„Nennt ihn, wie ihr wollt“: Feel-Good Officer Melina Liethmann und Philipp Schmidtke im Gespräch

Datum: 24. Juni 2015
Redakteur:
Kategorie: Menschen, Mittwochs-Feature

Bei der Deutschsprachigen Debattiermeisterschaft (DDM) 2015 in Münster kam eine neue Rolle zum Einsatz: Der Feel-Good Officer, ausgefüllt durch Philipp Schmidtke und Melina Liethmann. Die beiden verbanden Aufgaben eines Equity Officers und der Teilnahmebetreuung. Auf Facebook hatte es zu der Rolle im Vorfeld eine lange Diskussion gegeben, in der es auch grundsätzlich um den Stellenwert von Equity ging. Für die Achte Minute sprach Jonas Huggins mit Melina und Philipp.

Schmidtke Liethmann Feel-Good Officer DDM 2015 Münster

(c) Team Pretty Pictures

Achte Minute: Konntet ihr nachts gut schlafen, oder wurdet ihr oft von euren klingelnden Handys geweckt?

Philipp: Ich habe die Nachtschichten übernommen, aber so viele Anrufe gab es da nicht. Einmal hat sich allerdings jemand spät nachts gemeldet, weil er ein USB-Ladegerät haben wollte.

Melina: Ich konnte immer durchschlafen – etwa drei bis vier Stunden pro Nacht. Am Tag hat mich das ganze Adrenalin wach gehalten. Es gab stets einen positiven Druck, der mich angetrieben hat. So kam Müdigkeit erst abends auf und morgens hatte ich kein Problem aufzustehen. Am Montag habe ich aber den ganzen Tag geschlafen.

AM: Was war denn die ungewöhnlichste Bitte, die euch erreicht hat?

Philipp: Direkt am Anfang hat uns eine höherrangige Person aus dem Organisationsteam gefragt, ob wir Socken besorgen können.

AM: Und… konntet ihr das?

Philipp: Na klar, das haben wir bei den Logistikern in Auftrag gegeben und am nächsten Tag waren die Socken da.

AM: Wart ihr auch dafür zuständig, die Bewohner des Tabraums aufzumuntern?

Philipp: Es gab mit Christoph Saß einen eigenen Beauftragten nur für den Tabraum. Abgesehen davon war Jannis aus Freiburg Tabmaster. Das ist ein großartiger Mensch, der leicht zufrieden zu stellen und genügsam ist.

AM: Die DDM liegt nun über zwei Wochen zurück. Würdet ihr den Job wieder machen?

Melina: (überlegt)…ja. Am Anfang war es schwierig. Mir war wegen den Diskussionen, die es vorher gab, mulmig zumute. Ich hatte Angst, dass die Leute nicht mit uns reden wollen würden. Dann kam unsere Arbeit aber super gut an. Wir haben erreicht, dass das Turnier möglichst schön und angenehm wurde, indem wir uns nicht nur um Probleme, sondern auch um die kleinen Dinge gekümmert haben: Socken, Sonnencreme, Nasenspray, Kopfschmerztabletten, Picknickdecken, …

Philipp: Wir haben sogar Zahnbürsten vergeben – auch Orga-intern. Und Allergietabletten, die gingen richtig gut weg.

AM: Das Deo auf dem Klo – stammt das auch von euch?

Melina: Das war von Teresa. Sie hat an super viele Kleinigkeiten gedacht. Solche Dinge, die niemanden ärgern würden, wären sie nicht da, die aber die Leute freuen. Es ist Luxus, das Turnier im kleinsten Teil perfekt zu machen.

Philipp: Auch die Picknickdecken hat die Cheforga besorgt. Das war das Tolle: Das Turnier war so gut geplant, dass wir alles problemlos umsetzen konnten. Es gab genug Geld, es gab genug Helfer mit ausreichend Zeit, die Socken kaufen konnten, weil das Wasser schon da war. Wir waren zwar nominell die Feel-Good Officer, geholfen hat aber der ganze Club. Wenn Jonas und Teresa also wieder die Cheforganisatoren sind, mache ich den Job gerne noch einmal.

(c) Team Pretty Pictures

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AM: Da sich manche im Vorfeld am Namen gestört hatten: Wenn die Aufgabe auf der nächsten DDM wieder besetzt wird, sollte sie dann weiterhin Feel-Good-Officer heißen?

Philipp: Nennt ihn, wie ihr wollt. Wichtig ist der Spirit. Es war richtig gegriffen, dass wir dazu da waren, Probleme auf jedem Level anzugehen, ob wichtige oder eher unwichtige Sachen. Wie man das am Ende nennt, finde ich relativ egal.

Melina: Das glaube ich auch. Es kommt auf die Philosophie an. Wir haben uns um alles gekümmert, was mit Wohlbefinden zu tun hat. Der Name spielt letztlich keine Rolle.

