{"id":4179,"date":"2010-06-28T22:29:42","date_gmt":"2010-06-28T20:29:42","guid":{"rendered":"http:\/\/achteminute.vdch.de\/?p=4179"},"modified":"2013-11-25T14:54:51","modified_gmt":"2013-11-25T13:54:51","slug":"zehn-deutsche-debattiermeisterschaften-der-hochschulen-%e2%80%93-ein-ruckblick-von-bernd-hoefer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.achteminute.de\/en\/20100628\/zehn-deutsche-debattiermeisterschaften-der-hochschulen-%e2%80%93-ein-ruckblick-von-bernd-hoefer\/","title":{"rendered":"Zehn Deutsche Debattiermeisterschaften der Hochschulen \u2013 ein R\u00fcckblick von Bernd Hoefer"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p>&#8220;Das Wort Debattierklub bleibt eine Schm\u00e4hung, solange die \u00d6ffentlichkeit solche Debakel erlebt.&#8221;<em> <\/em>\u2013 Zu einem in diesem Schlussakkord gipfelnden Verriss sah sich <a href=\"http:\/\/www.berlinonline.de\/berliner-zeitung\/archiv\/.bin\/dump.fcgi\/2001\/0710\/feuilleton\/0024\/index.html\">das Feuilleton der Berliner Zeitung am 10. Juli 2001<\/a> veranlasst, als es \u00fcber das Finale der ersten Deutschen Debattiermeisterschaften berichtete. Die publizistische Abreibung hielt den Zug der Debattiergeschichte gleichwohl nicht auf. Als Debakel wurden die folgenden neun Finals jedenfalls nicht mehr gebrandmarkt. Mittlerweile locken die Deutschen Meisterschaften Medien aller Couleur, um fr\u00f6hlich und freundlich der staunenden \u00d6ffentlichkeit der Redekunst fr\u00f6nende junge Menschen zu pr\u00e4sentierten und Universit\u00e4ten und die Lokalpresse feiern &#8220;ihre&#8221; Deutschen Meister wie eine erfolgreiche Sportmannschaft \u2013 man denke nur an die Berichterstattung \u00fcber die Magdeburger vor einem Jahr, und auch bei den gerade zu Ende gegangenen zehnten Meisterschaft war es nicht anders: Die Lokalpresse und die Fakult\u00e4ten der Sieger jubelten. Nehmen wir diese Landmarke, zehn Deutsche Debattiermeisterschaften der Hochschulen, zum Anlass f\u00fcr einen kleinen Blick zur\u00fcck.<\/p>\n<p>I.<\/p>\n<div id=\"attachment_2281\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.achteminute.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/ZEIT_DEBATTEN_Logo_s1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2281\" class=\"size-medium wp-image-2281\" title=\"ZEIT_DEBATTEN_Logo_s\" src=\"https:\/\/www.achteminute.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/ZEIT_DEBATTEN_Logo_s1-300x121.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"121\" srcset=\"https:\/\/www.achteminute.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/ZEIT_DEBATTEN_Logo_s1-300x121.jpg 300w, https:\/\/www.achteminute.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/ZEIT_DEBATTEN_Logo_s1-1024x413.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2281\" class=\"wp-caption-text\">Seit 2002 finden die Deutschen Debattiermeisterschaften im Rahmen der ZEIT-DEBATTEN-Serie statt.<\/p><\/div>\n<p>Zehn Deutsche Debattiermeisterschaften sind nat\u00fcrlich zun\u00e4chst einmal jede Menge Debatten: Klassiker, aber auch kuriose, tiefgr\u00fcndige und \u00fcberraschende. Wir haben das Wohl und Wehe von Fernbeziehungen beleuchtet <em>(Berlin 2001)<\/em>, uns der schillernden Frage gen\u00e4hert, ob Wasser der Z\u00fcndstoff der Zukunft ist <em>(Bonn 2004)<\/em>, uns gefragt, ob der \u00f6kumenische Dialog gescheitert ist <em>(Bayreuth 2007)<\/em>, die Wiedereinf\u00fchrung des Eisernen Kreuzes als Orden der Bundeswehr debattiert <em>(Berlin 2008)<\/em>, und sogar den verlorenen Sohn wieder weggeschickt <em>(M\u00fcnster 2010)<\/em>. Zehn Deutsche Debattiermeisterschaften sind nat\u00fcrlich auch ganz individuelle Erinnerungen an die verschiedensten sch\u00f6nen und weniger sch\u00f6nen Momente des Debattierlebens. Manch einer denkt immer noch versonnen daran, wie er 2002 knapp das Viertelfinale gewann, und manch anderer \u00e4rgert sich noch heute \u00fcber sein ebenso knappes Ausscheiden im Achtelfinale 2007.