“Der gemeinnützige Aspekt macht viel aus” – Konstantin Gavras von CorrelAid im Interview

Datum: 12. Oktober 2016
Redakteur:
Kategorie: DDG, Menschen, Mittwochs-Feature, VDCH

Die Ergebnisse der Debattier-Umfrage sind soeben veröffentlicht worden – Zeit, sich einmal den Planern hinter dem Projekt zu widmen. Lennart Lokstein interviewte für die Achte Minute den Teamleiter des CorellAid-Teams hinter der Umfrage, Konstantin Gavras.

Die beteiligten Personen v.l.n.r.: Elisa Schwarz (VDCH), Konstantin Gavras (CorrelAid), Lisa Laeber (CorrelAid), Thomas Handke (CorrelAid), Mirka Henninger (CorrelAid), Philipp Stiel (DDG) und Fabienne Lind (CorrelAid) - © VDCH

Die beteiligten Personen v.l.n.r.: Elisa Schwarz (VDCH), Konstantin Gavras (CorrelAid), Lisa Laeber (CorrelAid), Thomas Handke (CorrelAid), Mirka Henninger (CorrelAid), Philipp Stiel (DDG) und Fabienne Lind (CorrelAid) – © VDCH

Hallo Konstantin! Du engagierst dich ehrenamtlich bei CorrelAid – was genau macht CorrelAid eigentlich?

Konstantin: CorrelAid bietet ehrenamtlichen und sozialen Organisationen die Möglichkeit, professionelle Unterstützung in Datenanalyse und Datenbeschaffung zu erhalten und Studierenden, die Interesse daran haben, ihre Statistikkenntnisse zu erweitern, die Möglichkeit, sich fortzubilden und auch in Projektteams mitzuarbeiten. Wir legen vor allem Wert auf höchste Qualität in der technischen Arbeit, d.h. wir verwenden nach Möglichkeit die modernsten Open Source Programme und halten auf jeden Fall höchste Datenschutzrichtlinien ein. CorrelAid ist ein relativ loses Netzwerk von über 300 statistikbegeisterten Studierenden und auch young professionals, die sich sowohl deutschlandweit als auch in local chapters organisiert haben. Momentan befinden sich local chapters in Konstanz, Duisburg und Berlin – die restlichen Studierenden sind übers Internet, also Facebook und E-Mail-Kontakte vernetzt, d.h. in den Orten, in denen es noch kein local chapter gibt, erfolgt die Kommunikation zwischen den Mitgliedern meist online.

Woher kommt die Idee?

Konstantin: Die Idee hat unser Gründer, Johannes Müller, aus den USA aufgegriffen; dort ist das schon relativ verbreitet unter jungen DatenanalystInnen und SozialwissenschaftlerInnen. Dadurch konnten auch schon Projekte in Afrika, aber auch ganz konventionelle soziale Organisationen unterstützt werden.

Und seit wann gibt es CorrelAid in Deutschland?

Konstantin: Seit März 2015. Seit Februar dieses Jahres sind wir ein eingetragener Verein.

Einblick aus dem Umfragen-Entstehungsprozess - © VDCH

Einblick aus dem Umfragen-Entstehungsprozess – © VDCH

CorrelAid hat uns als studentischer Debattierszene mit der großen Evaluation geholfen. Wie kam es dazu?

Konstantin: Der Kontakt wurde von Elisa Schwarz mit unserem Vorsitzenden Johannes geknüpft. Das war glaube ich ein Treffen von jungen Engagierten in Berlin oder Konstanz, sie haben beide in Konstanz im Master studiert und kannten sich von dort. Als Johannes CorrelAid vorgestellt hat, kam der Gedanke einer Zusammenarbeit auf. Die besten Geschichten schreibt eben der Zufall.

Was genau war deine Rolle bei der Evaluation?

Konstantin: Bei dieser Kooperation war ich Projektleiter. Meine Aufgabe bestand maßgeblich darin, die Koordination meiner vier Teammitglieder sowie Elisa vom VDCH und Philipp Stiel von der DDG zu organisieren, aber auch technische Unterstützung zu leisten. Am Ende waren noch die Überarbeitung und Publikationsfertigung des Reports, die logische Strukturierung, die Überarbeitung von analytischen und grafischen Elementen und natürlich eigene analytische Arbeit zu erledigen.

Wie lange bist du schon bei CorrelAid und wie kamst du dazu?

