Wann kommt der Verband der deutschsprachigen Debattierclubs?

Datum: 4. April 2018
Redakteur:
Kategorie: DDG, Mittwochs-Feature, VDCH

Das Debattieren wächst – nicht nur an Universitäten, sondern insgesamt. Es stellt sich die Frage, wie der Verband der Debattierclubs an Hochschulen mit zunehmendem Interesse auch seitens der nichtstudentischen Gesellschaft umgehen soll. Eine Frage, in der auch das Echo der Frage nach der eigenen Identität wiederhallt.

Beim Debattierclub Aargau in der Schweiz debattieren Berufstätige - © debattierclubs.ch

Beim Debattierclub Aargau in der Schweiz debattieren Berufstätige – © debattierclubs.ch

Zu Beginn der Überlegung möchte ich gerne einige Beispiele anführen, die zunehmendes Interesse auch am Debattieren für Menschen nach dem Studium sichtbar werden lässt. Da wäre zunächst die Gruppe der Alumni: Die Deutsche Debattiergesellschaft (DDG) richtet mittlerweile jährlich zusätzlich zum Masters‘ Cup für ihre Mitglieder noch ein kompetitives Turnier aus, den Alumni-Cup. Dann gibt es schon seit geraumter Zeit die Streitkultur Berlin e.V., die sich insbesondere auch als Debattierclub für Berufstätige versteht und im Vergleich zu anderen Debattierclubs einen deutlich geringeren Anteil an studentischen Mitgliedern hat. Zuletzt aber, und diese Entwicklung dürfte bislang nur wenigen bekannt sein, ist aber am Wichtigsten, gründen sich aktuell in der Schweiz weitere Debattierclubs im Sinne des nicht-(nur-)studentischen Debattierens: Der Debattierclub Aargau, der Debattierclub Winterthur und der Debattierclub Lenzburg sind binnen eines Jahres neu entstanden.

Unklar ist, was der VDCH mit diesen anstellen soll: Nach aktueller Satzung sind nur Debattierclubs an Hochschulen als Mitglieder vorgesehen. Fest steht: Es gibt einen – aus gesellschaftlicher wie auch der Perspektive des VDCH äußerst positiv zu bewertenden – neuen Trend zum Erwachsenendebattieren auch außerhalb des Studiums, der sich nicht auf Alumni beschränkt – ein Interesse, das auch Neueinsteiger aus der Bevölkerung teilen. Die Frage ist nicht, ob in Zukunft mehr Berufstätige debattieren werden, sondern, wie damit umgegangen werden soll. Kurz: Was kann und soll es für Infrastruktur und Kooperation geben und in wessen Zuständigkeit?

Zunächst einmal auf lokaler Ebene: Die Mehrheit der deutschsprachigen Debattierclubs hat formell den Status eines gemeinnützigen Vereins, der üblicherweise auch heute schon nichtstudentische Mitglieder aufnimmt und partizipieren lässt. Die Mehrheit, aber eben nicht alle. Manche Mitgliedsclubs des VDCH (etwa ein Viertel) existieren als integrierter Teil der Universität oder als studentische Gruppe. Zum Teil, weil es weniger Verwaltungsaufwand bedeutet, zum Teil, weil beispielsweise Räume für die wöchentliche Debatte so leichter oder ausschließlich zu bekommen sind.

Allgemeine Debattierclubs, wie wir sie wahrscheinlich und hoffentlich in Zukunft noch häufiger entstehen sehen werden, dürften in jedem Fall recht bald die Form eines eingetragenen Vereins annehmen und auch in Städten ohne Universität zu finden sein.

Plakat Schaubild VDCH-Kick-Off Frankfurt 2015 © Elisa Schwarz

Wissenstransfer leistet der VDCH vorallem auf dem jährlichen Kick-Off – © Elisa Schwarz

Das wirkt sich auch auf Verbandsebene aus: Durch die absehbaren Neugründungen besteht ein Bedarf an Wissen, Materialien und auch Vernetzung. Ein Bedarf, den der VDCH heute bereits für Debattierclubs an Universitäten erfüllt und dessen Angebote fast überall nahtlos übertragen werden könnten. Steht der VDCH jedoch nicht als Dachverband zur Verfügung – was er aktuell nicht tut -, wird dieser Bedarf mittelfristig anderweitig gedeckt werden: Die DDG könnte sich redefinieren und zum Dachverband aller deutschsprachiger Debattierclubs werden, wenn sie dies wünscht. Auch hier wäre theoretisch das nötige Wissen vorhanden, um die Angebote des VDCH zu übertragen. Werden beide Instanzen ihre Rolle nicht so verändern, dass sie das Vakuum füllt, so ist mit der Gründung mindestens eines neuen Verbands zu rechnen, der diese Rolle übernimmt. Ich habe mir dazu ein paar Gedanken gemacht und möchte hier drei Fälle als Diskussionsimpuls vorstellen:

Fall 1: Ein neuer Dachverband entsteht aus den allgemeinen Clubs

Der – je nach Umsetzung – möglicherweise ungünstigste Fall. Posten werden doppelt besetzt, Arbeit doppelt gemacht, kurz: Ressourcen verschwendet. Dazu kommt die Konkurrenz um Fördergelder und Sponsoren. Außerdem kommen diejenigen traditionellen Debattierclubs, die heute bereits Nichtstudierende aufnehmen – die Mehrheit – in die Position, im Grunde zwei Dachverbänden angehören zu müssen, um all ihren Mitgliedern gerecht zu werden. Letztlich ist es bei der aktuellen Entwicklung nicht auszuschließen, dass sich für jedes deutschsprachige Land, beginnend mit der Schweiz, ein eigener Dachverband gründet. Das wäre insbesondere für studentische Debattierclubs in der Schweiz und Österreich, die in ihrer Anzahl dann gleich oder unter den allgemeinen Debattierclubs liegen könnten, auch ein Grund, sich weniger im VDCH einzubringen und stärker national anzubinden. Eine bessere Umsetzung, wenn man sich dafür entscheidet, einen zusätzlichen Dachverband zu wollen, wäre vermutlich eine gezielte Neugründung durch alle als allgemeiner Verein organisierten Debattierclubs inklusive der neu dazugekommenen berufstätigen Clubs und eine personelle Besetzung mit einigen Vertretern des studentischen Debattierens. Damit beugt man zumindest einer nationalen Zersplitterung und für den Anfang Konkurrenzdenken vor. Viele Nachteile bleiben aber selbst dann bestehen.

