So war’s: Masters Cup und Mitgliederversammlung der DDG / Zusammenfassung / persönliche Eindrücke

Datum: 26. Oktober 2009
Redakteur:
Kategorie: DDG

Widersacher werden zu Teampartnern, jeder muss mal den Antrag stellen und auch gestandene Unternehmensberater hören sich ein kritisches Feedback von cleveren jungen Studenten an: Das muss der Masters Cup sein!

28 Rednerinnen und Redner kamen am Freitag in Eisenach zusammen, um sich miteinander zu messen. Der Masters Cup 2009, das Turnier der Deutschen Debattiergesellschaft (DDG) von 23. bis 25. Oktober, brachte ehemalige und noch aktive Debattierer/innen und Debattanten/-innen zusammen. Fünf Runden im extra für das DDG-Turnier entwickelten Masters-Format standen für alle Redner/innen an, dann gab es Halbfinals und das große Finale im ehrwürdigen Sängersaal der Wartburg. Die Jurorenschar rekrutierte sich auch aus aktiven und teils sehr jungen Mitgliedern der VDCH-Clubs, die sich freuten, berühmt-berüchtige „Alte Hasen“ mal hören und bewerten zu dürfen.

Besonders spannend am Format der DDG: Frühere Gegenspieler werden zu Verbündeten – denn die Teampartner und Teampartnerinnen werden von Runde zu Runde einander zugelost. Auf jeder Seite tritt je ein Zweiterteam an. Die Redezeit beträgt sieben Minuten pro Person. So sind die Debatten angenehm kurz und es bleibt viel Zeit für Plausch und Tratsch. Bewertet werden Inhalt, Strategie und Form zu gleichen Teilen, bei Punktgleichheit aber entscheiden die Einzelpunkte in der Kategorie Inhalt… Eine kleine Regelung, die am Ende des Turniers entscheidend sein sollte.

Als Chefjuroren konnte wie im vergangenen Jahr Tim Richter, der Präsident des Verband der Debattierclubs an Hochschulen (VDCH), gewonnen werden. An seiner Seite hat der scheidende DDG-Präsident Daniel Grotzky chefjuriert. Als Themen hatten sich Tim und Daniel etwas ganz besonderes ausgedacht: „Der Masters Cup ist ein meisterliches Turnier, da debattieren wir schon in den Vorrunden die Themen, die bei ZEIT DEBATTEN und anderen großen Turnieren erst in den Finalrunden kommen“, sagte Tim, und präsentierte von Runde zu Runde wieder ein Thema, das bereits einmal als Halbfinal- oder Finalthema gelaufen ist. Das ein oder andere Mal erinnerten sich die älteren oder jüngeren Redner/innen an die „originale“ Debatte und freuten sich, ein Thema noch mal, Jahre später, anders oder von der anderen Seite anzugehen.

Die Themen im Überblick:

1. Vorrunde: Ohne Fleiß kein Preis – Arbeitsniederlegung ist Sabotage! (Finalthema der ZEIT DEBATTE Konstanz 2004)
(Witzig: Hier traten Lukas Haffert (St. Gallen, ehem. DC Münster), Philipp Stiel (Streitkultur Tübingen) und Tom-Michael Hesse (Streitpunkt Leipzig), die DDG-Nachwuchspreisträger 2007, 2008 und 2009, in einem Raum an. Am Ende konnte sich Lukas mit seiner Teampartnerin Gudrun Lux (DC Bonn, ehem. DCJG Mainz), der bescheidenen Autorin dieser Zeilen, durchsetzen, insgesamt wurde die Debatte exzellent bepunktet – die jungen Redner sind nicht umsonst ausgezeichnet!)

