“So oder so bleibe ich beim Debattieren voll dabei” – ein Gespräch mit dem DDG-Nachwuchspreisträger Florian Schneider

Datum: 1. Juni 2016
Redakteur:
Kategorie: DDG, Mittwochs-Feature

Wie in den letzten Jahren zeichnete die Deutsche Debattiergesellschaft (DDG) auch dieses Jahr wieder ein besonderes Talent im Rahmen der Deutschsprachigen Meisterschaft mit dem Nachwuchspreis aus. Der begehrte Preis ging an Florian Schneider von der BiTS Debating Society, welcher damit die Nachfolge von Sabrina Effenberger antritt. Er ist besonders im internationalen Raum bekannt, hat jetzt aber auch Geschmack an der deutschen Szene bekommen, wie er im Gespräch mit der Achten Minute erklärt. 

AM: Zunächst noch einmal alles Gute zum Nachwuchspreis! Das ist ja schon eine große Ehre.

Florian: Vielen Dank!

AM: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich, und ich denke, da geht es auch einigen anderen so, dich noch gar nicht richtig in der Debattierszene wahrgenommen hatte, bevor du den Nachwuchspreis gewonnen hast. Auf wie vielen Turnieren warst du bisher?

Florian: Auf einigen. Ich war auf den Europa- und Weltmeisterschaften, ich war auf vielen internationalen Turnieren, aber in der deutschen Szene erst auf ein paar ZEIT Debatten und in Köln. Ich bin noch nicht so bekannt in der Szene, weil wir uns mehr auf das Internationale fokussiert haben.

AM: Weißt du auf wie vielen Turnieren du insgesamt warst?

Florian: Da müsste ich zählen. Ich schätze mal so 9 oder 10.

Nachwuchspreisträger Florian Schneider bei der Preisverleihung © Manuel Adams

Nachwuchspreisträger Florian Schneider bei der Preisverleihung © Manuel Adams

AM: Das sind ja schon einige. Wie bist du denn überhaupt dazu gekommen zu debattieren?

Florian: Das war eigentlich eher Zufall. Ich bin letzten August mal ins Training gekommen, weil ich an meiner Uni eigentlich nur in den Vorlesungen saß und mir dachte, das reicht mir nicht – ich möchte mich engagieren und dann habe ich den Debattierclub gefunden und schon nach zwei oder drei Trainings hat mich Julian gefragt, ob ich nicht mit auf ein Turnier möchte, nach Rotterdam. Da ging es dann los und seitdem war ich eigentlich jeden Monat auf einem oder zwei Turnieren.

AM: Das Turnier in Rotterdam habt ihr gewonnen, richtig?

Florian: Genau. Das war sehr cool, hat sehr viel Spaß gemacht da.

AM: Julian Vaterrodt scheint so etwas wie dein Mentor zu sein, ist das richtig so?

Florian: Oh ja, auf jeden Fall! Julian musste mich eigentlich von null an erziehen und mir erklären, wie es beim Debattieren eigentlich abgeht und vor allem, was man nicht machen darf, denn vieles, von dem ich intuitiv dachte es wäre richtig, ist beim Debattieren ein No-go. Da bin ich dankbar für, denn er hat mir gezeigt, wie ich Argumente strukturiere und auch wie wir als Team zusammen eine gute Teamline aufbauen. Mittlerweile haben wir da zu einem sehr guten Rhythmus gefunden und der hat uns dann auf den großen Turnieren auch sehr weit gebracht und wir hoffen, das wird noch ein bisschen besser.

AM: Das wäre auch direkt meine nächste Frage: Was habt ihr denn jetzt vor, was sind deine Ziele?

Florian: Also wir wollen auf jeden Fall noch einmal bei den Europameisterschaften in Warschau antreten und hoffentlich noch einmal breaken, daran setzen wir alles. Wir trainieren vorher noch in Split in Kroatien und machen noch ein paar andere Turniere mit, wenn wir noch welche finden. Generell müssen wir die Zeit, die wir noch haben, nutzen. Denn ich bin jetzt mit dem Bachelor fertig geworden und werde die Uni wechseln, aber Julian ist noch da. Von daher können wir nicht mehr lange zusammen antreten. Wir dachten aber, das machen wir noch einmal zusammen und versuchen noch was zu reißen. Und dann muss jeder eben wieder neue Wege gehen, was das Debattieren angeht.

AM: Aber du denkst schon, dass du weiter debattieren wirst?

Florian: Auf jeden Fall. Ich habe mich jetzt auch an Unis beworben, wo es große Debattierclubs gibt. An den Unis, wo es keine gibt, habe ich schon angekündigt, dass ich gerne einen gründen würde und die Unis fanden das sehr schön, deswegen denke ich mal, dass – wenn alles glatt läuft – ich auf jeden Fall weiter mache, vielleicht ja sogar noch mehr, weil ich dann eventuell Verantwortung bekomme.

AM: Wo hast du dich denn beworben? Welche Clubs können sich eventuell auf dich freuen?

Florian: Oh, an vielen verschiedenen. In Göttingen, in Tübingen, in Münster, in Mannheim, in Vallendar. Also an einigen größeren Unis, aber auch an einigen kleineren, wo es eben keine Debattierkultur gibt. Gerade da kann man denke ich noch einiges prägen, das ist sicherlich auch schön. So oder so bleibe ich beim Debattieren voll dabei. Vor allem so ein Preis motiviert einen ja doch, weil man merkt, dass die Anstrengungen sich irgendwie lohnen.

AM: Absolut. Dir steht ja jetzt sogar ein Turnier mehr offen: Du kannst jetzt beim Masters’ Cup teilnehmen. Denkst du, das wirst du tun?

