Internationale Luft schnuppern: Warum die Europameisterschaften mehr sind als nur Debatten
Paul Grotthaus und Lisa Hauke sprechen mit Teilnehmenden der Europameisterschaften 2024 und 2025 und geben euch Einblicke in Unterschiede zum deutschsprachigen Debattieren, internationale Freundschaften und Sightseeing. Pünktlich zum Beginn der Teamanmeldung für die EUDC 2026 in Utrecht.
In diesem Jahr wird die Europäische Debattiermeisterschaft von einer Koalition niederländischer Debattierclubs organisiert und findet in Utrecht statt – damit ist sie also für Menschen aus dem VDCH-Land gut zu erreichen. In dieser Woche hat die Teamanmeldung geöffnet. Ihr findet sie hier. Aus diesem Anlass machen wir in dieser Woche zur Halbzeit eine kurze Pause von Anne und Svens Serie zum Chefjurieren und haben stattdessen zwei Interviews mit Teilnehmenden der letzten beiden Europameisterschaften in Glasgow und Kopenhagen für euch. Vielleicht macht euch das ja Lust selbst auch mal an einem internationalen Major teilzunehmen – in Utrecht zum Beispiel?!
Interview mit Jurorin Luisa Jacobi über die EUDC 2024 in Glasgow
Paul: Erst einmal, war irgendetwas ungewohnt für dich?
Luisa: Ich fand es echt cool eigentlich, ich habe vor diesem Turnier auf Turnieren noch nicht so viel juriert. Bei uns im Club juriere ich natürlich immer die gleichen Leute, weshalb die Vielseitigkeit der EUDC sehr interessant war. Ich erinnere mich vor allem an eine Jurierung, in der ich sehr vom Chair beeindruckt war. Sie hatte sehr viele Ebenen der Debatte aufgemacht und ich frage mich bis heute wie sie Zeit für Notizen hatte. Ich hab mich sehr gefreut, dass meine Calls meist ähnlich, zu denen der Chairs waren, das ist natürlich extra schön, wenn man auf beeindruckende Jurierende trifft.
Paul: Schön zu hören, dass es so gut lief! War deine Stimmung vor dem Turnier auch so positiv oder hattest du Nervosität vor dem internationalen Turnier?
Luisa: Mehr oder weniger ist das vermutlich natürlich. Ich hatte vorher etwas Sorge, dass ich vielleicht nicht mitkomme und die Größe des Turniers etwas überwältigend sein könnte. Was mir diese Sorge gleich vor dem Turnier etwas nehmen konnte, war der Judge Test, den wir als Jurierende vorher abgelegt haben. In dem haben wir einige Fragen zum Jurieren beantworten, mir gab das etwas Sicherheit, da ich so das Gefühl hatte für das Turnier „geeicht“ zu sein.
Ich hatte im Vorfeld auch gehört, dass Chairs auf internationalen Turnieren sich oft nicht besonders für die Meinung der Wings interessieren. Auch wenn es diese Jurierenden mit Sicherheit gibt, hat das meine Erfahrung eigentlich gar nicht wiedergespiegelt.
Ganz im Gegenteil, mir hat die Aufmerksamkeit der Chairs geholfen, mich in das Turnier einzufinden. Auch in meiner ersten Runde als Trainee, hatte ich den Eindruck, dass mir zugehört wird mit den Punkten, die ich mache. Nach und nach kam mit den vielen Vorrunden auch die Übung und die Nervosität ist abgeflacht.
Paul: Wie hast du die Jurierdiskussion erfahren? Haben die Runner auch in Schottland Zeitdruck und Hummeln im Hintern dabei?
Luisa: Ja, Runner hatten wir natürlich auch, aber im Normalfall ging der Zeitplan gut auf. In einer Runde saß ich mit einem Chair zusammen, der glaube ich zum ersten Mal gechairt hat. Da haben wir etwas überzogen, den Druck hat man dem Chair auch angemerkt, was mir etwas leid tat. Ich vermute mal, als Chair dort zu jurieren ist nochmal eine andere Erfahrung, aber ich habe mich als Wing in Ruhe auf die Chairs verlassen können.
Paul: Hattest du den Eindruck, dass die Redenden höheren Druck hatten und sich stärker vorbereitet haben?
