WUDC 2011: Nachlese 4

Datum: 19. Januar 2011
Redakteur:
Kategorie: Presseschau, Turniere

Die Welt dreht sich weiter – und zwar immer noch um die zum Jahreswechsel ausgetragenen World Universities Debating Championships (WUDC oder Worlds) in Botsuana. Ein Amerikaner gibt Tipps für kommende Weltmeisterschaften, ein Cheforganisator steht Rede und Antwort, ein anderer Amerikaner freut sich über das Abschneiden der slowenischen Delegation und ein deutscher Debattierclub hat einen ausführlichen Bericht über die Worlds in Gaborone auf seine Homepage gestellt.

Auf seinem Blog “Progymnasmata“ hat Steven M. Llano augenzwinkernd Tipps für künftige Organisatoren zusammengestellt. Dazu gehöre unbedingt das Abspielen bestimmter Lieder – seiner Auffassung nach brauche das internationale Debattierparkett nämlich keine gemeinsame Hymne. Offensichtlich musste Steven mehr als nur einmal zu oft Debattierer einen Black-Eyed-Peas-Song grölen hören, darunter auch frisch gekrönte ESL-Champions, heißt es. Das findet der Progymnasmata-Autor “pernicious“, schädlich. Dieses Wort gehöre überdies ebenfalls zu den Dingen, die Steven auf künftigen Turnieren nicht mehr hören will. Er fragt sich:

“What is the big attraction to this word? Why does this word dominate our descriptive choices? Why is this the choice for cool word of the year among a group of marginally cool people? It seems to be with us and has no sign of diminishing.”

Doch auch der ZEITGEIST-Kolumnist kann sich dem Einfluss des dauerhaften Gebrauchs dieser Vokabel nicht entziehen: Er findet Schlafentzug überaus “pernicious”. Der rühre daher, dass es keine ruhigen Ecken in der Unterbringung gegeben habe – schlimm für Menschen wie ihn, die Mitternacht als optimale Zubettgehzeit betrachten, klagt er, während andere da erst laut singend Richtung Party von dannen zögen.

Daneben hat Steven auch weitaus pragmatischere Tipps in petto: Er empfiehlt für internationale Turniere, die Berichterstattung zu koordinieren. Dass die Daheimgebliebenen aus Botsuana auf dem Laufenden gehalten wurden, sei dem Engagement einzelner Debattierer zu verdanken, weiß der Amerikaner. Er wünscht sich, dass die Berichterstattung künftig geplanter ablaufe und schlägt vor:

“The model would be easy: Get a dedicated webhost/server somewhere and a couple of 3G/4G cards for laptops. The people who want to be on the broadcast committee volunteer and show they have some tech expertise to cover events. People who want live and immediate access pay a small registration fee, like a digital observer. This would easily pay for the cost of bandwidth and tech. Things like extension cords, something Botswana Org Comm was unable to find or supply, shut down some live broadcasting. With this model, it would all be available to the Internet reporting staff. I hope Manila looks into it, and I think in Berlin it shouldn’t be an issue at all. I hope we can institutionalise the Internet reporting as another way for people to participate in WUDC if they cannot afford to travel.”

Schließlich fordert er, die „basics“ künftig klarer zu organisieren: Hungrig und ohne Klimaanlage in langen Schlangen vor der Essensausgabe stehen, lege die Nerven der Teilnehmer blank. Steven fürchtet, dass künftige Bewerber um die Ausrichtung der Worlds, die aus Entwicklungsländern kommen, an den Bedenken um eben diese vermeintlichen Kleinigkeiten scheitern könnten.

Ein Interview mit dem Cheforganisator der Botswana Worlds, Justice Mothlabani, ist in der Internetausgabe von Mmegi nachzulesen. Dort freut er sich:

“‘The governing body of the Worlds Debate, in their audit of the tournament which also included financials, said we hosted a successful event, especially that we served free alcohol and local foods and the local committee which rose to the occasion,’ he said.”

