Die österreichischen Rhetorik-Festspiele in Salzburg

Datum: 19. Februar 2013
Redakteur:
Kategorie: Turniere

„Salzburg ist das Herz vom Herzen Europas, das mittlere Europa kennt nichts Schöneres“ Mit jenen Ruhmesworten beschrieb Hugo von Hofmannsthal, Mitbegründer der weltberühmten Salzburger Festspiele, einst die Mozartstadt. Vom 08. – 10. Februar 2013 standen in der kulturellen Hochburg Österreichs jedoch weder Architektur noch Kunst, sondern die Rhetorik im Mittelpunkt. Die zweite Österreichische Debattiermeisterschaft zog namhafte Ehrengäste, zahlreiche Medien und zwölf Teams aus Österreich, Deutschland, Italien und der Schweiz an. Als Vorbereitung auf das Turnier diente ein Jurierseminar des VDCH und der Deutschen Debattiergesellschaft, wegen dem bereits am Donnerstag 15 Teilnehmer anreisten und sich mit Nicolas Eberle intensiv auf das Format der Offenen Parlamentarischen Debatte vorbereiteten.  Ziel der Ausrichter war es, dadurch auch eine neue Generation an qualifizierten OPD-Juroren hervorzubringen, an welchen es derzeit in Österreich teilweise noch mangelt.

Nicolas Eberle während des Jurierseminars

Nicolas Eberle während des Jurierseminars

Dank der Chefjuroren Kay-Michael Dankl, Nicolas Eberle und Almuth Graebsch startete das Turnier mit Krieg und Frieden, oder anders formuliert mit der Frage, ob wir in Mali eingreifen sollten. Nach hitzigen Debatten in den neuen Universitätsgebäuden stärkten sich die Debattierenden im traditionell-österreichischen Wirtshaus Raschhofer mit Bier, rustikaler Jause und Brezen. Obwohl danach einige wenige Salzburgs Innenstadt unsicher machten, ging die Mehrheit doch auf Nummer Sicher und traf noch letzte Vorbereitungen für den darauffolgenden Tag, denn vier weitere Vorrunden standen auf dem Programm. Diese stellten die Teams wie erwartetet vor zahlreiche Herausforderungen der besonderen Art. Während bei der Frage ob die europäische Wasserversorgung gänzlich verstaatlicht werden soll, noch juristische und ökonomische Sachkenntnisse gefragt waren, wurden die Debatten zu einer möglichen Legalisierung von Inzest doch eher unterhaltsam bis absurd. 

In bester Erinnerung wird vielen aber wohl das Thema bleiben ob Plagiate verjähren sollen. Denn dieses war nicht nur von größter Aktualität, sondern für so manches Team, ob der juristischen Spitzfindigkeiten, auch von den größten Schwierigkeiten gekennzeichnet. Dementsprechend hitzig wurde vor, während und nach den Debatten diskutiert. Doch bereits während des Abendessens hatten sich die Gemüter wieder beruhigt. Ob dies an den kühlen Gemäuern des Felsenkellers in direkter Nachbarschaft des Festspielhauses oder am dortigen Weinkeller lag, wird wohl ein Mysterium bleiben. Bis zur letzten Minute ein Geheimnis blieb auch die Frage, welche Teams denn die Halbfinale am Sonntag bestreiten würden. Denn obwohl doch einige Anfänger auf dem Turnier ihre ersten Schritte wagten, durften sich nach den Vorrunden, in einem Turnier das durchaus gut besetzt war, mehrere Teams Hoffnungen auf den Aufstieg machen. Deshalb führte, wo zuvor noch gezittert, gehofft und gebangt wurde, die Verkündung des Breaks auch zu einem kollektiven Aufschrei, sei es auf Freude, sei es aus Frust. Egal ob die Anwesenden aber enttäuscht oder glücklich mit der Entscheidung waren, sie alle schwärmten zügig aus in die naheliegenden Clubs und Bars der Innenstadt. Was sich dort zutrug mag wohl erneut im Dunkeln bleiben, fest steht, als es Hell wurde rafften sich alle rechtzeitig auf um das Hotel Richtung Finale zu verlassen.

