Tabocalypse now?

Datum: 3. Januar 2024
Redakteur:
Kategorie: Mittwochs-Feature

Der Autor auf der Jagd nach Tabmaster:innen – © Privat

Am diesjährigen Tag der deutschen Einheit rief der DC Saar über den VDCH-Verteiler um Hilfe:

Nachdem wir (gefühlt) alle aktiven Tabmenschen (erfolglos) abgeklappert haben, ob sie beim Laternencup nicht tabben möchten, versuchen wir es nun auf diesem Wege:

Die Idee war, dass jemand Unerfahrenes das Turnier mit Unterstützung von Lennart tabben solle. Auf den CARLsdebatten haben wir das ganz ähnlich umgesetzt. Wie vielen Cheforgas aufgefallen sein dürfte, sind Tableute aktuell rar.

In diesem Artikel möchte ich als neuer Beirat für Jurierqualität und Tabbing diskutieren, was ich mir wünsche; wie wir in die Knappheit gekommen sind; und wie wir die Knappheit wieder überwinden.

Was wünsche ich mir?

Ich glaube eine gute Anzahl an aktiven Tabmaster:innen sähe so aus, dass jede:r von ihnen grob gesagt ein Turnier der CD-Serie und ein DDL-Turnier pro Saison tabbt. Die Campus-Debatten-Serie erfordert 15 “Einsätze”: zwei Personen mal vier CDs, eine Person mal drei Regios, und vier Leute für die DDM. Campusdebatten bieten sich aufgrund ihrer Größe und Rundenzahl besonders für die Ausbildung komplett neuer Leute an – diese können in den 15 Einsätzen also bereits mitgezählt werden. Kleinere Turniere (insbesondere DDL) können meist alleine getabbt werden, aber Gelegenheiten zur Ausbildung können auch so genutzt werden – das Ironlausturnier als großes Doppelturnier bietet zum Beispiel auch gute Vorraussetzungen. Es gab letzte Saison ca. 20 Turniere außerhalb der CD-Serie.

Insgesamt würden wir also 15-20 Tabmaster:innen benötigen. In der Saison 2022/2023 komme ich durch Berichte der Achten Minute mit teilweise kreativem Raten auf 17 Leute. Es gab vier Turniere, die ich nicht erfolgreich auswerten konnte, sowie vier bis sechs Menschen, die – meiner Interpretation nach – nur notgedrungen, ohne Erfahrung, und ohne Absicht in Zukunft weiterhin zu tabben eingesprungen sind. Das bringt uns immer noch auf 11-13 Leute, von denen sich einige möglicherweise für die aktuelle Saison aus der Tabarbeit zurückziehen.

Wenn alle Tableute im Schnitt vier Jahre lang tabben (inklusive Ausbildung; nicht alle, die eine Ausbildung anfangen, werden danach aktive Tabmaster; ist aber vermutlich eine eher vorsichtige Schätzung), müssten wir also vier bis fünf Leute pro Jahr ausbilden. Das deckt sich auch hervorragend mit der Anzahl CDs plus Ironlausturnier. Aktuell wären wir demnach ein bis zwei Jahre im Verzug – das ist definitiv aufholbar und, in der Zwischenzeit, ausgleichbar.

Warum gibt es diese Knappheit?

Tabben ist anstrengend und nimmt dir die Möglichkeit, redend oder jurierend an einem Turnier teilzunehmen. Nicht nur das: In den Pausen ist man meist beschäftigt, sodass man neben den Debatten auch den sozialen Teil weitgehend verpasst. Letzteres gilt zwar auch für CAs; CAen ist aber prestigeträchtiger und umfasst weniger nervige Details wie Datenverarbeitung. Daher ist es verständlich, dass einzelne Tabmaster:innen in der Regel nur eine begrenzte Anzahl an Turnieren pro Saison tabben möchten.

Das klingt danach als sei es einfach eine unliebsame Aufgabe, die niemand erledigen will. In diesem Absatz könnte ich mich also in einen Rant hineinsteigern, dass die Jugend von heute nicht mehr tabben will weil sie faul ist oder nur Lorbeeren des CAens hinterherjagt. Wie so häufig ginge ein derartiger Rant aber an der Realität vorbei: Es gibt nämlich keine Knappheit an Ausbildungswilligen.

Bereits während meiner eigenen Ausbildung auf der CD Göttingen habe ich mit Bjarne meinen erste Azubi gefunden. Seit dem wurden mir direkt oder indirekt das Interesse von Personen zugetragen, sodass hieraus eine regelrechte Warteliste zur Ausbildung entstanden ist – wir müssen also potentielle Tableute nicht einmal überreden! Insgesamt sind mir diese Saison 9 (!) Leute bekannt, die Tabben lernen möchten (einige davon sind bereits in der Ausbildung oder haben diese bereits abgeschlossen). Darüberhinaus gibt es vermutlich noch mehr Leute mit Interesse, von denen ich nur nichts weiß (meldet euch gerne bei mir!).

Aber wie kann es sein, dass es viele Interessierte gibt, aber sich niemand zum Tabben von Turnieren findet? Der letzte Puzzlestein ist natürlich die Ausbildung. Verständlicherweise meldet sich niemand unerfahrenes auf eine verzweifelte E-Mail über den Verteiler. Wir müssen also auf die eine oder andere Art mehr Leute ausbilden.