Fall 2: Die DDG strukturiert sich vom Förderverband zum allgemeinen Dachverband um

Mit der DDG als neuem Generaldachverband neben dem VDCH lösen sich zumindest Zersplitterungsprobleme. Auch besteht eine starke Verknüpfung zwischen DDG und VDCH, die leichter zu Kooperationen und effizienterer Arbeit führt. Problematisch an der DDG wäre allerdings, dass sie aktuell reale Personen als Mitglieder hat und keine Mitgliedschaft durch Vereine vorsieht. Auch wollen nicht alle DDG-Mitglieder noch aktiv debattieren, viele fördern einfach über die DDG das studentische Debattieren und sehen darin deren Sinn. Ihre komplette Struktur müsste umgebaut werden, Mitglieder, denen es vorallem um die klassischen DDG-Ziele geht, gingen verloren. Ich halte diese Option daher für sehr ungünstig, bin aber auch kein DDG-Mitglied. Eine Einschätzung und interne Diskussion seitens der DDG wäre sicherlich wünschenswert.

Fall 3: Der VDCH wird ausgebaut

Die VDCH-MV bei einer Abstimmung © S. Kempf

Nicht zuletzt die Clubs sollten sich für kommende Mitgliederversammlungen Gedanken machen, in welche Richtung sich der VDCH entwickeln soll – © S. Kempf

Durch eine Öffnung des VDCH für sämtliche deutschsprachigen Debattierclubs könnte – meiner Einschätzung nach – der Großteil der Probleme umgangen und das Debattieren insgesamt stärker gefördert werden. Ich denke dabei an einen Verband der deutschsprachigen Debattierclubs (VDDC? VDC?), der sich als zuständiger Dachverband für sowohl rein studentische als auch allgemeine Debattierclubs versteht, die auf Deutsch oder im deutschsprachigen Raum debattieren. Aufgaben des Verbands wären dann der Austausch und die Vernetzung all dieser Clubs und die Vertretung von deren Interessen bzw. auch als Vertreter der Debatte als Form des Diskurses. Konkret würde der Dachverband das gleiche machen wie heute, nur etwas größer und offener: Auf dem Kick-Off gäbe es neben dem Workshop „Mitgliederwerbung an der Uni“ auch den Workshop „Mitgliederwerbung allgemein“, die übrigen Workshops bleiben vermutlich sehr ähnlich. Neben der DDL, die de nomine ja allen offensteht, könnte sich eine Hochschuldebattierliga gründen, für rein studentische Turniere. Und neben der Hochschulmeisterschaft im Debattieren (dann vielleicht: HMD) würde man eine Deutschsprachige Debattiermeisterschaft (dann die neue DDM) ausrichten, an der jeder Club teilnehmen kann. Bei der Gelegenheit kann man die HMD auch gleich mit einer Altersgrenze bis 25 versehen und wir sind die leidigen Diskussionen los, die jedes Jahr auf der MV aufkommen.

Apropos MV: Vermutlich gäbe es zwei Mitgliedschaftskategorien im neuen Dachverband: Studentischer Debattierclub und allgemeiner Debattierclub, wahlweise kann man in einer Kategorie oder auch beiden Mitglied sein. Dann gibt es eine studentische MV, auf der diese Clubs über Regelwerke und Startkriterien beraten, und eine allgemeine MV, auf der der Vorstand gewählt und das Budget verteilt wird. Vielleicht hat der Vorstand eine Quote für studentische Mitglieder. Der Vorstand vertritt dann die Interessen aller Clubs, wobei das studentische Debattieren Priorität bei finanzieller Förderung hat, da Studierende weniger Geld selbst stellen. Gleichzeitig kann das Debattieren durch das Wissen und die Strukturen, die der VDCH heute bereits hat, auch außerhalb von Universitätsstädten weiter wachsen und erlangt damit mehr gesellschaftliche Bekanntheit und Relevanz, die wiederum den Status des Hochschuldebattierens zum Beispiel in den Augen von Förderern und Universitäten steigert. Alles in allem scheint mir diese Symbiose der sinnvollste Umgang mit dem Phänomen wachsender allgemeiner Debattiertätigkeit zu sein.

 

Egal, was wir machen: Es bedeutet Arbeit und sie muss in mittelfristiger Zukunft geschehen. Ich persönlich finde, wir sollten die neuen Clubs, die gerade entstehen, mit offenen Armen empfangen, integrieren und fördern. Lasst uns deshalb heute diskutieren, wer wir morgen sein wollen und den Sprung auf die nächste Ebene gemeinsam und rechtzeitig vorbereiten!

Lennart Lokstein/jm.

Mittwochs-Feature

Lennart Lokstein ist Chefredakteur der Achten Minute. Er war von 2013 bis 2015 Vorsitzender der Streitkultur e.V. in Tübingen und ist seit 2014 Mitglied der OPD-Regelkommission. Er gewann zahlreiche Turniere, darunter die Deutschsprachige Debattiermeisterschaft 2016 und erhielt auf selbiger sowie bereits auf der Deutschsprachigen Debattiermeisterschaft 2015 den Preis für die beste Finalrede. Lennart war Chefjuror mehrerer Turniere und erreichte als Juror zahlreiche Breaks, inklusive mehrerer Europa- und Weltmeisterschaften. Seit der Saison 2014/15 unterstützt er den VDCH-Vorstand in wechselnden Beiratstätigkeiten. Im Studium arbeitet er an einer Masterarbeit in Allgemeiner Rhetorik zum Hochschuldebattieren im deutschsprachigen Raum.

