in-die-norddeutsche-meisterschaft\/","title":{"rendered":"Shakespeares Erben \u2013 Ein Einblick in die Norddeutsche Meisterschaft"},"content":{"rendered":"<p>Nicht nur nach Dortmund, Ilmenau und M\u00fcnchen zog es Deutschlands beste Debattierer am vergangenen Wochenende, auch in Hannover sammelte sich ein stattliches Gr\u00fcppchen ebensolcher \u2013 es galt, den Norddeutschen Meister 2010 zu k\u00fcren. Zu diesem Zweck waren Redner aus Berlin, Greifswald, Hamburg, Kiel, Magdeburg, Paderborn, Potsdam und Osnabr\u00fcck angereist, die gemeinsam von den Debattierclubs Braunschweig und Hannover (der Einfachheit halber ab jetzt die \u201eBraunoveraner\u201c genannt) eingeladen worden waren. Die inhaltliche Betreuung wurde durch ein hauptstadtfreundliches Chefjurorenteam (Lea Weitekamp und Tim Br\u00fcckmann aus Bonn, Patrick Ehmann aus Berlin) \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Obwohl oder gerade weil der Beginn des Turniers extrem debattiererfreundlich gew\u00e4hlt worden war \u2013 erst um halb elf begr\u00fc\u00dfte Cheforganisator Alexander Johnston die Teilnehmer \u2013 ging es dann auch direkt in die Vollen. Nach einer Redner- und Jurorenschulung im Schnellstdurchlauf gab es schon das erste Thema und die Redner stoben auseinander, um \u2013 durch die helfenden Guides der Braunoveraner geleitet \u2013 die Debattenr\u00e4ume in den angrenzenden Geb\u00e4uden auf dem Hannoveraner Campus zu erreichen.<\/p>\n<p>Alle Redner? Nein! Denn ein von (eigentlich) unbeugsamen Debattierern bev\u00f6lkerter Club aus Magdeburg hatte sich durch ein schief gelaufenes Wendeman\u00f6ver noch w\u00e4hrend der Anreise selbst gestoppt. In einem der beiden betroffenen Autos musste Stefan Kegel verfr\u00fcht den R\u00fccktritt antreten \u2013 schade, Stefan, und viel Erfolg bei der Reparatur! Die verbleibenden Magdeburger, die sich konsequenterweise in &#8220;Magdeburg Auffahrunfall&#8221; und &#8220;Magdeburg Karambolage&#8221; umbenannten, besetzten die Teams spontan um \u2013 dennoch verk\u00fcrzte sich die Vorbereitungszeit f\u00fcr Kai Illner und Steffen Westphal um einige Minuten.<\/p>\n<p>Nach der ersten Runde zum Thema &#8220;Dieses Haus w\u00fcrde den Walfang grunds\u00e4tzlich erlauben&#8221; durften sich Redner und Juroren direkt schon wieder \u00fcber eine Pause freuen, und \u00fcber eine mit Bewirtung noch dazu: In der zur Uni geh\u00f6renden &#8220;Contine&#8221; wurde das Mittagessen serviert. Die meisten der Teilnehmer verschlug es zum Speisen selbst aber direkt wieder nach drau\u00dfen, da sich in Hannover auch die in diesem Jahr ja seit einer gef\u00fchlten Ewigkeit herbeigesehnte Sonne von ihrer besten Seite zeigte.<\/p>\n<p>Fr\u00fchlingsgef\u00fchle kamen in der zweiten Vorrunde allerdings nicht auf. &#8220;Sollte die Identit\u00e4t von Sexualstraft\u00e4tern der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht werden?&#8221; Hier\u00fcber stritten die norddeutschen Redner ausgiebig, doch nicht l\u00e4nger als unbedingt n\u00f6tig. Denn im Verk\u00fcndungsraum wartete \u2013 man mag es kaum glauben \u2013 schon der n\u00e4chste Imbiss. Dieser offenbarte das Drittmitteleinwerbungstalent der braunoverschen Ausrichter auch in kulinarischen Belangen: Mit Bagels und s\u00fcndhaft zuckrigen Riesenmuffins vom Muffin Mann war diese Kaffeepause eine wahre Freude.