“Große Reden in kleinen Zoom Räumen” – Eine Einführung in das Online OPD

Datum: Oct 28th, 2020
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Category: Jurieren, Mittwochs-Feature

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9 Kommentare zu ““Große Reden in kleinen Zoom Räumen” – Eine Einführung in das Online OPD”

  1. Witthaut (DCJG) says:

    Liebe Kommission,

    vielen Dank für die gute Arbeit! Ich möchte euren “Technik”-Punkt unterstützen: Es gehört zu rhetorischen Übung, sich mit den Gegebenheiten eines Raums auseinanderzusetzen. Entsprechend muss man sich an Pulte, Tische, Raumgestaltung, Lautstärke, Ausrichtung der Zuhörenden, etc. anpassen. Oftmals sehr spontan. Warum dann nicht auch im digitalen Raum. Es gehört dazu, seine eigene Wirkung in einem Raum und seinen Sichtbereich zu reflektieren 🙂

    Dass ich der Meinung bin, es geht immer um Wirkung und nicht um rhetorische Regeln, ist kein Geheimnis und wurde hier auch schon veröffentlicht. Entsprechend unterstütze ich asudrücklich, was ihr so schreibt!

  2. Lennart Lokstein says:

    Finde ich alles sehr gut und sinnvoll.

  3. René G. (Rederei Heidelberg) says:

    Eigentlich eine witzige Vorstellung, dass das “Auftreten und Reden im digitalen Raum” genauso relevant werden könnten, und natürlich auch geübt werden müssen, wie das “Auftreten und Reden im physischen Raum”.

  4. Sven (Hannover/ex-BDU/ex-Stgt) says:

    Habt ihr eigentlich schon Ideen, wie man Redner*innen ohne Kamera in eine OPD Debatte am besten einbindet? Insbesondere bzgl linke Kategorien. Bei BP war die fehlende Kamera ja nie ein Problem.

    1. Anton (OPD-Regelkommission) says:

      Hi Sven,

      ich denke, davon ist vor Allem bis nur das Auftreten betroffen – die von uns vorgeschlagene Übersetzung geht davon aus, dass den Rednerinnen und Rednern eine Kamera zur Verfügung steht, weil wir glauben, dass das ein realistisches Setting ist, bei dem vergleichsweise wenig des Formats verloren geht. Einer kameralosen Situation kann man aber sicher mit “Hausregeln” beikommen – ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass man sich auf einem Clubabend entscheidet, einfach 8 Punkte für das Auftreten einer Person, deren Auftreten nicht sichtbar ist, einzutragen. Alternativ (und das ist debattiertheoretisch ein gutes Stück kontroverser) ist es vermutlich auch denkbar, entweder den Durchschnitt aller anderen Kategorien oder spezifisch die Sprachkraft-Kategorie als Auftreten-Punkte einzutragen (ersteres übergewichtet die rechten Kategorien, letzteres Sprachkraft).

      Die Lösung mit den 8 Punkten ist vermutlich auch die, die ich Turnieren raten würde (das ist keine offizielle RK-Position!) – gerade weil ich davon ausgehen würde, dass die Auftreten-Kategorie auf Online-Turnieren ohnehin generell sehr viel enger um die 8 herum bewertet werden wird als in Präsenz. Die Frage danach, wie gut das für das Format ist, ist eine andere, die sicher in unserer Sitzung dazu nicht das letzte Mal kontrovers diskutiert wurde – aber ich glaube, so ist es für den Moment die beste Lösung für eine ungünstige Situation. Ich gehe aber davon aus, dass diese “Sonderregelungen” auf Basis der Erfahrungen aus Online-OPD-Abenden und -Turnieren auch noch weiter angepasst werden werden – der Artikel hier ist auf jeden Fall eher ein Ausgangspunkt als ein finales Urteil!

  5. Patrick Held says:

    Vielen Dank für diese Einschätzung. Sie ist sehr hilfreich.

    Als Master der Medienwissenschaften würde ich gerne bei dem Technikpart in einem Punkt widersprechen. Technik ist nicht neutral. Sie ist ein eigenständiger Kontext der Mediation über Sprache und Gestik hinaus.

    Der richtige Kamerawinkel, das richtige Licht, gute Tonqualität sind nicht umsonst eigene Berufe in den Bereichen Film, Theater oder Radio und sie zu meistern ist “ein Kunst für sich”.

    Wenn es bei OPD wirklich primär um die Wirkung geht, wäre es sinnvoll die “digitale Mediation” in eine eigene Punkte-Kategorie zu gießen (auch wenn die Verführung zur Gewohnheit sicher stark ist). Doch nach der Remediations-Theorie von Bolter und Grusin (vgl. Remediation, Understanding New Media, MIT Press 1998), können Medien nicht neutral in ihrer Wirkung sein. Sie sind immer ein verzweifelter und aussichtsloser Versuch die Wirklichkeit zu imitieren. Doch mache können dies besser als andere und das hat Gründe.

