Über das Leben in kleinen Debattierclubs

Datum: Jun 17th, 2026
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Category: Menschen, Mittwochs-Feature

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10 Kommentare zu “Über das Leben in kleinen Debattierclubs”

  1. Max Kubis says:

    real

  2. Arvid (Rederei) says:

    Ich kann die Probleme gut verstehen, vielen Dank für die Einblicke, Phil. Was institutionalisiertes Wissen angeht, möchte ich nochmal positiv auf die Trainingsreihe von Henry und Florian hinweisen: https://www.achteminute.de/20251022/viel-zu-lernen-du-noch-hast-eine-trainingsreihe-fuer-den-debattier-einstieg/

    Solche Materialen sollten aber langfristig durch den VDCH einheitlich und gut auffindbar bereitgestellt werden.

    1. Sven Bake says:

      Ich sehe das sehr ähnlich wie ihr, meine Erfahrungen als Juror in einem kleinen Club haben dazu geführt, dass ich einige Jurierseminare online zur Verfügung stellen wollte, es ist sonst fast unmöglich gewesen in einem kleinen Club einen vernünftigen Einstieg ins Jurieren zu bekommen.
      Ich denke wir müssen Wissenstransfer in Clubs, aber vor allem zwischen Clubs über den VDCH und vllt. die DDG besser aufstellen.
      Es gibt schon wirklich einiges an Ressourcen, z.B.:
      Fürs Jurieren (https://www.achteminute.de/20230419/jurieren-eine-komplexe-angelegenheit/)
      Fürs Debattieren (https://www.achteminute.de/20200325/online-debattierressourcen/)
      Für Turnierausrichter (https://www.achteminute.de/20221019/ein-turnierleitfaden-fuer-grosse-und-kleine-turniere/)
      Aber manches veraltet, vieles schwer auffindbar oder schwer zu navigieren, und auch nicht aufbereitet um es im Club zu nutzen um dort wiederum Wissenstransfer zu gestalten.
      Auch die achteminute ist ein Wissensschatz, aber halt einfach ein Archivdump in dem man wühlen kann und muss um etwas zu finden.

    2. Phil (Mannheim) says:

      @Arvid @Sven erstmal danke für die Beiträge! Ich glaub auch dass das Hauptproblem wahrscheinlich die Auffindbarkeit der ganzen Sachen (“Archivdump” passt hier sehr gut). Man müsste sich wahrscheinlich die Mühe machen, die Materialien zu sortieren und in irgendeiner Form aufzubereiten, sodass sie für jeden auffindbar sind. Ändert leider nicht unbedingt dass Problem von fehlenden qualitativen Feedback, aber kann vielleicht helfen, um eigene kompetitive Ambitionen am Leben zu halten.

  3. Joe (DC Saar) says:

    Vielen Dank Phil! Als Vorstand aus einem kleinen Club, kann ich vielem was du sagst nur zustimmen! Wir haben dieses Jahr auch extrem von der Trainigsreihe von Henry und Florian profitiert (falls ihr das seht, auch hier nochmal vielen Dank). Um hier mal einen produktiven Vorschlag zu machen, könnte man vielleicht eine Link oder Dokumentensammlung auf dem VDCH Discord Server anlegen? Der scheint mir für die meisten leicht zugänglich zu sein und unterschiedliche Arten von Materialien könnten dort sauber verlinkt gesammelt werden.
    Viele Grüße aus dem Saarland!

    1. Phil (Mannheim) says:

      @Joe die Idee mit der Dokumentsammlung hab ich bei uns im Club intern tatsächlich schon auf Nachfrage meiner Mitglieder umgesetzt. Ich hab einfach ein Google Doc angefertigt, wo ich alle möglichen Materialien gesammelt hab, die ich irgendwo auffinden konnte. Das wäre im VDCH Discord wahrscheinlich auch leicht umsetzbar.
      Ich möchte aber nochmal Highlighten: Ich erwähne ja auch, dass Onlinematerial nicht die allesrettende Lösung ist, aus den Gründen die ich im Artikel nenne. Denn egal wie gut das Material ist, braucht man Leute, die das Training gut leiten können/qualitatives Feedback in Debatten geben können, was wahrscheinlich nur durch Kooperation möglich ist.