Schauen wir uns also zuletzt den Zustand der Ausbildung an: Regulär ausgebildet wurden letzte Saison soweit ich weiß nur Florian Bücksteeg und ich (Menschen, die nach meiner Interpretation des jeweiligen Achte Minute-Artikels nur notgedrungen eingesprungen sind und seitdem kein weiteres Turnier getabbt haben zähle ich für diese Statistik nicht. Bitte meldet euch bei mir, wenn diese Einschätzung auf euch nicht zutrifft). Auf drei von vier Campus-Debatten der letzten Saison fand keine Ausbildung statt – hier müssen wir ansetzen.

Wie kommen wir zum Idealzustand?

An der Unsicherheit der Zahlen in den vorherigen Abschnitten seht ihr schon, dass ich mir erstmal einen besseren Überblick verschaffen muss – schließlich soll ich Cheforgas bei der Findung von Tabmaster:innen unterstützen. Dazu werde ich alle aktiven Tabmaster:innen kontaktieren – sollte ich euch vergessen, verzeiht mir bitte und meldet euch.

Darüber hinaus benötigen wir eine Ausbildungsoffensive. Sie besteht aus zwei Hauptkomponenten:

Der wichtigste Appell geht an die Reihen der bestehenden Tabmaster:innen: Keine CD ohne Ausbildung! Wenn ihr keine Kandidat:in kennt, kann ich hier gerne vermitteln. Gemäß meiner Bierdeckelrechnung von oben sollte das langfristig reichen, löst aber nicht die aktuelle Knappheit.

Für DDL-Turniere, die niemanden zum Tabben finden, möchte ich daher ein gestreamlinetes Ausbildungskonzept vorschlagen: Auf einem jährlichen Tabseminar (das der aktuelle VDCH-Vorstand bereits plant) können einheitlich von sehr erfahrenen Tabmaster:innen Grundlagen vermittelt werden, um Leute auf die Aufgabe vorzubereiten. Turniere, die niemanden erfahrenes finden, unterstütze ich dann bei der Suche nach einer Teilnehmer:in des Tabseminars und einer erfahrenen Tabmaster:in, die entweder bei Bedarf remote unterstützt oder auf dem Turnier redet. Als Redner:in kann die erfahrene Person während der Jurier- und Feedbackzeit notfalls im Tabraum unterstützen und bildet so ein Sicherheitsnetz.

Fazit

Auch wenn die Situation auf den ersten Blick nicht so rosig aussieht, bin ich doch optimistisch: Das Interesse zur Ausbildung ist da, es gibt einen Pool an sehr erfahrenen Tabmaster:innen, und Gelegenheiten zur Ausbildung gibt es prinzipiell auch genug. Wir können eine wirkliche Tabokalypse also problemlos abwenden, wenn wir ab sofort konsequent ausbilden. Diese Saison sind wir bereits gut dabei: Mit bisherigen Turnieren, den drei verbleibenden CDs, und meiner eigenen Planung komme ich bereits auf sieben frisch gebackene Tabmaster:innen.

Josef Hoppe debattiert seit April 2019 in Aachen und ist dort seit 2020 im Vorstand. Er war und ist in der Cheforga mehrerer Turniere, hat die diesjährigen Aachener CARLsdebatten chefjuriert, und ist seit der CD Göttingen 2023 als Tabmaster aktiv. Seit Dezember 2023 ist Josef VDCH-Beirat für Jurierqualität und Tabbing.

Das Mittwochs-Feature: Mittwochs veröffentlicht die Achte Minute ab 10.00 Uhr oftmals ein Mittwochs-Feature, worin eine Idee, Debatte, Buch oder Person in den Mittelpunkt gestellt wird. Wenn du selbst eine Debatte anstoßen möchtest, melde dich mit deinem Themen-Vorschlag per Mail an team [at] achteminute [dot] de.

jh.

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3 Kommentare zu “Tabocalypse now?”

  1. Lennart Lokstein sagt:

    Schön, dass das Thema nun aktiv adressiert werden soll. 🙂 Das Seminar werde ich, sobald es mir Datum angekündigt worden ist, fleißig bei uns bewerben.

  2. Chiara (Sk/Potsdam) sagt:

    Ich glaube früher wurde auch immer auf dem VDCH-Kick-off ein Tabbingseminar angeboten. Aber finde es auch sehr cool, dass ihr das jetzt einzeln angeht.
    Ich glaube persönlich, dass wir kein riesiges Problem im Moment haben, aber ist ja auch schön, wenn das angegangen wird, bevor es wirklich ein Riesenproblem wird.

  3. Johannes (Wü/HD) sagt:

    Ich habe zu dieser Feststellung eine Erinnerung, die ich teilen möchte. Bei einem Turnier wollten wir den Tab-Raum bitten, ein Mitglied unseres Clubs als „Schnupperkurs“ teilnehmen zu lassen, damit wir die Tab-Fähigkeiten auch im Club vertreten haben. Das wurde dann mit Verweis auf die Geheimhaltung der Juroren-Bewertung und der Clashes abgelehnt (so zumindest meine Erinnerung).

    Ich denke, dass wir hier ein Problem haben, weil die Szene sehr dominiert ist durch ein gewissen Zahl von Leuten, die sich einander vertrauen und „Fremden“ eher kritisch gegenüber stehen. Ich denke, dass die Öffnung des Tabbing-Rooms für einen „Tabbing-Padawan“ bei jedem Turnier sehr hilfreich wäre. Dieser ist dann zur Verschwiegenheit verpflichtet.

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