„Zu Besuch in der schönsten Stadt der Welt: Hamburg“ – Franziska Städter über die ZEIT DEBATTE Hamburg

Datum: 22. Januar 2013
Redakteur:
Kategorie: Turniere

Am Wochenende habe ich im hohen Norden über einen bekannten Debattierer gehört, dass er innerhalb seiner Rede eine überaus starke Einleitungen erstaunlicherweise nur durch den Schluss übertrumpft – eine Aussage, die nicht nur auf eben diesen Debattant, sondern auch auf die ZEIT DEBATTE in Hamburg zutrifft – die viel versprochen und sogar noch mehr geboten hat!

Voller Finalraum der ZEIT DEBATTE Hamburg in der Bürgerschaft

Voller Finalraum der ZEIT DEBATTE Hamburg in der Bürgerschaft

Vom 11. bis zum 13. Januar trafen sich 33 Debattierteams in der „schönste Stadt der Welt“ um sich im Wortgefecht zu messen. Gleich am Freitagabend ging es mit der ersten Vorrunde und einem gemütlichen Kneipenabend los – nicht alle Debattanten fanden in der selben Kneipe Platz, trotzdem fühlten sich alle gut unterhalten und für den nächsten Tag bestens gerüstet.

Mit frischem Elan ging es am Samstag los – vier Vorrunden heizten allen Debattierern in der kalten Stadt an der Elbe kräftig ein. Doch eines der Themen wird allen wohl ganz besonders in Erinnerung bleiben: „Sollen wir unsere Prinzipien über Bord werfen?“. Die Fragen ob wir politische Korrektheit aufgeben, die Frau wieder unter die Herrschaft des Mannes stellen oder mit Terroristen verhandeln sollten, sorgten für noch kontroversere Debatten, als sonst üblich. Regierungen konnten sich meist erst sehr spät auf ein Prinzip einigen, welches zu viel Ballast im Boot darstellte, während die Opposition unvorbereitet ins kalte Wasser geworfen wurde – eine Herausforderung für alle Beteiligten!

Nach einem langen Tag voll spannender Debatten ging es fast direkt zur Party auf den Kiez, die ein voller Erfolg wurde! Schon kurz nachdem alle Teilnehmer zur Party-Location ´Thomas Read´, einem Irish Pub, gefunden hatten, traf man sich auf der Tanzfläche, um zu Gangnam-Style zu tanzen und möglichst laut mitzusingen. Lediglich die Pokerspieler ließen sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Der Break wurde gespannt erwartet, mit großer Begeisterung bejubelt und hinterher gebührend gefeiert! Am nächsten Morgen wurde gemunkelt, dass viele Debattanten erst in den frühen Morgenstunden in ihr Bett fanden – in der Hotel Lobby oder im Treppenhaus, in anderen Clubs und auf dem Fischmarkt sollen sie noch zahlreich gesichtet worden sein!
Trotz der doch für die Meisten sehr kurzen Nacht fanden am Sonntagmorgen alle Debattierer den Weg zum wundervollen Hamburger Rathaus, welches durch prunkvolle Räume, elegante Treppen, hohe Decken und zahlreiche Portraits ein bisschen wie ein Schloss wirkte.

2013 ZD Hamburg Sieger

Die Gewinner: Georg Sommerfeld aus Berlin als bester Redner (links) und das Tema aus Heidelberg

Die Redner des Halbfinales ließen sich von der Schönheit des Gebäudes aber nicht ablenken und sorgten für mehr oder weniger ernste Debatten zu dem Thema „Sollen wir den Klimaschutz aufgeben?“ Ob und wie uns der Klimaschutz in Deutschland berührt und die Frage, warum wir uns nicht einfach nach Palmen in München sehnen sollten, unterhielten die Zuschauer in Halbfinale 1, in dem „Karls Ruhe vor dem Sturm“ „Göttingen Rubikonüberschreiter“ geradezu wortwörtlich überschritt. Doch auch in Halbfinale 2, in dem sich „Heidelberg Philosophenweg“ gegen „Marburg Rotkäppchen“ durchsetzte, ging es hoch her: Ob der Mensch nicht einfach im See schwimmen lernen und sich anpassen sollte, anstatt den See abzupumpen und die Umwelt zu verändern beschäftigte die Rednerinnen und Redner.

