WUDC 2011: Die Botswana Worlds in Zahlen

Datum: 13. Januar 2011
Redakteur:
Kategorie: Turniere

Die World Universities Championships (WUDC oder Worlds) fanden heuer zum 31. Mal in Folge statt. Das erste Mal war 1981 im schottischen Glasgow. Damals nahmen 43 Teams aus sieben Ländern teil und die Teilnahme für vier Tage kostete nur zehn Britische Pfund. Die ersten WUDC-Weltmeister wurden Steve Coughlan und Andrew Taylor von der University of Toronto, Kanada. Viele englische Debattierclubs nahmen nicht teil – ihnen war der Weg nach Glasgow zu weit, heißt es. Zum Vergleich: Die Entfernung von London nach Glasgow beträgt etwa 405 Meilen, das sind rund 650 Kilometer. Übrigens werden die Worlds erst seit 1996 immer im Format British Parliamentary Style (BPS) ausgetragen. Zuvor war das Format Ausrichtersache. Das favorisierte Format US-amerikanischer und kanadischer Debattierclubs bei den Worlds war der North American Style of Debating, bei dem pro Debatte nur zwei Zweierteams einander gegenüberstehen. Dabei gab es bis zu 14 Vorrunden.

Zum ersten Mal Gast in Afrika waren die Worlds 1997, damals in Stellenbosch, Südafrika. Die Botswana Worlds 2011 nun waren nach einem weiteren WUDC-Turnier in Stellenbosch (2003) die dritten Debattierweltmeisterschaften auf dem afrikanischen Kontinent und die ersten Weltmeisterschaften jeglicher Disziplin, die je in Botsuana stattfanden. Gaborone hatte sich bereits zweimal erfolglos um die Ausrichtung beworben, bevor der “bid“ beim WUDC-Council 2009 den Zuschlag erhielt.

Die Worlds 2011 dauerten insgesamt neun Tage. Daran nahmen etwa 300 Teams von 171 Universitäten aus rund 50 Ländern teil. Das macht 600 Rednerinnen und Redner und 150 Jurorinnen und Juroren. In neun Vor- und weiteren neun Finalrunden in drei Kategorien fanden 700 Debatten statt. Die Teilnehmer debattierten insgesamt 18 Themen. Die beiden australischen Weltmeister, Fiona Prowse und Victor Finkel, redeten sich durch insgesamt 14 Runden bis zum Sieg. 32 Teams aus sieben Ländern breakten ins Achtelfinale des “main break“. Ins Viertelfinale des ESL-Breaks zogen 16 Teams ein, darunter vier aus Deutschland. Im “grand final“ standen vier Teams aus zwei Ländern. Im Verlauf der Vorrunden des Turniers wurden die Teams der verschiedenen Debattenräume wie bei BPS-Turnieren üblich mittels “power pairing“ zusammengestellt, so dass jeweils punktgleich rangierende Teams aufeinandertrafen. Von den insgesamt 66 VDCH-Clubs nahmen 18 Rednerinnen und Redner in neun Teams teil. Die live im Internet gesendeten und aufgezeichneten Debatten wurde in nur zwei Tagen fast 6.000 Mal auf der Seite von iDebate angesehen.

Am diesjährigen WUDC-Council nahmen Delegierte aus allen teilnehmenden Ländern teil. Der Delegierte für Deutschland war Marcus Ewald, für Österreich stimmte Leonhard Weese ab. Das “Berlin Bid“ erhielt dort 87 Stimmen, das “Zagreb Bid“ dagegen nur neun. Die Delegierten beim WUDC-Council haben ein bis vier Stimmen, gemäß Artikel 7 der WUDC-Satzung abhängig von der Anzahl der teilnehmenden Debattierclubs an vorangegangenen Weltmeisterschaften und einer entsprechenden Beständigkeit der Teilnahme.

In der Vergangenheit funktionierte das Council ähnlich wie der UN-Sicherheitsrat: Es gab sieben ständige Mitglieder. Das waren die USA, Kanada, England, Schottland, Irland, Australien und Neuseeland. Eine Zweidrittelmehrheit dieser Sieben war notwendig, um Änderungen an der WUDC-Satzung durchzuführen. Angesichts der zunehmenden Zahl teilnehmender Ländern wuchs in den vergangenen Jahren der Druck auf diese “charter members“ – die Sonderstellung wurde 1998 in Athen abgeschafft. Eine ähnliche Rolle spielen heute die Länder der Kategorie A – deren Zweidrittelmehrheit nötig ist, um Änderungen an der Satzung durchzuführen. Zuletzt ist in Botsuana daran eine Reform des Breaks gescheitert. In die Kategorie A rutschen Länder, die gemäß WUDC-Satzung eine gewisse Beständigkeit bei der Teilnahme an den Worlds nachweisen können und außerdem regelmäßig eine gewisse Anzahl Teams dorthin entsenden.

Seit 1990 ist die so genannte “grandfather rule“ (Art. 22.1 der WUDC-Satzung) in Kraft, die besagt, dass jeder Redner nur viermal an den Worlds teilnehmen darf. Zuletzt gab es Auseinandersetzungen über diesen Punkt in Bezug auf Petar Bezjak, den Cheforganisator der gescheiterten Zagreber Bewerbung um die Ausrichtung der Worlds 2013, der heuer offenbar zum sechsten Mal an den Worlds teilnehmen wollte. Er hatte bereits einmal den Zuschlag für die Ausrichtung der Worlds 2005 erhalten, der ihm und seinem Team jedoch ein Jahr vor der Veranstaltung wieder entzogen worden war – mangelnde Unterstützung vor Ort war der Grund.

Die bislang größten WUDC-Weltmeisterschaften fanden 2008 an der Assumption University in Thailand statt. Dort stritten fast 800 Debattierer um den Titel. Pro Vorrunde fanden rund 100 Debatten gleichzeitig statt. Insgesamt haben seit 1981 rund 12.000 Debattiererinnen und Debattierer an den World Universities Debating Championships teilgenommen.

apf / glx

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4 Kommentare zu “WUDC 2011: Die Botswana Worlds in Zahlen”

  1. Manuel sagt:

    Das waren die größten Delegationen nach Ländern:

    Nr. / Land / Teilnehmer

    1 United States 176
    2 Australia 85
    3 United Kingdom 75
    4 Canada 57
    5 Ireland 35
    5 Malaysia 35
    7 China 29
    7 Indonesia 29
    7 Japan 29
    10 Singapore 24
    11 Qatar 23
    12 Hong Kong 20
    13 Philippines 19
    13 South Africa 19
    15 India 18
    16 Germany 17
    17 Israel 16
    18 Botswana 14
    19 Macao 13
    20 France 10
    20 Jamaica 10

  2. Mathias sagt:

    @Manuel: danke für die Zahlen, China, Macao und Hong Kong laufen getrennt? Viele der Teilnehmer aus Hong Kong oder Macao waren nämlich Chinese, die zum Studium dahin gegangen sind. Dann ist vllt. die tatsächliche Chine-Delegation noch größer.

  3. Manuel sagt:

    Quelle ist die TN-Übersicht auf botswanaworlds.com. Die unterscheidet vermutlich nach Council-Repräsentanz. VDCH-Land ist auch gespalten.

  4. Manuel sagt:

    Ah, doch nicht. UK ist hier eins, im Council aber drei.

Kommentare sind geschlossen.

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