<\/p>\n<p>Geht man etwas weniger intuitiv und daf\u00fcr mit etwas mehr Systematik an die Sache heran, dann m\u00fcssen wir nat\u00fcrlich zur\u00fcck zum Beginn. Denken wir uns also in den Sommer 2001.<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Gerade erst hatten die meisten der damals bestehenden deutschen Debattierclubs mitbekommen, dass von ihrer Spezies immerhin schon ein knappes Dutzend existierte, da lud Berlin zu den ersten Deutschen Debattiermeisterschaften ein. Genau genommen war es \u00fcberhaupt erst das erste \u00fcberregionale deutschsprachige Debattierturnier \u00fcberhaupt \u2013 aber die bereits damals nicht schreckhaften Berliner nannten das Turnier forsch Deutsche Meisterschaft. Damit war der Grundstein gelegt.<\/p>\n<div id=\"attachment_2181\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.achteminute.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/800px-Vdch_logo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2181\" class=\"size-medium wp-image-2181\" title=\"800px-Vdch_logo\" src=\"https:\/\/www.achteminute.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/800px-Vdch_logo-300x31.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"31\" srcset=\"https:\/\/www.achteminute.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/800px-Vdch_logo-300x31.jpg 300w, https:\/\/www.achteminute.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/800px-Vdch_logo.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2181\" class=\"wp-caption-text\">Der VDCH wurde im Herbst 2001 gegr\u00fcndet und ist seither Veranstalter der DDM.<\/p><\/div>\n<p>Die Debattiermeisterschaften und auch das Debattieren des Jahres 2001 waren, r\u00fcckblickend, durchaus etwas anders als die Meisterschaften der Gegenwart. Zun\u00e4chst einmal waren sie kleiner und \u00fcberschaubarer. 58 Redner ma\u00dfen ihre rhetorischen Kr\u00e4fte \u2013 das erreicht dieser Tage manches Freundschaftsturnier. Auch das Punkteniveau hat sich merklich ver\u00e4ndert. Nimmt man <a href=\"http:\/\/docs.google.com\/fileview?id=0B03n6n8396XzMjZkMDVjZGQtMTYxZi00NDhlLWE4ZjQtMDk2YjY0ZTRjNjMy&#038;hl=de\">die Einzelwertung der Meisterschaft aus dem Jahr 2001<\/a> zur Hand und w\u00fcrde man den &#8220;Top of the Tab&#8221; des Jahres 2010, <strong>Filip Bubenheimer<\/strong><em>,<\/em> mit seinen durchschnittlich 79,2 Punkten in die Liste eingliedern, so w\u00e4re er auf einem ehrenvollen 20. Platz gelandet. Der Drittplatzierte des Jahres 2001, der sp\u00e4tere VDCH-Gr\u00fcndungspr\u00e4sident <strong>Christian Blum<\/strong><em>,<\/em> erredete sich einen Durchschnittswert von stolzen 90,05 Punkten, und ganz oben in der Liste stand der allseits gesch\u00e4tzte <strong>Christoph Busch<\/strong><em>,<\/em> der f\u00fcr seine Finalrede mit dem nie wiederholten Wert von 98 Punkten bedacht wurde. Der Schluss liegt nahe: Fr\u00fcher waren die Reden besser. Richtigerweise wurde damals die Punkteskala recht unbefangen in ihrer vollen Breite ausgesch\u00f6pft \u2013 vielleicht an mancher Stelle etwas zu sehr, wenngleich man mit Blick auf die heutige Bepunktungspraxis durchaus die Frage stellen darf (und der Verfasser nimmt sich von dieser Kritik \u00fcberhaupt nicht aus), ob die Juroren des Jahres 2010 nicht ein wenig zu knauserig sind.