{"id":837,"date":"2008-12-07T22:17:00","date_gmt":"2008-12-07T21:17:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.vdch.de\/?p=837"},"modified":"2008-12-07T22:17:00","modified_gmt":"2008-12-07T21:17:00","slug":"jena-siegt-in-potsdam-benedikt-nufer-bester-redner-eindrucke-vom-finale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.achteminute.de\/en\/20081207\/jena-siegt-in-potsdam-benedikt-nufer-bester-redner-eindrucke-vom-finale\/","title":{"rendered":"Jena siegt in Potsdam \/ Benedikt Nufer bester Redner &#8211; Eindr\u00fccke vom Finale"},"content":{"rendered":"<p>Da f\u00fcr den Autor dieser Zeilen nach dem Halbfinale Schluss war, nutzt er die Chance, an dieser Stelle noch einige Notizen aus der subjektiven Perspektive eines Zuschauers hinzuzuf\u00fcgen. Zun\u00e4chst gilt seinem Schneider Dank f\u00fcr dessen Posts \u00fcber die Halbfinals.<\/p>\n<p>Kommen wir zum gro\u00dfen Finale von Potsdam: Wie bereits verraten siegte Jena mit <strong><span style=\"color:#cc33cc;\">Moritz Niehaus<\/span><\/strong>, <strong><span style=\"color:#cc33cc;\">Friederike Meyer<\/span><\/strong> <span style=\"color:#cc33cc;\"><strong>zu Wendischhoff<\/strong><\/span> und <strong><span style=\"color:#cc33cc;\">Clemens Lechner<\/span><\/strong>. Es war bei einem Unterschied von nur zwei Punkten ungemein knapp. Nicht weniger Respekt geb\u00fchrt daher der wackeren Opposition aus Magdeburg mit <strong><span style=\"color:#cc33cc;\">Miriam Hauft<\/span><\/strong>, <span style=\"color:#cc33cc;\"><strong>Jonas Werner<\/strong><\/span> und <strong><span style=\"color:#cc33cc;\">Hauke Blume<\/span><\/strong>. Die Magdeburger lagen nach Einzelrednerpunkten sogar vorn. Desweiteren haben es dann doch ganze drei Mainzer ins Finale geschafft: <strong><span style=\"color:#cc33cc;\">Daniil Pakhomenko<\/span><\/strong> erreichte mir dem Team &#8220;Politb\u00fcro M\u00fcnchen&#8221; das Viertelfinale und als Freier Redner auch das Finale, wo er vor dem Hamburger <strong><span style=\"color:#cc33cc;\">Benedikt Nufer<\/span><\/strong> und dem Heidelberger <strong><span style=\"color:#cc33cc;\">Johannes Haug<\/span><\/strong> auf den Putz hauen durfte. Marcel Giersdorf sa\u00df zudem mit den beiden Bonner Tims Richter und Br\u00fcckmann neben dem teilweise Mainzer Chefjurorenteam in der Finaljury. Es pr\u00e4sidierte der Potsdamer Orga-Chef Mario Die\u00dfner.<\/p>\n<p>Der Reihe nach: Der neue Marketingleiter der ZEIT begr\u00fc\u00dft das Publikum im Namen derselben. Der Frage, ob sich Reden trainieren lasse wie eine Sportart, musste sich Birgit Fischer, die erfolgreichste Kanutin aller Zeiten, stellen. Die Ehrenjurorin meint, dass das Trainieren von Reden mit Sicherheit etwas bringe. Konsens.