Juriercommitment verbessern

Datum: 17. September 2013
Redakteur:
Kategorie: Jurieren, Turniere

Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung des Verbandes der Debattierclubs an Hochschulen e.V. (VDCH) war die Jurierqualität ein Gesprächsgegenstand, der zwar keinen eigenen Tagesordnungspunkt hatte, der aber in verschiedenen Diskussionen immer wieder auftauchte. Es schien Konsens zu sein, dass die Jurierqualität und -quantität der deutschsprachigen Turniere verbesserungsfähig, wenn nicht gar verbesserungsbedürftig ist.

Finaljury DDM 2

Kein Mangel an DDG-Juroren: Finaljury der DDM 2013
(c) M. Adams

Mit den VDCH-Jurierseminaren existiert bereits ein sinnvolles Mittel, um die Fähigkeiten der Debattier*innen systematisch zu fördern. Neben der individuellen Fähigkeit der einzelnen Juroren, eine Debatte fair und nachvollziehbar bewerten und feedbacken zu können, spielt aber auch die Bereitschaft in der Szene, überhaupt als Juror*in auf ein Turnier zu fahren, für die Jurierqualität eine große Rolle – denn ausreichende Quantität ist eine notwendige Voraussetzung für Qualität: Gemäß Sprichwort sehen sechs Augen mehr als vier. Nur wenn ausreichend Juror*innen auf dem Turnier sind, kann also gut juriert werden. Um die Jurierqualität auf dem Turnier zu steigern, sollte daher auch über Möglichkeiten nachgedacht werden, die Bindung zu erfahrenen Ehemaligen zu verstärken, um ihr Interesse daran zu steigern, ihre wertvolle Debattier- und Jurier-Expertise späteren Generationen zur Verfügung zu stellen. Ein Mechanismus, der nach internationalem Vorbild auf der DDM zu funktionieren scheint; andere Turniere haben aber offenbar zu wenig Anziehungskraft für eine relevante Menge von Alumn*ae. Die Hauptleistung in diesem Bereich werden deshalb nach wie vor die auf dem Turnier antretenden Clubs erbringen müssen. Bei praktisch jedem Turnier gibt es aber Clubs, die die vom Ausrichter aufgestellte Jurorenquote nicht erfüllen.

Die Maßnahme, dass Anmeldungen nur noch mit einem vollständigen Team (also mit Juror*in) gültig sind, und dass die Teams demzufolge auch dann den Jurier-Platz zu bezahlen haben, wenn sie keine*n Juror*in dabei haben, scheint wenig Früchte getragen zu haben. Offenbar ist die Sanktion zu gering, um auf die Handlungsebene durchzuschlagen. Es scheint mir aber nicht nur eine Frage von Bestrafung und Belohnung zu sein, sondern auch eine Frage der internen Organisation: In vielen Clubs gibt es eine*n Verantwortliche*n dafür, die Turnierteilnahmen des Clubs zu koordinieren. Eine Person aber, die dafür zuständig wäre, dass auch ausreichend Club-Juror*innen dabei sind, habe ich noch nie getroffen.

Die Verantwortlichkeit, ausreichend Juror*innen zu stellen, sodass eine gute Jurierqualität auf dem Turnier gesichert wird, sollte meiner Ansicht nach durchaus den Clubs zugeschrieben werden. Die Clubs, die ihren Mitgliedern die Turniere oftmals erst bekannt machen und zum Teil ja auch darüber entscheiden müssen, wer auf dem Turnier reden darf, sind der geeignete institutionelle Ort, um das Problem in den Griff zu bekommen. Es geht also darum, ein Problembewusstsein in den Clubs zu institutionalisieren. Zur Zeit wird die Aufgabe der Clubs, ausreichend Juroren zu den Turnieren zu schicken, an die Eigenverantwortung der jeweiligen Redner*innen delegiert, die im Zweifelsfall offenbar tendenziell lieber reden wollen – jede*r, die*der gern redet, wird das nachfühlen können. Es ist sogar denkbar, dass die oben angesprochene finanzielle Sanktion das Bewusstsein in dieser Richtung verstärkt hat: Die einzelnen Redner*innen bekommen das Gefühl, dass mit dem bezahlten Jurierplatz der Clubverpflichtung genüge getan wurde. Das Geld ist aber bei Weitem kein vollständiges Substitut für die*den fehlende*n Juror*in. So entsteht  ein Verantwortungsvakuum, das im schlimmsten Fall eine mangelhafte Ausstattung der Turniere mit Juror*innen zur Folge haben kann.

Wie kann auf dieses Problem sinnvollerweise reagiert werden? Um einen Diskurs über die Clubverantwortung zu ermöglichen und ein Bewusstsein für das Problem zu schaffen, scheint es mir sinnvoll, eine Statistik zu veröffentlichen, in der die Jurieraktivitäten der einzelnen Clubs dokumentiert werden. Die Kooperationsbereitschaft der jeweiligen Ausrichter vorausgesetzt, werde ich in der kommenden Saison deshalb alle FDL- und VDCH-Turniere in dieses Spreadsheet einpflegen.

Über Ergänzungen, Anregungen, inhaltliche Kritik oder Hinweise zu technischen Fehlern würde ich mich sehr freuen.

Text: Jonathan Scholbach / kem

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2 Kommentare zu “Juriercommitment verbessern”

  1. Andreas Lazar sagt:

    Wie wäre es mit einer harten n- oder n-1-Regel, also dass jeder Club mindestens eine*n Juror*in mitbringen muss (muss aber nicht aus ihrem Club sein) oder nicht antreten darf, und einer wertschätzenderen Kultur fürs Jurieren, bevor wir zu Überwachung und naming and shaming greifen?

  2. Jonathan Scholbach sagt:

    In meinen Augen scheint eine harte Quote eine viel weiter gehende Maßnahme zu sein: Denn auf einer Liste zu stehen ist wohl eine deutlich schwächere Sanktion, als nicht auf einem Turnier antreten zu dürfen. Deshalb denke ich, dass die Konjunktion „bevor“ hier nicht ganz die richtige ist. Im Übrigen wäre das eine Maßnahme, über die die Turnierausrichter separat entscheiden müssten. Die Statistik hingegen schafft eine turnierübergreifende Größe, in der das gemeinsame Interesse aller Ausrichter gebündelt fokussiert wird.
    Die Statistik dürfte im Übrigen zu einer wertschätzenden Kultur des Jurierens beitragen: Clubs, die überdurchschnittlich viel Jurieren, werden positiv auffallen.
    Ich würde die Statistik auch nicht als Überwachung, sondern als Dokumentation bezeichnen 🙂

    Im Übrigen darf ich mitteilen, dass die Daten des Freiburger Schwarzwaldcups in der Statistik erscheinen werden.

Kommentare sind geschlossen.

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