How to Tab Tournaments Online (Fast)
Josef Hoppe berichtet von seinen Erfahrungen als Tabmaster, der Vorteile eines Perspektivwechsels in den Tabraum und möglichen Hürden bei der sportlichen Organisation eines Turniers.
Ein Glossar findet sich ganz am Ende des Artikels.

Der Autor bei der Jagd nach Jurierendenfeedback – © Privat
Wer ist eigentlich diese Person mit dem Laptop bei den CAs?
Die meisten Leute auf dem Turnier sieht man viel und lernt auch ihre Rollen gut kennen: Jurierende reden in der Vorbereitungszeit miteinander, Teams in der Jurierzeit, und gegenseitig sehen sie sich in den Debatten selbst und in den Pausen. Da bleibt nur noch eine Person über, die in den Runden irgendwohin verschwindet und erst zum Ende der Pause mit den CAs auftaucht, die Setzung zeigt, Papier an Chairs austeilt und manchmal noch ein bisschen mit ihnen quatscht.
Ich war immer schon davon fasziniert, was dort eigentlich vorgeht, und natürlich sehr neugierig, was eigentlich Leute über mich als Juror denken, oder warum ich mal als Chair und dann wieder als Wing gesetzt wurde. Am nebulösesten ist sicherlich der Jurierendenbreak — plötzlich wurde ich auf Turnieren gebreakt, aber habe nur wenig Indikation bekommen, warum, und das anonyme Feedback ist ohne Kontext schwierig einzuordnen. Immer wieder höre ich auch andere Jurierende, wie sie darüber diskutieren, ob sie in der Gunst der CAs wohl gefallen sind, und wie sich das wohl auf ihre Breakchancen auswirkt.
Einige dieser Fragen möchte ich hier beantworten, andere Erlebnisse muss man einfach selbst machen. Wenn ihr Lust auf diese Erlebnisse habt, könnt ihr am Ende auch lesen, wie ihr in die illustren Ränge der Tabmaster:innen aufsteigen könnt.
Aller Anfang ist leicht
Trotz der geheimnisvollen und einflussreichen Aura, die den Tabraum umgibt, fand ich die Leute persönlich immer sehr sympathisch. Meine Neugierde nach konkreten Informationen wurde natürlich nicht befriedigt, aber auch als ich noch ein unerfahrener Juror aus einem kleinen Club war, wurde meinem Interesse immer freundlich begegnet. Auf unseren CARLsdebatten in Aachen wurde ich dann gefragt, dass wohl jemand aus Aachen Tabben lernen wolle und ob ich da weiterhelfen könne. So kam ich dazu, die CD Göttingen als Juniortabmaster zu begeleiten.
Die Rolle als Tabmaster:in
Aber was heißt das jetzt? Als Tabmaster sehe ich mich als Sekretär der CAs. Ein Sekretär hat formell eher einfache Aufgaben, ist aber — quasi zwischen den Zeilen — sehr wichtig. In einem Unternehmen führen Sekretär:innen nicht nur Kalender, sondern sammeln und strukturieren Informationsfluss und Zugang, organisieren Dinge im Detail, und bereiten Termine vor. Und nicht zuletzt müssen sie manchmal ad hoc Probleme lösen, die unerwartet auftreten und ein Meeting oder Projekt gefährden können. Dazu muss man die Abläufe, Strukturen, und Prioritäten der Chef:in gut kennen, kreativ und flexibel Lösungen finden, und eigenständig arbeiten.
Genauso klingen einige Aspekte beim Tabbing erstmal langweilig: Man verwaltet Daten, bedient das Tabprogramm, und druckt Factsheets. Das sind sicherlich allgemeine soft skills, die generell nützlich sind. Mir macht es auch Spaß, flexibel zu sein und Probleme zu lösen, bevor sie den Turnierablauf beeinflussen können. Dies erfordert häufig technischen Einfallsreichtum, zum Beispiel wenn das Tabprogramm einen Druck nicht ganz richtig generiert, eine Regelung nicht unterstützt, oder eine Funktion schlicht nicht funktioniert.
Aber auch die inhaltliche Seite ist interessant: Man sichtet Feedback und fasst es zusammen, fragt gegebenenfalls explizit nach Feedback, und bereitet die Setzung vor. Bei letzterem kommen alle Informationen und Einschränkungen zusammen: Clashes, Feedback, Prioritäten und Ideen der CAs. Und auch wenn die CAs am Ende das letzte Wort haben, bringt man dies alles in der Diskussion ein und hat so einen wichtigen Einfluss auf die Setzung.
Man entlastet also die sehr beschäftigten CAs und lässt das Turnier insgesamt runder laufen. Außerdem bekommt man so ein sehr gutes Verständnis davon, wie CAs ticken, wie Turniere hinter den Szenen funktionieren, und was gute Jurierende ausmacht.