  4. Freya (Streitkultur) says:

    Das klingt jetzt wahrscheinlich heuchlerisch, weil es von einer SKlerin kommt und wir an sich ja oft als ein “großer Club” wahrgenommen werden, aber manche der Probleme kommen auch mir bekannt vor. Als ich zur SK kam, gab es zwar noch eine Hand voll starker Debattierender, von denen man lernen konnte, aber das hat sich dann meines Empfindens nach auch recht schnell verlaufen. In meinem Semester und den beiden nach mir sind auch kaum Menschen neu und langfristig dazu gekommen. Zumindest nicht annährend so viele, wie ihr Studium oder ihre Debattierkarriere (oder beides) beendet haben. Das hat dann dazu geführt, dass wir zeitweise nur 2 bis 3 Personen hatten, die qualitativ hochwertiges und vor allem verständliches Feedback geben konnten. Von denen sind aber oft auch nicht alle da. Trainings findne (außer 2 bis 3 Ersti-Workshops) auch nicht wirklich statt. Und gerade die Leute, die sich (nach Corona) vieles an Wissen angeeignet haben, um den Club aufzubauen, waren dann schon bald ziemlich ausgebrannt.
    In diesem Ausbrennen sehe ich das große Problem. Nicht nur, weil engagierte Menschen dadurch aus dem Debattieren austreten, bevor sie ihr Wissen an die nächsten Generationen weitergeben und eine starke Nachfolge aufbauen können, sondern auch, weil diese Menschen dabei oft schon (sehr sehr) weit über ihre Kapazitätsgrenze hinaus gearbeitet haben. Und da kommt dann auch deine Negativspirale ins Spiel. Wenn diese Personen das Wissen nicht weitergeben können, fangen die nächsten wieder bei Null an und arbeiten genauso über ihre Kapazitätsgrenze hinaus.
    Natürlich ist online Material in dieser Situation besser als gar kein Material, aber es ist kein Allheilmittel. Menschen, die gefühlt bei Null starten und ihren Club aufbauen wollen, können zwar darauf zurückgreifen, aber auch das ist (egal wie gut gesammelt) ein riesiger Aufwand. Es gibt viele Stunden an Videomaterial zum Jurieren. Sich da durchzuwälzen ohne direkten Input, ist ein großer Aufwand. Und nur, weil man dadurch in der Theorie weiß, wie Jurieren funktioniert, heißt das nicht, dass man es auch in der Praxis umsetzen kann. Wer das Schwimmen nur auf dem Trockenen lernt, ist im kalten Wasser auch erstmal überfordert und muss noch die Anwendung lernen. Oder denken wir das mal etwas weiter. Ein engagierter kleiner Club möchte zum ersten Mal ein Turnier ausrichten. Natürlich findet man dazu seitenlange Leitfäden, aber die durchzuwälzen und nach Lösungen für Probleme zu suchen, die vielleicht gar nicht beschrieben sind, kostet Zeit und Nerven. Es ist einfach deutlich ressourcensparender, wenn einem erfahrene Personen sagen können, wenn A auftritt, dann kannst du das durch B lösen. Eine Textnachricht statt stundenlangem Suchen und Grübeln.

    Natürlich hab ich aber auch nicht die Wunderlösung, wo genau diese erfahrenen Personen mit Kapazitäten für die Nachwuchsförderung herkommen sollen. Eine Hiffnung wäre, dass man versuchen könnte, die Vernetzung zwischen den Clubs auszubauen und eine “Rent a Dino”-Börse oder ähnliches aufzubauen. Lasst uns versuchen eine Szene aufzubauen, in der Menschen nicht alle paar Jahre anfangen ohne Unterstützung einen Stein den Berg hochzubefördern, der sie am Ende selbst überrollt.

    1. Phil (Mannheim) says:

      @Freya ich glaub warum Leute die tatsächlich motiviert sind immer weniger Motivation bekommen und zusätzliches Material nicht unbedingt hilft, haben wir beide jetzt glaub ich hinreichend mechanisiert. Das mit der Turnierorga ist natürlich auch nochmal ne Überwindung für sich, weil es eine seeeehr andere Form von Aufwand nochmal ist, als Clubabende zu leiten (ich erinnere mich gut dran, wie unsere Regio Cheforga komplett am Ende war).
      Generell müssen wir uns alle darüber bewusst werden, was für ein Wunder es ist, wenn ein Club aus dem nichts plötzlich breakrelevante/bekannte Gesichter hat. Und ich glaub tatsächlich nicht, dass man direkt an große Formen von institutionalisiertem Networking denken sollte, damit sowas sich wiederholt. Denn auch Menschen aus “großen” Clubs sind Menschen, die ein Eigenleben außerhalb vom Debattieren haben (atleast I hope so), das heißt es macht eher Sinn auf kleine Formen von Zusammenarbeit zu setzen, was z.B. der Besuch anderer Clubabende sein kann oder auch einfach, dass man sich mit Leuten anfreundet, wodurch man dann einen Anreiz bekommt, dran zu bleiben. Auch hier wieder: Das ist die gängige Ansage jeder Equity, die aber leider noch etwas zu wenig umgesetzt wird