Zu dem Thema „Sollen große Infrastrukturprojekte direkter demokratischer Kontrolle unterliegen?“ standen sich schließlich Karlsruhe und Heidelberg gegenüber. Die freien Rednern Georg Sommerfeld, Gabor Stefan und Hauke Blume setzten dem hochkarätigen Finale die Krone auf.

Das Karlsruher Team, bestehend aus Christian Zimpelmann, Leo Vogel und Jan Kaufmann, legte die Latte und damit das Niveau der Debatte von Anfang an sehr hoch und sorgten durch ihre Argumentation, dass die Akzeptanz der Bürger steigt und mehr Transparenz geschaffen wird, für eine knappe Entscheidung.
Die Opposition aus Heidelberg mit Wiebke Nadler, Tom-Michael Hesse und Sven Hirschfeld vertrat die Meinung, dass die Entscheidung über Infrastrukturprojekte von Experten getroffen werden sollte und der Staat seine Verantwortung nicht einfach abgeben darf und damit hinterher nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Wiebke Nadler und Sven Hirschfeld aus Heldelberg löchern die Regierung aus Karlsruhe (c) DC Hamburg

Wiebke Nadler und Sven Hirschfeld aus Heldelberg löchern die Regierung aus Karlsruhe (c) DC Hamburg

Alles in allem war diese Debatte sehr mitreißend, bei der jeder der anwesenden Finalgästen von Argumenten beider Seiten überzeugt wurde und sich in Georg Sommerfelds freier Rede über die Hysterie der Menschen auch ein bisschen selbst wiederfand. Selten habe ich Menschen bei einem öffentlichen Finale so lachen sehen! Verdient überzeugte Georg die Ehrenjury und räumte für seine Rede den Preis für den besten Einzelredner ab.

Inhaltlich und als Team überzeugte schlussendlich das Team aus Heidelberg, das sich unter tosendem Applaus des Publikums kaum vor dem Ansturm überwältigter Debattanten und Gästen retten konnte.
Doch auch die Karlsruher waren begeistert, erstmals im Finale einer ZEIT DEBATTE gestanden zu haben. „Ich hätte nie gedacht, dass wir ins Finale kommen – gehofft zu breaken habe ich schon, aber mehr hätte ich nicht für realistisch gehalten! Für Jan war es auch erst das 3. Turnier überhaupt!“ erzählte mir Christian aufgeregt nach der Debatte.

Die Erwartungen an die ZEIT DEBATTE Hamburg waren tolle Erfahrungen und spannende Debatten – bekommen haben wir ein grandioses Turnier, das nicht zu vergessen ist!

Vielen Dank!

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Die ZEIT DEBATTE in Hamburg war das zweite Turnier der Saison 2012/2013 im Rahmen der ZEIT-DEBATTEN-Serie. Zur 3. ZEIT DEBATTE lädt der Brüder Grimm Debattierclub vom 22. bis zum 24. März nach Marburg ein. Die Anmeldung ist noch bis zum 5. Februar geöffnet.

Die Turnierserie ZEIT DEBATTEN wird vom Verband der Debattierclubs an Hochschulen e.V. (VDCH) in Zusammenarbeit mit der Wochenzeitung DIE ZEIT und der Deutschen Telekom AG veranstaltet sowie durch eine Medienpartnerschaft mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) unterstützt. Seit einem Jahrzehnt werden jährlich mindestens fünf große Debattierturniere im Rahmen der ZEIT DEBATTEN ausgetragen, darunter die Deutsche Debattiermeisterschaft. Schirmherr der Serie ist der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt.

Text: Franziska Städter/fpu

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