Luisa: Ich muss zugeben, dass ich mich die meiste Zeit in der deutschen Bubble aufgehalten habe, für die war die Vorbereitung genauso ernst (oder auch unernst) wie bei anderen Turnieren. Man konnte schon erkennen, dass die Leute auf internationales Debattieren eingestellt waren und das Turnier ernst nehmen. Die Gesamtstimmung des Turniers wurde davon aber nicht runtergezogen. Es gab super viele Socials bei denen sich nach meiner Wahrnehmung alle wohlfühlen konnten.
Paul: Schön, dass du die ansprichst! Konntet ihr aber vielleicht doch noch den ein oder anderen internationalen Kontakt knüpfen?
Luisa: Ja, so halb. Wenn ich mich mit Debattierenden aus anderen Ländern unterhalten habe, dann meistens mit den anderen Wings in meinem Raum. Auf den Socials habe ich mich gefreut, wenn ich auch mal mit Leuten Zeit verbringen konnte, die ich tatsächlich kannte. Wobei aber selbst da in der Gruppe oft einige deutsche Debattierende waren, mit denen ich vorher nicht viel zu tun hatte. Es waren dieses Jahr echt viele aus Deutschland, wir hatten Teams aus Wien, Berlin, Aachen und viele Andere . Ich glaube, wenn man als Ziel hat, viel Zeit mit Debattierenden aus anderen Ländern zu verbringen, empfiehlt es sich auf diese Turniere als Redner*in zu fahren. Die Zeit der Jurierdiskussion in der man leicht auf Gespräche kommt, habe ich natürlich mit Jurieren verbracht.
Paul: Wie fandest du die motions?
Luisa: Ich glaube da hätte ich mir als Rednerin viele Sorgen gemacht, so von wegen „sehr großes Turnier und international, was, wenn ich nichts verstehe?“ Dann hatte ich aber tatsächlich bei jedem Thema das Gefühl ich hätte was zu sagen können – ob das dann so sinnvoll gewesen wäre, ist vielleicht eine andere Frage. Es gab natürlich auch anspruchsvolle Themen aber das meiste war ziemlich zugänglich, z.B. hatten wir motions über den Tradwife Trend, zur Musikindustrie oder internationalen Beziehungen. Nichts kam mir fürchterlich nieschig vor, als hätte ich mich spezialisiert informieren müssen.
Paul: Hast du dir Glasgow anschauen können?
Luisa: Tatsächlich war ich schonmal dort, deswegen kannte ich natürlich schon ein bisschen. Aber durch die verschiedenen Locations und Transfers hat man die Stadt auf jeden Fall schonmal etwas wahrgenommen, da fand ich, hat man schon einen Eindruck bekommen. Dadurch dass ich in keiner der Outrounds war, hatte ich noch 2 Tage in denen ich entweder Glasgow anschauen konnte. Ich z.B. hab die Zeit genutzt, um mir einen botanischen Garten anzuschauen, also man hatte auf jeden Fall die Möglichkeit für Sightseeing. Ich war nach dem Turnier auch 2 Wochen zum Wandern geblieben, ich dachte mir die Gelegenheit nutzte ich. Aber ich habe auch mit anderen gesprochen, die direkt wieder los sind: Allein durch das Turnier mit seinen verschiedenen Locations hat man ein Gefühl für die Stadt bekommen.
Paul: Wie lief die Orga ab?
Luisa: Eine Sache, die ich schwierig fand, war, dass alles über Facebook lief. Ich war zu der Zeit ja auch noch im Vorstand und hab dann zum Glück meine Mutter fragen können wie ich Gruppen beitrete usw.. Ich glaube, einige Infos hätte ich schneller gesehen, wenn ich mich mit Facebook auskennen würde, aber die Anmeldung lief dann auch per Mail ab und es ging alles auf.
Paul: Also trotz Facebook Wiederholungsbedarf?
Luisa: Ja, mittlerweile bin ich ja auch nicht mehr im Vorstand, da wäre ich davon verschont.
Interview mit Rednerin Inga Peters über die EUDC 2025 in Kopenhagen
Lisa: Was hast du denn gemacht auf dem Turnier?
Inga: Ich habe auf den Euros geredet.
Lisa: Mit wem zusammen? Warum hast du dich dazu entschieden?