Das Mittwochs-Feature: Jeden Mittwoch ab 10.00 Uhr stellt das Mittwochs-Feature eine Idee, Debatte, Buch oder Person in den Mittelpunkt. Wenn du selbst eine Debatte anstoßen möchtest, melde dich mit deinem Themen-Vorschlag per Mail an team [at] achteminute [dot] de.

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13 Kommentare zu “Wann kommt der Verband der deutschsprachigen Debattierclubs?”

  1. Alena (MZ) sagt:

    Die Entwicklung, dass immer mehr Berufstätige debattieren, finde ich sehr gut. Es sollte aber unbedingt vermieden werden, dass sich Parallelstrukturen bilden. Die Clubs konkurrieren ja nicht nur um Fördergelder etc., sondern auch um aktive Mitglieder. Bei uns – und bestimmt auch in vielen anderen Clubs – sind auch viele Berufstätige ein wichtiger Teil der Clubkultur. Es wäre schade, wenn sich die Debattierkultur in zwei parallele Strukturen aufteilen würde.
    Deshalb ermutige ich dazu, nicht nur auf der VDCH MV darüber nachzudenken, was man ändern könnte, sondern im eigenen Club anzufangen. Mittels neuer Medien wie Facebookwerbung kann man auch außerhalb der Uni immer leichter (d.h. bezahlbar) Werbung machen. Und wir sollten meiner Meinung nach nicht-mehr-studentische Mitglieder auf DDL-Turnieren willkommener heißen, statt hinter dem Rücken herzuziehen, dass jemand „immer noch“ antritt. Wir haben ja trotzdem noch die studentischen Turniere Zeit/Campus Debatten, Regios und DDM.
    Ich könnte mir vorstellen, dass nicht-studentische Debattiererinnen und Debattierer eine vergleichbare Turnierserie (wenn auch wahrscheinlich erstmal viel kleiner) ausschließlich für Berufstätige ausrichten. Dann könnte man die Kriterien so absprechen, dass jeder genau bei einem von beiden antreten kann. So, wie bei der DDM auch Schüler antreten dürfen, könnten bei der Berufstätigen-DDM dann z.B. auch Vollzeit-Eltern etc. antreten. Auch Promotionsstudenten, die de facto eher arbeiten als studieren, und andere Streitfälle, könnte man so ein für alle mal in eine der Kategorien zuordnen und so eine umstrittene Altersgrenze überflüssig machen.

    1. Thore (Coburg) sagt:

      Alena, ich finde die Idee, die Du im letzten Absatz skizzierst, sehr interressant. Es könnte also langfristig Turniere für Studierende geben, wie gehabt, und wir könnten den neuen und auch den schon länger existierenden Clubs von Berufstätigen dabei helfen, ebenfalls Turniere auf die Beine zu stellen und zu einer aktiven Szene zusammenzuwachsen. Ich stelle mir eine „Professionals‘ League“ vor, in der verschiedene Firmendebattierclubs und Ähnliche gegeneinander antreten.

      Auf Lennarts Frage, wie wir uns den Verband in Zukunft vorstellen, habe ich derzeit noch klare Meinung… Eindeutig scheint mir, dass letztendlich alle Debattierclubs [sofern sie ähnliche Werte vertreten wie die studentischen Debattierclubs] ideell zusammen gehören, egal in welchem Land sie sich befinden, oder was genau ihre Mitglieder außer Debattieren noch so machen.

  2. Christian (MZ) sagt:

    Ein sehr guter und wichtiger Beitrag, Lennart, vielen Dank!

    Ich teile sehr viele Punkte der Analyse und denke auch, dass eine Integration nichtstudentischer Debattierclubs in den VDCH bzw. VDC die beste Variante wäre. Früher oder später kann man auch darüber nachdenken, ob sie die studentischen Clubs selbst auch mehr berufstätigen Mitgliedern öffnen (oder besser gesagt: ihnen zuwenden). Das kann eigentlich nur nutzen denn:

    – Man hätte ein riesiges Potenzial neuer Mitglieder. Das ist gut für die Finanzkraft der Clubs, das Clubleben allgemein und auch beim Werben um Sponsoren, weil ein Sponsor eine viel größere Gruppe erreicht. Das allgemeine Clubleben kann profitieren, weil der Pool an potenziellen Vorstandsmitgleidern wächst. Dadurch hat man wahrscheinlich noch bessere Kandidaten (schon weil mehr zur Verfügung stehen und man müsste nicht immer wieder Erstis „Verbrennen“) oder zumidnest überhaupt welche. Es sterben ja auch immer mal wieder Clubs, weil prägende Figuren aufhören und dann niemand da ist, der übernimmt. Und es steigen die Chancen, dass man irgendwann so groß ist, dass die Struktur einen Club selbst trägt und weniger einzelne Personen, wie es bei kleineren Clubs aktuell notgedrungen noch der Fall ist. Das entlastet alle Beteiligten.

    – Mitglieder mit (im Vergleich zu Studenten) ganz anderen Lebenserfahrungen und damit ganz neue Blickrichtungen bereichern das Debattieren. Das könnte Debatten beleben, ganz andere Denkweisen ins Spiel bringen und die Debatten vielleicht auch wieder etwas realitätsnäher werden lassen. Wer arbeitet, eine Familie hat oder sonst „mitten im Leben steht“, wie man so sagt, hat oftmals andere Ansichten als Studenten in ihren Elfenbeintürmen. Nicht bessere oder schelchtere, aber andere und schon dadurch bereichernde.

    – Schon rein idealisitisch bringt man sehr viel mehr Leuten das Debattieren nahe als aktuell. Und das wahrscheinlich wesentlich effektiver als mit öffentlichen Finalveranstaltungen.