    Daher probieren wir im “Digitalen Debattierclub Bayreuth” OPD auf die Notwendigkeiten der digitalen Mediation anzupassen und auch zu bewerten “Erreichst Du mich durch den Bildschirm?”

    Eine Regel, die in Bildmedien auch gilt ist: “Bist Du noch so fleißig, wir senden nur eins-dreißig.” Wir haben daher die Redezeiten der Hauptredner*innen auf 5 Min reduziert. 7 Min. sind leider zu lang.

    Ein Vorteil ist das digitale Jurieren: Wenn alle Jurierenden im gleichen Google Docs sind, können die Gesamtpunkte in Echtzeit zusammengerechnet werden. Das spart Zeit.

    Ebenfalls toll ist, dass jetzt ortsungebunden Erstis und Alumni gemeinsam debattieren können. So ist einen längere Beziehung und ein Wissenstransfer in Clubs möglich.

    Es ist ein Experiment und Experimente dürfen scheitern, aber falls es Euch interessiert seid ihr herzlich eingeladen jeden Montag ab 18:30 mal reinzuschauen und mitzumache. Mehr auf FB “Digitaler Debattierclub Bayreuth”: https://www.facebook.com/groups/812293025979432

    Montags, ab 18:30 Zoom: https://us02web.zoom.us/j/88581162011?pwd=VHEvc0k1Zkc0emk1UXZ4YXZXaG8yQT09

    Herzliche Grüße, Patrick Held

    1. Anton (OPD-Regelkommission) says:

      Hi Patrick,

      zunächst einmal: Sehr cool, dass ihr euch da so viele Gedanken darüber gemacht habt! Wir haben auch darüber nachgedacht, inwiefern Technik zu bewerten ist und wie sie einfließen sollte – sicherlich hast du inhaltlich nicht Unrecht mit deiner Charakterisierung. Wir glauben allerdings, dass es dem Format und seiner kompetitiven Fairness nicht zuträglich ist, wenn Faktoren außerhalb von dem, was man grob als rednerische Qualität beschreiben könnte, in die Bewertung von Reden allzu sehr einfließen. Würde das Format als einzige Maxime haben, die tatsächliche, empirische Wirkung möglichst stark zu reflektieren, würde z.B. die Person des Redners oder der Rednerin, seine oder ihre Qualifikationen etc. auch eine sehr viel größere Rolle in der Bewertung spielen – jemand, der am Anfang seiner Rede erklärt, er habe darüber promoviert, ist vermutlich für eine “normale” Person überzeugender als jemand, der das nicht tut – in OPD spielt aber so etwas auch keine Rolle. Deshalb unsere Einschätzung zu der Technik: Der Transfer des Formats in den Online-Raum soll möglichst unverändert die Kernkompetenzen rednerischer Fähigkeit fordern und bewerten – je mehr wir die Varianz durch finanzielle Mittel und technologische Ausstattung reduzieren können, desto besser gelingt zumindest meiner Meinung nach dieser Transfer.

    2. Anton (OPD-Regelkommission) says:

      Ach so, und: Mich würde sehr interessieren, was du mit “7 Min. sind leider zu lang” meinst – beziehst du dich da auf das Online-Format oder das Format generell? Und was sind so eure Erfahrungen mit 7 Min vs 5 Min?

  6. Patrick Held (Digitaler Debattierclub Bayreuth) says:

    Ja, Euren Punkt kann ich nachvollziehen.

    Ich glaube es ist halt dann eine Frage, ob der sportliche oder rhetorische Aspekte beim Clubabend im Vordergrund steht.

    Sportlich gebe ich Euch recht: da sollte Technik nicht eine zu große Rolle spielen. Aber im „real Life“ ist es eben leider anders. Der beste Inhalt und analoge Fertigkeit nützt wenig, wenn man ihn nicht durch das Medium hindurch transportiert bekommt.

    Daher wollen wir eben auch die „digitale Mediation“ bewerten, üben und so besser werden. Denn vielen fehlt einfach noch jedes Gefühl und Wissen wie man besser durch ein Medium wirken kann.

    Zur Zeit: 7 min sind im analogen OPD super. (Ich liebe übrigens OPD). Nur Bildmedien wir Fernsehen verkürzen in der Regel die Konzentrationsspanne der Zuhörer. Da wirken dann 7 min sehr lang und träge. Daher der aktuelle Versuch mit 5 Minuten.

    HG Patrick

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