Seminartag „Clubs in der Krise“: Ein Rückblick

Datum: 28. Oktober 2020
Redakteur:
Kategorie: Mittwochs-Feature, VDCH, Veranstaltungen

Anna Markus, Co-Organisatorin des VDCH-Seminartags „Clubs in der Krise“, berichtet im heutigen Mittwochs-Feature von den Workshops des Seminartags und fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Am vergangenen Samstag, dem 24.10., fand der Online-Seminartag „Clubs in der Krise“ statt. Der VDCH-Vorstand hatte den Tag geplant und Mitglieder der Debattierszene eingeladen, um Wissen und Instrumente zu vermitteln, mit denen die aktuell schwierige Lage in den Clubs vor Ort besser bewältigt werden können. Hierzu gab es sieben Inputs zu verschiedenen Themen mit der jeweiligen Möglichkeit, zu diskutieren und sich auszutauschen. Es nahmen über den Tag hinweg durchschnittlich etwa 22 Personen an der Veranstaltung teil.

Debatten auf Zoom stellen Clubs vor vielfältige Herausforderungen. Foto: Dylan Ferreir, Unsplash

Zoom und Discord (besser) nutzen (Jun Kinoshita)

Im ersten Block des Tages drehte sich alles um die technische Umsetzung von Online-Debatten auf Zoom und Discord. Der Mix aus den beiden Programmen bietet einige technische Möglichkeiten, die Teilnehmenden helfen können, sich in die Debatten einzufinden. So kann auf Discord eine Infrastruktur aufgebaut werden, die etwa Vorbereitungsräume, aber auch Kanäle zum Austausch zwischen Debatten bietet. Ein Tipp von Jun: Das Rollensystem auf Discord ermöglicht es neuen Teilnehmenden, in der Teilnehmerliste zu sehen, wer ihre Ansprechpartner*innen sind. 

Alternative Veranstaltungsformate (Chiara Throner)

Da Outdoor-Debatten im Winter nur für besonders hartgesottene eine Option sind, und Corona-Bedingungen vielerorts verschärft werden, sollten Clubs sich darauf vorbereiten, im kommenden Semester Veranstaltungen online durchführen zu müssen. Um für Einsteiger*innen die Ersti-Phase angenehmer zu gestalten, empfiehlt sich gegebenenfalls ein Mentoring-System, bei dem erfahrene Debattierende einzelne Anfänger*innen unter ihre Fittiche nehmen. Das kann gemeinsame Vorbereitung auf ein Thema, Nachbesprechungen nach Debatten, sowie individuelle Trainings umfassen. Wichtig ist es bei einem Mentoringsystem laut Chiara, regelmäßig Feedback einzuholen, ob die Zusammensetzung der Teams und der Zeitaufwand für die neuen Sinn ergeben. 

Ein weiterer Weg, um den sozialen Zusammenhalt in der Gruppe zu stärken sind Gruppen auf sozialen Medien wie Whatsapp, bei denen Dinge außerhalb des Debattiersports gemeinsam diskutiert werden können: Von League of Legends über gemeinsame Workouts bis hin zum Zimmerpflanzen-Chat – gemeinsame Gruppen können den sozialen Aspekt des Debattierens erhalten. 

OPD im digitalen Raum (Sven Jenztsch)

Im dritten Block des Tages präsentierte die Regelkommission, vertreten durch Sven Jentzsch, einige Gedanken dazu, wie das Format OPD online debattiert und bewertet werden kann. Hierzu gibt es von der Regelkommission ein eigenes Mittwochsfeature. [Link hier]

Einige grundsätzliche Aussagen lauten: OPD ist online debattierbar. Das Format bewertet prinzipiell die Angemessenheit einer Rede in ihrem Setting. So wie das Setting je nachdem, ob eine Rede in einer Vorrunde in einem engen Schulraum oder bei dem Finale in einem größen Festsaal gehalten wird, unterschiedliche Anforderungen an Redende stellt, so ist auch Zoom analog als neues Setting mit neuen Anforderungen zu denken. Das Schlüsselwort für Redner*innen und Juror*innen lautet auch hier: Angemessenheit. 

Screenshot Zoom

Tove Hortmann präsentiere Strategien zur Mitgliederbindung

Wie schaffe ich es, dass sie wiederkommen? (Tove Marla Hortmann)

Nach der Mittagspause präsentierte Tove Strategien zur Mitgliederbindung. Generell ist es wichtig, sich selbst als Debattierclub und die eigene Außenwirkung regelmäßig zu hinterfragen – auch, indem Feedback von neuen Mitgliedern eingeholt wird. Bei diesem Prozess sind drei Dimensionen an Bedürfnissen von Mitgliedern zu beachten, die ein Debattierclub decken kann. So gibt es Debattierende, für die die sportliche Motivation im Vordergrund steht und die Wert auf gutes Feedback bei Clubabenden oder die Möglichkeit, auf Turniere zu fahren, legen. Für andere liegt die Priorität auf der Clubbindung, also dem Debattierclub als Hobby, in dem man sich einbringen und Veranstaltungen und ähnliches organisieren kann. Die dritte Gruppe, die Tove identifizierte, sind Mitglieder, die wegen persönlicher Bindungen bei einem Debattierclub bleiben. Diesen Menschen ist es besonders wichtig, Freundschaften im Club zu pflegen, und Gespräche mit spannenden Menschen zu führen. Um effektiver Mitglieder zu binden, sollten eigene Defizite entlang dieser Linien identifiziert werden, und zeitlich klar abgrenzbare Ziele und Maßnahmen definiert werden. 