    – Wenn es wirklich zur Gründung und Verbreitung von allgemein offenen Debattierclubs kommt, ist die studentische Szene irgendwann die deutlich kleinere, schon wegen des ungleich größeren Mitgliedspotenzials bei für alle offenen Clubs. Wenn man also nicht irgendwann irrelevant sein will oder Juniorpartner, sollte man voran gehen.

    – Man könnte Kontinuität in Clubs schaffen und Leistungen steigern. Berufstätigte, die einmal anfangen sich für das Debattieren zu begeistern, ziehen nicht nach einem Bachelor/Master weg (ok, vielleicht tun sie es einfach so, vielleicht bleiben sie aber auch noch 20 Jahre in der Stadt). Aktuell dauert die aktive Debattierzeit der meisten Leute 1-4 Jahre. Bei manchen dauert es länger, aber nach meinem Gefühl ist das nur noch bei sehr wenigen Leuten der Fall. Dadurch geht immer sehr viel wissen verloren. Wissen über Debatten aber auch über den Club vor Ort und auch Dinge über Cluborganisation etc.. Klar, das kann man in Leitfäden und Wikis sichern, aber am Ende wird das dann doch alles vergessen und ein Club schrumpft, wenn er mal ein oder zwei Jahre lang Pech bei der Mitgleiderwerbung hat. Auch hier könnte eine Öffnung für alle helfen.

    – Ganz profan: Sich nur auf Studenten zu beschränken bzw. dorthinden schwerpunkt zu legen, schließt andere Menschen aus von etwas, was wir an sich gut und erstrebenswert finden. Schon das ist eigentlcih ein Unding.

    Auf Dauer würde ich es machen, wie Lennart es vorschlägt, und dann offene Turniere für alle plus studentische Turniere anbieten. Für Turniere nur für Berufstätige sehe ich ehrlich gesagt keinen Bedarf. Alumniturniere sind eine Sache für sich, da will man gegen die und mit den alten Kumpels reden. Aber wenn man einen Debattierclub offen für jeden macht, kann man auch die Turniere für jeden öffnen. Mischen ist super, davon profitieren alle! Aber ich schätze, studentische Turneire wird man erst einmal weiter machen. Einerseits wegen der aktuellen Sponsorenverträge aber auch, weil ja sonst die bösen alten Menschen den armen kleinen Studenten trotz deutlich weniger Debattiererfahrung sofort superüberlegen wären und das kann man ja dem eigenen Nachwuchs nicht zumuten 😉

    Ernsthaft: ich finde die Idee des VDC wirklich gut! Und ich würde dabei nicht nur auf neue Clubs von Berufstätigen warten, sondern das Ganze gezielt forcieren. Entweder mit den bisherigen Clubs oder sonst irgendwie. Und ja, dafür müsste man den VDC(H) auf Dauer sicherlich umstrukturieren. Ich bin aber sicher, es gäbe einige Leute, die dabei gerne helfen würden und ich kenne auch einige, die schon mit dem Gedanken gespielt haben, einen Debattierclub für Berufstätige zu gründen. Hier liegt sich viel Potenzial!

    Nachteile könnten natürlich sein, dass sich studentischer Nachwuchs eher abschrecken lässt. Zur Zeit sind alle ähnlich alt und haben ähnliche Hobbies. Wenn das irgendwann mal nicht mehr so ist, trauen sich manch schüchterne Menschen vielleicht nicht mehr dazu, weil es schwerer werden könnte Anschluss zu finden. Anfangs wäre das sicherlich kein Problem, aber wenn man sich über Jahre durchmischt, könnte das passieren. Dafür würde man aber auch keine Berufstätigen mehr abschrecken, die sich unter lauter 18-23 Jahre alten Leuten, die sehr theoretisch und prinzipiell über Dinge reden und oft wenig praxisnah, manchmal vielleicht nicht so gut aufgehoben fühlen
    .
    Und selbstverständlich, da hat Lennart völlig recht, stellt sich auch die große Identitätsfrage: Wer oder was will „die Szene“ eigentlich sein? Ein VDC wäre etwas völlig anderes als der bisherige VDCH. Nicht ab morgen, aber in einigen Jahren. Dessen sollte man sich unebdingt bewusst sein! Und nein, da geht es nicht nur darum, das da viel Arbeit bevor stünde.

    Ich finde es übrigens ehrlich gesagt etwas schade, dass zu diesem sehr wichtigen Thema erst ein Kommentar kam. Geht es um Jurierquoten oder spezielle Turneire, dann kommen immer alle. Aber wenn es mal nicht um irgendwelchen Minikleinkram geht, über den man aber wunderbar nerdige Prinzipiendiskussionen führen kann, sondern um große strukturelle Fragen geht, dann herrscht das große Schweigen…

    Was mich sehr interessieren würde: was ist die Position des VDCH-Vorstands hierzu? Habt ihr euch mit der Thematik schon beschäftigt? Was würdet ihr empfehlen? Entweder als Vorstand oder auch als „Privatpersonen“?

    1. Lennart Lokstein sagt:

      Ich stimme dir da in vielen Punkten zu (offensichtlich). Ich würde mich auch sehr freuen, wenn mehr Leute sich noch damit auseinandersetzen und wir ein bisschen mehr Diskussion dazu hätten, ehe es auf der MV aufkommt. 🙂

  3. Benedikt R. (VDCH) sagt:

    Hallo Zusammen,

    zunächst: Danke für die bisherigen Beiträge und natürlich den Artikel an Lennart!
    Christian hat vollkommen Recht, dass das durchaus eine wichtige Diskussion ist 😉

    Ich möchte gerne in zwei Teilen antworten – erstmal hier aus VDCH-Sicht und dann in Ergänzung in einem zweiten Kommentar noch meine Privatmeinung.