<\/p>\n<p>Nach der Regeleinf\u00fchrung geht es endlich los. Das Thema: Soll an Deutschlands Schulen die Sechs-Tage-Woche wieder eingef\u00fchrt werden? Der Autor ist skeptisch. Es klingt ein wenig p\u00e4dagogisch. Moritz beantragt, was bis in die achtziger Jahre Realit\u00e4t gewesen sei. Ein freier Samstag n\u00fctze wenig, wenn die vorherigen Tage \u00fcberladen sind. Die f\u00fcnft\u00e4gige Zugspitze geh\u00f6re \u00fcber sechs Tage eingeh\u00fcgelt. Letztendlich soll das mehr Freizeit und auch Spa\u00df am Lernen bringen, wovon auch die kr\u00e4nkelnden Sportvereine profitieren k\u00f6nnten. Miriam zieht den Vergleich zum Flie\u00dfbandarbeiter und sieht bei nur einem freien Tag ein einzelnes langes Elend ohne hinreichend lange Unterbrechungen aufziehen. Die Motivation des Sch\u00fclers sei dreiteilig: die gro\u00dfen Pausen, die Ferien und die Wochenenden. Eine erf\u00fcllte Kindheit setze den freien Samstag voraus. Friederike setzt auf allt\u00e4gliche Entspannung und einen gesunden konstanten Tagesrhythmus. Die Stundenzahl solle ja gar nicht erh\u00f6ht, m\u00fcsse aber sinnvoll eingesetzt und verteilt werden. Daf\u00fcr sah der Antrag einen besonderen Projektsamstag vor. Jonas freut sich zun\u00e4chst einmal auf Insider-Metaebene, vor einem Plastik-Tannenbaum in deutscher Sprache sprechen zu d\u00fcrfen. Die freien Redner sollen sich nun an die Zeit erinnern, als sie noch ohne Uhr mit ihren jeweiligen Baggern spielen konnten. Dann ging es noch um Pers\u00f6nlichkeiten und Schlauchboote. Au\u00dferdem sollen sich Eltern und ihre Kinder bittesch\u00f6n auch mal treffen, zum Beispiel auf dem famili\u00e4ren Wochenendausflug, f\u00fcr den der Samstag einzuplanen sei. Der Tod der Kindheit und der Familie seien durch den Antrag vorprogrammiert. Mehr Begeisterung hat bislang kein Redner geerntet. Endlich geht es oben am Pult nicht mehr allzu p\u00e4dagogisch zu.<\/p>\n<p>So langsam entsteht der Eindruck, dass das Thema mit R\u00fccksicht auf den Sponsor gestellt wurde. Es geht doch ziemlich oft um \u201edie Gro\u00dfartigkeit der freien Zeit\u201c oder \u201edie Zeit, die man braucht, um seinen Samstag zu genie\u00dfen\u201c. Die Freien Redner ver\u00e4ndern nun endg\u00fcltig den Ton der Debatte zum Unterhaltsamen: Daniil hat als Lehramtsstudent die Funktionsweise der Sch\u00fcler durchschaut und meint, dass der Antrag diese clever \u00fcberliste. Sie arbeiteten in der Schule, weil es sonst langweilig w\u00e4re und sie machten keine Hausaufgaben, weil die Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden minimal sei. Der Rest ist abgefahrene Freie-Redner-Logik, die darin gipfelt, dass eine Teamline der Freien angek\u00fcndigt (These, Antithese, Synthese) und mit Beifallsst\u00fcrmen belohnt wird. Benedikt bricht diese Teamline und stellt sich auf dieselbe Seite. Die Entt\u00e4uschung w\u00e4hrt aber nur Sekunden. Bald dringt der Redner akustisch kaum noch durch. Jeder Satz ist so unangemessen wie popul\u00e4r. Der Applaus erreicht einen neuen Rekordwert. Worum ging es? Der Autor muss kapitulieren. Von Johannes erwartet er nat\u00fcrlich nun eine Generalopposition. Zun\u00e4chst jedoch diagnostiziert Jonas bei Benedikt eine gewisse Verbitterung in noch sehr jungen Jahren \u2013 und dann f\u00e4llt die Synthese von Johannes leider zugunsten der Opposition aus. Sch\u00fcler funktionierten eben nicht wie Daniil behauptet, sondern m\u00fcssten vielmehr leben. Das klingt geradezu seri\u00f6s, was der Redner auch bereitwillig eingesteht. Es gehe um Disziplin und Lust. Samstags wolle er hin zum Lustprinzip, Zeit f\u00fcr Museen und Theater. Der Sonntag gen\u00fcgt nicht? Nein, der geh\u00f6re Gott. Dieses Turnier hat es erreicht, dass das Jesus-sagt-Argument nun beinahe salonf\u00e4hig ist. Zumindest in Tannenbaumdebatten und freien Reden. \u201eGott ist mit uns, seien Sie es auch!