Schafft die „n-1-Regel“ für Juroren ab! – Ein Kommentar von Tobias Kube

Datum: 9. April 2014
Redakteur:
Kategorie: Jurieren, Mittwochs-Feature

Wie auf der Achten Minute bereits häufig diskutiert wurde, ist ein gutes Jurorenfeld eine wesentliche Voraussetzung für ein gelungenes Turnier. Hierbei ist neben der Qualität auch die Quantität an Juroren von entscheidender Bedeutung. Um ausreichend viele Juroren zu gewinnen, wird Ausrichtern als Faustregel für Turniere im Format British Parliamentary Style (BPS) die sogenannte n-1-Regel ans Herz gelegt. Dabei steht n für die Anzahl der gestellten Teams, sodass man nach dieser Regel einen Juror weniger schicken muss, als man Teams antreten lässt, etwa zwei Juroren bei drei teilnehmenden Teams. Das soll sicherstellen, dass genügend Juroren an dem Turnier teilnehmen. Meines Erachtens führt diese Regel jedoch dazu, dass das Ziel bei unseren derzeitigen Turniergegebenheiten gerade nicht erreicht wird.

Probleme mit n-1

Wichtig für ein Turnier: Genügend gute Juroren (c) Henrik Maedler

Wichtig für ein Turnier: Genügend gute Juroren (c) Henrik Maedler

Bei den letzten Turnieren – zumindest im Rahmen der ZEIT DEBATTEN und auch zum Beispiel beim Marburger Geschichtsturnier, beim Elbe Open im vergangenen Jahr und so weiter – überstieg die Nachfrage an Teamplätzen deutlich das Angebot. Das führt dazu, dass die meisten Clubs nur einen Teamplatz bekommen. Wenn man als Club nur einen Teamplatz bekommt, muss man keinen Juror schicken: 1-1 = 0. Wenn das auf mehrere Clubs zutrifft, hat das Turnier das Problem zu weniger Juroren. Da Jurieren aus verschiedenen bereits diskutierten Gründen vielen nach wie vor weniger attraktiv erscheint als Reden, entsenden nur die wenigsten Clubs mit einem Teamplatz einen Juror, wenn dazu keine Verpflichtung besteht. Wenn es nicht gelingt, zusätzlich freie Juroren für das Turnier anzuwerben, sind  die Juroren der wenigen Teams mit zwei Plätzen in der Regel nicht ausreichend, um eine gute Jurierqualität auf dem Turnier zu sichern.

Zur besseren Veranschaulichung der Situation folgendes Zahlenbeispiel: Auf einer ZEIT DEBATTE in BPS gibt es üblicherweise ca. 40 Teamstartplätze. Zuletzt meldeten sich immer annähernd 30 Clubs für Turniere der Serie an. Angesichts des – erfreulichen – Wachstums des Verbandes der Debattierclubs an Hochschulen e.V. (VDCH) könnte diese Zahl in den nächsten Jahren auch noch weiter steigen. Davon ausgehend, dass 30 Clubs einen Teamplatz bekommen und zehn Clubs einen zweiten Teamplatz, hieße das bei strikter Befolgung der n-1-Regel, dass es zusätzlich zu den zumeist drei Chefjuroren nur zehn weitere Juroren gibt. Nun ist erkennbar, dass diese insgesamt 13 Juroren für die zehn Debattierräume während der Vorrunden deutlich zu wenig sind (angestrebt werden in der Regel drei Juroren pro Raum).
Man kann natürlich darauf hoffen, dass der eine oder andere Club mit nur einem Teamstartplatz auch ohne entsprechende Verpflichtung einen Juror mitbringt oder sich viele freie Juroren zu dem Turnier anmelden. Aber abgesehen davon, dass das zuletzt nicht immer gut funktioniert hat, sollte man sich die Frage stellen, ob man diese Abhängigkeit nicht einfach mit einem geschickteren Modus im Vorhinein vermeiden kann.

Alternative: Die Clubregel

Ein alternativer Modus, der meines Wissens erstmals bei der ZEIT DEBATTE Münster 2012 angewendet wurde und dieses Problem umgeht, ist die sogenannte „Clubregel“ für Juroren. Dies bedeutet, dass jeder Club mindestens einen Juror stellen muss, unabhängig davon, wie viele Teamstartplätze er bekommt. Im obigen Beispiel würde das bedeuten, dass – zumindest in der Theorie – 33 Juroren an dem Turnier teilnehmen, womit sichergestellt wäre, dass es ausreichend viele Juroren pro Raum gibt. Diese Regel wurde zuletzt z.B. bei allen Marburger Turnieren angewendet und die Erfahrungen damit waren stets sehr gut.