<\/p>\n<p>Bemerkenswert aus den ersten Jahren ist auch der Hang zu so genannten offenen Themen. Was 2010 anl\u00e4sslich der Verlorener-Sohn-Debatte noch einer chefjurorlichen Erl\u00e4uterung bedurfte, war in der Anfangszeit gang und g\u00e4be. &#8220;Dieses Haus glaubt, es gibt kein Recht auf Herkunft&#8221;, &#8220;Dieses Haus glaubt, zum Leiden sind wir auserkoren&#8221; <em>(Dresden 2002)<\/em> wurde den Debattierern pr\u00e4sentiert und auch das offenste aller Themen, und das im Finale von 2001: &#8220;Dieses Haus hat eine Vision!&#8221;. Was dabei herauskam, l\u00e4sst sich, wie gesagt, in der Berliner Zeitung nachlesen. Der Chefjuror der DDM 2001, <strong>Jens Fischer<\/strong>, legt, wie er vor Ort bei der DDM in M\u00fcnster erkl\u00e4rte, Wert darauf, dass dieses &#8220;auf seinem Mist gewachsene&#8221; Thema &#8220;ein Fehler&#8221; war.<\/p>\n<p>Gr\u00f6\u00dfere Ver\u00e4nderungen brachten die Meisterschaften des Jahres 2003 in T\u00fcbingen mit sich. Zum ersten Mal vier Tage (gleichwohl mit nur drei Vorrunden), zum ersten Mal Deutsche Meisterschaften im Format der OPD, und zum ersten Mal mit einem Chefjurorenteam. Ger\u00fcchten zufolge soll das unter anderem mit einem M\u00fcnsteraner und einem Kieler besetzte Chefjurorenteam nur zusammengestellt worden sein, um OPD-kritische Clubs von der Aa und von der Spree zu beruhigen.<\/p>\n<p>2004 im Regen von Bonn endet die erste Phase der Deutschen Debattiermeisterschaften, sozusagen die Gr\u00fcndungs- und Findungsphase. Letztmals trat eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Debattierern der &#8220;ersten Generation&#8221;, die also bereits in der ersten ZEIT-DEBATTEN-Saison aktiv waren, als Redner bei Debattiermeisterschaften an. Die gesamte Regierungsbank im Finale war mit ihnen besetzt \u2013 durchsetzen allerdings konnten sie sich nicht. Zum letzten Mal gab es ein richtig offenes Thema im Finale \u2013 &#8220;Gates ist wichtiger als Goethe&#8221; \u2013, und es war eine der am meisten diskutierten Finalentscheidungen \u00fcberhaupt. Diskutiert wurde sie \u00fcbrigens ausgiebig in den Tagen nach dem Finale, und zwar \u00fcber den VDCH-Verteiler. Wohlgemerkt: Nicht etwa teils anonym in den Kommentarspalten irgendeines Internetforums, sondern per E-Mail an jeden, der an die Yahoo-Gruppe angeschlossen war. Wer sie nachlesen m\u00f6chte, st\u00f6bere dort nach oder vergn\u00fcge sich mit der lesenswerten Zusammenfassung in der damals noch als pdf erscheinenden Achten Minute (<a href=\"http:\/\/wiki.vdch.de\/images\/c\/c4\/Achteminute-ddm04.pdf\">Ausgabe Juli 2004, S. 7\/8<\/a>), die auf den VDCH-Seiten archiviert ist.<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Diese Diskussion leitete eine zweite Phase ein, zu der ich aus heutiger Sicht die Debattiermeisterschaften 2005 und 2006 in M\u00fcnchen und M\u00fcnster rechne. In diesen Jahren erhielten die Regelwerke von OPD und BPS nach zum Teil deutlichen Ver\u00e4nderungen praktisch ihr heutiges Aussehen. Erinnert sei an die Umkehrung der Reihenfolge der Schlussredner oder die Einf\u00fchrung der Generalopposition in der OPD, erinnert sei an die Etablierung jedenfalls grobk\u00f6rniger Bewertungskriterien im BPS.