2. Vorrunde: Ein Herz für den Kapitalismus – Soll der Organhandel dem freien Markt überlassen werden? (Halbfinalthema der DDM 2007)

3. Vorrunde: Hey, Aldder, haste mal n Grundgesetz – Soll die deutsche Sprache im Grundgesetz verankert werden? (Halbfinalthema der ZEIT DEBATTE Potsdam 2008)

4. Vorrunde: Was ist schon ein bisschen Kolleteralschaden – Sollen Regierungen im Krieg absichtlich lügen dürfen? (Finalthema der EUDC 2007)

5. Vorrunde: Keine Experimente – Ist Fortschritt reine Illusion? (Finalthema der ZEIT DEBATTE Greifswald 2002)

Halbfinale: Wer hungert, darf auch feiern – Soll das Fastenbrechen am Ende des Ramadans als bundeseinheitlicher Feiertag eingeführt werden? (Halbfinalthema der ZEIT DEBATTE Tübingen 2009)

Finale: Ist Steuerhinterziehung Notwehr? (Finalthema eines Oxford IV)

Im Halbfinale standen Lukas Haffert, Nachwuchpreisträger 2007, DDM-Finalist 2008 im Team und 2009 als Fraktionsfreier Redner; Patrick Ehmann (Berlin Debating Union), DDM-Finalist als Fraktionsfreier Redner 2007 und 2009, amtierender Nordostdeutscher Meister; Karsten Stölzgen (Streitkultur Tübingen), DDM-Finalist als Fraktionsfreier Redner 2003 und Kai Monheim (BDU), DDM-Finalist 2002; Gudrun Lux, DDM-Finalistin 2005, 2006 und Deutsche Meisterin 2007; Bernd Hoefer (DC Kiel), DDM-Finalist 2002; Tom-Michael Hesse, DDG-Nachwuchspreisträger 2009 sowie Hanna Kaspar (DCJG), Deutsche Meisterin 2003. Eine interessante Mischung aus „alten“ und „neuen“, ehemaligen und aktiven, blutjungen und schon reiferen Rednern.

Hier noch einmal der Halbfinalbreak im Überblick:

1. Lukas Haffert 182 Punkte
2. Patrick Ehmann 169 Punkte

2. Karsten Stölzgen 169 Punkte
4. Kai Monheim 168 Pubkte
5. Gudrun Lux 166 Punkte
6. Bernd Hoefer 165 Punkte
7. Tom-Michael Hesse 160 Punkte
7. Hanna Kasper 160 Punkte

Neben den beiden Chefjuroren Tim und Daniel jurierten Wiebke Nadler und Teresa Peters (beide Leipzig), Pauline Leopold (Streitkultur Tübingen), Andrea Gau (BDU), Thomas Hamm (DC München) und Hannes Budelmann (BDU) die Halbfinals. Tim, Wiebke, Teresa, Pauline und Thomas jurierten am Samstagabend zudem das Finale.

In das Finale im (immer wieder) beeindruckenden Festsaal breakten Bernd Hoefer und Kai Monheim, Lukas Haffert und Karsten Stölzgen. Per Los wurde entschieden, dass Bernd den Antrag stellen und Kai an seiner Seite für die Notwehrthese einstehen musste. Lukas wurde zum ersten, Karsten zum zweiten Oppositionsredner bestimmt. Die Regierung behauptete, im jetzigen Steuersystem sei Steuerhinterziehung Notwehr, forderte die Abschaffung der Einkommenssteuer (sprach aber, wie Karsten in seiner Rede anmerkte, in Wirklichkeit über die Lohnsteuer – oder?) und die entsprechende Erhöhung der Mehrwertsteuer. Bernd gestaltete seine Rede von vornherein sehr fröhlich, so dass die Steuerdebatte tatsächlich zum spaßigen Event wurde. Lukas sezierte Bernds Antrag, belegte unterhaltsam und mit einem Haufen Fachwissen, dass die Idee Quatsch sei und lies Kai dann auf ziemlich verlorenem Posten kämpfen, doch Kai unterhielt das Publikum mit Witz und Esprit. Karsten brachte die Debatte noch humoriger zu Ende als Bernd sie begonnen hatte und begeisterte die Zuhörer mit einem rhetorischen Feuerwerk an bunten Bildern und Beispielen und wunderbaren Anspielungen auf die Gegner. Das Masters-Cup-Publikum weiß jetzt, dass es in Kroatien preiswerte und steuergünstige Yachten zu kaufen gibt. Danke, Karsten! Am Ende bekamen die beiden Oppositionsredner gleichviele Punkte von der Jury – nach Masters-Format-Regel heißt dies, dass derjenige Redner gewinnt, der in der Kategorie „Inhalt“ höher bewertet wurde: Lukas Haffert! Herzlichen Glückwunsch!