Allerdings wünscht Justice, die Regierung hätte sich aktiver beteiligt.

“He said they experienced a lot of challenges, especially with Visas, where some of the participants could not easily enter the country. This could not have happened, he said, if Botswana government had been directly involved in the planning and organising of the tournament.”

Der Cheforganisator erinnert sich auch noch an die Bewerbung um die Ausrichtung der Worlds:

„’When we were bidding to host this event, we realized that Botswana was a little known country and a friend of mine suggested we write down ten unknown facts about Botswana. In the document we listed that Botswana has some of the most beautiful women in the world, one of which won the Miss Universe pageant. A certain group from one continent (revealed to this paper) were unimpressed because apparently they think that the world thinks their women are the most ugly. At this tournament we tried very much to be sensitive to these issues,’ he said.”

Besonders stolz ist er darauf, dass zum ersten Mal in der 31-jährigen Geschichte der Worlds Debattierer aus zehn afrikanischen Ländern teilgenommen haben, darunter Nigeria, Tansania und Simbabwe.

Alfred Snider, Debattierprofessor aus Vermont, freut sich über das Abschneiden der IDAS-Teams bei den Worlds. IDAS steht für International Debate Academy of Slovenia, ein jährlich stattfindendes einwöchiges Debattierseminar mit anschließendem Turnier, das Alfred jedes Jahr mitprägt. Auf dem IDAS-Blog zählt er die Ergebnisse auf. Demnach waren die ersten beiden Redner der ESL-Top-Ten (Filip Dobranić und Maja Cimerman, Ljubljana A) auch Teilnehmer an der IDAS 2010. Die beiden standen schließlich im ESL-Finale, wo sie sich Michael Shapira und Meir Yarom vom Team Haifa A geschlagen geben mussten. Auch die EFL-Finalisten von Zagreb A und Belgrad B sind IDAS-Teilnehmer.

Schließlich liefert Wortgefechte Potsdam auf der Clubhomepage einen ausführlichen Bericht die Worlds in Botsuana unter dem Titel “Romantik, Guns & Glamour und das Militär – Potsdam bei der Debattier-WM in Botswana“. Dort heißt es:

“Botswana ist so in etwa das Gegenteil von dem, was wir aus Afrika kennen. Nicht mal 2 Millionen Einwohner, prosperierend, Demokratie, aber trotzdem immer der gleichen Partei und sonst ist das Land eher dörflich, Landwirtschaft mit gemütlichen Einwohnern. Vielleicht das Bayern von Afrika? […] Wir treffen auf unsere Bekannten aus Bangladesch wieder, die uns im letzten Jahr mit der Phrase beeindruckten, dass es in vielen Ost-Asiatischen Ländern bei Wahlen auf zwei Dinge ankäme: Guns and Glamour. In diesem Jahr zeigen sie eine interessante Teamchoreographie: Während ein Redner spricht, gestikuliert der Teamkamerad in Richtung Juror, um klar zu machen, welche der Punkte besonders wichtig sind.“

Am Ende zieht die Potsdamer Delegation sogar ein positives Ereignis und freut sich, mit Debattierern aus Ruanda und Namibia geredet zu haben.

Die World Universities Debating Championships (WUDC) werden seit 1981 jährlich um den Jahreswechsel ausgetragen, seit 1996 immer im British Parliamentary Style. Vom 27. Dezember 2010 bis 4. Januar 2011 war die Debattierwelt schon zum dritten Mal Gast in Afrika, diesmal an der “University of Botswana” in Gaborone. Die Turniersprache ist Englisch. Es gibt drei Sprachkategorien: “Main” (vor allem Muttersprachler), “ESL” (English as a Secound Language, für Leute mit hauptsächlich englischsprachigem Unterricht oder Aufenthalten in englischsprachigen Ländern) und “EFL” (English as a Foreign Language, für Leute, deren Sprachkenntnisse nur auf Schulunterricht basieren).

apf / glx

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