<\/p>\n<p>Nicht die T\u00fccken des Regelwerks, sondern die der \u00dcbertragung handgeschriebener Punktezettel in die EDV lie\u00dfen die DDM 2006 nur knapp an einem GAU vorbeischrammen. In einer der Vorrunden wurden einem Team im Tabbing-System weniger Punkte gutgeschrieben als es tats\u00e4chlich erhalten hatte. Aufgrund dieser Differenz verpasste es den Sprung ins Viertelfinale. Erst als die Viertelfinaldebatten vor\u00fcber waren, wurde der Fehler entdeckt. Die K\u00f6pfe in der Chefjury rauchten, und schlie\u00dflich wurde ein Viertelfinale am fr\u00fchen Sonntagvormittag nachgeholt. Heute scheiden sich die Geister daran, ob das wiederholte Viertelfinale oder die versehentlich zu fr\u00fche Ver\u00f6ffentlichung des Finalthemas 2010 als die gr\u00f6\u00dfere Panne einzustufen ist.<\/p>\n<p>Kennzeichnend f\u00fcr die Jahre 2005\/2006 ist ein personeller Wechsel. Nicht wenige, die in den Jahren zuvor zum Debattieren gesto\u00dfen waren und die Szene durchaus mitgepr\u00e4gt hatten, kamen uns 2005\/2006 leider abhanden. Wer, vor allem aus der ersten Debattiergeneration blieb, zog sich praktisch vollst\u00e4ndig vom Rednerpult auf die Jurorenb\u00e4nke zur\u00fcck und nahm mehr und mehr eine Beobachterrolle ein. Sichtbarer Ausdruck daf\u00fcr war sicher der 2004 in Bonn erstmals verliehene Nachwuchspreis der ein halbes Jahr zuvor gegr\u00fcndeten Deutschen Debattiergesellschaft. Der Nachwuchspreis begr\u00fcndete in den Jahren 2005 und 2006 sein heutiges Prestige und avancierte zur begehrten Auszeichnung. Es gibt Debattierer, die bis heute ihren \u00c4rger nicht verhehlen k\u00f6nnen, weshalb im Jahr X statt ihrer ein anderer den Pokal mit nach Hause nehmen durfte \u2013 vielleicht auch deshalb, weil den Nachwuchspreis die Aura der Weissagung \u00fcber k\u00fcnftige Deutsche Meister umgibt.<\/p>\n<div id=\"attachment_4185\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.achteminute.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/ddm20031.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4185\" class=\"size-medium wp-image-4185\" title=\"ddm2003\" src=\"https:\/\/www.achteminute.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/ddm20031-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.achteminute.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/ddm20031-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.achteminute.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/ddm20031.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4185\" class=\"wp-caption-text\">Simon Herrmann (rechts) war bislang als einziger Redner viermal Finalist bei Deutschen Meisterschaften. Das Bild zeigt ihn mit Christian Rauda und Hanna Kaspar (heute Proner) nach dem Sieg bei der DDM 2003. 2004 bis 2006 wurde Simon in Teams mit Christian Rauda und Gudrun Lux Deutscher Debattiervizemeister. (Bild: Streitkultur T\u00fcbingen)<\/p><\/div>\n<p>2006 endete aber auch die bisher glanzvollste Karriere als DDM-Redner: Viermal in Folge debattierte sich <strong>Simon Herrmann<\/strong> aus Mainz ins Finale, gekr\u00f6nt vom ersten Mainzer Titel 2003 und Einzelrednerpreisen in den Jahren 2004 und 2006. So oft wie er erreichte bisher kein anderer bisher die letzte Runde. Er legte den Grundstein f\u00fcr die einmalige Serie des Mainzer Debattierclubs, der nicht nur zwei Meisterschaften gewann (2003 und 2007), sondern auch sechsmal in Folge (2003 bis 2008) ins Finale einzog.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wuchs eine neue Debattiergeneration heran, die bis heute aktiv ist, die dem Debattierwesen viel Kontinuit\u00e4t, Stabilit\u00e4t und Qualit\u00e4t gegeben hat. Wie viele Debattierer, die in jenen Jahren begannen, dem Debattieren treu blieben, zeigt nicht zuletzt die gro\u00dfe Zahl von T-Shirts mit dem Logo der DDM von M\u00fcnster 2006, die in diesem Jahr am gleichen Ort ihre Renaissance erlebten.