Das Achte Minute-Debattier-Lexikon

Datum: 7. Dezember 2022
Redakteur:
Kategorie: Mein erstes Turnier, Mittwochs-Feature

Break, Clash, Crash, DDG, DDL, DDM… wer neu im Debattieren ist fragt sich oft, was genau erfahrene Debattant:innen da eigentlich reden. Deshalb hat die Achte Minute nun in einem Debattier-Lexikon die verschiedenen Begriffe zusammengetragen. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Achte Minute, die: Online-Magazin der deutschsprachigen Debattierszene. Die Achte Minute berichtet Turnierergebnisse, Vorstandswechsel, dient als Diskussionsplattform und führt einen aktuellen Veranstaltungskalender.

Ballot, das: Siehe Laufzettel.

BP, der: Siehe British Parliamentary Style.

BPS, der: Siehe British Parliamentary Style.

Break, der: 1) Zeitpunkt auf einem Turnier, an dem nach den Vorrunden auf Basis des Tabs bzw. Jurierfeedbacks die erfolgreichsten Teams, Redner:innen und Juror:innen in die KO-Runden weiterkommen. 2) Die Gesamtheit der gebreakten Teams, Redner:innen und Juror:innen.

breaken: Den Break schaffen.

British Parliamentary Style, der: Eines der beiden im deutschen Sprachraum gebräuchlichen Erwachsenendebattierformate, kurz BPS oder umgangssprachlich auch BP. Der BPS zeichnet sich durch eine rein inhaltliche Bewertung von Überzeugung sowie eine relative Bewertung der Debatte durch die Erstellung eines Rankings der Teams innerhalb einer Debatte untereinander aus. Auf Turnieren wird Powerpairing angewandt.

CA, der/die: Kurz für Chief Adjudicator. Siehe Chefjuror:in.

Campus-Debatte, die: Siehe Campus-Debatten-Serie.

Campus-Debatten-Serie, die: Turnierserie des VDCHs. Turniere der Campus-Debatten-Serie zeichnen sich insbesondere durch ihre Größe sowie ein öffentliches Finale aus.

Case, der: Die wesentliche Argumentation eines Teams oder eines/einer Redner:in.

Casefile, das: Sammlung wesentlicher Argumentationen für beide Debattenseiten in übersichtlicher Form. Oft erstellt von Chefjurys, um zu prüfen, wie tiefgehend und ausgeglichen ein Debattenthema ist.

Chair, der/die: Siehe Hauptjuror:in.

Chefjuror:in, der/die: Person, die die sportliche Leitung eines Turniers innehat. Dies beinhaltet z.B. das Stellen von Debattenthemen sowie das Zuteilen von Juror:innen im Rahmen der Setzung.

Chefjury, die: Gesamtheit der Chefjuror:innen eines Turniers.

CG, die: Kurz für Closing Government. Siehe Schließende Regierung.

CJ, der/die: Kurz für Chefjuror:in oder Chefjury.

CO, die: Kurz für Closing Opposition. Siehe Schließende Regierung.

Clash, der: 1) Siehe clashen (1). 2) Siehe clashen (2).

clashen: 1) Mit einer Person in einem Verhältnis stehen, das Außenstehende oder Beteiligte Zweifel daran haben lassen könnte, dass eine Person die andere fair jurieren würde. 2) Innerhalb einer Debatte zu einem gleichen Argumentationsfeld im Wettstreit mit einem anderen Team stehen.

Crash(platz), der: Siehe crashen.

crashen: Beschreibung der Handlung bzw. des Zustands, mit Schlafsack und Isomatte zu Gast in einer fremden Wohnung zu übernachten. Ausrichter von Turnieren bieten den teilnehmenden Gästen oft an, bei Mitgliedern des Ausrichterclubs zu crashen.

DDG, die: Kurz für Deutsche Debattiergesellschaft e.V., den Alumniverein des deutschsprachigen Erwachsenendebattierens.

DDL, die: Kurz für Deutschsprachige Debattierliga.

DDM, die: Kurz für Deutschsprachige Debattiermeisterschaft, das größte Turnier einer Saison und Höhepunkt der Campus-Debatten-Serie. Die DDM findet üblicherweise über Pfingsten statt und ihr Format alterniert jahrweise zwischen der Offenen Parlamentarischen Debatte in ungeradzahligen und dem British Parliamentary Style in geradzahligen Jahren.

Deutschsprachige Debattierliga, die: Verbund von Debattierturnieren, die von den Ausrichterclubs in Eigenregie organisiert werden, DDL. Die DDL wird zentral von zwei sogenannten Koordinator:innen verwaltet. Auf DDL-Turnieren können teilnehmende Clubs saisonweise durch Erfolge Punkte für eine Tabelle sammeln. Es gibt sowohl einen Clubsieg als auch eine Einzelrednertabelle.

Einzelrednertab, das: Siehe Tab.

EO, die: Siehe Eröffnende Opposition.

