Zu hundert Prozent sachlich: Berlin nominiert Chefjuroren für die DDM 2014

Datum: 19. August 2013
Redakteur:
Kategorie: Jurieren, Turniere, ZEIT DEBATTE

Nicht die Welt schaute auf Berlin, sondern Berlin auf die Welt, als in der deutschen Hauptstadt vor einigen Wochen eine gute Idee übernommen wurde. Erstmals gab es ein offenes Bewerbungsverfahren für die Chefjury der Deutschsprachigen Debattiermeisterschaft (DDM), wie es bei der Welt- und Europameisterschaft bereits der Fall ist.

Anna Mattes (c) Streitkultur Berlin

Anna Mattes
(c) Henrik Maedler

Die beiden Debattierclubs der Hauptstadt, Berlin Debating Union e.V. (BDU) und Streitkultur Berlin e.V. (SKB), wollen voraussichtlich die DDM 2014 ausrichten, möchten aber die deutschsprachige Debattierszene mit der Wahl ihrer Chefjuroren nicht vor vollendete Tatsachen stellen. „Wenn Cheforganisatoren die Chefjury im stillen Kämmerlein zusammenstellen, besteht die Gefahr, dass sie bewusst oder unbewusst Personen vor allem deshalb auswählen, weil sie sie gut kennen oder sympathisch finden“, begründet Anna Mattes, Vizepräsidentin der SKB, das Verfahren. „Unser Anliegen war, dass die Auswahl wenig Anlass zur Kritik gibt und die Chefjuroren durch das offene Bewerbungsverfahren anerkannt sind.“ Gemeinsam mit Kai Dittmann (BDU) wird sie als Cheforganisatorin für die DDM 2014 verantwortlich sein, wenn Berlin bei der Mitgliederversammlung des Verbandes der Debattierclubs an Hochschulen e.V. (VDCH) offiziell den Auftrag bekommt, das Turnier auszurichten.

Bis zum 4. August gingen zehn Bewerbungen auf die prestigeträchtigen Posten ein. „Anfangs haben wir befürchtet, dass unser Verfahren vor allem jene anspricht, die sich für gute Juroren halten, und nicht die, die tatsächlich gute Juroren sind. Bei zu wenigen geeigneten Kandidaten hätte es ja keine wirkliche Auswahl gegeben“, sagt Anna. Eine Person habe ihr zwar im Nachhinein erzählt, dass sie tatsächlich durch das Feedbackverfahren abgeschreckt worden sei. Allerdings seien sie und Kai mit den Bewerbungen sehr zufrieden gewesen, versichert sie: „Wir hätten den Posten allen zehn Kandidaten zugetraut.“

Die schmutzige Schlammschlacht blieb aus

Nach Bekanntgabe der Namen waren die deutschsprachigen Debattierer aufgerufen, den Cheforganisatoren über ein Online-Formular Rückmeldungen zu den Kandidaten zu geben, auch anonym. Insgesamt 44 Feedbackbögen sind eingegangen, elf Personen verrieten ihren Namen nicht. Wer deshalb mit einer schmutzige Schlammschlacht gerechnet hat, wird eines besseren belehrt. „Das Feedback war zu hundert Prozent sachlich“, resümiert sie, „wenn auch unterschiedlich gut begründet. Der Großteil der Personen hat sich sehr viel Mühe gegeben, das Feedback an konkreten Situationen festzumachen.“

Kai Dittmann am Pult - bei den Worlds kratzt er das Geld zusammen. (Foto: Privat)

Kai Dittmann
(c) Privat

Anna und Kai werteten die Bögen aus und gaben der Debattierszene nach mehrtägiger Reflexion per Mail über den VDCH-Verteiler ihre Entscheidung bekannt: Berlin wird sich mit einer dreiköpfigen Chefjury bewerben, die aus Andrea Gau (Mainz), Dessislava Kirova (Berlin) und Michael Saliba (Stuttgart) besteht. „Das Feedback hat uns genau das gegeben, was wir uns davon erhofft haben: Mehr Informationen und Einschätzungen, insbesondere von Personen, die den Bewerberkreis gut kennen. Unsere Chefjury besteht aus den Kandidaten, die insgesamt das beste Feedback bekommen haben“, erklärt Kai. „Außerdem waren hilfreiche Tipps dabei, um die wir nicht explizit gebeten hatten, wie beispielsweise zur Anzahl der Chefjuroren oder zur Art der Teamzusammensetzung.“ Ob es ein Dreier- oder Vierer-Panel geben würde, hatten die beiden Cheforganisatoren während der Feedbackphase offen gelassen. Da ihnen von einem Viererpanel abgeraten worden sei und sie selbst auch ein Trio bevorzugt hatten, entschieden sie sich schließlich für ein Dreierpanel.

Das ungewohnte Verfahren sei auf viel Zustimmung gestoßen, es habe „hauptsächlich Lob“ gegeben, so Anna. Kritik gab es aber auch. „An uns wurde die Sorge herangetragen, dass es eine Verzerrung dadurch geben könnte, dass Kandidaten Fürsprecher zu positivem Feedback auffordern“, sagt sie. Sie habe aber nicht das Gefühl gehabt, dass das tatsächlich der Fall gewesen sei. „Die Rückmeldungen waren ehrlich. Das bedeutet, dass uns durchaus auch mal Personen einen Kandidaten, den sie gut kennen oder mit dem sie schon mal zusammengearbeitet haben, ausdrücklich nicht empfohlen haben.““

Da bislang keine weitere Bewerbung um die Ausrichtung der DDM 2014 erwartet wird, gilt es als wahrscheinlich, dass die BDU und SKB gemeinsam die Meisterschaft organisieren werden. Den Cheforganisatoren künftiger großer Turniere gibt Anna mit auf den Weg: „Unserer Meinung nach ist das offene Bewerbungsverfahren definitiv empfehlenswert. Interessierten Ausrichtern, die für ihre Turniere das gleiche Verfahren wählen wollen, stellen wir gerne unsere Vorlagen für Bewerbungs- und Feedbackbogen zur Verfügung.“

kem

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