Berufungsverfahren für die Chefjury der DDM 2018 vorgestellt

Datum: 6. Oktober 2017
Redakteur:
Kategorie: Ausschreibung, Jurieren, ZEIT DEBATTE

Wie vom Ausrichter angekündigt, wird die Chefjury für die DDM 2018 in Jena per Auswahlverfahren bestimmt werden. Zu diesem Zweck haben die Ausrichter den Jenaer Jonathan Scholbach, DDM-Chefjurorin 2017 Pegah Maham und DDG-Mitglied und Mitglied früherer Kommissionen Lukas Haffert als Berufungskommision eingesetzt. Diese möchten der Szene gerne im Folgenden ihr angedachtes Verfahren erklären:

DDM Jena 2018 logoIn den kommenden Tagen werden wir, die Berufungskommission für die Chefjury der DDM 2018, das Berufungsverfahren eröffnen. In diesem Artikel möchten wir gerne unser Vorgehen erklären und erläutern, warum wir uns für dieses Verfahren entschieden haben. Dabei stellen wir zunächst dar, welchen Kriterien die Chefjury der DDM 2018 genügen soll, ehe wir den Prozess vorstellen, der zur Auswahl dieser Jury führen soll.

Wichtigster Leitsatz unserer Auswahlkriterien ist, dass wir ein Team nominieren, und keine Individuen. Das heißt, dass kein Mitglied der Chefjury alle im Folgenden genannten Eigenschaften und Kompetenzen auf sich vereinen muss. Vielmehr streben wir an, dass das Team als Ganzes diese Fähigkeiten abbildet. Aus diesem Grund glauben wir, dass die Vielfalt eines Teams ein eigenständiges Indiz für eine gute Zusammensetzung sein kann. Wir wollen eine Chefjury nominieren, die unterschiedliche Fähigkeiten und Perspektiven zusammenbringt.

Konkret streben wir an, dass folgenden Eigenschaften und Kompetenzen im Team vertreten sind:

Debattierkompetenzen

  • Kreativität und Gewissenhaftigkeit bei der Themenauswahl
  • Hohe Jurierkompetenz
  • Fähigkeit zum Management eines großen Jurorenpools

Team- und Managementkompetenzen

  • Soziale Kompetenzen (Kommunikationskompetenz, Kritikfähigkeit, Reflexionsvermögen)
  • Gute Vernetzung in der Szene
  • Entschlussbereitschaft und Durchsetzungsfähigkeit (als Team)

Einstellung

  • Engagement für und Identifikation mit dem Turnier
  • Ehrlichkeit, Unparteilichkeit
  • Verantwortungsbewusstsein, Gewissenhaftigkeit
  • Beitragen zu einer guten Turnieratmosphäre (z.B. Respekt und Aufgeschlossenheit gegenüber allen TurnierteilnehmerInnen)
Die Finaljury der Jenaer Adventsdebatten, v.l.n.r.: Helen Goppelt, Jan-Gunther Gosselke, Pegah Maham, Jonathan Scholbach, Florian Umscheid - © Eva Oehrmann

Die Finaljury der Jenaer Adventsdebatten, in der Mitte Pegah Maham (l) und Jonathan Scholbach (r) – © Eva Oehrmann

Erfahrung mit der Chefjurierung großer Turniere ist kein eigenständiges Kriterium, aber ein Indikator für diese Kriterien.

Um ein Team zu finden, das diese Eigenschaften und Kompetenzen vereint, wird unser Auswahlprozess aus drei Schritten bestehen:

  1. Einer Vorschlagsphase, in der alle Mitglieder der deutschsprachigen Debattierszene Mitglieder der Chefjury vorschlagen können. Ein Selbstvorschlag ist hierbei nicht vorgesehen.
  2. Einer Inputphase, in der wir vorgeschlagene DebattiererInnen bitten, uns einige Fragen zu ihrer Person zu beantworten und ihre Ideen für die DDM 2018 mit uns zu teilen.
  3. Einer Feedbackphase, in der wir früheren Co-ChefjurorInnen, Tabmastern und TurnierorganisatorInnen einen Fragebogen zuschicken und sie bitten, ihre Erfahrungen mit den jeweiligen KandidatInnen mit uns zu teilen.

Dieses Vorgehen ist sowohl von den Vorschlägen des Jurier-Think-Tanks als auch von unseren eigenen Erfahrungen mit der Arbeit in Auswahlkommissionen und Chefjurys geprägt. Im ersten Schritt wollen wir eine möglichst breite Übersicht darüber bekommen, wer potenzielle KandidatInnen für die Chefjury sind. Wir glauben, wer die Chefjury bereichern würde, können weder wir als Kommission, noch die möglichen KandidatInnen am besten einschätzen, sondern die Szene selbst.

Im zweiten Schritt werden wir die vorgeschlagenen KandidatInnen bitten, uns einen Fragebogen auszufüllen, in dem sie kurz ihre Jurierbiographie beschreiben und einige Fragen zu ihren Vorstellungen für die DDM 2018 beantworten.  Wir werden die Chefjury aus allen Personen auswählen, die diesen Bogen ausfüllen und hoffen, dass die Tatsache, von anderen Debattierern nominiert worden zu sein, möglichst viele Nominierte genau dazu motiviert.

Manuel Adams, Pegah Maham und Lukas Haffert (v.l.) gewinnen den Reedhoven-Cup 2014 in Bonn - © Stefan Kegel

Manuel Adams, Pegah Maham und Lukas Haffert (v.l.) gewannen den Reedhoven-Cup 2014 in Bonn – © Stefan Kegel

Im dritten Schritt wollen wir Feedback einholen, das uns erlaubt, mehr über die ChefjuroInnen “bei der Arbeit” zu lernen. Deshalb sprechen wir dafür gezielt die Menschen an, die als TabmasterInnen, ChefjurorInnen und TurnierorganisatorInnen bereits mit den Vorgeschlagenen zusammengearbeitet haben. Wer Chefjurys nur aus der RednerInnen- oder JurorInnenperspektive erlebt, kann nur zu den Ergebnissen ihrer Arbeit Feedback geben, nicht aber zum Arbeitsprozess. Dieses Feedback kann wichtig sein, aber aus unserer Sicht ist es – zumal wenn es negativ ist – oft nur schwer zu interpretieren. Deshalb wollen wir von TeilnehmerInnen vor allem positives Feedback abfragen, was wir durch den Nominierungsprozess tun. Das Feedback der TabraumkollegInnen kann uns dagegen Einblick darin geben, welche Stärken und welche Schwächen die einzelnen Personen im gesamten Arbeitsprozess haben. Dieses Feedback ist uns angesichts der oben formulierten Auswahlkriterien besonders wichtig.

Wir sind optimistisch, dass es uns gelingen wird, mit diesem Verfahren eine erstklassige Chefjury zusammenzustellen und hoffen auf eure rege Beteiligung an den einzelnen Schritten des Verfahrens!

 

Hier ist der Zeitplan für das Verfahren:

 

Bis 19.10. Vorschlagsphase

20.10.-04.11 Fragebogenphase

05.11.-17.11 Feedbackphase

20.11. Bekanntgabe der Chefjury für die DDM 2018

 

lok.

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44 Kommentare zu “Berufungsverfahren für die Chefjury der DDM 2018 vorgestellt”

  1. Witthaut sagt:

    Huhu, an welche Adresse sendet man denn Vorschläge? 🙂

    1. Johannes M. (Bamberg) sagt:

      Ich nehme an, es wird demnächst eine Mail rumgehen.

  2. Lennart Lokstein sagt:

    Was ich mir noch überlegte: Wäre nicht auch ein zusätzliches Feedbacksammeln von der Szene allgemein eine sinnvolle Ergänzung zu denen der Zusammenarbeitenden?

    Oft gibt es ja Gründe, warum man z.B. jemanden gerade NICHT zu seinem eigenen Turnier eingeladen hat, die auch für die Entscheidung der Kommission interessant sein könnten. Dabei kann es z.B. um respektlosen Umgang mit Teilnehmern, unschöne Erfahrungen beim gemeinsamen Jurieren einer Runde und viele andere Dinge gehen, von denen Ausrichter, Tabmaster und Co-Chefjuroren auf einem anderen Turnier sehr wahrscheinlich nichts mitbekommen haben, die eine Person dann letztlich als CJ dahatten. und die auch nicht auf jedem Turnier auftreten müssen, für eine DDM als Risikofaktor aber einbezogen werden sollten.

