Wer breakt und wenn ja, wie viele – Der Jurierendenbreak
Es ist wie ein Ritual auf jedem Turnier: Bevor der Teambreak verkündet wird, verliest die Chefjury eine Liste der breakenden Jurierenden. Aber wie bestimmt die Chefjury, wer als JurorIn breakt? Beim RednerInnenbreak ist es einfach: Die nach Punkten besten Teams schaffen den Break. Jurierendenpunkte gibt es nicht. Stattdessen spielen verschiedene Faktoren eine Rolle für den Jurierendenbreak. Diese Faktoren soll dieser Beitrag – vor allem für neue Debattierende – erklären.
Das Jurierendenfeedback
Über den Jurierendenbreak entscheidet die Chefjury eines Turniers mit Unterstützung des Tabteams.
Eine wesentliche Grundlage für die Entscheidung über den Break ist das Jurierendenfeedback. Deshalb ist es wichtig, dass alle Turnierteilnehmenden fleißig Feedbackbögen ausfüllen. Haupt- und Nebenjurierende geben sich gegenseitig Feedback, außerdem geben die Teams den Hauptjurierenden Feedback.
Zunächst kann die Chefjury sich hier an den Durchschnittspunktzahlen orientieren, die Jurierende erhalten haben. Wertvoll sind aber auch die individuellen Anmerkungen im Feedback. Vielleicht gibt eine Jurorin noch kein so gutes Feedback, kann aber in der Jurierdiskussion ihre Abwägungen sehr gut begründen. Auch eine solche Jurorin kann eine hervorragende Nebenjurorin in einem (Halb)finale sein.
Eigene Eindrücke der Chefjury
Regelmäßig setzen Chefjurierende bei der Entscheidung über den Jurierendenbreak auch auf ihre eigenen Eindrücke von Jurierenden. Während der Vorrunden erleben die Chefjurierenden einen großen Teil der Jurierenden des Turniers mit. Teils stellen sie Jurierpanels gezielt so zusammen, dass sie sich selbst ein Bild von bestimmten anderen Jurierenden machen können. Das passiert besonders bei neuen Jurierenden, die die Chefjurierenden noch nicht kennen.
Nicht immer können die Chefjurierenden sich ein eigenes Bild von allen „interessanten“ Jurierenden machen. Dann können sie erfahrenere Jurierende, die in einem Panel mit den „interessanten“ Jurierenden saßen, nach ihrer Einschätzung fragen.
Erfahrung und Bekanntheit
Faktisch ist auch die (wahrgenommene) Erfahrung und die Bekanntheit von Jurierenden für den Break relevant. Wer schon mehrmals als JurorIn gebreaked ist, wird als kompetent wahrgenommen und schafft auch auf weiteren Turnieren den Jurierendenbreak.
Strategische Erwägungen
Natürlich breaken in erster Linie die Jurierenden, die kompetent sind und gute Bewertungen erhalten haben. Das ist aber nicht die einzige Erwägung: Die Jurierendenpanels in den Finalrunden müssen aus den breakenden Jurierenden zusammengesetzt werden. Ein Halbfinale oder Finale wird regelmäßig von vier oder fünf Jurierenden juriert. Daher „müssen“ also regelmäßig acht bis zehn Jurierende breaken. Auf Turnieren mit wenigen erfahrenen Jurierenden haben daher auch Jurierende mit etwas weniger gutem Feedback Chancen auf den Break. Umgekehrt können auf einem Turnier mit vielen kompetenten Jurierenden auch gute Jurierende den Jurierendenbreak verpassen.
Die Chefjury muss beim Zusammenstellen des Jurierendenbreaks zudem auf mögliche Clashes achten. Jurierende dürfen weder Mitglieder ihres eigenen Clubs (Ausnahme: Freie RednerInnen) noch ihre PartnerInnen, Ex-PartnerInnen oder IntimfeindInnen jurieren. Bei der Festlegung des Jurierendenbreaks steht nur fest, welche Teams im Halbfinale sind. Es müssen aber auch für das Finale genügend clashfreie Jurierende zur Verfügung stehen. Die Chefjury muss daher gedanklich durchspielen, welche Teams im Finale aufeinandertreffen könnten.
