In Adiletten zum Clubabend – Nachwuchspreisträger Erik Wiggers im Interview

Datum: 5. Juni 2024
Redakteur:
Kategorie: Das Thema, Mittwochs-Feature

Nachwuchspreisträger Erik Wiggers ©Robert Wiebalck

Erik, erstmal herzlichen Glückwunsch zum Nachwuchspreis!

Erik: Vielen Dank!

Magst du dich vielleicht einmal kurz vorstellen?

Erik: Hi, ich bin Erik, 19 Jahre alt, studiere Jura in Münster und debattiere da seit 1 ½ Jahren mittlerweile.

Und wie bist du zum Debattieren gekommen?

Erik: Ähm, ich habe tatsächlich in der Schule schon debattiert. Wir hatten ein extra Wahlpflichtfach, bei dem wir „Jugend debattiert“ so ein bisschen intensiver betrieben haben. Also so sehr, wie man „Jugend debattiert“ intensiver betreiben kann. Dementsprechend hatte ich sowieso schon ein gewisses Interesse am Debattieren. Als ich gerade an die Uni gekommen bin, war eine Einsteigermesse mit allen möglichen Vereinen, die sich vorgestellt haben, unter anderem dem Debattierclub und da bin ich irgendwie hängen geblieben.

Was gefällt dir denn so besonders am Debattieren?

Erik: Ich finde, da gibt es zwei Sachen. Zum einen das Debattieren an sich: Also man hat irgendwie eine intellektuelle Herausforderung, man darf sich um ganz viele verschiedene Themen kümmern, mit denen auseinandersetzen und immer wieder auch spontan neue Argumente, Charakterisierungen etc. überlegen und das andere ist natürlich das Soziale. Es gibt Socials und man hat ganz viele Freunde überall in Deutschland verteilt, die man immer wieder treffen kann und es ist eine großartige Stimmung. Das ist der zweite Aspekt.

Auf welchen Turnieren warst du schon? Oder beziehungsweise vielleicht hast du eins, was dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Erik: Ich glaube für eine Liste wird das ein bisschen zu lang, auch in 1 ½ Jahren kann man ja einiges ansammeln. Aber so grundsätzlich: Ein paar Einsteigerturniere, ein paar Campus-Debatten, ein paar kleinere DDL-Turniere, also alles Mögliche. Tatsächlich besonders schön, noch gar nicht so lange her, fand ich die Campus-Debatte in Jena. Da konnte ich mit meinem ganz klassischen OPD-Team antreten, mit dem wir auch letzte Saison angetreten sind [Erik Wiggers, Merle Rolf und Lukas Rehbach], antreten. Und das war einfach toll organisiert. Das Hotel war weit überdurchschnittlich. Das hat besonders Spaß gemacht. Und… Was war sonst cool? Natürlich Saarbrücken [Der Laternencup 2023]. Da konnte ich mit Anne [Uder] und Henry [Keller] antreten. Das hat auch Spaß gemacht. Es gab einfach einige coole Turniere in den letzten Jahren. Deswegen… ich glaube da kann ich nicht zu allen was sagen.

Ein bisschen allgemeiner vielleicht: Was macht für dich generell den Reiz von Turnieren aus?

Erik: Also es ist halt absurd anstrengend, aber auf eine positive Weise. Man ist einfach ein Wochenende sehr, sehr gut beschäftigt und danach völlig platt, bräuchte eigentlich noch ein Wochenende, um sich zu erholen – zumindest geht es mir so. Aber das machte es für mich auch aus: Man hat eine gewisse Herausforderung und kann dabei auch wieder Soziales mit Sportlichem verbinden und hat mit ziemlicher Sicherheit eine klasse Zeit. Also ich glaube, ich habe noch nie ein Debattierturnier gehabt, wo ich danach ganz miese Laune hatte, weil man irgendwie immer coole Leute sieht und coole Sachen macht und sich dann vielleicht am Ende noch ärgert über die eine Vorrunde, in der es nicht so rund lief, aber man hat ja auch ganz viele positive Erlebnisse und das macht schon Spaß.

Wie hast du dich gefühlt, als du erfahren hast, dass du den Nachwuchspreis bekommen hast?

Erik: Das war tatsächlich recht intensiv. Ich habe nämlich wirklich nicht damit gerechnet. Also es war mir so grundsätzlich klar, dass ich irgendwie mit in der Auswahl bin. Und dann, in meiner Laienpsychologie habe ich mir irgendwie meine Mit-Münsteraner angeschaut, nach dem Konklave war und die guckten alle irgendwie recht traurig und so ein bisschen geknickt und dann war ich mir ziemlich sicher, dass es nichts geworden war. War auch vollkommen in Ordnung, konnte ich gut mit leben. Aber dementsprechend war ich umso überraschter als dann mein Name fiel. Ich habe einfach nicht damit gerechnet und habe auch erstmal ein/zwei Minuten gebraucht. Also ich stand da oben auf der Bühne und musste mir erstmal diesen Pokal angucken, ob das wirklich jetzt der Richtige ist.

Hast du danach noch mit deinem Club gefeiert oder ist da noch was geplant? 

Erik: Ne, das muss natürlich noch erledigt werden. Es muss ja noch aus dem Pokal Sekt getrunken werden. Aber ich komme aus Schleswig-Holstein und bin dementsprechend direkt nach der DDM zu meiner Familie nach Itzehoe gefahren. Deswegen ließ sich das noch nicht so richtig realisieren und beim Galaabend wollten wir nicht direkt den Pokal mit Wein beschmutzen. Also das steht noch aus, aber es wird garantiert erledigt und es wird garantiert eine adäquate Menge an Sekt daraus getrunken.

