Erfolgreich debattieren ist kein Hexenwerk

Datum: 22. September 2011
Redakteur:
Kategorie: Themen

Am vergangenen Wochenende veranstaltete der Debattierclub Johannes Gutenberg (DCJG) in Mainz ein Debattierseminar für Fortgeschrittene unter Anleitung von Lukas Haffert und Marcus Ewald. Der Fokus lag auf der Vermittlung von Inhalten und Taktik für das Debattieren im BPS-Format. Fun fact: Die Teilnehmer kamen alle aus Städten mit M – Mainz, Marburg, München, Münster und … na gut… Frankfurt am Main. Marcus war der Gastgeber für alle weit angereisten, die einen Schlafplatz benötigten.

Ein wenig später als eigentlich geplant startete das Seminar am Freitagabend gegen 18 Uhr mit einem Block zu staatlichen Verboten und der vermeintlich freien Entscheidung des Einzelnen. Seinen Ausklang fand der Abend dann zunächst im „Baron“, der Studentenkneipe auf dem Mainzer Campus, und bei ein paar Bierchen auf Marcus‘ Balkon.

Trotz der langen Nacht begann der nächste Morgen für die Teilnehmer schon um 8.30 Uhr bei einem improvisierten Frühstück im Seminarraum. Dann ging es auch schon in medias res. Lukas brachte den Teilnehmern näher, wie man aus jeder Debatte auch ein wirtschaftliches Argument konstruieren kann. In einer lebhaften Gruppendiskussion ging es für den Rest des Tages vor allem um die Abwägung „moralischer Güter“ in Debatten. Außerdem wurden zwei Übungsmodelle angewandt, die jedem Club auch für den regelmäßigen Gebrauch zu empfehlen sind: die „switch debate“, bei der zwei Teams nach der ersten Debattenhälfte auf die jeweils andere Seite des Hauses wechseln müssen. Vor allem die Position des dritten Regierungsredners führte hier zu Lachern, da er die gerade noch vertretene Meinung direkt rebutteln musste. Das zweite Übungsformat nennt sich „Oppy Proppy“. Hierbei bereiten sich alle Teams zunächst auf beide Seiten vor. Für die Debatte selbst wird dann kurz vor der jeweiligen Rede durch Auslosen festgelegt, wer die Rede nun halten soll.

Zur Stärkung vor dem Abendprogramm im PENG gab es Nudeln in der chinesischen Variante. Hier sei kurz anzumerken, dass die von den Organisatoren scherzhaft als „Nudeldilemma“ bezeichnete Essenssituation (sowohl am Freitagabend als auch Samstagmittag und -abend gab es Nudeln) vielmehr eine gelungene Verpflegung war, die keine Wünsche offen ließ. Selbst als außerplanmäßig am Samstag die Mensa kein vegetarisches Essen anbot, waren den Organisatoren keine Wege zu lang, um den angereisten Vegetariern anderweitig eine Mahlzeit zu besorgen. Im PENG, einer alternativen Location in Mainz, gab Marcus mit seiner Impro-Theater-Gruppe eine viel umjubelte Vorstellung. Auch das „pay-as-you-like“-System zum Bezahlen der Getränke versetzte die Teilnehmer in eine gute Stimmung. Weiter ging es zu einem ebenso unkonventionellen „Club“, der eigentlich ein Sportheim ist, wo an diesem Abend eine Old School Hip Hop Party stattfand. Highlight war hier ganz klar das Hip-Hop-Battle zwischen Willy und Marcus.

Am Sonntagmorgen begann der Tag abermals schon vor 9 Uhr und die Frühstückslösung des Vortags, die sich als sehr gesellig herausgestellt hatte, wurde wieder angewandt. In den Fachvorträgen von Marcus und Lukas über Armut und Identität wurde der eine oder die andere dann doch kurz von der Müdigkeit übermannt. Spätestens zur Vorführung eines kleinen Infofilms waren dann aber alle wieder hellwach. Gezeigt wurde „The Angry Eye“, der ein Experiment in den USA dokumentiert, welches Diskriminierung anhand des körperlichen Merkmals der Augenfarbe erklärt. Nach einer Diskussion über Quoten und „affirmative action“ gliederte sich dann thematisch eine Debatte zum Thema „Dieses Haus würde eine Migrantenquote für Parteigremien und -listen einführen“ an. Im Anschluss wurden die von fleißigen Mainzern geschmierten Brötchen bei lebhaften Diskussionen zum Mittagessen verzehrt.

Voll von Wissen und Motivation reisten die Teilnehmer nach einem wunderbaren Wochenende in Mainz wieder nach Hause zu ihren Clubs. Und die einzige Frage, die offen blieb war: „Wann findet das nächste BPS Turnier statt?“.

Das Wochenendseminar in Mainz verfolgte ein ganz neues Konzept. Losgelöst von Diskussionen über Regeln des Formats oder auch die jeweiligen Redepositionen ging es um die Vermittlung von Inhalten zu häufig wiederkehrenden Themenkomplexen. Sehr erfrischend war dabei die Einstellung der Seminarleiter Lukas und Marcus, die gerne bereit waren, ihre gesammelten Erfahrungen und ihr gesammeltes Wissen weiterzugeben. Dies führte zu einer gewissen Entmystifizierung, die den Teilnehmern vor Augen führte, dass ein Debattensieg möglich ist. Mit dem richtigen Vorwissen und der richtigen Taktik. Eine Fortsetzung des Seminars, auch in anderen Clubs, ist sehr zu erhoffen.

Nach diesem Wochenende sind sich alle einig: Debattieren ist kein Hexenwerk, jedoch waren Lukas, Marcus und die Mainzer einfach zauberhaft!

Teresa Widlok / apf

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1 Kommentare zu “Erfolgreich debattieren ist kein Hexenwerk”

  1. Jörn (Dortmund) sagt:

    Das hört sich ja wirklich gut an. Für eine Fortsetzung/Wiederauflage würden sich ja Darmstadt/Dortmund/Duisburg-Essen/Dresden anbieten. 😉

Kommentare sind geschlossen.

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