Vom Ende einer Reise – Im Interview mit Teresa Dujmovits
DDG-Nachwuchspreisträgerin Teresa Dujmovits spricht mit der Achten Minute über Philosophie, Pro-Am, Turnierfieber und ihren Weg vom Clubabend zum DDG-Nachwuchspreis.
Achte Minute: Erstmal herzlichen Glückwunsch zum DDG Nachwuchspreis. Stell dich vielleicht für diejenigen, die ich noch nicht kennen, einmal kurz vor.
Teresa: Ja, ich heiße Teresa Dujmovits. Ich debattiere in Hamburg seit Oktober 2025, also jetzt schon fast ein Jahr. [Ich] habe davor in Bayreuth debattiert und komme ursprünglich aus Wien. Also [ich] habe ein bisschen eine Reise hinter mich gebracht. Ich habe im Bachelor “Philosophy & Economics” studiert in Bayreuth und mache im Herbst mit einem Wissenschaftsphilosophie-Master weiter, also bin [ich] ein bisschen indisziplinär. Und gerade mache ich ein Praktikum.
Achte Minute: Wo machst du dein Praktikum?
Teresa: Ich bin in deiner Fördermittelberatung. Also wir helfen Unternehmen dabei, staatliche Förderung für Forschung und Entwicklung zu bekommen. Ist ganz witzig, teilweise ein bisschen nah am Debattieren, weil du immer erklären musst, warum bestimmte Sachen Forschung sind und nicht reine Anwendung. Argumentativ ist das ganz lustig.
Achte Minute: Das klingt spannend. Wie hast du dich gefühlt, dass du den Nachwuchspreis bekommen hast?

Preisübergabe auf dem Galaabend © Carolina Markus
Teresa: Puh, ich weiß nicht. Es war so ein krasser Abend. Sehr dankbar für das alles, was ich erleben konnte. Meine Debattierstory war irgendwie schon auch sehr cool, vor allem im letzten Jahr. Ich war davor in Bayreuth in einem relativ kleinen Club und habe dann in Hamburg plötzlich die Möglichkeit gehabt, mit sehr erfahrenen Leuten auf Turniere mitzufahren, sehr viel integriert zu werden, sehr viel Wissen zu bekommen. Ganz viele Leute haben sich wirklich nicht nur sozial, sondern auch in jeder möglichen Hinsicht um mich gekümmert. Und [ich] habe es dann geschafft, mich wirklich sehr stark zu verbessern. Dann zu sehen, dass es darin gipfelt, hat sich angefühlt wie das Ende einer sehr coolen Reise. Also natürlich ist es nicht das Ende der Reise, aber es ist das Ende von diesem Abschnitt: Ich fühle mich wohl auf Turnieren. Und ich habe das Gefühl, ich weiß, wo ich stehe und wie man sich verhält in der Debattierszene. Das war irgendwie das Gefühl, dass ich dort angekommen bin. Und das ist sehr, sehr schön und jetzt bin ich gespannt, was da noch draus wird.
Achte Minute: Das ist wirklich schön. Also, du hast es schon angerissen, aber vielleicht noch mal so allgemein. Wie bist du zum Debattieren gekommen?
Teresa: Das war eigentlich relativ zufällig. Ich habe angefangen in Bayreuth, wo ich studiert habe. Das war auf dem Campusabend. Da hatte der Debattierclub einen Stand, und die waren superlieb. Und ich habe dann dort angefangen, regelmäßig zu debattieren. Und ich bin dann da zweieinhalb Jahre dabei gewesen. Aber dadurch, dass in Bayreuth die Leute nicht so viel auf Turniere gefahren sind, war das nur auf Clubabenden. Und [ich] bin dann eben nach Hamburg gekommen und dann plötzlich auf alle Turniere mitgefahren, die ich mitmachen konnte. Und es ist natürlich als Philosophiestudentin schon ganz spannend, wie gut sich das verbindet. Weil das, was ich im Studium machen muss, ist schon einfach auch, sehr viel zu argumentieren. Und ich merke, wie sich das gegenseitig positiv beeinflusst. Einerseits hilft philosophische Denkweise beim Debattieren schon, andererseits wenn ich manchmal auf der Rückfahrt von Debattierturnieren Sachen für Seminare fertig schreibe, ist das ganz furchtbar: Ich fange an, Gegenargumente zu bauen und ich muss am Ende immer das Wort “Impact” rausstreichen, weil das so ganz automatisch da rein geht [lacht]. Ja, also manchmal verwechselt man ein bisschen Dinge, aber an sich ist es schon meistens eine super Ergänzung zu dem, was ich im Studium mache.