    1. Die Berufungskommission sagt:

      Über diese Frage haben wir in der Kommission auch ausführlich diskutiert. Letztlich liegt der Grund, warum wir uns jeweils dagegen entschieden haben, darin, dass wir versuchen wollen, eine Balance zwischen zwei Zielen zu finden – in unseren Augen handelt es sich hierbei um eine Abwägung zwischen einerseits Informationszugewinn und anderererseits Abschreckung potentieller KandidatInnen. Insbesondere weil sich der Informationsmehrwert in unseren Augen eher in Grenzen hält, haben wir uns gegen eine allgemeine Feedbackmöglichkeit entschieden. Wir denken, dass unter anderem folgende Faktoren den Informationsmehrwert schmälern:

      A) Dieses Feedback neigt automatisch dazu, sich auf konkrete Juriererfahrung zu beziehen. Wir betonen in unseren Kriterien aber sehr bewusst die viel größere Bedeutung „Tabraumarbeit“ einer Chefjury. Deshalb wollen wir auch Feedback, das sich darauf bezieht, in den Mittelpunkt stellen.
      B) Szenefeedback ist subjektiv-anekdotisch. Handelt es sich um einen Ausrutscher oder um ein systematisches Problem? Wenn es systematisch ist, sollten wir es auch mit unserem Feedbackverfahren erfahren. Wenn nicht, ist unklar, wie wir es bewerten müssen.
      C) Es besteht die Gefahr einer Verzerrung durch Selbstselektion der Feedbackgeber. Hat jede negative Erfahrung dieselbe Chance uns zu erreichen? Wir vermuten, dies hängt stark davon ab, wer diese Erfahrung gemacht hat.
      D) Wir haben keine etablierte Kultur für derartiges Feedback. Auf Turnieren hat sich durch Feedbackbögen mittlerweile eine Kultur konstruktiven Feedbacks für Juroren etabliert. Für Chefjuroren haben wir eine solche Kultur nicht.

      All dies schränkt aus unserer Sicht ein, wie nützlich solches Feedback für unsere Auswahl ist. Gleichzeitig sehen wir aber die Gefahr, dass ein solches Feedbackverfahren unseren KandidatInnenkreis insgesamt verkleinert. Es ist nicht jedermanns Sache, sich dem „Tribunal“ der Szene auszusetzen, und wir glauben auch nicht, dass diese Bereitschaft ein gutes Auswahlkriterium ist. Ein vollöffentliches Feedbackverfahren würde auch voraussetzen, dass wir eine Liste mit KandidatInnen öffentlich machen, damit sich jedes Szenemitglied zu jedeR KandidatIn äußern kann. Das erzeugt den Charakter eines Wettbewerbs, der „GewinnerInnen“ und „VerliererInnen“ erzeugt. Genau diesen Eindruck möchten wir gerne vermeiden, weil er Leute, die die Chefjury sehr bereichern könnten, davon abhalten kann, sich überhaupt nominieren zu lassen.

    2. Lennart Lokstein sagt:

      Ich widerspreche, vehemenst, und bitte um Neubedenken.
      Ich gehe auf die einzelnen Fälle ein:

      A) Sicherlich ist Tabraumarbeit wichtig. Sie hat eine „größere Bedeutung“, meinetwegen. Das heißt nicht, dass der Rest egal wäre. Warum stellt man nicht also wie geplant die Tabraumarbeit in den Mittelpunkt, ergänzt aber gegebenfalls weitere Information? Über deren Sinnhaftigkeit wird es im Folgenden gehen.

      B) Szenefeedback ist subjektiv-anekdotisch? Ich sehe ehrlich gesagt genau einen Unterschied zum Feedback „der Szene“ und dem „der Kollegen“: Es sind vollkommen unterschiedliche Erfahrungen. Beide sprechen aber von (Un-)Fähigkeiten, die ein Chefjuroren auszeichnen oder eben nicht. Wenn systematisch jemand schlechtes Feedback gibt oder merkwürdige Metriken anlegt kommt das aus vielen „Anekdoten“ aufgrund derer Anzahl heraus. Ebenso bei besonders positiven Erfahrungen mit besonders hilfreichem Feedback oder sehr guter Jurierdiskussionsmoderation. Das bekommen „die Kollegen“ aber halt genau deshalb nicht mit, weil sie weder auf dem Turnier reden noch im gleichen Raum jurieren! Wenn Feedback in die eine oder andere Richtung nur spärlich eingeht, kann man das schwächer gewichten – oder bei krasser Selektion nachfragen. Was nämlich die Kollegen nicht mitbekommen, sind zwei (reale!) Anekdoten die man als Delegationsmitglied mitbekommt, aber sonst niemand, weil die betreffenden Personen den Vorfall nicht an die große Glocke hängen wollen – er ist aber SEHR relevant für die Entscheidung zur Besetzung eine Chefjury. Hier also zwei Beispiele aus den Abgründen, die eben nicht jeder mitbekommt und die auch als Einzelfall zwingend einbezogen werden sollten:
      Fall 1: Ein Redner raunt vor der Debatte einer Rednerin des anderen Teams beim Betreten des Raums zu „Übrigens, wenn du redest stelle ich mir immer vor wie du nackt über dem Pult liegst und ich dich nehme.“ Wollte die Person das damals öffentlich aufarbeiten? Nein. Sollte die Person chefjurieren? Laut eurer Meinung scheinbar schon, weil es ja individuell nur einmal und öffentlich gar nicht vorkam und zudem nicht im Tabraum? Wtf?!

      Fall 2: Ein Clubmitglied weigert sich, auf Turniere zu fahren, weil es dort auf eine Person B treffen könnte, die konstant nicht einsehen möchte, dass Person A kein Interesse an ihr hat und sie mehrfach unangemessen kontaktiert hat, auch auf Facebook usw. – und anscheinend nicht nur diese Person. Nun möchte man vielleicht auch Personen, die keine Privatsphäre oder Grenzen der Kontaktaufnahme verstehen oder respektieren nicht unbedingt in der Position der Chefjury sehen, in der sie sich dann – wie immer ohne Wissen ihrer Kollegen, die sowas „im Tabraum“ eben nicht mitbekommen – „zufällig“ neben Personen setzen lässt, die sie gerade attraktiv finden, und mit denen sie dann „noch reden“ müssen.

      Mich würde SEHR interessieren, warum die Berufungskommission, bei der ich personell eigentlich auf einen verantwortungsvollen Umgang mit solchen Problemen zu hoffen geglaubt hatte, solche Informationen irrelevant findet. Ernsthaft, wtf?!

      C) In einem anderen Kommentar schreibt ihr, „die Expertise in der Szene ist so hoch, dass wir davon ausgehen, dass alle geeigneten Leute auch ohne Selbstvorschlagsrecht vorgeschlagen werden.“ Wenn ihr also an eine so gut vernetzte und informierte Szene glaubt, dass jeder vorgeschlagen wird, warum sollte dann nicht auch jeder die Möglichkeit haben, Feedback zugeben? Zumindest die „Experten“ (im Wesentlichen einfach alle Leute, die viel unterwegs und präsent sind) wissen Bescheid, und deren Feedback ist sicher auch das Relevanteste. Viel Information ist nicht so gut wie sämtliche Information, aber deutlich besser als keine!

      D) Lukas, Mitglied der Kommission, aber auch Pegah und Jonathan, können sicher auf die Erfahrungen VORIGER Kommissionen, die es durchaus gab, zurückgreifen. Es ist falsch zu behaupten, eine derartige Kultur gäbe es nicht, für die DDM wurde sie lediglich ein Jahr unterbrochen. Selbst wenn es aber keine gäbe, wäre das kein Argument dagegen, eine einzuführen. Vor zehn Jahren wurden Chefjurys der DDM rein vom Ausrichter zusammengemauschelt. Vor einigen Jahren hatten wir abseits der DDM praktisch nur mündliches Jurorenfeedback von den CJ-Buddies. Alle diese Dinge wurden irgendwann eingeführt, WEIL SIE SINNVOLL SIND. Und im vorliegenden Fall von CJ-Berufungsfeedback aus der Szene wurde das auch schon vor Jahren getan. Ich finde es enttäuschend von einer Chefjury-Berufungskommission, sich auf eine Begründung zurückzuziehen, die im Kern generisch lautet „Das haben wir ja noch nie so gemacht“.