Am Sonntag stand – für viele trotz der dank Zeitumstellung verlängerten Nacht zu früh am Morgen – die Mitgliederversammlung der Deutschen Debattiergesellschaft an. Der bisherige Vorstand, Daniel Grotzky (DC München), Hannes Budelmann (Berlin Debating Union), Sonja Reinshagen (Berlin, früher Streit im Kloster Passau) und Thomas Hamm (DC München) lies das vergangene Jahr Revue passieren und legte Rechenschaft ab. Die Kassenprüfer Simon Wolf (Streitkultur Tübingen) und Bernd Hoefer (DC Kiel) bescheinigten eine sehr ordentliche Kassenführung und beantragten die Entlastung, die die Versammlung auch einstimmig gewährte.

Anschließend schritt man zu den Wahlen des neuen Vorstandes. Um das Präsidentenamt bewarb sich Hannes Budelmann, der mit großer Mehrheit gewählt wurde. Um die Stellvertreterpositionen – satzungsgemäß zwei bis vier Ämter – bewarben sich zunächst fünf Personen, eine Bewerbung wurde aber zurückgezogen. So wurden als erste Stellvertreterin Gudrun Lux (DC Bonn, ehm. DCJG Mainz), als zweite Stellvertreterin Eva Hofmann (Berlin, ehem. DC Würzburg), als dritte Stellvertreterin Annekathrin Rother (DC Münster) und als vierter Stellvertreter Oliver Hörtensteiner (DC München) gewählt.

Nach Aussprache und Ideensammlungen gingen die DDGler und DDGlerinnen für dieses Jahr auseinander. Der neue Vorstand wird in den kommenden Tagen die DDG-Mitglieder über die Aufgabenverteilung im Vorstand informieren und sich noch einmal schriftlich allen DDG-Mitgliedern vorstellen. Der Vorstand ist bereits jetzt erreichbar unter vorstand[at]deutsche-debattiergesellschaft.de, alles weitere kommt demnächst.

Der Masters Cup: Eine Bereicherung der deutschen Debattierszene! Danke dem Organisationsteam, dem ehemaligen DDG-Vorstand Daniel, Hannes, Sonja und Thomas!

Ein Kommentar in eigener Sache zu guter Letzt: Selten wurde so viel gebloggt wie in den vergangenen Tagen vom Höhepunkt des DDG-Jahres, dem Masters Cup und der DDG-Mitgliederversammlung. Unzählige Kurznachrichten, E-Mails und Facebookkommentare und natürlich die hohen Zugriffszahlen vom Wochenende beweisen: Viele, die nicht dabei sein konnten, haben den Masters Cup am Wochenende online verfolgt. Die Schnelligkeit hat da und dort ihren Preis: Handy-Fotos sind verpixelt, die Worterkennung spottet der deutschen Rechtschreibung, die Standardhandytastatur sieht keine Umlaute vor usw. – Inzwischen sind die Blogposts alle überarbeitet und dürften zumindest weitgehend fehlerfrei sein 😉 Diese Zusammenfassung ist als Überblick gedacht, insbesondere für diejenigen, die das Livebloggen am Wochenende nicht verfolgt haben. Wir hoffen, Ihr bleibt uns weiterhin als Leserinnen und Leser treu und freuen uns auf die weiteren großen Veranstaltungen dieses Jahres, vor allem natürlich auf das Auftaktturnier der ZEIT-DEBATTEN-Serie in Potsdam!

Das vollständige Tab des Masters Cup 2009 sowie ein paar Bilder gibt es natürlich in den nächsten Tagen auf der Achten Minute!

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