    Wir haben uns im VDCH-Vorstand in der Tat bereits mit dem Thema befasst. Anlass war (ähnlich wie im Artikel erwähnt), dass uns der erste berufstätige Club aus der Schweiz angeschrieben hat.

    Unsere Antwort an die dortigen Beteiligen bzw. der Status Quo sieht wie folgt aus:
    – Wir haben explizit dazu ermuntert, an den gängigen Veranstaltungen und Turnieren teilzunehmen, insbesondere z.B. auch dem VDCH-Verteiler beizutreten, um die entsprechenden Informationen zu erhalten. Lennart (?) hat dort auch einen Workshop gegeben, der Kontakt ist also da und es zumindest momentan noch keine große parallele Entwicklung.
    – In der Tat sind laut Satzung nur Clubs an einer Hochschule zum Beitritt zum VDCH berechtigt. Dies ist also aktuell ohne Satzungsänderung nicht möglich.
    – An Veranstaltungen sind als Individuen eigentlich nur die Teilnahme als Redner an DDM und Regios exklusiv für Studenten. Selbst bei ZDs / CDs wird der Studentenstatus aktuell nicht überprüft.

    Zusammenfassung: Für die berufstätigen Clubs selbst gibt es eigentlich im Status Quo gar keine so großen Hürden.

    Was bedeutet das?

    Im Artikel werden ja große strukturelle Veränderungen angedacht. Auf dem Papier ist jedoch die erste (einzige?) konkrete Frage, ob man den VDCH als Verband für andere Mitglieder durch eine Sätzungänderung öffnen möchte.

    Unser Vorschlag zu dieser Frage wäre, zur nächsten MV eine Satzungsänderung zu beschließen, die einen Beitritt zum VDCH mit Beobachterstatus ohne aktives Stimmrecht ermöglicht (evtl. mit der Möglichkeit, Anträge einzureichen, im Zweifel kann dies aber auch der VDCH-Vorstand in Vertretung). Dann würde man einerseits den bereits angefangen Kontakt fortfahren und den Aufbau von parallelen Sturkturen (die wie im SQ beschrieben sicherlich auch noch keine akute Gefahr in naher Zukunft sind) vorbeugen. Andererseits müsste man den formellen Charakter als studentische Vereinigung nicht vorschnell aufgeben.
    Falls man gute Erfahrungen mit den Beteiligten macht, könnte man dann im zweiten Schritt weitere Dinge wie Stimmrechte überlegen.

    Es bleibt auch abzuwarten, wie viele dieser berufstätigen Clubs sich überhaupt gründen. Ein Hauptgrund, warum viele Debattierer ausscheiden, ist ja eher die mangelnde Zeit im Berufsleben. In der Schweiz hängt das auch gerade an einigen wenigen, sehr engagierten Menschen – ob sich die Entwicklung so schnell aus Deutschland überträgt, was ja auch eine andere / weniger ausgeprägte Demokratiekultur hat, bleibt ebenfalls abzuwarten.

    Viele weiterführende Fragestellungen sind also eher Spekulation, hängen aber sehr daran, ob es sich um ein paar Fälle handelt oder um so viele, dass es grundsätzlicher Änderungen bedarf.

    Eine solche weitere Frage, die ja oben diskutiert wurde, wäre bezüglich der Teilnahme an Turnieren bzw. der Schaffung eigener Turniere. Zumindest kurz-/mittelfristig würde man wohl den studentischen Charakter der Campus-Debattenserie bewahren wollen (u.a. auch wegen Sponsoren), dort würde sich erstmal nichts ändern. In der Beschlusssammlung steht zu ZDs / CDs:
    „Die ZEIT DEBATTEN bewahren ihren studentischen Charakter
    dadurch, dass die teilnehmenden Rednerinnen und Redner überwiegend Studierende sind
    und die Rednerinnen und Redner eines Teams in der Regel gemeinsam in einem Debattierclub aktiv debattieren. Teilnehmende Vereine sollten dies bei der Entsendung von Rednerinnen und Rednern berücksichtigten. “

    Gegen weitere Turniere spricht aus VDCH-Sicht erstmal nichts, solange sie kein Geld vom VDCH möchten ist das ja sowieso erstmal unabhängig – sie wie bei der DDL (mehr oder weniger) auch.
    Hier wäre höchstens die Frage, ob man aktiv Arbeit reinsteckt, z.B. durch einen eigenen Beirat für berufstätige Clubs. Ich glaube dies ist einfach kapazitätsabhängig: Während diese Saison einen klaren Fokus auf Sponsorensuche für die CDs hat, könnte dies in einem anderen Jahr durchaus möglich sein.
    Wir begrüßen sicherlich jede Arbeit auch für das Debattieren allgemein. Komparativ stehen aber oft erstmal eher andere Themen im Vordergrund.