      Und letztlich noch

      E) Leute trauen sich nicht, sich zu bewerben, weil „Charakter eines Wettbewerbs“? Also erstmal ist es faktisch ein Wettbewerb. Zweitens wäre es von diesen Leuten äußerst naiv zu glauben, dass die Bewerbung das „Tribunal“ der Szene wäre. Die Chefjuroren der letzten Jahre können glaube ich geschlossen bestätigen, dass das eigentliche Tribunal die Arbeit ist, die man auf und vor dem Turnier leistet, und wer nicht damit zurecht kommt, dass ihn möglicherweise Leute haten, weil sie ein Thema nicht mögen (und das wird, so ungerecht das ist, vermutlich bei jedem einzelnem Thema durch irgendwen passieren)! Wenn jemand bereits durch Feedback aus der Szene von einer Bewerbung abgehalten wird, tut ihr dieser Person sicher keinen Gefallen damit, ihr einen safe space DDM-Chefjury vorzugaukeln, wenn am Ende das eigentliche Tribunal der Szene wartet – zu einem Zeitpunkt, zu dem man auch nicht mehr aussteigen kann.

      Ich würde also sehr stark präferieren, wenn ihr das nochmal überdenkt. Und ja, die Fälle unter B haben sich exakt so real zugetragen.

    3. Die Berufungskommission sagt:

      Vorab: Für positives Feedback gibt es in unserem Verfahren bereits umfassenden Raum, denn genau dafür haben wir ja den Nominierungsprozess. Wenn ihr uns positives Feedback zu Personen geben wollt, nominiert sie und erklärt warum!

      Wir haben uns für das oben beschriebene Verfahren entschieden, weil wir befürchten, dass ein öffentliches Feedbackverfahren Leute davon abhalten könnte, sich an der Ausschreibung zu beteiligen. Das halten wir für eine völlig legitime Entscheidung und wir glauben auch nicht, dass diese Entscheidung irgendetwas über die Eignung von Personen als Chefjuror*in aussagt. Deshalb wäre eine solche Entscheidung aus unserer Sicht ein großer Schaden.

      Auf das Feedback der Szene zu verzichten, stellt zweifellos auch einen Schaden dar. Wir glauben aber, dass dieser Schaden bezüglich der von uns als Debattier-, Team- und Managementkompetenzen bezeichneten Fähigkeiten aus den oben genannten Gründen verhältnismäßig gering ist. Das Feedback, das in dieser Hinsicht wirklich wertvoll ist, lautet eben meistens „Ich habe mal mit X zusammengearbeitet und…“. In der Abwägung der beiden möglichen Schäden haben wir uns deshalb entschieden, diesen Schaden in Kauf zu nehmen.

      Lennarts zweiter Kommentar stellt demgegenüber den Themenkomplex „Einstellung“ in den Mittelpunkt. Hier stimmen wir zu, dass das von uns geplante Verfahren problematisch sein kann. Auch ein einziges Feedback aus Teilnehmersicht kann hier großes Gewicht haben. Das verändert die Abwägung, weil der potentielle Schaden durch ein fehlendes Feedback hier größer ist. Insofern stimmen wir zu, dass wir diesen Punkt wohl unterschätzt haben. Wir haben uns deshalb bemüht, Wege zu finden, die beide Schäden vermeiden.

      Ob der Schaden, den wir in unserer Abwägung betont haben, existiert, können wir nicht vorher wiessen. Es ist ja denkbar, dass keine/r der Kandidat*innen ein Problem damit hat, wenn die Namen der Kandidat*innen veröffentlicht werden und es ein allgemeines Feedback gibt. Wir werden die Kandidat*innen im zweiten Schritt des Verfahrens deshalb danach fragen. Wenn alle mit der Veröffentlichung einverstanden sind, werden wir die Liste im dritten Verfahrensschritt veröffentlichen und um das Feedback der Szene bitten. Sollte dagegen mindestens eine Person nicht mit der Veröffentlichung der Liste einverstanden sein, werden wir sie nicht veröffentlichen.

      In diesem Fall werden wir stattdessen einen Feedbackprozess ermöglichen, der ein größtes Maß an Vertraulichkeit garantiert, und allen Mitgliedern der Szene ermöglicht, uns Situationen, wie die von Lennart geschilderten, mitzuteilen. Die Vertraulichkeit wird mithilfe asymmetrischer Verschlüsselung hergestellt werden. Das Verfahren stellt folgende Prinzipien sicher: (Der Einfachheit halber möge jeweils N die Person bezeichnen, die ein Feedback erhält, und G die Person, die das Feedback gibt. P bezeichne diejenigen Personen aus N, welche die Berufungskommission in die Chefjury berufen möchte)

      1. Ist ein Feedback zu einer Person P eingegangen, so erhält und berücksichtigt die Berufungskommission dieses Feedback, bevor sie die Chefjury beruft.
      2. Zu solchen Feedbacks, die zu Personen N eingehen, die nicht zu P zählen, kann niemand (außer der Feedback gebenden Person G) jemals die Identität von N erfahren, noch den Inhalt des Feedbacks, noch – sofern die einreichende Person G das wünscht – die Identität der Person G.

      Die technischen Details, wie wir das umsetzen würden, ersparen wir euch hier erstmal. Falls es gewünscht wird, gehen wir aber gerne noch detaillierter darauf ein.

  3. Florian Prischl sagt:

    Ist in diesem Zusammenhang „Berufung“ ein in Deutschland übliches Wort? In Österreich ist das natürlich nicht unbekannt („sie wurde zur Chefin von XY berufen“/“er folgte seiner Berufung an die AB Universität“), aber „Berufungsverfahren“ und „Berufungskommission“ rufen im österreichischen Deutsch wohl eher Assoziationen mit Rechtsmittelverfahren (sei es in der Justiz oder vor Verwaltungsbehörden) hervor.

    1. Jonathan Scholbach sagt:

      Im wissenschaftlichen Zusammenhang ist eine Berufungskommision ein Gremium zur Auswahl eine*r Professor*in.

    2. Florian Prischl sagt:

      Aja! Danke, Jonathan.

  4. Peter G- sagt:

    „Beitragen zu einer guten Turnieratmosphäre“

    Ich zitiere Marc-Uwe Kling ‚Das Känguru-Manifest:
    “Nächster Satz”, sagt das Känguru.
    Sie liest: “In den fünf Tagen, die es tatsächlich bei uns gearbeitet hat, hatte es
    allerdings durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas beigetragen.”
    “Hä?”, frage ich verwundert.
    “Das ist ein Code für übertriebenen Alkoholkonsum”, sagt die Frau.
    “Du hast gesoffen auf Arbeit?”, frage ich.
    “Ich kann das verstehen”, sagt die Frau[…].

    1. Leonardo (HH) sagt:

      Ich sage es dir, wenn man Samstagabend nach einem anstrengenden Tag noch den Break vorbereiten muss, dann kommen Caipirinhas im Tabraum ziemlich gut an.

    2. Elin sagt:

      Gütesiegel: Witzig! 🙂

  5. Elin sagt:

    @Berufungskommission: Gibt es einen Grund bzw. ein Argument dafür, dass es kein Selbstvorschlagsrecht gibt. Oder ist dieses nur in der ersten Phase nicht vorgesehen und zu einem späteren Zeitpunkt möglich?

    1. Christian (MZ) sagt:

      Naja, wer Interesse hat, findet bestimmt jemanden im eigenen Club, der ihn vorschlägt 🙂

    2. René G (Rederei Heidelberg) sagt:

      Wenn „wer Interesse hat, findet bestimmt jemanden im eigenen Club, der ihn vorschlägt“ die Lösung sein soll, dann stellt sich die Frage wozu es diese Regel überhaupt gibt.
      Entweder sie ist sinnvoll, warum auch immer, dann sollte sie nicht auf diese Weise umgangen werden oder sie ist es nicht, dann kann man sie zwar umgehen, aber eigentlich wäre es besser die Regel gar nicht aufzustellen.

