24 Deutschsprachige vs. gefrorenes Sushi – ein WUDC 2026 Erfahrungsbericht
Silvester 2025/26 war es wieder so weit: unzählige Debattierende aus der ganzen Welt versammelten sich für eine Woche in der gleichen Stadt, damit danach zwei Personen zu Recht von sich behaupten konnten, die besten Debattierenden der Welt zu sein. Eine Besonderheit aus Achte Minute Perspektive war dabei dieses Mal, dass mit ungefähr 24 Teilnehmenden die größte VDCH-Delegation seit mehreren Jahren auf den Worlds vertreten war. Um diese Erfahrung auch mit dem Rest des VDCH-Landes zu teilen, folgen hier ein paar Einblicke in die Höhen und Tiefen der Sofia WUDC 2026 (nach subjektiver Einschätzung von Teilen der Chefredaktion).
Am 27.12.2025 ging es los und mein Teampartner und ich trafen uns am Frankfurter Flughafen für unsere verhältnismäßig kurze Anreise zur World Universities Debating Championship. Schon im Warteraum konnten wir die ersten anderen internationalen Debattierenden ausmachen und auch anderen VDCH-Mitgliedern sollten wir später noch begegnen. Die meisten von ihnen waren im gleichen Hotel untergebracht wie wir. Die Zimmer, die wir in der bulgarischen Hauptstadt bezogen, waren dabei erstaunlich geräumig und hätten glaube ich jeder Person, die während eines DDL-Turniers schonmal mit deutlich zu vielen Leuten gemeinsam in einem Zimmer crashen mussten, die Tränen in die Augen steigen lassen.
Am nächsten Tag folgte das erste richtige Programm des Turniers, wobei allerdings noch keine Vorrunden stattfanden, stattdessen aber eine wirklich sehr kurze Opening Ceremony sowie etwas längere allgemeine Briefings. Ein frühes Highlight waren hier bereits die Plätzchen, die eine liebe Person für die VDCH-Teams mitgebracht hatte, ein Lowlight die gefühlt fünfhundert Flügel und Räume der Vorrunden-Location, die sich später allerdings glücklicherweise als recht gut ausgeschildert erwiesen. Zudem wurden Workshops über das Host-Land Bulgarien gegeben, sowie über Prinzipienargumente. Letzteren fand ich persönlich nur so mittel hilfreich, begonnen wurde er nämlich damit, dass wir ja sicher alle schon grundlegend Prinzipienargumente beherrschen würden, immerhin seien wir ja auf den Worlds. Währenddessen sowie im Anschluss daran fanden die Public Speaking und Masters Outrounds statt, wobei ersteres in meinen Augen eine Art Poetry Slam und letzteres eine Möglichkeit zum Reden für die Jurierenden des Turniers ist. Diese sicherlich spannenden Programmpunkte ließ ich aus und besuchte stattdessen mit anderen Debattierenden die Mall in der Nähe unseres Hotels, da es für diesen Tag noch keine organisierten Mahlzeiten gegeben hatte (was rückblickend bei der durchschnittlichen Essensqualität vielleicht auch besser so war, an dieser Stelle möchte ich auf den Titel dieses Artikels verweisen).
Während der folgenden drei Tage fanden dann die insgesamt neun Vorrunden statt. Jeden Morgen wurden wir schon früh von Bussen an den Hotels abgeholt, in der Vorrundenlocation gab es die einzige genießbare Mahlzeit des Tages (für Veganer*innen auch gerne mal eine Stunde später als für alle anderen), dann begannen (in der Regel ebenfalls verspätet) die Ankündigungen und schließlich die erste Debatte des Tages. Nach dem Mittagessen, zwei weiteren Vorrunden und dem Abendessen holten uns erneut Busse ab, brachten uns zurück zu den Hotels und das geplante Programm war beendet.
Die Essens- und Socialsituation war somit leider recht enttäuschend, wir haben aber das Beste daraus gemacht und waren oft mit anderen Debattierenden sehr lecker essen und/oder Karten spielen, was wirklich schön war.
Die Motions der Vorrunden waren meiner Meinung nach recht kongruent mit anderen internationalen Turnieren, also irgendwas zwischen ganz ok und doch eher seltsam beziehungsweise ungenau, die Jurierungen fühlten sich zudem manchmal sehr schlüssig und manchmal komplett gewürfelt an. Spaß gemacht haben mir vor allem die Vorrunden an Tag zwei, bei denen wir endlich gegen überwiegend nicht muttersprachlich Englisch sprechende Teams angetreten sind. Das erleichterte zum einen das Mithalten in den Debatten und ermöglichte nochmal mehr Gespräche mit diverseren internationalen Debattierenden, wobei ich vor allem letzteres sehr schön und bereichernd fand.
Ein anderer interessanter Aspekt waren zudem die Foren, wobei ich am Women and Gender Minorities (WGM) Forum teilgenommen habe. Dort wurde zum Beispiel über die Entwicklung verschiedener relevanter Thematiken geredet, wie der Vorstellung mit Pronomen oder dezidierten WGM Turnieren, und Erfahrungen ausgetauscht. Diese Perspektive auf das internationale Debattieren fand ich super spannend und inspirierend.