Inga: Ich habe mit Pavel geredet. Wir sind für Berlin angetreten. Pavel und ich haben vor ungefähr einem Jahr, also Ende 2024, angefangen, gemeinsam zu reden, auch mit dem Gedanken, dass wir beide gerne einen festen Teampartner haben wollen. Eben jemanden, mit dem man auch auf Euros und Worlds fährt. Das haben wir dann eine Weile ausprobiert, indem wir Turniere geredet haben, und uns dann Anfang 2025 entschieden, auf die Euros in Kopenhagen zu fahren.
Lisa: Ah, okay. Und hatte Berlin eine große Fraktion an den Euros?
Inga: Berlin hatte fünf Teams und vier Jurierende. Generell hatten wir aus dem VDCH eine der größten Delegationen seit Jahren mit etwa 20 Teams und 10 Jurierenden. Also, auch wenn es ein sehr großes Turnier war, hatten wir viele Leute, die wir aus dem deutschsprachigen Debattieren kannten.
Lisa: Sehr schön, dass das so populär geworden ist. Wie sind denn so die Debatten? Also gibt es andere Normen oder wird auf andere Sachen geachtet als jetzt im deutschsprachigen Raum?
Inga: Es unterscheidet sich in ein paar Dingen. Generell hast du im deutschsprachigen Debattieren viele Menschen, die aus demselben Land kommen, oder Leute aus Wien, die immer noch aus einem Land kommen, das kulturell und geografisch nah an Deutschland ist. Und ich glaube, das verändert so ein bisschen die Erwartungen daran, was deine Jurierenden wissen und intuitiv finden, das sieht man zum Beispiel daran, dass die Beispiele, die du machst, einfach andere sind. Du kannst eben ein Beispiel aus deutscher Innenpolitik verwenden und Leute finden dieses Beispiel intuitiv und glauben dir dein Argument dadurch vielleicht eher. Das gleiche Beispiel ist vielleicht etwas, das bei einer*m Jurierenden aus den Niederlanden oder Großbritannien oder Kroatien nicht funktioniert, weil die einfach keine Ahnung haben, wovon du redest. Das zweite ist die Ebene von Argumenten und Argumentationslinien. Einmal welche Argumente du machst. Im Deutschen denkt man homogener. Auf den Euros und generell im Internationalen habe ich das Gefühl, dass die Standardargumente nicht immer die gleichen wie im deutschsprachigen sind und dass internationale Argumente breiter gedacht werden. Du denkst das Thema auf andere Kontexte, wo es vielleicht im Deutschen debattieren eher im deutschsprachigen Raum gedacht wird. Vielleicht auch gerade dadurch, dass in OPD Antragsthemen ja meistens auf Deutschland beschränkt sind. Das Zweite auf Argumentationsebene ist die Argumentationstiefe. Im Internationalen ist es schon so, dass Jurierenden wichtiger ist, dass du dein Argument sauber durchmechanisierst und wirklich kein Argumentationsschritt fehlt. Wo du im deutschsprachigen eher damit durchkommst, dass du irgendwo einen Argumentationsschritt überspringst oder irgendwo ein Beispiel einsetzt. Jurierende glauben dir etwas schon nach einem Mechanismus, wo du im Internationalen den Mechanismus tiefer machen musst oder drei Mechanismen brauchst, weil sonst ein anderes Team das sofort widerlegt oder die Jurierenden sagen, dass das Argument noch nicht tief genug war.
Lisa: Hattest du dann so einen Kulturschock, als du das erste Mal auf so einem internationalen Turnier warst?
Inga: Ich habe früh mit dem internationalen Debattieren angefangen. Also ungefähr ein halbes Jahr, nachdem ich auf deutschen Turnieren war. Dadurch, dass wir in Berlin ja eh ein international geprägter Club sind und viele Leute international debattieren und auch die Leute, die mich gerade in meiner Anfangszeit gecoacht haben, internationale Debattiererfahrung haben, hat es für mich relativ gut funktioniert.
Lisa: Hast du dann auch neue Perspektiven in Debatten für dich mitgenommen und hat sich deine Argumentationsweise verändert?
Inga: Internationales Debattieren generell macht deine Argumentationsweise schon diverser. Bei Pavel und mir war es so, dass wir vor den Euros viele Online-Turniere gemacht haben und auf viele Prep Comps gefahren sind. Das heißt, bei uns war es jetzt nicht durch Euros spezifisch, aber durch die Vorbereitungsphase und einfach durch internationales Debattieren allgemein lernt man, auch in andere Richtungen zu denken.
Lisa: Und wie ist die Atmosphäre auf den Euros?