    3. Die Berufungskommission sagt:

      Wir glauben, dass ein Selbstvorschlag nicht nötig ist. Die Szene verfolgt die Berufung der Chefjury so aufmerksam und die Expertise in der Szene ist so hoch, dass wir davon ausgehen, dass alle geeigneten Leute auch ohne Selbstvorschlagsrecht vorgeschlagen werden.

      Außerdem glauben wir, dass das Selbstvorschlagsrecht auch einen Schaden bringen würde: Erstens würde es die Bereitschaft der Szene unterminieren, Menschen für die Chefjury vorzuschlagen – weil dann alle davon ausgehen würden, dass man sich selbst vorschlägt, wenn man der Chefjury der DDM angehören möchte. Zweitens möchten wir nicht Menschen abschrecken, denen es vielleicht unangenehm ist, sich selbst vorzuschlagen. Wir glauben, dass die Bereitschaft dazu kein sinnvolles Kriterium für die Arbeit in der Chefjury ist. Hinzu kommt auch, dass es eine Wertschätzung bedeutet, vorgeschlagen zu werden. Diese Wertschätzung möchten wir allen Menschen im Verfahren gern zuteil werden lassen.

      Wegen dem als ersten genannten Grund kann man aber nicht das beste aus beiden Welten haben – Fremdvorschlag und Eigenvorschlag zu ermöglichen, brächte im Ergebnis nicht die Summe der einzelnen Varianten. Daher haben wir uns dafür entschieden, nur den Fremdvorschlag zuzulassen.

  6. Elin sagt:

    @Christian: Das ist sicher möglich, keine Frage. Dennoch stellt das eine Hürde dar und für manche ist das auch eine ganz individuelle private Entscheidung. Diesen Faktor wollte ich zumindest ansprechen. Meine Frage umfasst aber den Hintergrund, ob es gewollt ist, mit dem Verfahren Leute anzusprechen , die sich das bewusst überlegt haben eine DDM angehen zu wollen! und selbst! gute Gründe dafür angeben können. M.E ist das auch nicht unwichtig für eine ernsthafte Kandidatur. Aber natürlich, das würde auch die Phase einer offiziellen Bewerbung erfordern. Daher interessiert mich neben der anderen konstruktiven Kommentare auch die Begründung der Auswahlkommission! 🙂

  7. Leonardo (HH) sagt:

    Jetzt dass der Kriterienkatalog über den Verteiler geschickt wurde, möchte ich mich zu einiges äußern:

    (1) Jurierseminare sind gut. Gerne auch direkt vor Turnieren. Damit sie gelingen und große Lernerfolge gewährleisten, müssen sie gut organisiert sein und Trainer haben, die gut vorbereitet sind. DDM-Chefjuries sind wahrscheinlich kompetent genug, aber ich werde mal ganz krass vermuten, dass sie ein Tag vor der DDM besseres zu tun haben als ein Seminar abzuhalten. In der Zeit davor werden sie auch wenig Zeit haben, um den Vortrag und die Materialen vorzubereiten. Wenn sie sich freiwillig dazu bereit erklären, dann gut für sie und nur zu. Wenn aber die Chefjury selbst es nicht will, dann soll es bitte jemand anderes machen. Man hat schon so den Zeitplan, das Gehirn und die Nerven voll. Den Wunsch zu äußern, die Chefjury soll doch ein Jurierseminar abhalten, sprengt meiner Meinung nach den Rahmen des Machbaren. Seht euch den Rest des Dokumentes an, da wird bereits schon viel von der Chefjury verlangt.

    (2) Ich sehe den Wert von Casefiles und alles, ja, aber hier wird noch verlangt dass diese >>veröffentlicht<< werden. Jonathan ist bekanntlich ein großer Befürworter einer solchen Praxis und tut dies selbst freiwillig. Die Veröffentlichung von Casefiles ist allerdings noch eher die Ausnahme als die Regel, meistens weil die Chefjury sich dagegen entscheidet. Ein möglicher (aber nicht der einzige) Grund ist, dass Casefiles bloß nur einen Teil der Arbeit widerspiegeln, die in Themen investiert wird. Dies erzeugt (vor allem unter Laien) ein verzerrtes und übersimplifiziertes Bild von der Arbeit einer Chefjury, eine Arbeit die mehrere Monate lang war. Dass eine Chefjury sich in dieser Art nicht unnötig bloßstellen möchte, kann ich nachvollziehen. Die Veröffentlichung ist damit eine höchst persönliche Entscheidung.
    Meine Bitte wäre also, dass diese Entscheidung weiterhin bei der Chefjury bleibt und keine Bedingung ist für die Berücksichtigung im Auswahlverfahren.
    (Wer darüber streiten möchte, mag gerne Jonathans Artikel und die Kommentare unter dem Artikel über die ZD Oberfranken im Vorfeld lesen. Dann gerne unter diesem Kommentar posten)

    https://www.achteminute.de/20150422/sollten-chefjuries-casefiles-zu-den-turnierthemen-anlegen-und-veroeffentlichen-jonathan-scholbach-ueber-das-pro-und-contra-von-casefiles/

    https://www.achteminute.de/20150322/bremen-gewinnt-die-zeit-debatte-oberfranken/

    1. Andrea G. (Mainz) sagt:

      Unterschrieben. Ich finde es auch sehr problematisch, Casefiles auf diese Weise durchzudrücken. Außerdem finde ich, angesichts dieses Anforderungskatalogs sollte man langsam darüber nachdenken, DDM-Chefjuries zu bezahlen. Schon so hatte aufgrund des hohen Arbeitsaufwands praktisch keiner der DDM-CJ’s der letzten drei Jahre Lust den Job noch mal zu machen – und das ganz ohne verpflichtenden Anforderungskatalog und Case-File-Zwang.

    2. Barbara (HH) sagt:

      Ebenfalls volle Zustimmung, auch zu Sabrina unter 8.

      Die aufgestellten Kriterien-Kataloge nehmen der DDM-Chefjury nahezu jede kreative Gestaltungsfreiheit, die ein ganz erheblicher Teil dessen ist, was den Spaß an diesem Amt ausmacht. Ein Amt, das sich in den letzten Jahren auch ganz ohne einen solchen formalen Anforderungskatalog zu einem echten Nebenjob ausgewachsen hat mit einem Umfang von ca. 10 Stunden *pro Woche* für etwa ein halbes Jahr vor der DDM. In den letzten Jahren wurden immer Leute ausgewählt, denen genug vertraut wurde, dass sie für eine gute DDM sorgen.

      Die schriftliche Ausformulierung in einen formalen Anforderungskatalog seitens der Berufungskommission und der Orga lässt in meinen Augen nur zwei ernstliche Deutungsmöglichkeiten zu: Entweder ein Misstrauensvotum gegenüber den auszuwählenden Personen, ihr Amt ohne eine solche Gängelung nicht hinreichend ernst zu nehmen oder aber, wie auch Sabrina schon schrieb, ein Versuch, individuelle Politikinteressen an allen offiziellen und demokratischen Organen des VDCH – allen voran der MV – vorbei durchzusetzen. Beides finde ich völlig daneben.

      Zur Sinnhaftigkeit eines Zwangs zur Veröffentlichung von Casefiles möchte ich im Übrigen nur Lukas aus der von Leo genannten Debatte aus 2015 zitieren (Kommentar Nr. 14, https://www.achteminute.de/20150322/bremen-gewinnt-die-zeit-debatte-oberfranken/ ), da er die wichtigsten Probleme prägnant auf den Punkt bringt:

      „1) Zur Verpflichtung: Ich stelle mir das so vor, dass der Ausrichter dann die Person anruft, die er für die kreativste und kompetenteste hält und ihr die Chefjurierung unter dieser Bedingung anbietet. Darauf antwortet diese: Im Prinzip sehr gern, aber Casefiles mache ich nicht. Soll der Ausrichter dann ernsthaft auf den besten Chefjuror verzichten und stattdessen den fleißigsten nominieren? Wer immer höhere Hürden für Chefjuroren aufstellen will, sollte sich fragen, warum er glaubt, dass gerade die kreativsten und kompetentesten Juroren bereit sein werden, an diesem Hürdenlauf teilzunehmen.