Equity, die: 1) Wörtlich übersetzt mit Gleichstellung. 2) Im Debattieren oft verstanden als Zustand von oder Gebot der sportlichen Fairness. 3) Zum Teil synonym verwendet als Beschreibung für Personen, die auf einem Turnier für sportliche Fairness oder z.T. auch Streitschlichtung oder Inklusion etc. sorgen sollen.

ER, die: Siehe Eröffnende Regierung.

Eröffnende Opposition, die: Teamposition im Format des British Parliamentary Style.

Eröffnende Regierung, die: Teamposition im Format des British Parliamentary Style.

EUDC, die: Kurz für European Universities Debating Championship, die englischsprachige Europameisterschaft im Hochschuldebattieren im Format des British Parliamentary Style.

Factsheet, das: Siehe Infotext.

Fiat, das: Aus dem Lateinischen: Es wird getan. Bezeichnung für den Umstand, dass der/die erste Redner:in der Regierungsseite die Umsetzung des Themas legitimerweise in einem gewissen Rahmen definieren darf.

Hauptjuror:in, der/die: Mitglied der Jury einer Debatte, dem/der die Leitung der Jurierdiskussion und das Feedbackgeben nach der Debatte obliegt.

Ironman, der: Person, die mangels Teampartner:innen alle Positionen eines Teams redet. Zum Teil auch: Ironwoman.

ironmanen: Als Redner:in mangels Teampartner:innen alle Positionen eines Teams reden.

Infotext, der: Erläuternder Sachtext, der manchmal unmittelbar vor der Bekanntgabe eines Debattenthemas ausgehändigt wird. Die darin enthaltenen Informationen sind für die Debatte als wahr definiert.

Jurierbogen, der/die: Vorgedrucktes Stück Papier, auf dem Juror:innen eine Debatte im Format der Offenen Parlamentarischen Debatte bewerten.

Juror:in, der/die: Person, die eine Debatte bewertet.

KO-Runde, die: Debattenrunde auf einem Turnier nach dem Break, in der das Siegerteam bzw. die Siegerteams in die nächste Runde weiterkommen. Üblicherweise handelt es sich um Viertelfinals, Halbfinals oder das Finale eines Turniers.

Laufzettel, der: Stück Papier, auf dem der/die Hauptjuror:in einer Debatte das Ergebnis festhält und an den/die Tabmaster:in übermittelt.

Linke Kategorien, die: Umgangssprachliche Beschreibung für präsentativ-performative Aspekte der Jurierung der Offenen Parlamentarischen Debatte. Auf dem Jurierbogen sind diese Aspekte auf der linken Seite zu finden.

Motion, die: Das Thema einer Debatte oder Debattenrunde.

Offene Parlamentarische Debatte, die: Eines der beiden im deutschen Sprachraum gebräuchlichen Erwachsenendebattierformate, kurz OPD. Die OPD zeichnet sich durch eine holistische Bewertung von Überzeugung sowie eine absolute Bewertung der Debatte durch Bepunktung aus.

OG, die: Kurz für Opening Government. Siehe Eröffnende Regierung.

OO, die: Kurz für Opening Opposition. Siehe Eröffnende Opposition.

OPD, die: Siehe Offene Parlamentarische Debatte.

Outround, die: Siehe KO-Runde.

Panel, das: Die Gesamtheit der Juror:innen einer Debatte.

Powerpairing, das: System, nach dem im British Parliamentary Style auf Turnieren die Setzung von Teams vorgenommen wird. Beim Powerpairing werden Teams basierend auf ihrer aktuellen Position im Tab gegen ähnlich platzierte Teams gesetzt.

Prebuttal, das: Siehe Rebuttal.

Preround: Kurz für preliminary round. Siehe Vorrunde.

Rebuttal, das: Widerlegende, entkräftende oder relativierende Erwiderung auf Argumentation. Als vorsorgliche Erwiderung auf antizipierte Argumentation auch als Prebuttal.

rebuttaln: Akt der Erwiderung im Sinne des Rebuttals.

Rechte Kategorien, die: Umgangssprachliche Beschreibung für inhaltlich-argumentative Aspekte der Jurierung der Offenen Parlamentarischen Debatte. Auf dem Jurierbogen sind diese Aspekte auf der rechten Seite zu finden.

Runner, der/die: Helfer:inauf einem Turnier, der/die das Ballot nach der Jurierung einer Debatte in den Tabraum zum/zur Tabmaster:in bringen.

Schließende Opposition, die: Teamposition im Format des British Parliamentary Style.

Schließende Regierung, die: Teamposition im Format des British Parliamentary Style.

Setzung, die: Die Zuordnung von Teams, Redner:innen und Juror:innen auf verschiedene Räume und Positionen für eine Debattenrunde eines Turniers.

SO, die: Siehe Schließende Opposition.

Social, das: 1) Gesellige Veranstaltung, z.B. nach einer Debatte im Debattierclub. 2) Party auf einem Debattierturnier.