Achte Minute: Hast du Pläne, wie es für dich im Debattieren weitergehen soll? Also hast du dir bestimmte Ziele gesetzt oder machst du das so ein bisschen aus der Hüfte?
Teresa: Ja, tatsächlich schon. Also was ich auf jeden Fall im Moment viel machen möchte, ist besser im “Pro-Am” zu werden und mehr Noviceförderung machen. Ich bin ultra dankbar, dass mir das selbst in Hamburg so viel passiert ist. Und ich habe jetzt echt Lust – das habe ich auch die letzten Clubabende schon gemacht – aktiv in “ProAm”-Konstellationen zu reden und dann zu schauen, dass ich da besser werde. Ich habe das auch schon davor gemacht, aber bis jetzt nur mit Leuten, die ich kannte. Und ich finde, mit Leuten, die ich kenne, ist es immer ein bisschen einfacher, weil ich dann weiß, wie die ticken, wie man Vorbereitungszeiten macht und so. Ja, und dann so ein krasses Ziel, das ich mal hatte, war, einen Glaspokal zu holen. Das habe ich jetzt in Münster gemacht. Das war irgendwie relativ unerwartet, aber auch richtig schön. Für mich geht es im Herbst nach London für meinen Master und [ich] werde dann auch mal ein bisschen in der internationalen Szene debattieren. Da bin ich auch gespannt, wie das wird.
Achte Minute: Ich meine, das passt jetzt auch eigentlich ganz schön ins Thema, weil meine nächste Frage wäre gewesen: Wie war eigentlich dein erstes Turnier und was ist dir davon so besonders in Erinnerung geblieben?
Teresa: Mein erstes Turnier war tatsächlich die Campusdebatte in Münster 2025, also letztes Jahr, und das war großartig. Ich bin damals noch in Bayreuth gewesen und noch nicht mit so viel Erfahrung da hingefahren. Mein Ziel war einfach, nicht jede Runde zu verlieren. Wir haben es auch geschafft, nicht jede Runde zu verlieren. Ich glaube, wir sind einmal oder zweimal sogar Dritter geworden und einmal Zweiter? Wir haben auf jeden Fall nicht das Ende des Tabs gemacht. Aber ich kann mich erinnern, dass das so eine völlig neue Welt war. Also von Clubdebatten wegzugehen, plötzlich zur Campusdebatte und ganz, ganz viele liebe Leute kennenzulernen, die mir dann auch direkt nach den Runden Feedback geben. Ich habe auf dem einen Turnier so viel gelernt wie lange davor nicht. Und danach war ich richtig begeistert und war so: Krass. Das sind so tolle Leute. Das ist auch so eine liebe Szene. Ich hab mich so cool mit Menschen dort vernetzt. Und es war auch emotional, jetzt, ein Jahr später, wieder nach Münster auf die Campusdebatte zurückzugehen und zu schauen, wo quasi alles angefangen hat. Das war schon sehr, sehr schön. Deshalb meine ich, dass sich alles wie das Ende einer Reise angefühlt, aber die ist noch lange nicht vorbei.
Achte Minute: Ein bisschen allgemeiner vielleicht; was magst du generell an Turnieren? Ich meine, du meintest jetzt schon, dass dir das noch mal eine andere Welt geöffnet hat. Aber was ist vielleicht so ein allgemeiner Reiz, den du bei Turnieren so siehst?

DDG-Nachwuchspreisträgerin, Teresa Dujmovits © Jörn Peter
Teresa: Es ist so intensiv. Ich merke oft gar nicht, wie fokussiert ich in Debatten bin, eineinhalb Stunden am Stück. Also erst die Vorbereitungszeit, wo man 100% jede Sekunde ausnutzt und eine Debatte. Und dann fällt diese Anspannung plötzlich ab. Dann bist du in der Pause und schaust, wie es deinem Club geht und triffst eine Menge liebe Leute. Und du freust dich total oder ärgerst dich mit anderen Leuten mit und hast dieses ganze emotionale Drumherum. Und dann gehst du wieder in die nächste Debatte und bist wieder total fokussiert und ich finde, das ist einfach total spannend. Zeit fliegt so. Und es kommt halt [Vieles] zusammen: Ich will da performen und ich will das gut machen und ich konzentriere mich voll und fiebere aber gleichzeitig mit meinem Club mit. Das ist gerade in Hamburg bei uns sehr krass. Also, dass wir uns da extrem irgendwie mitfreuen und emotional mitgehen. Und ich glaube, das baut auch eine krasse Bindung zu Leuten auf, die man da kennenlernt. Weil man nicht nur in Alltagsgesprächen hängen bleibt, sondern einfach wirklich sieht, wie ticken Leute, wenn sie müde sind in der letzten Vorrunde oder wenn sie gerade super emotional sind. Und es ist irgendwie schön, dass man Leute auf diese Art und Weise kennenlernt und dabei auch noch debattieren kann, was ja an sich schon eine sehr, sehr gute Sache ist. Also großer Fan.