    Mögliche Probleme aus VDCH-Sicht, v.a. Sponsoring, bei einem grundlegenderen Wandel (wenn es nicht nur ein paar Fälle wären), die mir einfallen:
    – Im Allgemeinen verkaufen wir natürlich, dass es sich bei den ZDs / CDs um eine studentische Turnierserie handelt. Dies müsste zumindest mittelfristig auch erstmal so bleiben, falls wir aktuelle Sponsoren halten möchten. Aus meiner Erfahrung in diesem Jahr kann ich sagen, dass dies auch einen sehr großen Vorteil darstellt. Im ideellen Förderbereich dadurch, dass man für den studentischen Geldbeutel ergänzend zum akademischen Curriculum Debattenkultur fördert. Im privaten Sponsoringbereich deshalb, weil wir als potentielle zukünftige, hochqualifizierte Mitarbeiter eine interessante Zielgruppe sind.
    Christian argumentiert zwar, dass mehr Mitglieder automatisch mehr Einnahmenpotential bringen. Das stimmt zwar bedingt, ich glaube aber nicht proportional, wenn diese größere Zielgruppe nicht gleich attraktiv ist. Zumindest pro Kopf wage ich das also zu bezweifeln; Kosten bei größeren Veranstaltungen würden aber andererseits mehr oder weniger pro Kopf steigen.
    – Die (studentische) Turnierserie finanziert im SQ die Verbandsarbeit auch als Ganzes. Sponsoren und Förderer möchten vornehmlich diese Serie fördern. Die Verbandsarbeit (Vorstandsaktivitäten, MV, Pressearbeit, Steuerberatung etc. ) legitimiert sich stark durch die Turnierserie und wird daher zum großen Teil auch davon bezahlt. Eine Trennung einer studentische Serie und einen allgemeinen Verband ist also finanziell schwierig.
    – Außerdem fördert insbesondere das BMBF nur Studenten: Fast alle weiteren VDCH-Veranstaltungen (Kick-Off, Jurierseminare und in diesem Jahr erstmalig die Debate Academy) hängen daran, dass (genügend) Studenten teilnehmen. Jeder nicht-studentische Teilnehmer muss da querfinanziert werden bzw. würde zulasten eines höheren TNB gehen (oder man würde zwei Beiträge, einen studentischen und einen höheren einführen). Insgesamt müssen sie auch einen mehrheitlich studentischen Charakter behalten für diese Förderung.

    Alles in allem sind zumindest die nächsten, konkreten Schritte gar nicht so groß. Wir sehen es als Vorstand so, eine positiv-offene Haltung zur Entwicklung zu haben, z.B. durch den Beitritt als Beobacher als ersten Schritt, ohne momentan jedoch aktiv Ressourcen darin investieren zu wollen bzw. zu können.
    In diesem Szenario halten wir auch eine grundsätzliche Veränderung oder die Gefahr von großen Parallelstrukturen eher für klein und ermutigen die bisherigen Fälle aktiv, sich mit uns auseinanderzuetzen.
    Eine grundsätzliche Veränderung weg von der studentischen Kernstruktur würde zumindest die aktuellen (Finanzierungs-)Modelle fast aller VDCH-Veranstaltungen infrage stellen und wäre daher organisatorisch nicht zu unterschätzen.

    1. Lennart Lokstein sagt:

      Warum eigentlich nur Beobachterstatus? Spricht etwas dagegen, die auch auf der MV mitreden zu lassen?

    2. Benedikt R. (HD) sagt:

      Man würde sie in der Tat natürlich mitreden lassen – das machen wir ja sogar (meistens) bei Gästen so 😉 Vielleicht ist „Beobachterstatus“ aber wirklich ein nicht treffender Begriff und es würde „beratendes“ oder „passives“ Mitglied o.Ä. eher treffen; das ist noch eher ein Arbeitstitel bisher.

  4. Benedikt R. (HD) sagt:

    Nun in einem zweiten Teil meine persönliche Meinung dazu:

    Wie oben gesehen, sind die strukturellen Fragen bzw. konkreten Veränderungen kurzfristig erstmal eigentlich gar nicht so groß. Langfristig stellt sich natürlich die Frage, ob man aktiv in diese Richtung hinarbeiten möchte – wie Christian schrieb, was möchte das Debattieren sein?

    Ich möchte hier einen Case dafür machen, dass wir den im Kern studentischen Charakter erhalten sollten (auch weil bisher für diese Seite wenig eingebracht wurde) .

    Der Punkt „Evtl. fühlen sich ein paar jüngere Studierende dann abgeschreckt“ sollte nicht unterschätzt werden. Wie sieht denn momentan die Arbeit viele Clubs aus?
    – Wir machen Professoren-Studenten-Duelle, Showdebatten in Hörsäälen, Werbung auf dem Uni-Campus. Dies ist die Kernzielgruppe, die mMn auch das größte Potential hat.
    – Wir achten darauf, dass das Bier nach dem Clubabend auch für den studentsichen Geldbeutel bezahlbar ist. Es ist kein Problem, wenn die Debatten bis um halb elf gehen und das Bier bis um halb eins, weil man im Notfall eben mal nicht so früh zur Vorlesung geht. Wir reden währenddessen über die aktuellen Hausarbeiten; was gerade an der Uni passiert. Wir haben einen sozialen Drehpunkt, viele Freundschaften.
    Natürlich ist dies auch in gemischten Clubs möglich, aber deutlich schwieriger.
    Ich war bspw. länger in einem Musikverein aktiv, in dem alle Altersstufen vertreten waren: Natürlich gab es gemeinsame Events, aber schon da teilte es sich meist in Gruppen nach Alter auf. Auf die Idee, gemeinsam zu kochen, einen privaten Spieleabend zu machen etc. kam dort niemand („wäre ja auch komisch mit dem Fünfzigjährigen“).
    – Debattieren ist schon ein sehr akademische Sport: Die Entwicklung geht ja im SQ eher dahin, dass wir immer mehr hypothetische Debatten führen (Stihwort: BPisierung), wie Christian schon sagt. Natürlich haben wir als Debattieren einen gesellschaftlichen Impact z.B. durch Finalveranstaltungen, viele Turniere / Debatten sind aber eher ein rhetorisch-analytischer Wettstreit, der eben theoretisch und prinzipiell redet. Persönlich möchte ich das tendenziell beibehalten, glaube, dass es viele aktivne so geht (deswegen hat sich der SQ ja herausgebildet).

    – Wir leben durchaus davon, dass wir eine einigermaßen „homogene“ Gruppe sind – bei aller gelebten Offenheit und Inklusivität; homogen v.a. im Sinne, dieses „nerdige“ Hobby zu teilen, sich damit wohlzufühlen etc. Ob dies, gerade in Debattieranfangsjahren, in einem alterstechnisch und dann vermutlich auch bildungstechnsich gemischteren Umfeld genauso wäre, halte ich für unwahrscheinlicher.