      2) Konkret zu Casefiles fürchte ich, dass sie ein starkes Signal zur Risikovermeidung senden. Jedes CA-Team kann zehn vollkommen ausgeglichene, handwerklich sehr sauber formulierte Themen stellen. Ein Turnier, dessen Themen allein mit diesem Ziel zusammengestellt würden, wäre aber zum gähnen.

      3) Casefiles scheinen mir zudem eine reine Ritualhandlung zu sein. Kein seriöses CJ-Team das sieben Themen zu setzen hat, diskutiert nur sieben Themen ernsthaft. Es diskutiert mindestens 14 Themen ernsthaft. Niemand wird aber erwarten, dass CJ im Diskussionsprozess 14 Casefils anlegen, um dann sieben davon wegzuschmeißen. Daraus folgt: Casefiles werden erst nach Auswahl der Themen (und ich vermute sogar: in den meisten Fällen erst nach dem Turnier) angelegt. […]“

      Daher ein sehr ernstgemeinter Appell insbesondere an die Orga: Überlegt euch das bitte noch mal mit den Anforderungen, die ihr an „eure“ DDM-CJs stellen wollt. Es soll ihnen bei aller Verantwortung schließlich auch noch Spaß machen!

    3. Lennart Lokstein sagt:

      Ich glaube, es ist in der Szene durchaus eine sehr geläufige Mehrheitsmeinung, dass Chefjuroren Casefiles anlegen sollten und dies auch tun. Insofern finde ich große Teile von Lukas‘ damaligem Kommentar unzutreffend. Was aber absolut nicht Konsens ist, ist, dass diese veröffentlicht werden (müssen!). Ich glaube auch, dass es die Pflicht von Ausrichtern ist, Chefjuroren auszuwählen, die von sich aus ohnehin Casefiles anlegen würden – eben gerade um ausgeglichene Themen zu finden. Das geht übrigens auch ohne dass die Themen alle „langweilig“ wären. Unabhängig davon sollte Ausgeglichenheit der Themen eine höhere Priorität bei einer DDM einnehmen als „Spaß“. Wie gesagt kann man aber sicher beides haben, wenn genug Zeit investiert wird.

      Dahingehend wäre es auch deutlich cooler gewesen, diese Chefjury früher zu besetzen. Schlimmstenfalls haben wir nachher am Ende allein deshalb so viele Absagen, dass wir nur noch mit den Leuten auf Prioritätenliste Platz 12-16 haushalten müssen, da niemand vorher sich den Stress antun möchte, da erst zum Jahreswechsel anfangen zu können.

      Anyway, hier sollte es um die Unsinnigkeit des Veröffentlichens von Casefiles gehen, Casefiles an sich sind schon sehr sinnvoll.

    4. Elin sagt:

      @lennart:Ich mag deinen Optimismus.kandidatenplatz 12!:D

    5. Barbara (HH) sagt:

      @ Lennart: die Sinnhaftigkeit von Casefiles haben auch weder ich hier noch Lukas damals (im Kontext der damaligen Debatte) bestritten. Die Frage ist, ob man sie wirklich aufschreiben muss, dazu gibt es durchaus Dissens in der CJ-Szene. Aber wie du auch richtig sagst: Mir geht es um den Zwang zur Veröffentlichung, den ich Contraproduktiv finde. 🙂

    6. Jan Ehlert sagt:

      Ich halte die Idee von Lennart, dass Casefiles ein Konsens seien, aus mehreren Gründen für problematisch:

      1) Allgemein ist es fraglich, ob ein solcher Konsens besteht. So erinnere ich mich glaube ich, dass Andrea selbst Casefiles nicht mag und/oder selten anfertigt. Viele erinnern sich vielleicht aber noch, dass die DDM 2014 von der Themensetzung her wirklich hervorragend war (Shoutout auch an Dessi und Michael).

      2) Selbst wenn Konsens oder Mehrheit da sind, heißt das nicht, dass sie deswegen richtig liegen. Warum eine demokratische Mehrheit die Methodik zur Erstellung von DDM-Themen bestimmten sollte, bleibt mir leider unklar.

      3) Das Problem mit den Casefiles: Klar, in vielen Fällen „können“ Casefiles nützlich sein, sie haben aber auch einige fundamentale Schwächen.

      (a) Keine Debatte wird geführt wie auf einem Casefile. Welche Argumente gefunden werden, hängt von den Teams ab, wie leicht zugänglich zwei Seiten sind, wird selten erfasst. Auch ob ein Argument stark und komplex genug ist, um sich auch über 7min noch entfalten zu können, geht aus einem meist knapp abgefassten Casefile nicht hervor. Man wird natürlich einwenden, dass deswegen ein Casefile nicht das einzige ist, was man machen sollte und man sich durchaus auch mit dem Rest befassen sollte. Tatsächlich blenden „ausgewogene“ Casefiles selbst in einigen Fällen herausragende Juroren, die sich dann mit einigen anderen Fragen nicht mehr ausgiebig genug befassen.

      (b) Meistens werden Casefiles von einer Person angefertigt und die anderen „gucken dann drüber“ und diskutieren anschließend. Diese Informationsasymmertie führt dazu, dass suboptimale Themen ausgewählt werden, weil man sich manchmal zu sehr auf das Urteil und die Beschreibung einzelner verlässt ohne dabei genau jeden Punkt zu hinterfragen. Auch fallen dadurch manchmal gute Themen raus, weil sich jemand, der sich das Casefile anschließend anguckt, nicht mehr selbstständig kreativ wird, sondern automatisch die Denkmuster des Casefiles überdenkt und dadurch anderen neue, kreative Argumentationsstränge unentdeckt bleiben.

      (c) Casefiles bauen typischerweise nur verkürzte Formen der Argumente beider Seiten. Das führt dazu, dass bestimmte Elemente, wie das Finden von Beispielen auf beiden Seiten, unterentwickelt bleiben. Für die Ausgewogenheit einer Debatte sind diese aber durchaus relevant.

      (d) Reine Quantität täuscht über bestimmte Unausgeglichenheiten hinweg. Manchmal reicht ein Prinzip um einem Team in einer BP-Debatte den Sieg zu bescheren. Dann können auf der anderen Seite vier kleine Punkte zu Umsetzungsschwierigkeiten oder ähnlichem stehen, die das nicht aufwiegen.

      Ich bin mir sicher, es gibt sogar noch mehr Schwierigkeiten, die Casefiles mit sich bringen. Dennoch sind Casefiles in vielen Fällen ein nützliches Tool und können eine gute Ergänzung zu anderen Methoden sein. Tatsächlich aber arbeiten viele Menschen/Teams sehr unterschiedlich, weil sie andere Schwächen und Stärken haben. Es gibt Leute, die gucken sich ein Thema 20 Sekunden an und sagen sofort, dass es geil ist oder völliger Mist und andere können mit Themen wenig anfangen ohne sie einmal durchgegangen zu sein. Man überlege sich einfach mal, wie viele unterschiedliche Weisen es gibt, wie Teams sich auf eine Debatte vorbereiten. Ich denke gegeben dieser Tatsache, sollten auch CJ-Teams die Freiheit haben, sie unterschiedlich auf Debatten vorzubereiten. Eine Methodik vorzuschreiben, bei der es nicht einmal empirische Evidenz gibt, dass sie bessere Ergebnisse bringt, halte ich für grundfalsch.

      Und von Veröffentlichung der Casefiles habe ich ja nicht einmal gesprochen. Ich glaube durchaus, dass die Debattiergesellschaft Jena „ihren“ Chefjuroren Dinge vorschreiben darf, ich halte es aber trotzdem für keine gute Idee. Teams bringen bessere Ergebnisse, wenn sie frei agieren können und vor allem entstehen bessere Teams, wenn Leute aufgrund einer nicht aufgrund einer methodischen Vorschrift entscheiden, ein Turnier nicht als Chefjuror betreuen zu wollen.