Inga: Ich würde sagen, grundsätzlich sehr angenehm. Es sind super viele Leute da. Ich glaube, es waren dieses Jahr etwa 360 Redende da, und für viele Leute ist es ja auch erst die erste oder zweite Euros. Es gab viele Situationen, in denen wir nach den Debatten noch mit den Leuten gequatscht haben und uns ausgetauscht haben. Etwa darüber, wie wir die Motion fanden, wie wir das Turnier bis jetzt fanden. Das heißt, man hat viele Möglichkeiten, einfach mit Leuten in Kontakt zu kommen, weil viele andere auch in der Situation sind, dass sie die anderen noch nicht kennen, und aber gerne jemanden kennenlernen wollen.
Lisa: Gab es auch Socials?
Inga: Ja, wir hatten an den meisten Abenden Socials. Es gab ein Fußball-Social, bei dem verschiedene Teams gegeneinander Fußball gespielt haben. An den meisten Abenden gab es auch einfach organisierte Socials in Bars etc., wo man hingehen kann, sich zusammensetzen kann und sich unterhält. Am dritten Tag, also nach den Vorrunden, gab es die Breaknight, eine große Party auf der bekannt gegeben wurde, wer jetzt in die Outrounds breakt, und am letzten Tag die Closing-Zeremonie, wo du dann die ganzen Ergebnisse verraten bekommst und erfährst, wer ESL-Champion und Open-Champion wird und das Turnier gewinnt.
Lisa: Inwiefern sind die Socials anders als im deutschsprachigen Debattieren?
Inga: Der Hauptunterschied ist, dass es einfach viel größer ist. Auf den meisten deutschen Turnieren, außer vielleicht der DDM, habe ich das Gefühl, ich kann mit allen Leuten reden, oder ich kann einfach zum Social gehen, und dann laufe ich schon in irgendwen rein, den ich kenne. Das funktioniert auf den Euros etwas weniger gut. Ich habe oft vorher geplant, mit wem ich zum Social gehe, und geguckt, dass VDCH-Leute da sind, und mich dann mit denen ausgetauscht. Das ist glaube ich ein bisschen personenabhängig, aber für mich war es so, dass ich, nachdem ich 3 Debatten geführt habe und um 07:00 Uhr morgens aufgestanden bin, nicht die Energie hatte, dann abends noch neue Leute kennenzulernen. Ich habe gerne eine kleine Gruppe an Leuten, die ich schon kenne, mit denen ich den Abend verbringen kann. Es gibt aber schon Leute, die dann aktiv neue Leute kennenlernen und internationale Kontakte knüpfen. Und es gibt auch Leute, die schon vor den Euros internationale Debattierfreundschaften geschlossen haben und dann natürlich auch auf den Socials Zeit mit denen verbringen wollen.
Lisa: Halten Länder stark untereinander zusammen? Und freut man sich dann auch mehr, wenn jemand aus dem eigenen Land breakt, auch wenn die Person nicht im eigenen Club ist?
Inga: Total. Beim Break freust du dich halt einfach, wenn es Leute sind, die du kennst. Also sowohl wenn es Freunde von dir sind, die aus einem anderen Land kommen, als auch wenn es ein Team aus deinem Land ist, selbst wenn es nicht dein eigener Club ist.
Lisa: Kann ich mir das ein bisschen so vorstellen, als wären Länder ein großer Club, bei dem man zusammenhält und sich füreinander freut, auch wenn man sich nicht so gut gegenseitig kennt?
Inga: Das ist vielleicht auch noch mal länderabhängig. Länder wie Großbritannien haben super viele Clubs, ich weiß nicht, wie eng die alle untereinander vernetzt sind, aber wenn zum Beispiel ein Team aus Amsterdam breakt, dann glaube ich schon, dass sich da auch Leute aus Utrecht und Maastricht freuen. Und wenn ein Team aus Wien oder München breakt, dann freut sich offensichtlich auch der Rest von uns VDCH-Leuten darüber.
Lisa: Was war denn dein persönlicher Lieblingsmoment auf der EUDC?