Online-Socials unterhaltsam und inklusiv gestalten (Lukas Hambüchen)

Um den sozialen Aspekt des Debattierens, der sonst häufig nach der Debatte bei Bier oder Limo stattfindet, zu kompensieren, haben einzelne Debattierclubs viel Zeit und Mühe in Online-Socials investiert. Ob bei einem Pub-Quiz, einer Runde „Wer bin ich?“ oder einer Runde GeoGuessr- es gilt, ein Social gut zu planen. Hierfür teilte Lukas einige Erfahrungen und Tipps. So ist es wichtig, Socials so zu designen, dass sie in Kleingruppen gespielt werden können. Nur so haben alle Teilnehmenden die Möglichkeit, sich einzubringen und zu Wort zu kommen. Die Gruppen sollten im Vorhinein von der Spielleitung festgelegt werden. Eine wichtige Regel, damit Socials nicht in Diskussionen ausarten: Die Spielleiterin oder der Spielleiter hat immer Recht. 

Es sollte nicht unterschätzt werden, wie viel Vorbereitungszeit in ein gutes Social fließen kann. Es empfiehlt sich also, die Planung immer wieder an unterschiedliche Personen zu vergeben. 

Netzwerke aufbauen (Johannes Meiborg)

Nicht nur in Krisenzeiten ist ein gutes Netzwerk für Debattierclubs wichtig. Durch Kontakte zu Akteur*innen an der Universität oder wirtschaftliche Akteur*innen in der Region können Debattierclubs Aufmerksamkeit, aber auch finanzielle Ressourcen und Unterstützung generieren. Johannes Meiborg teilte einige Tipps und Strategien, mit denen Networking langfristig gut funktionieren kann. Um ein Netzwerk aufzubauen ist es Voraussetzung, dass der Debattierclub sich in der Öffentlichkeit präsentiert. Hierfür sind Eintragungen in Veranstaltungskalender, Pressemitteilungen oder auch eigene Veranstaltungen wie z.B. Rhetorik-Trainings ein guter Weg. Bei der Suche nach Förderung oder Sponsoring ist es wichtig, rechtzeitig und mit konkreten Vorstellungen über die Fördersumme anzufragen. Damit der jeweilige Vorstand auch über die Jahre hinweg Überblick über mögliche Kooperationspartner*innen halten kann, empfiehlt sich ein Verzeichnis, zum Beispiel in Form einer Excel-Liste, in der bisherige Kooperationen und Absagen festgehalten werden. 

Kommunikation und Social Media (Anthea Waldmann)

Zum Ende des Tages bot Anthea Waldmann eine Einführung in das Feld von Social Media und Content Creation. Wichtig ist es für jeden Club – so eine wichtige Erkenntnis auf dem Themenblock – sich zu fragen, welche Kanäle für den eigenen Club sinnvoll und authentisch nutzbar sind. Social Media ist kein Selbstzweck, sondern kann nur ergänzend zu den Clubaktivitäten eingesetzt werden. Dennoch sind einige Empfehlungen universell anwendbar: Clubs sollten sich auf ein gemeinsames Design einigen, sodass der Feed möglichst einheitlich ist. Posts sollten sparsam verwendet werden, wohingegen beispielsweise die Story-Funktion auf Instagram Raum für spontanere und häufigere Posts bietet. Um die Reichweite zu maximieren, sollten Akteur*innen vertaggt werden und Stories im Profil archiviert werden. Humor, so ein weiterer Tipp, kann ein tolles Stilmittel sein. Es aber immer zu hinterfragen: Kommt der Inhalt und die Sprache bei der Zielgruppe an? 

Wir hoffen, dass der Seminartag „Clubs in der Krise“ den Teilnehmenden geholfen hat, Verbesserungspotential in der eigenen Cluborganisation zu identifizieren und Anreize dafür mitzunehmen, wie das kommende Semester so gestaltet werden kann, dass neue Mitglieder gewonnen und alte Mitglieder gehalten werden. Einige Präsentationen sowie Notizen zu dem Seminartag werden im Verlauf der Woche auf der Seite des VDCH im Wiki hochgeladen. Bei weiteren Rückfragen stehen die einzelnen Referent*innen gerne zur Verfügung. Für weiteres Feedback zu der Veranstaltung, sowie Anregungen dazu, wie der VDCH seine Mitglieder in der aktuellen Situation besser unterstützen kann, sind wir jederzeit offen. 

mar/jm.

Anna Markus ist die amtierende Vizepräsidentin für Turniere des Verbands der Debattierclubs an Hochschulen e.V. Sie co-organisierte und betreute den VDCH-Seminartag „Clubs in der Krise“.

Das Mittwochs-Feature: Jeden Mittwoch ab 10.00 Uhr stellt das Mittwochs-Feature eine Idee, Debatte, Buch oder Person in den Mittelpunkt. Wenn du selbst eine Debatte anstoßen möchtest, melde dich mit deinem Themen-Vorschlag per Mail an team [at] achteminute [dot] de.

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1 Kommentare zu “Seminartag „Clubs in der Krise“: Ein Rückblick”

  1. Anna Markus sagt:

    Wenn ihr teilgenommen habt, aber bislang kein Feedback abgegeben habt, dann holt das gerne noch nach! Wir freuen uns unter https://forms.gle/gNGBnWFJaRAYAAu68 über Feedback zu Veranstaltungen und Anregungen dazu, wie wir euch zukünftig weiter unterstützen können.

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