\u201c, forderte am Vorabend die T\u00fcbinger Viertelfinal-Regierung.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu den Fraktionen: F\u00fcr die Magdeburger Opposition schlie\u00dft Hauke. Das klingt alles sehr ordentlich. Kann es sein, dass es die Schlussredner in OPD-Finals schwer haben noch Begeisterung zu mobilisieren, weil sie nach den Freien antreten, die nichts zu verlieren, aber ein ZEIT-Abo zu gewinnen haben? Der Autor hat den Eindruck, dass dieser Effekt gerade seine Wirkung tut. Clemens ist der Schlussredner der Jenaer Regierung. \u201eDiese Opposition hasst Kinder\u201c, ist immerhin ein Einstieg, der f\u00fcr Aufmerksamkeit sorgt. Der Rest ist eine nicht weniger solide wirkende Zusammenfassung. Er muss leider den auf seiner Seite befindlichen Benedikt korrigieren, weil seine Regierung nicht wirklich plane, die Kinder gleich barfu\u00df ohne Sauerstoff auf den Everest zu schicken, wor\u00fcber sich der Hamburger vorhin so sehr gefreut hatte. Insgesamt scheint die Regierung ein Verst\u00e4ndnisproblem zu haben. Dass der Antrag in der Summe nicht mehr Arbeit fordere, will man nicht so recht akzeptieren. Zum Ende kommt noch eine Rote-Drehzahl-Metapher: Der Kinderverschlei\u00df sei auf der Oppositions-Seite einfach h\u00f6her.<\/p>\n<p>Eine A-Capella-Band liefert das Zwischenprogramm, bevor Marietta verk\u00fcndet, dass nur zwei Punkte zwischen den beiden Teams liegen \u2013 zugunsten von Jena. Birgit Fischer und die DDG-Vertreterin Sonja Reinshagen verk\u00fcnden das Ergebnis der insgesamt dreik\u00f6pfigen Ehrenjury: Benedikt Nufer wird als bester Finalredner ausgezeichnet. Frau Fischer freute seine Internationalit\u00e4t und er habe einfach ihr Herz ber\u00fchrt. Der Autor erinnert sich, dass tats\u00e4chlich chinesische Kernphysiker irgendwie vorkamen. Der Umschlag mit dem Ergebnis der Publikumsbefragung enth\u00e4lt wieder Benedikts Namen an erster Stelle. Benedikt greift zum Mikrofon und dankt scherzhaft f\u00fcr die offensichtlich im Saal vorherrschende Einsicht, dass eine harte Hand in der Jugenderziehung angebracht sei.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Danksagungen waren eigentlich auf den gestrigen Abend vorverlegt worden. Doch nat\u00fcrlich bleiben auch jetzt einige verdiente Dankesworte nicht aus. Das Verteilen von Blumen und Flaschen geht ins Fotografieren und Sekttrinken \u00fcber. Und ab nach Hause! Der durchschnittliche Heimweg ist diesmal besonders lang.<\/p>\n<p>Also, nochmals einen herzlichen Dank an die Potsdamer Wortgefechte f\u00fcr das gelungene Turnier und eine herzliche Gratulation an alle erfolgreichen Teams und Redner!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da f\u00fcr den Autor dieser Zeilen nach dem Halbfinale Schluss war, nutzt er die Chance, an dieser Stelle noch einige Notizen aus der subjektiven Perspektive eines Zuschauers hinzuzuf\u00fcgen. Zun\u00e4chst gilt seinem Schneider Dank f\u00fcr dessen Posts \u00fcber die Halbfinals. 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