<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnte man meinen, dass bei den Meisterschaften Nummer sieben bis zehn vieles zur Routine w\u00fcrde. Doch allenfalls der \u00e4u\u00dfere zeitliche Rahmen mit dem Beginn am sp\u00e4ten Donnerstagnachmittag, der Verk\u00fcndung des Halbfinalbreaks nebst Nachwuchspreisverleihung am Sonnabendabend und schlie\u00dflich dem Finale ab Sonntagmittag darf wohl als so etwas wie eingespielt gelten. Dar\u00fcber hinaus erhielt jedes Meisterschaftsturnier sein eigenes Gepr\u00e4ge. Gleichwohl gibt es einige \u00fcbergreifende Eigenschaften, die die vier Meisterschaften von Bayreuth bis M\u00fcnster aufweisen und aufgrund derer man jedenfalls aus heutiger Sicht diese letzten vier Meisterschaften zu einer dritten Phase zusammenfassen kann.<\/p>\n<p>Wie in den Vorjahren zeichnete sich das Debattierbeiwerk auch weiterhin durch eine gro\u00dfe Experimentierfreude aus, die zum Teil erwartet, zum Teil unerwartet positive Reaktionen hervorrief. Manches hiervon war g\u00fcnstigen Umst\u00e4nden am Turnierort geschuldet wie etwa die Live-\u00dcbertragungen im Internet 2007 aus Bayreuth, anderes war ein geschicktes Die-Gelegenheit-beim-Schopfe-Packen wie der 2009 in Mainz f\u00fcr die Nachtischzeit organisierte Eisverk\u00e4ufer. Manchmal wird aber auch schlicht der Mut zum Ungew\u00f6hnlichen belohnt: Wer ahnte beim Blick auf das Programm von Bayreuth schon, dass die gesamte DDM-Teilnehmerschaft mit dem Alleinunterhalter <em>Siggi<\/em> beim &#8220;Fr\u00e4nkischen Abend&#8221; im Unihof\u00a0 &#8220;Krumme Beine kann sie haben, aber sch\u00f6n muss sie sein&#8221; schmettern w\u00fcrde?<\/p>\n<p>Als besonderer Wohlf\u00fchlfaktor entpuppte sich zusehends, wohl auch angesichts der wachsenden Teilnehmerzahlen, der &#8220;r\u00e4umliche Umgriff&#8221; der Veranstaltung, also die Frage, welche Strecken der Debattierer zwischen Unterkunft, Debattenr\u00e4umen und Verpflegungsstationen zur\u00fcckzulegen hat. Insbesondere 2007 auf dem Campus in Bayreuth und j\u00fcngst entlang dem Aasee in M\u00fcnster wurde die Debattiergemeinde von kurzen Distanzen geradezu verw\u00f6hnt. Allen zuk\u00fcnftigen Ausrichtern kann man getrost auf den Weg geben: Haltet die Wege kurz! Dem Turnierteilnehmer ist es egal, ob er f\u00fcr das Abendprogramm in die angesagteste Lokalit\u00e4t verfrachtet wird \u2013 Hauptsache der Weg zur Jugendherberge ist einfach. Welche M\u00fchen die Wegsuche nachts in unbekanntem Terrain bereiten kann, erlebten etliche Teilnehmer 2008 in Berlin und 2009 in Mainz auf der Suche nach dem Ort der Abendveranstaltung.<\/p>\n<p>Das Debattierwettkampfgeschehen der vergangenen vier Jahre ist zum einen durch ein Bem\u00fchen um Professionalit\u00e4t gepr\u00e4gt. Eine Juroren- und Rednerschulung am Vortag der DDM hat sich ebenso eingeb\u00fcrgert wie manches fr\u00fchzeitige Abtauchen in die Schlafstatt (damit man am n\u00e4chsten Tag auch ja fit ist) w\u00e4hrend der Meisterschaften. Die Debattierthemen sind nur noch selten offen, daf\u00fcr zuweilen umso spezieller (&#8220;Sollen die Richter des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs k\u00fcnftig vom Europ\u00e4ischen Parlament und nicht mehr, wie bisher, von den Mitgliedstaaten gew\u00e4hlt werden?&#8221;, <em>Mainz 2009<\/em>).<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.dc-md.de\/files\/img_2857.