    – Wir würden dann als „gemischte“ Vereine konkurrieren mit reinen studentischen Initiativen, seien es poltische Hoschulgruppen, ELSA, Fachschaften, andere Hobbys etc. Diese sind dann auf sozialer Ebene attraktiver (gerade bei Erstis nicht zu unterschätzen), erscheinen vielen naheliegender / intuitiver als Studenten, haben nicht die große Konkurrenz etc.

    Aus ähnlichen Gründen gibt es an Universitäten oft z.b. eigene Chöre oder Orchester – natürlich könnte man dies auch gemischt machen, trotzdem haben sich diese Strukturen anscheinend durchgesetzt. Vielleicht ist das eine verzehrte Wahrnung, aber auch von meinem Freundes- und Bekanntenkreis außerhalb des Debattierens (kaum zu glauben, das gibt es) sind sehr viele in studentischen Initiativen und Vereinen unterwegs und recht wenige in „Mischformen“.

    Ich möchte betonen, dass dies alles keine Ausschlussgründe sind – auch in Heidelberg hatten wir schon ältere / Berufstätige dabei und es hat gut funktioniert. Wir sollten offen für den Kontakt sein und niemanden ausschließen. Teilweise habe ich die Fälle zum Verstädnis natürlich auch etwas pauschalisiert bzw. wollte einfach mal den Advokatus Diaboli spielen 😉

    Es ist aber ein Unterschied, ob es wenige Ältere / Berufstätige sind und insgesamt eine „studentische Kultur“ herscht oder ob dies mehrheitlich der Fall ist.
    Wenn man Flyer auf dem Campus und in der Fußgängerzone verteilen kann, wenn man Werbung auf Facebook mit Zielgruppe Studenten und in der Tageszeitung mit Zielgruppe ältere Generation schalten kann und als Club die Kapazitäten dafür hat – gerne beides! Wenn man sich entscheiden muss, was oftmals die Realität ist, würde ich persönlich auf jeden Fall für den Campus plädieren.

    Schon jetzt ist z.B. der VDCH-Vorstand stark belastet – ich würde dafür plädieren, der Entwicklung offen gegenüber zu stehen, aber nicht aktiv in diese Richtung zu gehen.

    1. Thore (Coburg) sagt:

      Ich finde den Hinweis am Ende von Benedikt Kommentar sehr sehr wichtig: Die VDCH Vorstände der letzten Jahre hatten bereits eher zu viele Aufgaben als zu wenige. Deshalb wurden ja auch immer mehr Beiräte eingerichtet. Das bedeutet, wir alle sollten aufpassen, dass wir nicht unüberlegt noch mehr von den zukünftigen Vorständen fordern – aber so habe ich Lennart auch nicht verstanden.
      Und eine blöde Frage ist mir in dem Zusammenhang gerade eingefallen: Wissen wir denn, ob „die“ überhaupt den Bedarf haben? Vielleicht wäre der erste Schritt die betreffenden Clubs (sofern nicht schon geschehen) explizit einzuladen: Als Zuschauer nach Jena zur DDM, als Zuschauer oder sogar Teilnehmer nach Hohenheim, Mannheim und weil es in der Schweiz Flughäfen gibt von mir aus auch Berlin… Bevor wir diese wichtige Debatte in unserem Elfenbeinturm zu weit spinnen, sollten wir jedenfalls überprüfen, was diejenigen über die wir hier sprechen, eigentlich möchten.

    2. Sabine (Tübingen/ St. Gallen) sagt:

      Der Debattierclub Aargau z.B. war mit einem Team auf dem Streitkultur-Cup im Januar und fand es cool, soweit ich das mitbekommen habe. Ich vermute also, diese Clubs wollen nicht zuschauen, sondern auch wirklich teilnehmen. Das können sie ja aber jetzt schon an allen Turnieren außer Regios und DDM. Man kann sie also einladen, Teams nach Hohenheim zu schicken 😉

  5. Simon. V. (Wuppertal) sagt:

    Finde den Vorschlag sehr begrüßens- und bedenkswert.
    Mehr von allem: von Turnieren, Juroren, Debattierern, Clubs, Reichweite

    Aber sind das die naheliegenden Vorteile?
    Mehr an Turniere – kann leider auch gut sein, dass der Mehr-Effekt infolge von schlechter Koordinierung wegfällt, gerade wenn es unterschiedliches Angebot von unterschiedlichen Gruppen gibt, wer garantiert, dann noch volle Räume? Ich weiß nicht, wieso erwachsene Leute mit weniger Zeit als Studenten dann plötzlich auf unsere Turniere eher Rücksicht nehmen würden. Wahrscheinlich wäre es eher andersherum und wir müssten/sollten aus Rücksichtnahme unsere Termine verschieben, wenn es zu so etwas kommt. Wo das gut für uns jetzige Debattierer ist, weiß ich nicht.

    Mehr (und vielleicht auch erfahrenere) Juroren. Wirklich? Mehr Juroren sind nicht notwendigerweise gut, vor allem wenn sie keinen einheitlichen Kenntnisstand haben. Wie will man diesen aber ausbilden? Von wem und was wird zukünftige Berufsdebattierer überzeugen, keine eigenen Formate, Regeln oder Konvention auszubilden?
    Fernab davon, warum werden ältere, womöglich ähnlich „redewillige“ Debattierer eher zu Juroren? Wahrscheinlich werden wir uns einen zweiten Jurorenmangel, der sogar noch schlechter gemanaged werden kann, einhandeln.

    Mehr Debattierer sind natürlich immer gut. Aber wahrscheinlich, und das fürchte ich zumeist, könnten infolge größerer Homogenität Equity-Zwischenfälle zunehmen. Einfach weil bei noch mehreren und unterschiedlicheren Standpunkten das Einigen auf Umgangsnormen und Schlichten bei Übertreten schwieriger wird.