Das Geheimnis des guten Jurierens
Dieses Gesetz zieht sich wie ein goldener Faden durch die Jurierdiskussionen und das Feedback aller Jurierpreisträger:innen, Chefjurierenden und Mitglieder der Regelkommissionen und auch durch das Leben aller wahrhaft außergewöhnlichen Debattierenden.
frei nach the secret
So hat das Tabben natürlich meine Perspektive auf Jurieren und Qualitäten dort verändert. Die Hauptqualitäten einer Jurierperson sind, dass sie Beobachtungen und Abwägungen in die Jurierdiskussion einbringt und dann im Panel die bestmögliche Entscheidung trifft, d.h. auch bereit ist, sich überzeugen zu lassen.
Das erfordert eine Balance zwischen dem Verteidigen der eigenen Sicht auf die Debatte und der Evaluation und ggfs. Anpassung an andere Sichten. Eher unerfahrene Jurierende tendieren häufiger zu sehr in Richtung Anpassen (Jurorin X wird es schon besser wissen), einige wenige auch in Richtung stur bleiben. Beides ist nicht optimal für die Jurierung der Runde. Wenn jemand zu schnell einknickt fließt deren Sicht nicht in die Jurierung mit ein und kann sie somit auch nicht verbessern. Wenn jemand zu stur bleibt, blockiert das hingegen die Jurierdiskussion und frisst Zeit, die besser auf andere Abwägungen hätte verwendet werden können.
Dennoch ist der wichtigste Punkt: Erklärt eure Sicht, wenn ihr gefragt werdet, und schließt euch nicht sofort der Meinung des Chairs an.
The Show must go on
Trotz aller Sorgfalt gehen manchmal Dinge schief. Der Klassiker sind natürlich Clashes, die jemand vergessen hat („Ja aber ihr wisst doch, dass ich früher bei Club X war“). Auch prüfen einige Teilnehmende ihre Breakberechtigung nicht richtig. In meiner Arbeit ist das sowohl für den offenen Break als auch für die Kategorie Deutsch als Fremdsprache vorgekommen.
Wenn nach der Themenverkündung eine Jurierperson nach vorne kommt und einen neuen Clash angibt, kann die gesamte Setzung durcheinandergeworfen werden. Die teilweise in langer Diskussion optimierte Setzung muss jetzt innerhalb weniger Minuten mit wenigen Änderungen und ohne offene Diskussion angepasst werden.
Bei der Breakberechtigung ist das noch nerviger, da die Zusammensetzung der KO-Runden beeinflusst wird, was wiederum die möglichen Jurierenden beeinflusst.
Wie werde ich denn jetzt Tabmaster:in?
Wenn ihr nach all dem stärker interessiert als abgestoßen seid, solltet ihr es selbst mal ausprobieren! Als Beirat für Tabbing führe ich eine Liste mit Leuten, die an der Ausbildung interessiert sind und vermittle sie an Clubs, die insbesondere größere Turniere ausrichten. Wenn ihr interessiert seid oder einfach Fragen habt, kontaktiert ihr mich gerne auf dem nächsten Turnier, via E-Mail an tabbing [at] vdch [dot] de oder per WhatsApp (fragt in eurem Club, meine Handynummer stelle ich nicht offen ins Internet).
Auf der frisch überarbeiteten Seite zu Tabbing im VDCH-Wiki findet ihr auch weitere Informationen zu den beiden gängigen Tabprogrammen und einen ausführlichen Guide, den ich für angehende Tabmaster:innen geschrieben habe.
Glossar
- Break (Teambreak, Jurierendenbreak): Entscheidung, welche Teams / Jurierende an den K.O.-Runden (Halbfinale, Finale etc.) teilnehmen (oder, bei Jurierenden, gut genug wären, aber aufgrund von Clashes nicht gesetzt werden können); auch: Liste der Teams / Jurierenden, die in K.O.-Runden teilnehmen etc.
- breaken, gebreakt werden: Es in den Break schaffen bzw. für den Jurierendenbreak ausgewählt werden
- CA: Chief Adjudicator oder Chefjuror:in, für die sportliche Leitung und Themensetzung des Turniers verantwortlich
- Chair: Hauptjuror:in, Person, die die Debatte und Jurierdiskussion leitet und das Feedback gibt.
- Clash: Angabe, dass eine Person nicht von einer anderen Person juriert werden kann. Kann durch (frühere) Clubzugehörigkeit oder persönlich (z.B. Beziehung) begründet sein
- Wing: Nebenjuror:, Person, die eine Debatte juriert, aber nicht Chair ist.

Josef Hoppe debattiert seit April 2019 in Aachen und ist dort seit 2020 im Vorstand. Er hat mehrere Turniere organisiert, darunter die kommende Campus-Debatte Aachen 2026, ist Chefjuror der DDM 2026 Heidelberg, und ist seit der CD Göttingen 2023 als Tabmaster aktiv. Er ist VDCH-Beirat für Tabbing und hat letztes Jahr die DDM in Berlin getabbt.
Das Mittwochs-Feature: Mittwochs veröffentlicht die Achte Minute ab 10.00 Uhr oftmals ein Mittwochs-Feature, worin eine Idee, Debatte, Buch oder Person in den Mittelpunkt gestellt wird. Wenn du selbst eine Debatte anstoßen möchtest, melde dich mit deinem Themen-Vorschlag per Mail an team [at] achteminute [dot] de.
jh/aeh.