      Ich habe an verschiedenen Stellen schon gesagt, dass ich die Kommunikation der Auswahlkommision allerdings für sehr gut halte. Dinge aufzulisten, die von einem Team erwartet werden müssen, macht nur klar, welche Verantwortung diese Personen tragen. Ich glaube keines der aufgelisteten Kriterien ist eines, dass (unkommuniziert) nicht auch in den letzten Jahren schon eine Rolle gespielt hat

    7. Lennart Lokstein sagt:

      Zum Standard & Sinn von Casefiles:
      Anscheinend habe ich mich geirrt, dass Casefiles absoluter Konsens seien, denn Jan stellt ihre Sinnhaftigkeit ja teilweise in Frage. Ich halte sie aufgrund meiner Erfahrungen in wirklich allen CJ-Panels in denen ich die letzten beiden Jahre war allerdings für sehr üblich und den Fall, dass jemand absichtlich keine anlegt für eine Ausnahme. Folglich halte ich es für legitim, zu erwarten, dass die DDM-CJ sie als Mittel zur Sicherstellung der Themenqualität für sich selbst anlegen sollte. Ich möchte aber auch erklären, wieso ich Casefiles an sich gut finde und nutze zur Orientierung Jans Unterpunkte:

      (a) Das Argument, dass Casefiles in die Irre führen können, dient nicht dem Argumentationsziel, dass man sie nicht anlegen sollte. Tatsächlich können sich Chefjuroren immer im Bezug auf Themen irren. Sämtliche Mittel der Themenfindung müssen also dahingehend hinterfragt werden, ob sie diesem Ziel dienen oder nicht. Ich sehe allerdings nicht, warum Chefjuroren aufgrund der Verschriftlichung ihrer Gedanken schlechter entscheiden könnten – im Gegenteil: Beim Verschriftlichen von Mechanismen, dem Verknüpfen von Rebuttal und der Gegenüberstellung bis zuletzt ausgeführter Positionen wird deutlich erkennbarer, wie viel Substanz eine Seite zu bieten hat, wie leicht man auf wie viel davon kommt und wie einfach diese zu formulieren ist. Das erlaubt eine weitaus präzisere Einschätzung, als darüber „mal zu reden“ oder was auch immer die Alternative ohne Casefile wäre. Wenn ein Chefjury-Team diese anderen Dimensionen neben reinem „was kann man im Optimalfall alles bringen“ bei Casefiles nicht auf dem Schirm hat, wüsste ich nicht, warum sie das andernorts hätte. Vielmehr wäre das ein unabhängiges, individuelles grundlegendes Qualifikationsproblem dieser CJ.

      (b) Erneut: Ob Chefjuroren ihre Aufgabe ernst nehmen und verantwortungsvoll ausüben oder nicht, ist eine individuelle Frage. Wenn jemand das aber nicht tut, wüsste ich nicht, warum das anders sein sollte, wenn jemand in der Diskussion seine Gedanken zum Thema einfach mündlich vorträgt. Da würde ein von dir charakterisierter „ich konsumiere und nicke“-Chefjuror ebenso nichts ändern. Ein interessierter und bemühter Chefjuror hingegen will sich in beiden Fällen einbringen – an einem schriftlichen Casefile kann man aber auch gemeinsam, simultan und auch zeitversetzt arbeiten. Es geht nichts verloren, es wird nichts vergessen, es können mühelos Dinge nachbearbeitet werden.

      (c) Wieso sind Casefiles nur verkürzte Formen der Argumente? Ein gutes Casefile bildet eben gerade die Debatte bis in die letzte Argumentative Möglichkeit ab, genauso wie jede sinnvolle andere Auseinandersetzung einer Chefjury mit dem Thema.

      (d) Vollkommen richtig. Aber was hat das mit Casefiles zu tun? Wenn ein Chefjurypanel nicht erkennt, dass ein Thema unausgeglichen ist, weil ein Argument deutlich stärker ist, dann sind die erneut wenig qualifiziert, das wäre aber bei allen anderen Abgleichen genauso.

      Zusammengefasst sagt jeder deiner Punkte: Unwillige oder unfähige Chefjuroren mit Casefiles keine guten Themen finden. Dabei blendest du aus, dass sie das ohne Casefiles noch weniger tun würden! Wir müssen uns ja aber fragen, ob Casefiles in beiden, vor allem aber dem Fall mit willigen und fähigen Chefjuroren, hilfreich sind. Und da bieten sie eben sehr viele Möglichkeiten, die eine reine Besprechung nicht bieten kann. Auch habe ich stellenweise den Eindruck, dass du unter Casefiles eine Stichpunktliste mit 3-5 Behauptungen pro Seite verstehst. Das ist glaube ich nicht das, wofür hier argumentiert wird. Gute Casefiles sind ein Argumentationsbaum mit ausführlichen Verknüpfungen zwischen allen in der Debatte interagierenden Argumenten, in dem sowohl Backing als auch Rebuttal sorgfältig eingebaut sind. Wer Interesse hat, sich so etwas einmal anzusehen, bekommt von mir auf Nachfrage gerne ein Beispiel, das mit dem Interface Kialo erstellt wurde, um zu verstehen, dass da technisch auch weitaus mehr Möglichkeiten vorhanden sind als ein Worddokument mit zwei Spalten.

    8. Witthaut sagt:

      @Lennart: Du bist dir aber hoffentlich klar darüber, dass es einen wahnsinnig riesigen Unterschied gibt, ob man Dokumente als Arbeitsprozess verwendet, die eine Hilfestellung und Erinnerung an bereits geführte Diskussionen sind oder ob man eine Pflicht hat, etwas zu verschriftlichen und publizieren, was ungefähr 200 Leute lesen und kritisch bewerten werden und davon abhängt, welches Standing du in Zukunft haben wirst, insbesondere bei denjenigen, die in ihren eigenen Augen zu Unrecht rausgeflogen sind. Das sind zwei komplett unterschiedliche Dinge und die Sinnhaftigkeit dahinter bezweifle ich ebenfalls stark.

      Eine Anekdote: Bei der WDM 2014 war ich mit Christian im Finale. Wir haben 1 zu 1 gesagt, was später im Casefile stand und die Argumente des Siegerteams waren z. T. gar nicht vorhanden. Wir haben verloren – zurecht! Aber nachdem ich das Casefile gelesen habe, war ich verwirrter als nach der Debatte. Eine Verschriftlichung kann nicht abdecken, was in einer Debatte passiert – suggeriert es aber. Denn bei einer DDM geht es nicht darum Anfänger, die mal was lesen wollen, was man hätte machen können, Material zur Verfügung zu stellen – wovon ich ein großer Freund bin – sondern darum, den Deutschen Meister zu küren.

    9. Lennart Lokstein sagt:

      Lieber Willy, lies doch erstmal die Kommentare zuvor statt nur den letzten? 😉

    10. Witthaut sagt:

      Ja, ich habe es drei oder viermal gelesen und vielleicht verstehe ich einfach nicht den Sinn der ganzen Diskussion – lass es mich wie folgt auf den Punkt bringen, warum ich hier sitze und „äh“ denke: Wenn es nicht um die Veröffentlichung geht, dann verstehe ich absolut den Sinn der Diskussion nicht. Es kann a) keiner kontrollieren und es muss Konsens geben, dass man auch auf Nachfrage dies nicht rausrücken müsste und b) ist dann ein Casefile nur ein Medium. Von mir aus können CA-Teams auch wissenschaftliche Aufsätze bzw. Fließtexte schreiben, nen Podcast aufnehmen oder ihre Argumente schauspielerisch darstellen – oder so wie es auch viele Teams machen: Einfach miteinander und gegeneinander real debattieren. Jeder lernt und arbeitet anders und alles hat Vor- und Nachteile. Warum man das nicht Menschen, die erwachsen sind, selbst überlassen kann, ist mir ein Rätsel.

    11. Lennart Lokstein sagt:

      Natürlich kann man es nicht kontrollieren – die allermeisten Posts hier wünschen sich ja genau das: Casefiles als Mittel zur Themengenerierung, aber ohne Veröffentlichung. Nur weil man etwas nicht kontrollieren kann oder will, heißt das ja nicht, dass man nicht wünscht, dass sich Leute bewerben und im Bewusstsein bewerben, dass Casefiles geschrieben werden. Das kann zum Beispiel den Grund haben, dass man sie für eine sehr sinnvolle Methode hält.