<\/p>\n<p>Zu mehrdeutigen Angeboten kam es dann in der dritten Vorrunde zum Thema &#8220;Dieses Haus w\u00fcrde dem Individuum Definitionshoheit \u00fcber sein Geschlecht geben (m\u00e4nnlich, weiblich, keins von beiden)&#8221;. So gestand Benedikt Nufer vom Debattierclub Hamburg, dass er sich schon immer zu Manuel Adams (Hanse Debating Union Bremen) hingezogen gef\u00fchlt habe, wenn er ihn auch nicht ganz so erotisch finde wie seine Freundin. Manuel lie\u00df ihn grinsend gew\u00e4hren \u2013 als Juror hatte er ja auch keine Gelegenheit zu Widerspruch. Auch die ansonsten wohl eher in Ilmenau gefragten Unisex-Toiletten fanden ihre F\u00fcrsprecher. In anderen R\u00e4umen wurde durchaus ernsthafter \u00fcber die Folgen f\u00fcr das globale Geschlechtergleichgewicht spekuliert.<\/p>\n<p>Die vierte Vorrunde zur Frage, ob Jerusalem unter UN-Verwaltung zu stellen sei, forderte den Rednern zu nun fortgeschrittener Stunde noch einmal alles ab. Diejenigen von ihnen, die aufgrund unkooperativer Campus-Geb\u00e4ude\u00f6ffnungszeiten erst Asyldebattenr\u00e4ume hatten finden m\u00fcssen, erreichten den Shuttleservice zur Jugendherberge gerade noch \u2013 f\u00fcr einige der Juroren und die Chefjuroren f\u00fchrte der Weg raus aus der Uni direkt rein in die Bar ALEX und damit zum Abendprogramm. Um elf Uhr wurde hier der Break verk\u00fcndet: Neben vier \u2013 und damit allen der angereisten \u2013 Berliner Teams hatten sich auch Greifswald, Magdeburg, Hamburg und Potsdam je einen Platz im Halbfinale erstritten. Vorerst lie\u00dfen die Debattierer den Abend aber im ALEX ausklingen \u2013 oder? Anderweitig laut gewordene Ger\u00fcchte \u00fcber eine wilde Partynacht k\u00f6nnen hier zwar nicht best\u00e4tigt, aber auch nicht ausger\u00e4umt werden\u2026<\/p>\n<p>Im ersten Halbfinale am Sonntagmorgen \u2013 erneut debattiererfreundlich: Beginn um zehn Uhr \u2013 er\u00f6ffnete die Regierung &#8220;Greifswald D\u00e4nische Wiek&#8221; zum Thema &#8220;Dieses Haus fordert die Kopfpauschale im Gesundheitswesen&#8221;. Unterst\u00fctzt wurde sie auf der Regierungsseite vom Team &#8220;Berlin Humboldthain&#8221;, f\u00fcr die Opposition traten in diesem Raum die Hamburger, gefolgt vom Team &#8220;Berlin Amalienstra\u00dfe&#8221;, an. Im zweiten Raum standen sich &#8220;Berlin S\u00fcdstern&#8221; und &#8220;Berlin Krumme Lanke&#8221; auf den er\u00f6ffnenden Positionen, &#8220;Magdeburg Auffahrunfall&#8221; und &#8220;Potsdam Metropolis&#8221; in der schlie\u00dfenden Debattenh\u00e4lfte gegen\u00fcber. Durchsetzen konnten sich &#8220;Berlin Amalienstra\u00dfe&#8221; mit Dessislava Kirova und Filip Bubenheimer sowie Greifswald mit Sarah Jaglitz und Rafael Heinisch aus Raum eins und &#8220;Berlin Krumme Lanke&#8221; (Kai Dittmann, Julian Ohm) neben &#8220;Potsdam Metropolis&#8221; (Jana Bachmann und Florian Umscheid) aus Raum zwei.<\/p>\n<p>In einem hochkar\u00e4tigen, spannenden Finale l\u00e4uteten Dessislava und Filip die Debatte ein und erkl\u00e4rten: &#8220;Es gibt kein geistiges Eigentum in der Literatur!