Natürlich kann und wird es passieren, dass nicht alle Clubs diese Regel erfüllen, und über freie Juroren oder Clubs, die mehr als einen Juror mitbringen,  ist man auch in diesem Szenario froh. Aber ich denke, man kommt der angestrebten Zahl an Juroren auf einem Turnier mit diesem Modus deutlich näher als mit der n-1-Regel, da die Clubs sich erst einmal in der Verantwortung fühlen, einen Juror in ihren Reihen zu finden – nicht zuletzt, weil sie bei diesem Modell für den Jurorenplatz auch bezahlen müssten, wenn er frei bleibt (das ist jedenfalls die übliche Handhabe in diesem Fall).  Daher möchte ich allen Ausrichtern von BPS-Turnieren empfehlen, in Abstimmung mit ihren Chefjuroren die Clubregel statt die n-1-Regel anzuwenden.

tk/hug/kem

Mittwochs-Feature

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Tobias Kube war Chefjuror des Streitkultur-Cups und Frischlingscups 2013 sowie  des Marburger Geschichtsturniers und des Mainzer Debütantencups 2014. 2012 erhielt er den Nachwuchspreis der Deutschen Debattiergesellschaft e.V. (DDG). Er war Sieger des Streitkultur-Cups 2013 und des Gutenberg-Cups 2012. Er ist amtierender Vizepräsident des Verbandes der Debattierclubs an Hochschulen e.V. (VDCH) für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Im Jahr 2012 war er Cheforganisator des Brüder Grimm Cups, 2013 der ZEIT DEBATTE Marburg.  Derzeit studiert er Psychologie an der Philipps-Universität Marburg.

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37 Kommentare zu “Schafft die „n-1-Regel“ für Juroren ab! – Ein Kommentar von Tobias Kube”

  1. Witthaut sagt:

    Danke für diesen wichtigen Beitrag, Tobi!

    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Clubregel das Allheilmittel ist. Es gibt Turniere, die werden von wenigen Clubs stark in Anspruch genommen (z.B. Regios). Bei diesen Turnieren wäre eine n-1 Regel wahrscheinlich sinnvoller als eine Clubregel. Aber das sind Einzelfälle. Ich denke, dass die Ausrichter in diesen Fällen sensibel genug sind dies einzuschätzen. Im Grunde funktioniert dein vorgeschlagener Mechanismus immer.

    Warum eigentlich keine n=1 Regel? Klar, ein BPS Turnier mit 10 Räumen und 40 Juroren wirkt etwas überbesetzt. Aber wenn wir uns die Realität anschauen, gibt es immer Clubs die niemanden schicken. Da ist doch zufällig mal wieder jemand einen Tag vor dem Turnier krank geworden. Einer kann erst samstags anreisen, ein anderer muss am Samstag schon mittags weg. Die Geschichten kennen alle Ausrichter und Chefjuroren. Man braucht dann nur einen Sanktionsmechanismus, sodass auch jeder zumindest versucht viele Juroren auf ein Turnier zu schicken. Bei der ZD Mainz haben wir deswegen den TNB per Team und nicht per Person abgerechnet. Ein Team haben wir dann als 3 Redner + 1 Juror definiert. Wahrscheinlich auch nicht die beste Lösung aber zumindest einen Versuch wert.

    Trotzdem lassen sich Qualität und Quantität nicht voneinander trennen. Bei der ZD Wien gab es nicht wenige Juroren. Zumindest waren in meinen Räumen immer 3-4 Leute. Nichtsdestotrotz war die Juriererfahraung vieler Teilnehmer eher gering. Oftmals wird der Pflichtjuror als Abstellgleis benutzt. Nach dem Motto: „Ach, du willst auch mit… Hmm, du könntest doch als Juror mitfahren! Dann lernst du erst einmal ein Turnier kennen, kannst dir tolle Debatten angucken und viel lernen! Außerdem brauchen wir noch einen… “ Solange diese Einstellung sich nicht ändert, haben wir leider als Szene weiterhin ein Problem…

    Im internationalen Debattieren machen sich Leute einen Namen durchs Jurieren, weniger durchs Reden. Schade, dass wir als deutsche Szene hier etwas anders eingestellt sind. Es gibt soviele Leute, die jahrelang als Redner vom Debattieren profitiert haben aber nie als Juror auf der Bildfläche erschienen sind. Ich möchte hier kein „Naming and Shaming“ verbreiten, sondern viel eher „Danke“ sagen, für all diejenigen, die heute noch auf Turnieren regelmäßig jurieren, obwohl sie es eigentlich gar nicht mehr nötig hätten. Sie geben der Szene soviel zurück, sie helfen neuen und sorgen für zukunftsfähige, lebendige und professionelle Debatten. Vielen Dank Euch!