Squirrel: Der Akt des Squirrelns – siehe squirreln.

squirreln: Das Thema einer Debatte (absichtlich) fehlinterpretieren und die Debatte auf eine Weise aufsetzen, die das Thema nicht sinnvoll widerspiegelt.

SR, die: Siehe Schließende Regierung.

Sweetspot, der: Günstigstmögliche Position innerhalb eines Themas oder Arguments für eines der Teams.

Tab: Das auf einem Turnier erstellte Ranking der Teilnehmenden. Üblicherweise gibt es ein Teamtab und ein Einzelrednertab.

tabben: Bedienen des Tabprogramms.

Tabprogramm, das: Turniersoftware, mit deren Hilfe die Setzung, das Tab und der Break verwaltet wird. Der/die Tabmaster:in bedient es.

Tabmaster:in, der/die: Person, die das Tabprogramm bedient und damit die Setzung erstellt. Auf großen Turnieren kann es mehrere Tabmaster:innen geben, das Tabteam.

Tabraum, der: Raum, in dem Tabmaster und Chefjury während des Turniers Rücksprache halten, z.B. bezüglich der Setzung von Juror:innen.

Tabteam, das: Siehe Tabmaster:in.

Teamtab: Siehe Tab.

Top of the Tab, der/die: Nach den Vorrunden im Einzelrednertab höchstplatzierte:r Redner:in.

VDCH, der: Kurz für Verband der Debattierclubs an Hochschulen e.V., den Dachverband der deutschsprachigen Debattierclubs.

Vorrunde, die: Debattenrunde auf einem Turnier, während derer noch alle Teams parallel in Debatten reden.

Whip, die: 1) Schlussrede einer Seite. 2) Schlussredner:in einer Seite.

WUDC, die: Kurz für World Universities Debating Championship, die englischsprachige Weltmeisterschaft im Hochschuldebattieren im Format des British Parliamentary Style.

 

Gerne nehmen wir auf Anfrage in den Kommentaren weitere Begriffe ins Debattier-Lexikon auf. Von zu spezifischen Begriffen und Bezug auf einzelne Debattierclubs sehen wir ab.

Lennart Lokstein debattierte von 2013-2020 bei der Streitkultur e.V. in Tübingen. Seit 2021 widmet er sich dem Wiederaufbau des Debattierclubs Saar e.V. in Saarbrücken. Er war im Laufe zahlreicher Ehrenämter unter anderem Vorstandsvorsitzender der Streitkultur e.V., Chefredakteur der Achten Minute, Präsident des Verbands der Debattierclubs an Hochschulen e.V. und gewann die Deutschsprachige Debattiermeisterschaft 2016.

Das Mittwochs-Feature: Mittwochs veröffentlicht die Achte Minute ab 10.00 Uhr oftmals ein Mittwochs-Feature, worin eine Idee, Debatte, Buch oder Person in den Mittelpunkt gestellt wird. Wenn du selbst eine Debatte anstoßen möchtest, melde dich mit deinem Themen-Vorschlag per Mail an team [at] achteminute [dot] de.

Artikel-Vorschaubild von: Veronika_Andrews auf pixabay.com .

lok.

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5 Kommentare zu “Das Achte Minute-Debattier-Lexikon”

  1. Robert (Freiburg) sagt:

    Finde ich sehr nice, ist hoffentlich hilfreich für Einsteiger! Man ist ja leider schon ein wenig in seiner lingo gefangen.

    Übrigens könnte man vielleicht noch sweetspot hinzufügen.

  2. Johannes (Freiburg) sagt:

    Super Artikel für Einsteiger. Spontan würde ich noch empfehlen:

    Whip, der: Schlussredner einer Fraktion.

    OG, die: siehe ER
    ER, die: Eröffnende Regierung
    OO, die: siehe EO
    EO, die: Eröffnende Opposition
    CG,SR,CO,SO: analog oben

    CA hätte ich noch ausgeschrieben zum Verständnis: Chief Adjudicator

    Bin gespannt, was noch für Ergänzungsvorschläge kommen.

  3. Ruben (Hamburg/Hannover) sagt:

    Super Idee! Würde Fiat noch aufnehmen, der Begriff wird schließlich immer häufiger gebraucht…

  4. Lennart Lokstein sagt:

    Vielen Dank für die Vorschläge, ich nehme sie direkt alle auf. 🙂

  5. FloManGold sagt:

    Klassische, tendenziöse, OPD-lastige AM Hetzpropaganda, die wieder schöne, blumige, formvollendete und vor allem wesentliche BPS Lingo unterschlägt. Bussi.
    Also: Lange Diagonale, Kurze Diagonale, Obere Hälfte (1st Half), Untere Hälfte (2nd Half), Dino, Spilt, Burden of Proof (BoP), Narrativ, PoI … Hatte Johannes H. nicht mal so ca. 2010 eine erste Sammlung gemacht?

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