Konstantin: Ich bin bei CorrelAid seit September 2015. Dazu gekommen bin ich über einen Mailverteiler, den ein Freund von der Friedrich-Ebert-Stiftung weitergeleitet hatte, woraufhin mich bei CorrelAid gemeldet habe. Ich habe mich dann direkt bei dem Pilotprojekt mit einer Pfadfinderorganisation aus Norddeutschland, der wir bei einer Evaluation ihrer Mitgliederbefragung geholfen haben, als Teammitglied engagiert. Danach wurde ich zum Rechnungsprüfer bei CorrelAid gewählt, da ich von Anfang an beim organisatorischen Aufbau mithelfen wollte. Ich finde es gut, dass ich meine erlernten akademischen Fähigkeiten hier einerseits einsetzen, aber eben auch etwas Gutes machen kann. Nur für Geld würde mir das weniger Spaß machen, der gemeinnützige Aspekt macht viel aus.

Konstantin Gavras und Lisa Laeber bei der Arbeit - © VDCH

Konstantin Gavras und Lisa Laeber bei der Arbeit – © VDCH

Die Ergebnisse der Umfrage bzw. eine Selektion der für uns interessanten Ergebnisse wird nun gerade veröffentlicht und auch in diesem Interview eingangs verlinkt sein. Wie war die Arbeit daran für dich?

Konstantin: Die Arbeit war sehr aufregend, weil man den kompletten Prozess vom Konzept des Fragebogens bis zur letzten Evaluation aller Fragen begleitet und auch durchgeführt hat. Es ist relativ selten, dass man als junger data scientist den kompletten Prozess begleiten kann, von der Überlegung, was man machen kann, über die technische Umsetzung der Fragen, die Formulierung des Fragebogens, bis zur Evaluation – dieses umfangreiche Spektrum der Möglichkeiten in einem Projekt umzusetzen, war wirklich eine große Freude.

Angenommen, mein Debattierclub wollte nun auch etwas unter seinen Mitgliedern evaluieren – helft ihr auch bei kleineren Projekten?

Konstantin: Wir unterstützen grundsätzlich jeden, der sich sozial engagieren möchte – beispielsweise auch einen einzelnen Debattierclub. In meinen Augen leisten Debattierclubs – egal welcher Größe – einen wichtigen Beitrag zu Demokratie und politischer Bildung. Das einzige, was man sich fragen muss, ist, ob man mit einer kleineren Anzahl an Mitgliedern noch anonyme Umfragen gestalten kann, aber abgesehen davon ist die Größe egal. Man kann über den Daumen gepeilt sagen, ab 200 Personen sind die Daten relativ sicher anonym, man kann aber auch bestimmte Fragen weglassen, um die Interviews von wesentlich kleineren Gruppen anonym zu halten. Wenn ein Debattierclub z.B. nur zwei Frauen hat, dann könnte man Fragen bezüglich des Geschlechts einfach weglassen und die Gruppe wäre wieder anonymer.

Ich könnte mir vorstellen, dass nun durchaus Clubs auf euch zukommen möchten. Wie können die euch erreichen?

Konstantin: Zum einen gibt es natürlich die Möglichkeit, über unsere Homepage correlaid.org eine Anfrage zu stellen. Wir haben aber in den nächsten Wochen auch ein Gespräch mit dem neuen VDCH-Vorstand, es wäre also auch möglich, dass wir als Projektteam auch für weitere Anfragen aus der Debattierszene Ansprechpartner sind – das wird man dann sehen. [Anm. d. Red.: Das Ergebnis werden wir hier ergänzen, sobald wir es erhalten haben.]

Vielen Dank für das Interview!

lok./jm.
Mittwochs-Feature

Konstantin Leonardo Gavras ist Projektleiter und Rechnungsprüfer bei CorrelAid e.V. In seiner Funktion als Projektleiter ist er für die Koordination der Projektarbeit und dem Kontakt mit den Auftraggebern zuständig. Neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit promoviert er am Lehrstuhl für Politische Psychologie der Universität Mannheim. Für eventuelle Rückfragen steht Konstantin gerne bereit. Ihr könnt ihn unter der E-Mail Adresse konstantin [at] gavras [dot] de oder telefonisch unter 0151-17896455 erreichen.

Das Mittwochs-Feature: Jeden Mittwoch ab 10.00 Uhr stellt das Mittwochs-Feature eine Idee, Debatte, Buch oder Person in den Mittelpunkt. Wenn du selbst eine Debatte anstoßen möchtest, melde dich mit deinem Themen-Vorschlag per Mail an team [at] achteminute [dot] de.

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