Achte Minute: Was können Clubs oder generell auch ältere Debattant:innen noch ein bisschen besser machen, um Novices auf diesen Turnieren willkommen zu heißen?
Teresa: Ich glaube, viele Dinge wusste ich auf meinem ersten Turnier einfach nicht. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass es die “Achte Minute” oder sowas gibt, dass wir da Ressourcen haben, wo ich mich dann mal hätte einlesen können. Aber ich bin da auf jeden Fall gut reingekommen und habe mich da auch ganz gut zurechtgefunden, weil es einfach super viele liebe Leute gibt. Aber ich glaube, einfach zu wissen, dass auch viele andere Leute da sind, für die das das erste Turnier ist, ist wichtig. Nicht nur im Sinn von “Es gibt Leute, die mir inhaltlich helfen können”, sondern auch “Wie kompetitiv sind die Leute?”, “Ist es OK, wenn ich nicht so gut performe auf dem ersten Turnier, werde ich dann auch angenommen oder nicht?”. Also das sind Dinge, wo man einfach möglichst auch Sorgen und Angst nehmen kann. Weil es ja schon mal eine Situation ist, wo man sich irgendwie krass exposed, gerade wenn man das erste Mal dabei ist. Und dann sitzt man da vor einer Jury, die schon lange dabei ist, und vor anderen Debattanten. Also ein bisschen den Leuten das Gefühl geben, dass es schon einfach cool ist, dass sie da sind. Ich glaube, das wäre auf jeden Fall schön.
Achte Minute: Soweit ich das auf der Achten Minute nachvollziehen konnte, bist du auf der CD Gießen das erste Mal gebreakt. Wie war das für dich?
Teresa: Das war sehr, sehr spannend. Das war überhaupt mein zweites Turnier und mich haben Dario [Werner] und Maxi [Meybauer] aus Hamburg damals mitgenommen, die ja beide schon sehr erfahrene Debattierer sind und für mich war das alles neu. Das war ein sehr spannendes Turnier, weil ich am Anfang auch nicht wusste, was mich erwartet. Ich war da auch sehr nervös, dass ich sie da vielleicht irgendwie aufhalte, weil ich da noch nicht so gut dabei bin und so weiter, aber Runde für Runde haben wir uns irgendwie gesteigert. Damals war ich noch sehr viel nervöser als heute. Es war auf jeden Fall eine tolle Erfahrung und ich bin auch super dankbar, dass sie mich da – wie gesagt, Thema “ProAm” – damals schon mitgenommen und total lieb unterstützt haben. Weil ich glaube, ich hätte ganz viele Dinge nicht gelernt, wenn ich so nicht so früh mit zwei so erfahrenen Leuten auf einem Turnier gewesen wäre.
Achte Minute: Seitdem warst du ja auf einem Haufen Turniere erfolgreich. Ich habe mich mal ein kleines bisschen erkundigt bei Leuten, was sie so von deinem Redestil halten, und habe sehr viel gehört, dass Menschen deine Klarheit und deine Authentizität sehr wertschätzen. Hast du irgendwelche Tipps für Einsteiger:innen? Also wie erarbeitet man sich eine Art von Redestil, der für einen selbst funktioniert?
Teresa: Tatsächlich, über Stil habe ich nicht so viel nachgedacht. Aber was ich Einsteiger:innen immer sage bei uns im Club, wenn sie nach Tipps fragen, ist, Vorbereitungszeiten zu üben. Das ist etwas, was bei mir total viel hilft, weil das für mich am Anfang immer so stressig war. Wie nutzt man diese Zeit? Wie lernt man seinen Teampartner kennen? Wie weiß ich eigentlich, dass ich nicht schon gestresst in die Debatte gehe? Und ich habe mit Michi [Müller], meinem Teampartner für die DDM und für die NDM, einfach viel nur Vorbereitungszeiten geprept: Thema genommen, 15 Minuten, vielleicht noch die erste Rede gehalten, vielleicht auch nicht. Aber wenn ich weiß, dass ich sehr, sehr klare Abläufe habe und eigentlich immer weiß, wie der Hase läuft in der Vorbereitungszeit – Wie viel reden wir miteinander? Wie viel arbeitet jeder für sich? – dann ist das Einzige, was mich eigentlich noch überraschen kann, das Thema. Und dann kann ich sehr, sehr viel entspannter in eine Debatte gehen, als ich das sonst könnte.