    Clubs. Hier gibt es sogar wirklich einen Vorteil. Städte, in denen bislang keine oder keine signifikante Uni existiert, bekommen ihre eigenen Debattierclubs. So kann wirklich überall debattiert werden und es ist auch dann mal gar nicht abwegig, Turniere an expliziten Nicht-Uni-Städten abzuhalten. Punkt für die Peripherie sozusagen, ohne das abwertend zu meinen.
    Der Nachteil: Warum würden wir nicht weitere Heidelberger Modelle bekommen? Und ist das wünschenswert? Ich sehe hier vor allem ein Problem in der Konkurrenz aber auch darin, dass sich leichter unterschiedliche Clubs innerhalb einer Stadt um Plätze vielleicht absprechen. Als Kuriosum, also mit einem Heidelberg komme ich klar. Aber wenn Kassel DC und die K(w)asselei (reine Fantasienamen) sich auch noch um Plätze bei einem Turnier rangeln wird es langsam ernst.

    Reichweite
    Bestes Argument von allem, weil es Geld und (studentischen) Nachwuchs bedeutet. Auch kann man so viel mehr und wahrscheinliche auch nützlicheres Wissen zur Lösung von Struktur-, Organisations- und Redeproblemen abgreifen. Wenn die ganzen Mitarbeiter aus Rhetorik, Redeschreiberei und Kommunikationsunternehmen zu uns kommen, hat das höchstwahrscheinlich sehr ertragreiche Netzwerkeffekte für uns.

    Bin persönlich skeptisch, aber im Sinne des lebenslangen Sich-Bildens, sollte so ein Projekt Pflicht sein.

    1. Lennart Lokstein sagt:

      Auch wenn ich einige Risiken – wie z.B. das von Bene angesprochene „der ist aber viel älter als ich“-Problem innerhalb der Clubkultur, halte ich doch viele deiner Sorgen für unnötig, finde es aber gut, das bislang so viel ideelle Unterstützung für mehr Debattieren in der Gesellschaft vorhanden ist, selbst entgegen eigener Skepsis.

      Ich glaube aber, bei einigen Punkten muss man sich gar nicht so große Sorgen machen:

      1. Turniere können auf Studierende begrenzt werden, falls es da wirklich irgendwann einmal ein Problem geben sollte. Das ist aber unwahrscheinlich, da man Turniere relativ unproblematisch größer machen kann, will sagen: Mehr Räume. Insbesondere für Berufstätige sind TNB auch kein Problem, heißt: JuHe ist für diese Leute problemlos finanzierbar. Da Crash bislang der limitierende Faktor von Turnieren ist, dürfte sich das recht einfach lösen lassen.

      2. Wenn Berufstätige gerne ein drittes Format reden möchten, sehe ich persönlich da kein großes Problem. Es ist doch schön, wenn dann mehr Leute insgesamt debattieren.

      3. Jurorenprobleme lassen sich aber nach wie vor z.B. mit Startregelungen lösen, auf der SDM werden wir dank früher Anmeldung/Einzug des TNB 4 Juroren pro Raum haben. Alternativ kann man über Berufstätige und TNB sicher auch eine Art IA-funding anlegen.

      4. Equity-Zwischenfälle nehmen zu? Ich glaube, berufstätige Menschen sind durchaus anständig und lernfähig. Gerade das Debattieren sollte doch im Diskurs gemeinsam beste Lösungen finden. Ein wenig scheint mit da die Prämisse impliziert, dass wir Leute ausgrenzen sollen, die nicht von Anfang an gleich sind wie wir? Das fände ich nicht gut. (Du meinst übrigens zunehmende Heterogenität.)

      5. Wenn sich genug Leute für mehrere Clubs in einer Stadt finden, warum sollten sie nicht mehrere Clubs haben, so sie das wünschen? Das finde ich jetzt nicht tragisch. Die Heidelberger richten ja bspw. auch pro Club ein Turnier aus (oft sogar mehrere) und leisten damit mehr als viele andere.

      Ich hoffe, mit diesen Gedanken lässt sich vielleicht noch etwas Skepsis abbauen. Auf jeden Fall super, dass du selbst mit ihr schon für ein größeres Gemeinsames bist!

  6. Christian (MZ) sagt:

    Vielen Dank für deine sehr ausführliche und sehr fundierte Stellungnahme Bene!

    Nur ein ppaar kurze Bemerkungen dazu:

    – Auch Berufstätige haben Hobbys, engagieren sich in Vereinen, machen Sport etc.. Beim Debattieren fehlt es an Bekanntheit bzw. schlicht am Angebot. Wäre das da, kann sich der Zuspruch schnell ändern.
    – Nerdige Themen sind glaub ich nicht unbedingt beliebter. Klar, bei einigen Leuten sicher und auch einigen CJ, aber ob das die Mehrheit ist, würde ich zumindest anzweifeln.
    – In Sachen Sponsoring hast du sicherlich recht, wobei man hier sicher auch Alternativen finden kann. Nicht von heute auf morgen, aber mit der Zeit.
    – Kurzfristig gibt es kein wirkliches Problem, das Ganze ist eine langfristige, strategische Frage. Nur heißt das nicht, dass man sich damit nicht jetzt beschäftigen sollte. Ich freue mich daher sehr, dass ihr im VDCH-Vorstand das tut.
    – Ja, das Hochschuldebattieren ist ziemlich homogen und dadurch auch zumindest für Hochschulmitglieder wohl zugänglicher. Ich glaube, das ist hier der entscheidende Punkt, weswegen sich auch gar keine weitere Diskussion lohnt (und auch nicht entspinnt): die allermeisten Leute sind mit dem SQ sehr zufrieden. Viele Studenten mit ähnlichen Interessen, häufig ewige Dankbarkeit, Liebe und Kekse untereinander, Debatten oft ohne Realitätsbezug aber mit intellektueller Herausforderung, regelmäßige Turniere in familiärer Atmosphäre und so weiter. Daran ist übrigens auch gar nichts schlechtes 🙂

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