      Nun gibt es Menschen, die finden Casefiles als Methode gut und andere nicht. Und ob sie nun tendenziell eher gut oder schlecht sind, wird hier gerade diskutiert, nachdem die Diskussion ob man sie veröffentlichen sollte mehr oder weniger universell mit nein beantwortet wurde.

      Das ist ziemlich genau was sich auch aus den Kommentaren oben auch ergibt?

    12. Witthaut sagt:

      Ich kann dir sehr genau erklären, warum es gut wäre, wenn CA-Panels Passanten auf der Straße befragen würden, was sie zu ihren Themenstellungen sagen. Eine unglaublich gute Methode, herauszufinden ob es einen gesellschaftlichen Konsens zu einem Thema gibt oder ob die Hürde ein Thema nachzuvollziehen zu hoch ist. Am besten über ein repräsentatives Stichprobenmodell. Übrigens kann ich dir auch erklären, warum es gut wäre, sein Casefile nicht nur in Schriftform darzustellen, sondern ein Schaubild daraus zu malen. Dennoch schreibe ich das doch keinem vor. Das heißt am Ende ist es nur eine Frage, ob es die effizienteste Methode ist zu seinem gewünschten Ziel zu kommen. Ich würde sagen, da gibt es keinen Unterschied zu: Wir debattieren als Panel die Debatte, nehmen sie auf und reflektieren sie (Natürlich hat beides kleine Unterschiede aber im Groben, just to be sure). Warum Vorschrift und nicht Wahl. Warum kann man in die Anforderungen nicht einfach nur den Satz schreiben: „Wir erwarten von einem CA-Panel, sich einen Prozess der Themenfindung und -Evaluierung zu überlegen und im Zweifel rechtfertigen zu können“. Warum brauchen wir für die Aufgabe eine Kommission die Methodik vorschreibt oder gar überprüft. Warum kann ein erwachsener Mensch nicht selbst entscheiden, ob er vll sogar weniger effektiv arbeiten möchte, weil er so besser zu Ergebnissen kommt.

    13. Lennart Lokstein sagt:

      Naja, über die Methodik sollte vielleicht schon vorher Konsens herrschen, damit dann auch direkt begonnen werden kann – und Casefiles als Grundlage finde ich schon sinnvoller als die genannten Alternativen. Kann man aber natürlich wenn man will alles machen.

    14. Jan Ehlert sagt:

      Lennart, du hast offensichtlich meine Argumentation nicht verstanden:

      Ich erkläre, warum Casefiles bestimmte Fehler von Chefjuroren wahrscheinlicher machen. Einfach zu sagen, dass gute Chefjuroren durch ihren 100% sauberen, arbeitsethisch perfekten Stil sich natürlich immer all dem bewusst sind und die Fehler auf keinen Fall machen, entspricht einfach nicht der Realität. Es gibt daher gute Gründe als Team zu entscheiden, dass es andere Arbeitsprozesse gibt, die man anwenden möchte, die weniger Fehleranfällig sind. Und diese Entscheidung sollte dem CA-Team überlassen werden. Sie sind diejenigen, die mit ihrem Namen für die Themen stehen und sollten deshalb den Erstellungsprozess wählen können. Die individuelle Abwägung von Stärken und Schwächen von Casefiles sollte ihnen überlassen werden und es sollte nicht so getan werden, als gäbe es die eine objektive Wahrheit (Casefiles).

  8. Sabrina Effenberger sagt:

    Ich möchte kurz generell anmerken, dass ich es wirklich problematisch finde, wenn eine Berufungskommission so die Aufgaben der Chefjury übernimmt. Meines Verständnisses nach ist es nur – und ausschließlich nur – die Entscheidung der Chefjuroren, wie sie ihren Job ausfüllen. Gerade auf einer DDM sollten sie selbst darüber entscheiden, wie sie für und mit der Szene arbeiten. Ja – Vorschläge dazu könnn und sollen von Seiten der Orga oder einzelnen Leuten kommen, aber am Ende sollen sie auch Nein sagen dürfen. Denn die sind schließlich diejenigen, die die Arbeit machen. Die sind es, die ihre Casefiles tippen und besprechen. Die müssen das Jurierseminar einen Tag vor der DDM (!) organisieren müssen. Irgendwie ist es auch ihre DDM, denn wir ehren damit Leute, die wir für fähig halten. Wir vertrauen denen, dass sie ihren Job gut machen werden.
    Ich finde es so grundfalsch, dass eine Berufungskommission hier versucht, ihre politischen Ideen durchzusetzen. Und sie sind politisch, weil sie durchaus nicht Common Sense sind in der Szene und weil weder die Sache mit den Casefiles, noch die mit dem Jurierseminar irgendetwas damit zu tun haben, Ob man ein guter Chefjuror ist, der uns eine tolle DDM beschert.

  9. Daniel (Heidelberg) sagt:

    POI: Wenn das (wie so vieles auf der 8. Minute) gleich „politischen“ Charakter haben soll, dann interessieren natürlich nicht nur Inhalte, sondern auch Köpfe. In dem verschickten PDF wurde es so dargestellt, als habe die DgJ den Anforderungskatalog aufgestellt. Auf die Kritik antwortet hier aber die Kommission. Wer ist denn nun dafür verantwortlich?

    Grüße

    DS

  10. Die Berufungskommission sagt:

    Tatsächlich gibt es hier zwei Akteure mit unterschiedlichen Rollen. Leider haben wir das in unserer Mail wohl nicht hinreichend klar kommuniziert.
    Zum einen gibt es die Debattiergesellschaft Jena als Ausrichterin, die Anforderungen
    definiert hat, in denen sie die Arbeit der Chefjury beschrieben hat. Diese Anforderungen sind unabhängig von der Berufungskommission entstanden.
    Zum anderen gibt es die Berufungkommision, in der wir unsere Kriterien definiert haben, nach denen wir Kandidat*innen für die Chefjury auswählen wollen. Insofern beantworten wir – wie bislang auch schon – alle Anmerkungen zum Auswahlverfahren.

    1. Barbara (HH) sagt:

      Ich muss gestehen, dass ich auch nach längerem Nachdenken etwas verwirrt von dieser Antwort bin. Verstehe ich es richtig, dass die Berufungskommission also ausschließlich nach den von ihr selbst aufgestellten Kriterien die Chefjury auswählen wird?

      Wenn ja, heißt das also, dass die Kriterien der Debattiergesellschaft Jena als Ausrichterin faktisch nicht durchsetzbar sind? Denn wenn nur nach den Kriterien der Berufungskommission entschieden wird, sollte es ja keinen Unterschied machen, wenn ein* Kandidat* z.B. ausdrücklich in die Bewerbung schreibt, dass er/sie keine Casefiles veröffentlichen wird und sich nicht an die Kriterien der Ausrichterin gebunden fühlt?

      Wenn nein: Dann verstehe ich diese Antwort nicht. Denn dann fände ja eine faktische Vermischung von den Kriterien der Berufungskommission und denen der Ausrichterin statt, die gerade durch die Kommission vermieden werden sollte. Und die Interessen der Ausrichterin sollten ja bereits durch ihren Vertreter in der Kommission hinreichend gewahrt werden, über den sie gewünschte Auswahlkriterien in die Kommission einbringen konnte.

      Ich denke, dass diese Frage durchaus von Relevanz für das Bewerbungsverfahren ist. 🙂 Wie gesagt, ich bin aufrichtig verwirrt.

  11. Jule (Halle) sagt:

    Debattieren ist ein Hobby, CA sein auch. Man verpflichtet sich einem Turnier und der Szene, das Beste zu geben und gewissenhaft zu sein. Speziell Individuen, welche viel Zeit in den nächsten Monaten in die DDM stecken, brauchen nicht noch mehr Druck. Unabhängig wie sehr ich für oder gegen dieses Auswahlverfahren bin, möchte ich für die jetzt schon erschwerte Arbeit der DDM18 CAs sensibilisieren.
    Die Ansprüche der Szene an die CAs werden werden immer höher, es ist definitiv weniger Zeit, als CAs in den letzten Jahren hatten und der Druck den man sich selber machen hilft auch nicht. Selbst wenn nicht alle mit den Ergebnissen zufrieden sind, wer die Menschen sind oder wie die CAs ausgewählt werden, bitte ich dennoch dieses Team zu unterstützen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass auch wenn viele nicht glücklich mit deinem Posten sind, du trotzdem für alle das beste gibst.