Inga: Ich glaube, ich habe viele Lieblingsmomente. An ein oder zwei Abenden habe ich mit ein paar Freund*innen das Social geskippt und mich einfach ins Hostel gesetzt und da gequatscht, das waren sehr schöne Gespräche. Wir hatten eine Runde, in der Pavel und ich nicht unbedingt gut performt haben, aber unfassbar gutes und detailliertes Feedback von unserer Jurorin bekommen haben. Das mochte ich sehr gerne. Wir hatten einfach ein paar Momente in Debatten, in denen Pavel und ich sehr viel Spaß hatten, in denen wir eine Zwischenfrage gestellt haben, mit der wir sehr zufrieden waren, oder in denen ich sehr begeistert davon war, was Pavel in seiner Rede gemacht hat. Ich weiß nicht, ob ich einen einzigen Lieblingsmoment habe.
Lisa: Gab es auch Sachen, die dir nicht so gefallen haben?
Inga: Der Nachteil von Euros und generell internationalen Majors ist, dass es halt einfach unfassbar anstrengend ist. Du debattierst neun Vorrunden, du wachst jeden Tag früh auf. An dem Donnerstag, also an dem ersten Tag, nachdem die Vorrunden vorbei waren, war ich einfach vollkommen fertig. Ich bin morgens einmal aufgestanden, hab Frühstück geholt, und danach habe ich den Rest des Tages unser Hostel nicht mehr verlassen, weil es einfach zu anstrengend war, aufzustehen. Also, es ist schon anstrengend und es gibt irgendwann den Moment, wo man sich denkt: Jetzt möchte ich eigentlich einfach nur noch 30 Stunden schlafen und nicht mehr aufstehen.
Lisa: Warum würdest du Leuten empfehlen, auf den Major zu gehen?
Inga: Ich glaube, ich würde es nicht unbedingt allen Leuten empfehlen, weil, Majors schon größer und anstrengender und auch offensichtlich auf finanzieller Ebene einfach teurer sind als die meisten anderen Turniere. Wenn man internationales Debattieren mag, und ich würde ja sowieso allen Leuten empfehlen, mal internationales Debattieren auszuprobieren, dann würde ich ein Major an irgendeinem Punkt empfehlen. Es ist etwas, wo du gegen sehr viele verschiedene Leute debattierst, von unfassbar guten Jurorinnen juriert wirst, wo du, gerade wenn auch noch andere Leute aus deinem Club oder aus dem VDCH-Land fahren, sozial eine gute Zeit haben wirst, Leute kennenlernen wirst und halt einfach eine gesamte Woche damit verbringen kannst, zu debattieren oder dir in den Outrounds anzusehen, in denen gute Leute debattieren. Also du hast einfach die Erfahrungen, die du auf anderen Turnieren auch machst, aber über einen längeren Zeitraum und mit mehr Leuten. Wenn man internationales debattieren mag, ist das eine Erfahrung, von der ich empfehlen würde, sie irgendwann mal auszuprobieren.
Lisa: Und wann würdest du mir das empfehlen? Es gibt dann so einen Zeitpunkt, wo du sagst: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Oder gibt es da nicht so einen richtigen, guten Zeitpunkt für?
Inga: Internationales Debattieren generell im Zweifelsfall so früh wie möglich. Weil ich glaube, je länger man nur auf Deutsch debattiert und sich an die deutsche Szene gewöhnt, desto größer ist irgendwann auch die Angst, jetzt noch mal etwas Neues auszuprobieren und dann vielleicht schlechter zu performen als auf Deutsch. Also gerade kleinere englische Turniere oder gerade auch englische Turniere, die in der Nähe stattfinden oder im VDCH-Land stattfinden, wo jetzt auch mehr Clubs englischsprachiges ausrichten, würde ich dann empfehlen, wenn Leute auch regelmäßig auf deutsche Turniere fahren. Ich glaube, Major ist noch mal ein bisschen personenabhängig und wahrscheinlich auch davon abhängig, was man von einem Major will und was man erreichen will. Ich war ja jetzt das erste Mal auf den Euros, nachdem ich schon 3 Jahre debattiert habe, einfach weil ich gesagt habe, bevor ich so viel Geld für ein Turnier ausgebe und eine Woche mit Debattieren verbringe, möchte ich einen festen Teampartner haben, mit dem ich das mache und möchte eben, dass das nicht eine Person ist, die ich nur für dieses eine Major habe, sondern mit der ich dann schon vorhabe, danach auch noch mal kompetitiv zu reden und auf mehr Turniere zu fahren.
Lisa: Das hört sich alles sehr nett an. Danke ich dir für das Interview.
Inga: Gerne.

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