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/>\n<p>Zum anderen kennzeichnet die letzten vier Jahre eine eigent\u00fcmliche Mischung aus Un\u00fcbersichtlichkeit und Best\u00e4ndigkeit. Un\u00fcbersichtlich ist das j\u00e4hrlich wachsende Teilnehmerfeld. Mittlerweile treten rund 140 Redner bei den Debattiermeisterschaften an, und eindeutige Favoriten sind nicht mehr auszumachen. Vorherzusagen, wer den Titel erringen wird, ist selbst f\u00fcr eingefleischte Experten praktisch unm\u00f6glich. Selbst nach dem Abschluss der Vorrunden geraten Prognosen \u00fcber den sp\u00e4teren Meister zur reinen Spekulation. Mehrfach ereilte ranglistenf\u00fchrende Teams das Aus im Viertel- oder Halbfinale, wohingegen zum Beispiel 2009 Magdeburg zun\u00e4chst als 15. nur knapp in die Finalrunde einzog, dann aber einen Favoriten nach dem anderen herauskegelte und sich schlie\u00dflich mit dem Meistertitel schm\u00fccken konnte. Gleichwohl offenbart der Blick auf das Tableau der Finalteilnehmer eine bemerkenswerte Konstanz. Denn gleich drei Redner (<strong>Patrick Ehmann<\/strong> aus Berlin<em>, <\/em><strong>Moritz Niehaus<\/strong> und<em> <\/em><strong>Clemens Lechner<\/strong> aus Jena) bestritten gemeinsam die Finaldebatten der Jahre 2007, 2009 und 2010 und schlossen damit nach der Anzahl der Finalteilnahmen zu Christian Blum und <strong>Frederik von Rumohr<\/strong> (2001 bis 2003) aus Berlin sowie zu <strong>Christian Rauda<\/strong> (2003 bis 2005) und <strong>Gudrun Lux<\/strong> (2005 bis 2007) aus Mainz auf \u2013 allerdings blieb ihnen ein Meistertitel bislang verwehrt.<\/p>\n<p>V.<\/p>\n<p>Zehn Deutsche Debattiermeisterschaften sind zehn lange Wochenenden voller Debatten, voller Bewertungen, voller Spannung und voller \u00dcberraschungen, voller ernsthafter Gedanken zur Sache und nat\u00fcrlich voller praller Lebensfreude. Sie zogen uns quer durch das Bundesgebiet, in Metropolen und in Mittelst\u00e4dte, in alte und neue Hauptst\u00e4dte, an die gro\u00dfen Str\u00f6me und ihre kleineren Zufl\u00fcsse, in H\u00f6r- und in Plenars\u00e4le, in Rat- und in Opernh\u00e4user, in Kirchen und in Kl\u00f6ster. Wir sahen die Meister aus M\u00fcnster, Berlin und Mainz, aus Heidelberg, Freiburg und Jena, aus Halle, Magdeburg und T\u00fcbingen. Die ersten zehn Deutschen Debattiermeisterschaften der Hochschulen faszinierten \u2013 freuen wir uns auf die n\u00e4chsten.<\/p>\n<p>Text: Bernd Hoefer, Kiel \/ glx<\/p>\n<blockquote>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/www.xing.com\/img\/users\/e\/a\/5\/0557cec51.6905300,1.jpg\" alt=\"\" width=\"140\" height=\"185\" \/>Bernd Hoefer (34), ist eines der &#8220;Urgesteine&#8221; der deutschen Debattierszene. Bernd ist Deutscher Vizemeister 2002, war Vizepr\u00e4sident im Gr\u00fcndungsvorstand des Verbands der Debattierclubs an Hochschulen (VDCH) sowie des darauffolgenden VDCH-Vorstands, Sieger der ZEIT DEBATTE im November 2002 in Greifswald und seither Finaljuror und Chefjuror diverser ZEIT DEBATTEN und Deutschen Meisterschaften, unter anderem Chefjuror der DDM 2004. Der promovierte Jurist lebt und arbeitet in Kiel und gilt als informeller &#8220;Haus- und Hofjurist&#8221; des VDCH. Bei der DDM 2010 hielt er eine kurze Rede, in der er einen R\u00fcckblick auf zehn DDM pr\u00e4sentierte &#8211; auf Bitten der Achte-Minute-Redaktion erweiterte und verschriftlichte er diesen R\u00fcckblick. Ebenfalls pr\u00e4sentiert wurde bei der DDM 2010 ein <a href=\"https:\/\/www.achteminute.de\/index.php\/20100614\/ddm-2010-nachlese-8\/\">R\u00fcckblick auf 10 DDM in Bildern<\/a>, der auf der Achten Minute online ist.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Das Wort Debattierklub bleibt eine Schm\u00e4hung, solange die \u00d6ffentlichkeit solche Debakel erlebt.&#8221; \u2013 Zu einem in diesem Schlussakkord gipfelnden Verriss sah sich das Feuilleton der Berliner Zeitung am 10. 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