  12. Organisationsteam sagt:

    Hallo zusammen,
    es kamen einige Fragen an uns als Organisationsteam, die wir gern kurz beantworten möchten.

    1) Warum wünschen wir uns, dass Casefiles angefertigt werden?
    Uns und den Teilnehmenden ist sehr an einer hohen Qualität der Themen auf dem Turnier gelegen. Casefiles können hierfür einen wichtigen Beitrag leisten.

    2) Warum wünschen wir uns, dass die Casefiles anschließend auch veröffentlicht werden?
    Casefiles, die anschließend unveröffentlicht im Papierkorb landen, helfen anschließend niemandem weiter. Sowohl den Teilnehmenden als auch den Abwesenden des Turniers wird mit der Veröffentlichung der Casefiles die Möglichkeit geboten, wertvolle Anregungen zu den gestellten Themen zu bekommen.

    3) Wo sind die Grenzen zwischen Organisationsteam und Berufungskommission?
    Das Organisationsteam definiert die Anforderungen zur Tätigkeit der Chefjury. Wer CA auf der DDM werden möchte verpflichtet sich, den definierten Anforderungen zu entsprechen. Der Berufungskommission obliegt es nach Abschluss der Feedbackphase, eine Chefjury auszuwählen.

    4) Warum wünschen wir uns ein Jurierseminar?
    Ein Jurierseminar vor der DDM beeinflusst die Jurierqualität auf der DDM positiv. Uns schwebte – ähnlich wie bei der DDM 2014 in Berlin – der Tag unmittelbar vor Beginn der DDM vor. Falls sich ein anderes Datum als passender erweist, so werden wir darüber rechtzeitig informieren.

    Wir hoffen, dass dies einen Großteil der Fragen beantwortet. Falls Ihr weitere Fragen habt, so schreibt uns gern auch per Mail an organisation [at] ddm-jena [dot] de

    Liebe Grüße
    Patrizia & Erik im Namen des Organisationsteams

    1. Andrea G. (Mainz) sagt:

      Liebes Organisationsteam, ich finde die hinter eurer Ausschreibung liegende Botschaft sehr problematisch.

      Hier wurde ja mitunter die DDM 2014 als positives Beispiel genannt. Und ja, dort wurde vieles zum ersten Mal gemacht, was in eurer Ausschreibung als obligatorisch festgeschrieben wird. Aber einer der maßgeblichen Gründe dafür war der Rückhalt und das unbedingte Vertrauen der Orga in die Arbeit des CJ-Teams – einer der Hauptfaktoren, aus denen sich für CJ Eigenmotivation und Enthusiasmus generieren. Man kann nun mal auch mit der längsten Anforderungsliste Dienst nach Vorschrift machen oder mit der kürzesten alle Erwartungen übertreffen – deswegen ist „Spass“ eben doch kein untergeordnetes Kriterium beim Chefjurieren. Statt eine bestimmte Arbeitsweise vorzuschreiben, lag der Fokus für die Organisation vor allem auf der Frage, wie man die Chefjuroren entlasten kann. So wurden wir nicht aufgefordert, sondern offen gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, in den stressigen Tagen vor der DDM Seminare zu geben (wir konnten) oder ob wir uns um die Implementierung der DaF-Kriterium kümmern wollen (wir wollten nicht). In der Frage, worauf wir uns zuerst einmal konzentrieren wollen und was uns sekundär erscheint, wurde uns ein großer Gestaltungsspielraum überlassen, in dem viel Platz für neue Ideen und „passion projects“ war. Das Erstellen von Case-Files zur Veröffentlichung wäre eine dieser sekundären Fragen gewesen – es ist ja nicht so, als würde man nicht sowieso jedes Thema durchdebattieren, bis es einem zu den Ohren rauskommt. Für eine andere Jury kann das natürlich anders sein.

      Ein weiteres Beispiel: Es existieren von der DDM 2014 und 2016 bereits zwei unterschiedliche und komplett durchdachte Jurorentests für BPS. Es spricht nichts dagegen, diese für die DDM 2018 noch einmal zu verwenden – nicht jede DDM-Chefjury muss das Rad neu erfinden. Wenn eine neue Chefjury gerne einen neuen Test erstellen will, kann sie das tun – aber es ist einfach Quatsch, dass die Entscheidung, keinen neuen Test zu erstellen inzwischen de facto als „unter den Erwartungen bleiben“ betrachtet wird. Das ist Zeit und Mühe, die in andere Bereiche gesteckt werden kann und es sollte jeder Chefjury überlassen bleiben, wie sie sich diesbezüglich entscheiden.

      Ich habe zuerst als Chefjurorin und später als Feedbackauswerterin Einblick in jeden DDM-Tabraum seit 2013 gehabt. Die Belastung durch diesen Job ist in den letzten Jahren unglaublich gewachsen (für die DDM 2014 hätten wir nicht im Traum daran gedacht, ein halbes Jahr lang 10 Stunden pro Woche zu arbeiten und es ist trotzdem was ganz brauchbares rausgekommen). Trotzdem hat jedes dieser Teams seine Aufgabe extrem ernst genommen und aus Eigenmotivation sein Bestes gegeben. Keines dieser Teams hatte es nötig, dass man ihm seine Arbeitsweise und seinen Aufgabenkatalog vorschreibt. Aus dieser Erfahrung gibt es keinen Grund, DDM-Chefjurorenteams für die Zukunft zu misstrauen. Darum überlegt euch bitte den Anforderungskatalog eurer Ausschreibung noch einmal. Schon allein, um geeignete nicht Kandidaten zu verlieren – und ich sage ganz ehrlich, bei mir wäre das der Fall gewesen.

      Kurze Anmerkung am Schluss: Es liegt sicher auch an dem gestiegenen Anforderungskatalog, dass mittlerweile niemand zweimal die DDM chefjuriert. Es ist aber gleichzeitig auch eine Wurzel des Problems, denn eine gewisse Kontinuität würde den Arbeitsaufwand der einzelnen Chefjury meiner Meinung nach nicht unerheblich verkleinern. Dies ist aber eine Frage für ein andermal.

  13. Peter G. sagt:

    Ich freu mich schon drauf, dass die zweite Sondierungsrunde mit abgemilderten Kriterien vorgestellt wird, weil sich keine „geeigneten“ Kandidaten finden lassen. Dann werden sich die ersten Leute sich auf den Schlips getreten fühlen, weil es Bewerber gab, die die Kriterien akzeptiert hätten, aber die Auswahlkommission lieber andere Kriterien setzt als diesen Leuten den Job zu geben 😀

    1. Lennart Lokstein sagt:

      Und in Runde 2 macht es dann niemand, weil es Januar ist und sich den Stress keiner mehr geben will…

  14. Organisationsteam sagt:

    Liebes VDCH-Land,

    wir haben Euch eben die“ Änderung der Anforderungen an die Chefjury“ über den Verteiler geschickt. So ist das Anfertigen und Veröffentlichen von Casefiles nicht weiter eine Anforderung an die Chefjury. Wegen des Jurierseminars finden wir mit der Chefjury und dem VDCH eine vernünftige Lösung.

    Falls Ihr Fragen oder Anregungen habt, so schreibt uns gern an organisation [at] ddm-jena [dot] de

    Beste Grüße
    Erik & Patrizia

    1. Daniel (Heidelberg) sagt:

      Sehr gute und souveräne Entscheidung des Orgateams, Hut ab! Ich bin sicher, Eure CJ wird so nicht schlechter als nach den alten Kriterien und mit oder ohne freiwilligen/öffentlichen Casefiles verantwortungsvoll mit ihrer Aufgabe umgehen.

      Grüße

      DS

    2. Andrea G. (Mainz) sagt:

      Da stimme ich Daniel zu. Danke, dass ihr euch mit Kritik auseinandersetzt und im Zweifel Kompromisse sucht!

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