&#8221;. Florian und Jana taten in der er\u00f6ffnenden Opposition ihr Bestes, um dem Antrag und der drohenden Transformation des Shakespeare\u2019schen &#8220;Hamlet&#8221; in einen &#8220;Dessi-let&#8221; Einhalt zu gebieten. Sarah und Rafael in der schlie\u00dfenden Regierung mussten sich gegen Kai und Julian in der schlie\u00dfenden Opposition behaupten.<\/p>\n<p>Nach einer nervenaufreibend langen Beratungszeit fand sich die Finaljury, bestehend aus den Chefjuroren sowie Linda Tschiche, Hauke Blume (beide Berlin) und Bernd H\u00f6fer (Kiel), endlich auf der B\u00fchne ein. Zun\u00e4chst wurde allerdings ein anderer, ebenfalls hei\u00df begehrter Preis verliehen: Die Ehrenjury k\u00fcrte Filip Bubenheimer zum Besten Redner des Finales. Und Filip, der schon im letzten Jahr die Regionalmeisterschaft gewonnen hatte, durfte gleich weiterjubeln: Auch als Team hatten er und Dessislava die Jury \u00fcberzeugt, Norddeutscher Meister 2010: Berlin!<\/p>\n<p>Dessislava, Filip und die BDU konnten sich \u00fcber wohlverdienten Applaus, Urkunden und \u00fcber Sony Ericsson-Handys freuen \u2013 und nicht zu vergessen \u00fcber einen weiteren Startplatz f\u00fcr die Deutsche Debattiermeisterschaft im Juni, die in diesem Jahr in M\u00fcnster ausgetragen wird. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Gl\u00fcckwunsch! Allen anderen winkten als Trostpreise ein wie immer fr\u00f6hlicher Sektempfang sowie das erhebende Gef\u00fchl, nach einem rundum gelungenen Wochenende entspannt die Heimreise antreten zu k\u00f6nnen. Danke f\u00fcr alles, Braunoveraner, es war spitze!<\/p>\n<p>Text: Lea Weitekamp, DC Bonn \/ glx<\/p>\n<blockquote><p>Im Finale der Norddeutschen Meisterschaft konnten sich <strong>Filip Bubenheimer<\/strong> und\u00a0<strong>Dessislava Kirova<\/strong> f\u00fcr die<strong> Berlin Debating\u00a0Union<\/strong> aus der Er\u00f6ffnenden Regierung heraus gegen ein Team der<strong> Wortgefechte Potsdam <\/strong>(Er\u00f6ffnende Opposition, Florian Umscheid und Jana Bachmann),\u00a0den <strong>Debattierclub Greifswald<\/strong> (Rafael Heinisch und\u00a0Sarah Jaglitz)\u00a0und ein weiteres Team aus Berlin (Kai Dittmann und Julian Ohm) durchsetzen. Die Entscheidung lag bei den Chefjuroren des Turniers,\u00a0Lea Weitekamp, Tim Br\u00fcckmann\u00a0(beide DC Bonn) und Patrick Ehmann (BDU), sowie den Juroren\u00a0Linda Tschiche, Hauke Blume (beide BDU) und Bernd Hoefer (Debattierclub Kiel).\u00a0Die Ehrenjury w\u00e4hlte Filip Bubenheimer\u00a0zum besten Finalredner.<\/p>\n<p>Dies ist der\u00a0vierte und letzte Text\u00a0\u00fcber die vier VDCH-Regionalmeisterschaften, die am vergangene Wochenende ausgetragen wurden. Die Redaktion der Achten Minute dankt Pauline Leopold,\u00a0Sarah Kempf, Franziskus Bayer und Lea Weitekamp f\u00fcr die Artikel.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht nur nach Dortmund, Ilmenau und M\u00fcnchen zog es Deutschlands beste Debattierer am vergangenen Wochenende, auch in Hannover sammelte sich ein stattliches Gr\u00fcppchen ebensolcher \u2013 es galt, den Norddeutschen Meister 2010 zu k\u00fcren. 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