Was sind deine Pläne für die nächste Zeit im Debattieren? Hast du konkrete Ambitionen? Also entweder auf organisatorischer oder sportlicher Ebene?

Erik: Ich glaube, ich muss jetzt erstmal so ein bisschen alle möglichen spaßigen Turniere abgrasen und da halt eine gute Zeit haben. Also ich freue mich besonders auf den Gutenberg-Cup. Hoffentlich kann ich auf der Campus-Debatte in Berlin eventuell wieder mit meinem alten Team, mit dem ich in Jena angetreten bin [Erik Wiggers, Merle Rolf und Lukas Rehbach] einfach in OPD eine gute Zeit haben. Das sind so die kurzfristigen Ziele und tatsächlich bin ich im Wintersemester in Helsinki im Auslandssemester. Dementsprechend bietet sich zumindest in diesem Jahr größeres Engagement für den Club noch nicht so richtig an. Und auch sportlich möchte ich jetzt noch keine ganz konkreten Ziele stecken. Da haben die Preisträger:innen vor mir glaube ich genug getan und da möchte ich erstmal schauen, was auf mich zukommt. Wobei ich in Helsinki sehr gerne mal international und auf Englisch debattieren möchte und einfach mal schauen möchte, was da so geht und wie gut das bei mir klappt.

Hast du vorher schonmal international debattiert?

Erik: Nein, tatsächlich gar nicht. Also nicht mal im Club. Wir haben zwar so ein paar englische Debatten gehabt, aber die habe ich bisher immer erfolgreich gemieden. Dementsprechend habe ich noch nie auch nur auf Englisch debattiert. Und das möchte ich jetzt dringend nachholen.

Dann sind wir mal gespannt.

Erik: Mal sehen.

Wie sieht insgesamt dein Cluballtag aus? Bereitest du dich auf Debatten vor oder gehst du einfach hin und hast eine gute Zeit?

Erik: Eher Letzteres. Also, wer mich aus dem Club kennt, der weiß, dass ich auch gelegentlich in Adiletten zu Debatten komme und jetzt nicht irgendwie einen übermäßig kompetitiven Eindruck bei Clubdebatten mache. Also ich gehe da meistens relativ entspannt ran. Letztes Semester habe ich es leider nicht immer geschafft zweimal die Woche zu debattieren, aber mein Ziel ist eigentlich zum Clubabend am Dienstag und zu einem zusätzlichen Training am Donnerstag zu kommen. Hin und wieder sind noch Trainings am Donnerstag. Da möchte ich, je nachdem ob es gerade Sinn ergibt und zeitlich passt auch hin. Und dann versuche ich da eine gute Zeit zu haben. Also ich habe jetzt nicht bei Clubabenden die Ambition da besonders ehrgeizig ranzugehen. Ich glaube, das ist im Cluballtag gar nicht so gut. Zusätzlich gibt es da natürlich noch Trainings. Vor der DDM zum Beispiel habe ich mit Paul [Schmitz] extra trainiert. Da sieht es natürlich anders aus. Da komme ich dann auch nicht in Adiletten. Dann bin ich etwas fokussierter.

Hast du irgendwelche Menschen im Debattieren von denen du besonders viel gelernt hast oder so eine Art Mentor?

Erik: Ich habe ja Paul [Schmitz] eben schon erwähnt. Das war mein Teampartner bei der DDM und da habe ich sehr, sehr viel mitgenommen. Paul hat einen sehr strategischen, stark antizipierenden Blick auf Debatten und das fand ich sehr beeindruckend. Ich hoffe, dass ich davon auch ein bisschen was mitnehmen konnte für zukünftige Debatten. Also offensichtlich Paul gehört dazu und sonst im Club finde ich Henry [Keller] einfach sehr, sehr beeindruckend. Also wir sind gar nicht so oft miteinander angetreten, in Saarbrücken nur einmal, aber ich finde gerade für OPD kann man sich von Henry einfach, was Klarheit und Struktur angeht, eine Scheibe abschneiden. Und auch was so ein wenig subtilen Humor angeht. Beziehungsweise auch plumpen Humor, aber beides funktioniert und ich würde sagen, die Beiden haben mir bisher am meisten mitgegeben.

Hast du Tipps für Leute, die neu ins Debattieren einsteigen möchten?

Erik: Also der erste Tipp ist ziemlich offensichtlich und das ist einfach mal dazu kommen und der zweite Tipp ist, wenn ihr im Club seid, dann wird garantiert jemand cooles auf euch zu kommen, weil halt irgendwie immer coole Leute im Club sind und die werden nett mit euch umgehen und euch cooles Feedback geben, und dann müsst ihr eigentlich nur immer wieder kommen und dann werdet ihr zum einen natürlich viel besser im Debattieren, weil gerade am Anfang die Lernkurve super, super steil ist und zum anderen, werdet ihr garantiert Spaß haben, weil einfach so viele coole Leute im Debattieren sind und ihr garantiert irgendwie neue Freunde finden werdet.

An sich wären das die Fragen, die ich mir überlegt hatte, auch schon gewesen. Ich könnte dich jetzt natürlich noch fragen, was Debattieren für dich ist [in Anlehnung an das Interview mit Anne Uder aus dem letzten Jahr].

Erik: Das Problem ist, ich habe mir nochmal Annes Interview von letztem Jahr durchgelesen und ich glaube, dass Anne da die korrekte Antwort mit „ein Strategiespiel“ gefunden hat. Dementsprechend wäre meine Antwort nicht viel tiefschürfender.

Alles klar. Dann bedanke ich mich ganz, ganz herzlich, für deine Zeit und vielen Dank fürs Kennenlernen, lieber Erik!

ah./hb.

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