Florian: Ja, der ist im September, das habe ich schon gehört. Ich denke, ich habe da Zeit. Ich wüsste nicht, was mir da im Weg steht also werde ich das machen. Vor allem jetzt, wo ich daran teilnehmen darf als Preisträger. Klar, in der deutschen Szene generell würde ich gerne bleiben. Jetzt wo ich da mal reinkomme und sehe, wie familiär und schön das alles ist, würde ich gerne darin bleiben.

AM: Würdest du sagen, dass es einen großen Unterschied zwischen der Atmosphäre auf deutschen und internationalen Turnieren gibt?

Florian: Auf jeden Fall, da muss ich voll zustimmen. Vor allem die Art und Weise, wie debattiert wird, ist in Deutschland teilweise sehr leidenschaftlich und OPD-geprägt – sehr stark über den Konflikt zweier Parteien, während das im britischen, also im richtigen Worlds-Style formalisierter ist. Vor allem wenn man noch andere Kulturen dabei hat, hat das auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung. Manche Kulturen kennen sich nicht so aus mit der direkten Konfrontation und fühlen sich dann persönlich angegriffen. Deswegen war mein Eindruck, dass vor allem auf den Worlds höflicher geredet wird, während wir uns hier auch leidenschaftlich streiten können. Ich denke auch in BPS-Runden schwappt immer ein bisschen OPD rüber.

Die anwesenden Nachwuchspreisträger beim DDG-Galaabend 2016 - v.l.n.r.: Tom-Michael Hesse, Sabrina Effenberger, Florian Schneider, Sina Strupp, Lukas Haffert - © Manuel Adams

Die anwesenden Nachwuchspreisträger beim DDG-Galaabend 2016 – v.l.n.r.: Tom-Michael Hesse, Sabrina Effenberger, Florian Schneider, Sina Strupp, Lukas Haffert – © Manuel Adams

AM: Wie würdest du persönlich dich denn entscheiden – bist du im Herzen eher OPDler oder BPSler?

Florian: (lacht) Da gibt es immer einen Konflikt mit Julian, weil ich denke, ich bin OPDler. Ich denke, das würde ich sehr gut können, aber er meint, ich bin BPSler. Wir werden nächstes Jahr mal sehen, jetzt wo wieder OPD ist, ob ich recht behalte. Finde ich natürlich cool, aber in BPS macht es auch sehr viel Spaß, dass man nur aufgrund von Inhalt gewinnen kann.

AM: Andere Frage: Was gefällt dir denn am Debattieren besonders gut?

Florian: Vor allem die Art und Weise wie man Probleme angeht. Nach einigen Runden fällt mir auf, dass man auf einmal Seiten von Problemen begreift, die man früher nicht gesehen hat und dann diese Seiten auch groß macht. Wenn man zum Beispiel eine Schließende Opp. ist und man denkt, man hat gar nichts mehr zu sagen, dann fällt einem ein Thema ein, was man noch gar nicht auf dem Schirm hatte und dann macht man das Thema groß. Das finde ich toll – dass man ein Thema erschließen kann und weiß, es gibt immer noch etwas anderes an dem Thema, was man beleuchten kann.

AM: Denkst du das verändert auch, wie du außerhalb des Debattierens argumentierst?

Florian: Auf jeden Fall, auf jeden Fall. Ich arbeite gerade in einer Beratungsfirma und da geht es auch viel um Präsentationen und darum, wie man für sich selbst argumentieren kann und da hilft dir das Debattieren ungemein. Nicht nur weil man argumentieren und strukturieren lernt, sondern weil man sich vor andere Leute hinstellen muss und selbstbewusst reden muss. Das ist auf jeden Fall ein Skill, der sehr übertragbar ist. Deswegen bin ich umso dankbarer, jetzt hier zu sein.

AM: Leider seid ihr jetzt nicht ins Halbfinale gebreakt, aber ihr hattet ja trotzdem ein sehr erfolgreiches Turnier. Was hat dir an dieser DDM besonders gut gefallen?

Florian: Ich mochte die Jurierqualität dieses mal. Wir hatten, zum Beispiel mit Lukas Haffert, einige Leute mit dabei die uns wirklich toll juriert haben. Wir haben tolles Feedback bekommen, an dem wir auch gewachsen sind. Ich mochte natürlich auch die Socials, die waren toll, aber auch einige Motions fand ich klasse. Ich fand, es war alles in allem ein super Turnier und es hat richtig viel Spaß gemacht, hier zu sein.

AM: Nun gab es ja anscheinend eine längere Diskussion darüber, wer den Nachwuchspreis bekommt und es waren noch drei andere Kandidat*innen in der näheren Auswahl. Was würdest du diesen Menschen sagen wollen?

Florian: Also es ist natürlich schade, dass den Preis nur einer gewinnen kann und ich weiß, dass es viele tolle Redner gab, die den Preis mindestens genauso verdient hätten. Die Kriterien sind ja auch immer etwas fluide bei so einem Preis. Es tut mir leid, dass sie es nicht geworden sind. Vor allem: Ich habe gegen Gina mal geredet, die hatten uns echt fertig gemacht und man hat gesehen, dass sie eine unfassbar starke Rednerin ist. Das tut mir dann natürlich leid für sie, aber ich habe auch im Bewusstsein, dass andere den Preis auch verdient hätten. Ich drücke ihnen für das weitere Turnier auch fest die Daumen.

AM: Vielen Dank für das Gespräch!

Florian: Klar, kein Problem.

Das Interview führte Anna Markus.

ama./lok.

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