Daraus folgt, dass manchmal Jurierende breaken, die vielleicht kein ganz so gutes Feedback erhalten haben, aber mit keinem (oder wenigen) der breakenden Teams clashen. Vielleicht wird diese Person sogar im Halbfinale nicht als Juror gesetzt und für das Finale „aufgehoben“. Im Halbfinale jurieren dann vermehrt die Jurierenden, die im Finale wegen Clashes mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht jurieren können. In der umgekehrten Situation (sehr gute Jurierende können wegen Clashes voraussichtlich keine oder nur wenige Finalrunden jurieren) breaken diese Jurierenden in der Regel trotzdem, werden aber gegebenenfalls in keiner Finalrunde gesetzt.
Wenn Jurierende breaken, aber dann nicht in ein Halbfinale oder Finale gesetzt werden, liegt es häufig an solchen Überlegungen zu Clahes.
Equity
Theoretisch könnten beim Jurierendenbreak auch Equity-Faktoren eine Rolle spielen. Ob dies zu begrüßen ist, ist eine politische Debatte, die ich hier nicht eröffnen möchte.
Z.B. könnte die Chefjury Jurierende vom Break ausnehmen, die inhaltlich gut sind, aber sich auf dem Turnier nachweislich grob falsch verhalten haben. Das wird nur selten relevant sein: Rassistisches oder sexistisches Verhalten führt in der Regel schon zu schlechtem Jurierendenfeedback. Wird ein Equity-Verstoß einvernehmlich mit Hilfe der Equity-Beauftragten beigelegt, erfährt die Chefjury regelmäßig schon nicht davon.
Umgekehrt könnte eine Chefjury auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis im Break achten oder Wert darauf legen, dass nicht nur längst berufstätige „Dinos“ breaken.
Weitere Entscheidungen der Chefjury
Steht der Jurierendenbreak einmal fest, trifft die Chefjury noch weitere Entscheidungen. Auch hier gibt es keine klaren Kriterien, sondern die Chefjury hat einen weiten Ermessensspielraum.
Die Jurierpanels für die einzelnen Finalrunden müssen zusammengestellt werden. Dabei muss auch festgelegt werden, wer HauptjurorIn ist. Auf Campus-Debatten (und vielen anderen Turnieren) gibt es zudem Jurierpreise zu vergeben.
Bei der Verteilung dieser besonderen Anerkennungen gibt es nur wenige klare Kriterien. Einerseits ist es möglich, strikt nach den Jurierleistungen der Person (wie sie sich aus dem Feedback und der Wahrnehmung der Chefjury ergeben) zu entscheiden. Dann kann z.B. eine Person Hauptjuror des Finals sein und gleichzeitig einen Jurierpreis erhalten. Wenn es viele gute Jurierende gibt, treffen manche Chefjuries aber auch eine eher ausgleichende Entscheidung. Dann darf z.B. der eine Top-Juror Hauptjuror des Finals sein, während die andere Top-Jurorin einen Jurierpreis erhält.
Fazit
Anders als der Teambreak ist der Jurybreak nicht nur eine Frage von Punktzahlen und Durchschnitten. Es geht immer auch um subjektive Einschätzungen der Chefjury. Die Chefjury muss zudem strategische Erwägungen anstellen. Nachwuchsjurierenden kann ich deshalb nur raten, viel auf Turniere zu jurieren, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Vieles am Jurieren (z.B. das als „richtig“ wahrgenommene Punkteniveau und die angemessene Länge eines Beitrags in der Jurierdiskussion) lernt man nur durch Erfahrung. Zudem hilft Bekanntheit bei den CAs, regelmäßig den Jurierendenbreak zu schaffen. Es empfiehlt sich daher, sich aktiv in die Jurierdiskussionen einzubringen. Wer kaum etwas sagt, fällt zwar nicht negativ, aber auch nicht positiv auf.

Jonathan Dollinger debattierte während seines Jurastudiums, seines Referendariats und seiner Promotion in Freiburg und Stuttgart. In beiden Clubs war er im Vorstand aktiv. Als Redner gewann er die Deutschsprachige Debattiermeisterschaft 2022 und die Campus-Debatte Heidelberg 2023. Er war Chefjuror der WDM 2023 und des Wissenschaftsturniers Hannover 2023 und u.a. Finaljuror der Deutschsprachigen Debattiermeisterschaft 2024 und der Campus-Debatte Heidelberg 2022 und 2024.
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jd/aeh.