AM: Auf der letzten DDM gab es einen Equity Officer, der im Unterschied zu den Equity Officers in der internationalen Szene aber keine eigene Sanktionsbefugnisse hatte. Habt ihr die gleiche Aufgabe übernommen, nur unter einem anderen Namen?

Melina: Equity-Fragen waren auch Teil unserer Aufgabe. Die Leute kamen auch mit anderen Problemen auf uns zu als Sonnencreme und dergleichen. Es wurde vorher angekündigt, dass man uns zu solchen Themen ansprechen kann. Das wurde auch wahrgenommen.

AM: Wird in der deutschen Szene das Thema Equity zu ernst genommen oder nicht ernst genug?

Philipp: Das ist schwierig. Es haben sich bei der Diskussion um Equity zwei Lager gebildet. Ich denke, dass die Idee von allen als richtig anerkannt wird, aber einige Angst vor einem „overreach“ in Form mächtiger Politoffiziere haben. Das entspräche gar nicht der Idee von Equity. Daher glaube ich, dass man hier Strohmänner bekämpft. Dass alle Teilnehmer sich auf Turnieren wohlfühlen wollen, will ja keiner abstreiten, es ist nur auch richtig, dass sich das nicht mit Gewalt durchsetzen lässt.
Für uns ist das Wort Equity durch die Diskussion verbrannt, zu negativ besetzt. Auch im englischen Raum gibt es Diskussionen: Dort wird die Idee von „Safe Spaces Debating“ argwöhnisch beobachtet. Wir wollten uns von diesen Diskussionen distanzieren. Wir wollen niemandem das Wort verbieten, und gleichzeitig kein Problem klein reden.

Liethmann Feel-Good Officer (c) Team Pretty Pictures

 (c) Team Pretty Pictures

Melina: Ich halte unsere Lösung für einen guten Kompromiss. Eine Anlaufstelle – ja, aber ohne die Fähigkeit, Sanktionen aussprechen zu können. Wir wollten die Aufgabe auch nicht zu einer Institution machen. Der Gedanke von Equity, dass es allen gut gehen soll, ist super wichtig. Es soll aber auch niemand, überspitzt gesagt, Angst vor uns haben müssen.
Die Realität ist, dass wir in Debattierdeutschland durch Freundschaften miteinander verbunden sind. Deshalb wollen wir Probleme auf der Freundschaftsebene klären, anstatt ihnen einen institutionellen Charakter zu geben. Eine Institution wie die des Equity Officers wäre anderen Personen übergeordnet und das wollen wir nicht.

AM: Zurück zur DDM: Was war für euch der schönste Moment des Turniers?

Melina: Am schönsten fand ich den Gala-Abend. Dort gab es keinen Stress, keine Vorrunden, keine Anspannung. An diesem Abend waren alle am glücklichsten und deshalb hatte auch ich den meisten Spaß. Wir konnten einfach locker den Abend genießen.

Philipp: Für mich war es am schönsten zu sehen, wie groß der Club geworden ist. Es war eine wirklich coole Erfahrung, als am Gala-Abend über 40 Helfer ihren wohlverdienten Applaus erhalten haben.

AM: Um die Teilnehmer bei den hohen Temperaturen abzukühlen, habt ihr eine Gießkanne beschafft und besonders gestaltet. Was ist aus ihr geworden?

Philipp: Die ist wohl in den Clubbestand übergegangen – und beim Treffen der Helfer nach dem Turnier haben wir aus ihr noch Jakka getrunken.

AM: Vielen Dank für das Gespräch!

Melina: Wir möchten uns unbedingt bei den Teilnehmern bedanken. Ohne die tollen Teilnehmer hätten wir nicht vier Tage lang so viel Spaß gehabt.

hug/ama

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Melanie Liethmann debattiert seit Oktober 2013 und ist zweite Vorsitzende des Debattierclubs Münster. Derzeit studiert sie noch Jura, plant jedoch einen Wechsel zu Kommunikationswissenschaften und Politik. Nebenbei arbeitet sie in einem Spielzeugladen und für das Campusradio.

Philipp Schmidtke gehört dem Debattierclub Münster schon seit 2008 an, ist aber erst seit den Weltmeisterschaften in Berlin 2013 auf Turnieren aktiv. Er ist Westdeutscher Meister 2015 und gewann den Gutenberg-Cup 2014. Beim HeidelBäm 2014 und dem Nikolaus- und Ironman-Turnier 2014 war er Chefjuror. Seit zwei Jahren ist er Koordinator der Freien Debattierliga. Er arbeitet als Rechtsreferendar am Landgericht Münster.

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1 Kommentare zu “„Nennt ihn, wie ihr wollt“: Feel-Good Officer Melina Liethmann und Philipp Schmidtke im Gespräch”

  1. Konrad Gütschow sagt:

    Schönes Interview, coole Leute <3

Kommentare sind geschlossen.

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