Auch ein deutsches Caucus Meeting fand im Verlauf des Turniers statt, bei dem der aktuelle VDCH Beirat für Internationales darüber berichtete, über was im WUDC Council abgestimmt werden sollte und wir unsere Meinungen einbringen konnten.
Ein persönliches Highlight fand außerdem auf dem Weg zur Break Night/dem New Years Eve Social statt. Im Foyer eines der Hotels wurde von Debattierenden aus Südafrika Yakka ausgeschenkt! (Wer nicht weiß, was Yakka ist, dem*der lege ich an dieser Stelle diesen Artikel ans Herz https://punchdrink.com/articles/meet-yakka-cocktail-of-college-debate-world-universities-debating-championship/, oder ein Gespräch über die Worlds in Berlin 2013.) Der Yakka schmeckte sehr süß und zitronig und ich fand es sehr cool, nach den Erzählungen, die ich gehört hatte, ihn selber probieren zu können.
Das Break Night Social war dann (abgesehen von dem Zeitraum, in dem mein Handy verschwunden war) sehr schön, vor allem wegen den anderen Teilnehmenden. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle auch nochmal an alle Breakenden, insbesondere natürlich an die aus Wien (für mehr Infos https://www.achteminute.de/20260112/sydney-und-belgrade-gewinnen-wudc-2026/).
In den darauffolgenden Tagen fanden dann die Outrounds statt, wobei am 1.1. für alle, die nicht am Council teilnehmen mussten, zunächst eine Pause anstand. Diese nutzten wir vor allem zum Schlafen, abends waren wir dann bei Happys (einer sehr lustigen und ikonischen Restaurantkette) mit anderen Debattierenden frühstücken. Einige der Outrounds haben wir uns natürlich noch angeschaut, insbesondere die Finals. Vom Masters Finale wurde mir erzählt, dass es wirklich besonders unlustig war, im Public Speaking Finale haben mich dann einige Redende wirklich begeistert (auch wenn mich bei dem doch eher lustigen Thema die Beiträge über verstorbene Freund*innen etwas unvorbereitet getroffen haben). In der Closing Ceremony wurden zudem sehr viele Awards vergeben, zum Beispiel an Institutions, die mehrere Jahr schon nicht mehr auf den Worlds angetreten waren, was auf Dauer etwas ermüdend wurde, aber natürlich besondere Wertschätzung vermittelt. Begeistert war ich dann noch besonders von den Glaspokalen für die Gewinner*innen des Turniers aus Sydney.
So gingen die Sofia Worlds erstaunlich schnell rum. Während manche den 1.1. und die Tage der Outrounds schon für Sightseeing oder Skifahren genutzt hatten, schlossen mein Teampartner und ich den Urlaubsaspekt dann noch an das Turnier an.
Rückblickend ist mein Fazit zu den Sofia Worlds 2026 ein bisschen gemischt. Es gab schon mehrere negativ anzumerkende Punkte, wie den hohen Teilnahmebeitrag, das wirklich schlechte Essen, die so gut wie nicht existenten Socials und die mittel begeisternden Themen (mit Ausnahme des Feminismus Themas). Andererseits hatte ich auf diesem Turnier auch wirklich viel Spaß, insbesondere in meinem Team aber auch mit den anderen VDCH-Mitgliedern und die Interaktion mit den internationalen Debattierenden persönlich und im WGM Forum fand ich auch sehr schön. Und es gab Yakka!
Braucht es für alle diese Erfahrungen unbedingt die Teilnahme an den Worlds? Wahrscheinlich nicht. Werde ich nochmal auf die Worlds fahren/fliegen? Vielleicht nicht, vor allem auch der Entfernung und des Preises geschuldet. Hatte ich trotzdem eine gute Zeit, bin froh dagewesen zu sein und nehme viele schöne Erinnerungen mit? Definitiv!
Habt ihr ähnliche oder auch ganz andere Erfahrungen mit Worlds oder großen internationalen Turnieren gemacht, die euch besonders in Erinnerung geblieben sind oder habt weitere Fragen? Dann würde ich mich freuen, davon zu hören.

Luisa Jacobi ist seit 2022 im Debating Club Heidelberg e.V. aktiv, in dem sie auch ein Jahr lang im Vorstand war. Seit 2025 ist sie Mitglied in der Chefredaktion der Achten Minute, nach ihrem Auslandssemester wieder vermehrt auf Turnieren anzutreffen und sie erhielt auf der ODM in Jena 2026 einen Preis für ihre ausgezeichnete Jurierleistung.
Das Mittwochs-Feature: Mittwochs veröffentlicht die Achte Minute ab 10.00 Uhr oftmals ein Mittwochs-Feature, worin eine Idee, Debatte, Buch oder Person in den Mittelpunkt gestellt wird. Wenn du selbst eine Debatte anstoßen möchtest, melde dich mit deinem Themen-Vorschlag per Mail an team [at] achteminute [dot] de.
lj.