Achte Minute: Beschäftigst du dich außerhalb von Clubdebatten und Turnieren mit dem Debattieren, also indem du dich zum Beispiel über Themen oder Argumentationsstrategien oder solche Sachen informierst?
Teresa: Ja, schon sehr gerne. Also ich höre mir gern Geschichten an. Ich lese auch gern mal so alte Sachen von der Achten Minute. Ich hab mir auch Aufzeichnungen angeschaut von alten Finals und so, um einfach ein bisschen da reinzukommen aus Interesse. Weil natürlich, je mehr unterschiedliche Debattierende und je mehr unterschiedliche Sachen man sieht, desto besser ist das. Ich habe auch inhaltlich krass davon profitiert, dass ich eigentlich in drei Clubs gelernt habe. Ich debattiere ja jetzt in Hamburg, ich habe in Bayreuth angefangen, ich habe dazwischen auch öfter mal in Wien debattiert. Ich komme aus Wien und meine Familie wohnt dort und wenn ich dort bin, debattiere ich mit dem DK Wien. Und dadurch, dass ich irgendwie gemerkt hab, dass so jede neue Situation mir sehr viel Neues gebracht hat, kam ich dann dazu, mir irgendwie alte DDM-Finals anzuschauen. Aber so Theorie online habe ich nicht so viel gemacht, da habe ich dann eher Leute gefragt und ausprobiert.
Achte Minute: Ist auch jetzt wieder irgendwie schön im Thema: Gibt es Menschen im Debattieren, von denen du besonders viel gelernt hast oder die dich besonders beeindruckt haben?
Teresa: Oh, das ist immer so schwierig, da so einzelne Leute rauszupicken. Ich glaube, man kann schon von unterschiedlichen Menschen sehr viel lernen. Und ich bin auch immer wieder überrascht, wenn ich mit erfahrenen Debattierern in verschiedenen Konstellationen bin, wie anders Leute doch Sachen angehen und das ist etwas, was mir sehr, sehr viel geholfen hat: Mit vielen Leuten im Club zu reden und auf Turniere zu fahren. Das war gerade einfach in Hamburg sehr, sehr toll. Weil da so viele Leute sind, die alle ihre Stile haben und die immer bereit sind, mir Dinge beizubringen. Ich versuche dann, möglichst viel von Allem auszuprobieren und dann die Dinge zu nehmen, die für mich Sinn machen. Und das hat, glaube ich, ganz gut funktioniert. Man kann schon viel mitnehmen von diesen Vorgehensweisen.
Achte Minute: Ich bin jetzt eigentlich durch, ich habe zum Abschluss noch eine Frage, einfach weil es sich mittlerweile so ein bisschen eingebürgert hat und ein gewisses Level von Tradition hat, das Nachwuchspreisträgerinnen zu fragen: Was ist Debattieren für dich?
Teresa: Was ist Debattieren für mich? Ich glaube, das Debattieren ist für mich einfach ehrlicher und rationaler Diskurs. Weil es egal ist, wer was sagt, solange man es richtig argumentieren kann. Und weil man sich in Debatten einfach mal vielleicht sehr heftig Dinge um die Ohren haut und sich nachher gemeinsam über die gute Debatte freut und sich wieder verträgt. Weil irgendwie jeder doch die [zugeteilte] Position vertritt und man sich nachher völlig offen darüber unterhalten kann, was man wirklich denkt. Und das ist was, was ich nicht nur an Debatten schätze, sondern an Debattierern und Debattiererinnen im Allgemeinen, dass man einfach sehr offen und auf einer Basis von “Was ist eigentlich wirklich relevant?” und nicht “Oh, ich habe mich jetzt hier versprochen und dann wird das irgendwie komisch gewertet” [unterhalten kann]. Man wird beim “Best Case” genommen und das finde ich an der Szene einfach sehr, sehr schön.
Achte Minute: Dann bedanke ich mich ganz herzlich.
Teresa: Ja, danke dir.

Das Mittwochs-Feature: Mittwochs veröffentlicht die Achte Minute ab 10.00 Uhr oftmals ein Mittwochs-Feature, worin eine Idee, Debatte, Buch oder Person in den Mittelpunkt gestellt wird. Wenn du selbst eine Debatte anstoßen möchtest, melde dich mit deinem Themen-Vorschlag per Mail an team [at] achteminute [dot] de.
aeh.