Etwaige Nebenerscheinung zu langer Partynächte konnten glücklicherweise mit Höhenluft kuriert werden, schließlich fanden Halbfinale und Finale in der oberhalb der Salzburger Festspielhäuser auf dem Mönchsberg liegenden Edmundsburg statt.  Sowohl das atemberaubende Panorama, als auch die Geschichte des Bauwerks ließen auf Großes hoffen, ist doch das Gebäude einem Meister des Wortes, dem brillanten Denker und Schreiber Stefan Zweig gewidmet. Zusätzliche Brisanz verlieh den Halbfinalen auch die Auslosungen, so kam es einerseits zum einem Wiener, andererseits zu einem Deutsch-Deutschen Derby. Denn in Halbfinale 1 debattierten der „DK Wien“ und der „AFA-Debattierclub Wien“, und in Halbfinale 2, „Göttingen Rubikonüberschreiter“  und „Mainz“ das Thema „Sollen der Import von Produkten, die nicht unter ökologischen und sozialen Bedingungen produziert wurden, die in der EU verbindlich sind, verboten werden“. Nach zwei spannenden, unterhaltsamen und sehr fairen Debatten trafen im Finale schließlich der „AFA-Debattierclub Wien“, mit Christoph Wiederkehr, Can Ertugrul und Roman Pable sowie „Göttingen Rubikonüberschreiter“  mit Nicolas Friebe, Gabor Stefan, und Jannis Lennartz aufeinander. Als Freie Redner ergänzten Jakob Reiter, Miriam Baghdady und Jura Hölzel. Die Tatsache, dass sich hier im Finale der Titelverteidiger aus Wien und mit Göttingen ein sehr erfahrenes und eingespieltes OPD-Team gegenüberstanden, sprach einmal mehr für die Qualität des Turniers.  Die bereits im Vorfeld erwarteten knapp hundert Finalgäste, unter ihnen der Schirmherr, Salzburgs Landtagspräsident Simon Illmer, wurden Zeugen einer sehr hitzigen Debatte mit dem Thema „Sollen für unsere Streitkräfte bewaffnete Drohnen angeschafft werden“. Während auf Seiten der Regierung alles im Zeichen des asymmetrischen Krieges und der Minimierung von Opfern auf beiden Seiten stand, kritisierte die Opposition Aufrüstung, fehlende Empathie und mangelndes Verständnis für moderne Kriegsführung. Nach einer sehr ausgeglichenen Debatte und spannenden fraktionsfreien Reden,  setzte  Roman Pable als Schlussrender der Regierung einen mitreißenden Schlusspunkt und wurde dafür prompt durch die Ehrenjury, unter Ihnen Bernd Rex, Mitbegründer des OPD-Formates, mit dem Preis für die Beste Rede des Finales belohnt. Nach bangen Minuten des Wartens, konnten die Wiener gleich nochmal, diesmal sogar noch heftiger jubeln, schließlich überzeugten  sie inhaltlich und rhetorisch die Jury und wurden unter minutenlangem Applaus zum zweitemal in Folge zum Österreichischer Debattiermeister gekürt.

Überglücklich, doch auch stolz auf ihre Finalleistung gegen die starken „Rubikonüberschreiter“, kann sich der AFA-DC Wien erneut Österreichischer Meister.  Zuschauer, Teilnehmer, Ehrengäste und Juroren waren sich beim anschließenden Sektempfang einig, dass die Turnierorganisation rund um Robert Weiß hervorragende Arbeit geleistet hat und damit die grandiosen Entwicklungen der österreichischen Debattierkultur in den letzten Jahren eindrucksvoll unterstrichen hat.  

Text: Christoph Wiederkehr/fpu


2 Kommentare zu “Die österreichischen Rhetorik-Festspiele in Salzburg”

  1. Daniel (Heidelberg) sagt:

    … fehlt ja nur noch der Redaktionsschwanz 😉

  2. Florian Umscheid sagt:

    Um den Eindruck zu vermeiden, es handele sich hier um eine Gegendarstellung, folgender Kommentar der Chefredation dazu: der Artikel ging uns bereits am 15. Februar zu. Aufgrund technischer Probleme kam es erst nach einem Hinweis des Autors am 19. Februar zur Veröffentlichung.

Kommentare sind geschlossen.

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