  5. Samuel S (DK Wien) says:

    Bisschen late to the party, aber besser spät als nie:

    Wir haben in Wien jedes Semester “Fresher/Ersti-Trainings” mit je 10 Einheiten auf Deutsch und Englisch sowie für OPD und BP. Wenn jemand aus dem Vorstand eines kleineren Clubs das liest und die Slides davon haben möchte bitte bei info [at] dkwien [dot] at melden und wir schickens euch. Die Slides enthalten Workshopthemen wie Argumentationsstrukturen, Rebuttal, Charakterisierung/Framing, Stakeholderanalyse, Schließende Hälfte, Schlussreden, Motion Typen, Jurieren etc.

    Und noch ein Gedanke dazu von mir, wie wir den Wissenstransfer in Wien versuchen sicherzustellen (ja, größerer Club, ich weiß, aber hear me out): Wir haben mit 6 Mitgliedern einen deutlich größeren Vorstand als viele andere Clubs und ich finde das eine sehr sinnvolle Sache. So kann man auch zwei, vielleicht sogar drei, verhältnismäßig neue und alte Mitglieder für den Vorstand nominieren, die vielleicht im Tagesgeschäft nicht die großen Aufgaben übernehmen aber zB in den wöchentlichen Vorstandsmeetings dabei sind und kleinere Aufgaben übernehmen. So kann man ältere Mitglieder die nicht mehr die “jugendliche Motivation” haben überreden, noch ein 1-2 Jahre dranzuhängen, weil sie effektiv nicht viel arbeiten müssen, aber ihre Erfahrung bei den unzähligen Entscheidungen mit einfließen lassen können. Gleichzeitig kann man jemand Neuen so rasch in den Vorstand nehmen und langsam anlernen ohne die Person gleich mit 100 Aufgaben ausbrennen zu lassen.

    Konkret sah meine Vorstandslaufbahn zB so aus: nach ca einem halben Jahr im Club, als ich lediglich ab und zu im Training war, hat man mich gefragt ob ich Vizepräsident sein will. Dann habe ich in dieser Position für ein Jahr lang kleinere Aufgaben übernommen aber das Tagesgeschäft sehr nah mitbekommen. Dann war ich für ein Jahr Präsident mit sehr vielen Aufgaben, wo ich mich aber auf Expertise von Aleks und Liam verlassen konnte, die vor mir Präsident/in waren. Danach wäre ich eigentlich bereit für den “Vorstandsruhestand” gewesen, aber hab noch ein Jahr Vize gemacht, weil ich “nur” noch die Trainings organisieren durfte/musste, sonst aber nicht viel alltägliche Arbeit mache – gleichzeitig bin ich aber im wöchentlichen Jour Fixe dabei und gebe meinen Senf dazu (“Denkts ihr eh dran, xy noch zu machen?”).

    Mir ist klar, dass man als kleinerer Club Schwierigkeiten haben wird, jedes Jahr sechs geeignete Personen zu finden die der perfekten alt/jung-Mischung entsprechen, aber vereinzelt jüngere Leute etwas früher in den Vorstand zu holen bzw ältere Personen so noch etwas länger dabeizubehalten kann auch in Einzelfällen schon positive Auswirkungen haben und sollten daher meiner Meinung nach in Betracht gezogen werden, wenn es möglich ist – für mich persönlich war es echt top und ich kann es daher nur wärmstens weiterempfehlen.

    1. Phil (Mannheim) says:

      @Samuel erstmal danke fürs Angebot, wir würdens gerne wahrnehmen!
      Zu deinem Vorstandspunkt: Du nennst das Problem am Ende tatsächlich selbst ganz gut, und zwar dass es schwer sein kann den perfekten Mix im Vorstand hinzubekommen (vor allem wenn Leute im Vorstand sind, weil sie es “müssen”). Wir hatten in Mannheim zumindest jetzt den Vorteil, dass wir durch eine gute Erstiphase paar motivierte Leute bekommen haben. Wahrscheinlich bräuchte es generell Leitfäden/Unterstützung bei Vorstandsarbeit (z.B. externe Unterstützung bei der Orga von Erstiphasen etc.), was man vielleicht über Online-treffen/VDCH Kickoffs (die leider nicht immer viel besucht werden) mehr fördern kann.

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