  2. Lennart Lokstein sagt:

    Ich schließe mich da an und fände eine n-Regelung am Sinnvollsten. Nichtsdestotrotz braucht man auch da vielleicht, wie Willy schon festgestellt hat, noch einen Schutzmechanismus zur Einhaltung. Vielleicht genügt Shaming, vielleicht brauchen wir eine Juroren-Belohnung, vielleicht sollte man aber auch Teamplätze streichen, wenn Clubs keine Juroren schicken. Gerade in OPD, wo man nur 3 Teams „pro Raum“ und weniger Teams insgesamt hat, macht sich n-1 dann deutlicher bemerkbar.

  3. Jonathan Scholbach sagt:

    Eine sinnvolle Regel ist in meinen Augen AUFRUNDEN(n/2).

  4. Witthaut sagt:

    Stimmt!

  5. AndyD feat. Odi sagt:

    man darf im internationalen Kontext nicht vergessen, dass Juroren meist KEINEN Teilnehmerbeitrag zahlen müssen. So ad exemplum im März beim UCL Open und Royal Holloway Open in London. Wenn wir die Prämisse nehmen, dass Jurieren aktuell nicht so attraktiv ist, würde dies das Jurieren durchaus attraktiver machen. Ermäßigungen von 10-15 Euro für Jurierende sind auf die Gesamtkosten eines Wochenendes verhältnismäßig gering und haben wenig Signalwirkung. Vielleicht sollten wir uns überlegen, ob wir auf das ein oder andere üppige Buffet am Samstag verzichten und lieber in die Jurierqualität investieren.

  6. Witthaut sagt:

    Lieber AndyD feat. Odi ;),

    grundsätzlich hast du vollkommen Recht! Aber da seit Jahren das Budget von ZD eher geringer wird, ist es (inkl. Ausnahmen) sowieso schon gängig auch ohne Jurorensubvention kein üppiges Buffet am Samstag anzubieten!

  7. Witthaut sagt:

    PS: Die Alternative wäre, die Kosten auf die anderen Teilnehmer umzuwälzen. Das jedoch ist mit der Situation vieler Studierender nicht vereinbar, die sowieso schon tief in die Tasche greifen müssen, um auf Turniere zu fahren!

  8. Alex L. (DD) sagt:

    @Andi: Wir hatten in Dresden einen ziemlich niedrigen Teilnehmerpreis für Juroren, was sich zwar positiv in der Quantität niedergeschlagen hat, aber leider nicht so viele namhafte Juroren angelockt hat wie erhofft. Darum würde ich sogar noch weiter gehen und vorschlagen, dass Turnierausrichter zusehen, namhaften Juroren nicht nur die Kosten zu erlassen, sondern auch die Anfahrt zu subventionieren.

    @Willy: Du magst zwar Recht haben, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die rheinland-pfälzische Weinkönigin auch nicht gerade für lau an einem Freitag Abend eine Weinprobe veranstaltet 😉 Ich würde es euch nicht gönnen, da ich die Mainzer Turniere sehr schätze, aber wenn sich bei eurer ZEIT DEBATTE eine ähnliche Situation ergeben sollte wie in Wien, sollte die Frage schon erlaubt sein, ob die Teilnehmerbeiträge nicht besser in die Subventionierung von Juroren geflossen wären als in das bestimmt wieder ausgezeichnete Rahmenprogramm…

    @all: Die DDM in München (bei der es wenigstens genug gute Juroren gab, um die zahlreichen Ausfälle zu kompensieren), Dresden und Wien haben in meinen Augen gezeigt, dass es weniger entscheidend ist, ob viele Juroren kommen, sondern welche Juroren. Solange die Clubs nicht einsehen, dass es an ihnen liegt, ob sie gute oder schlechte Jurierungen bekommen, sondern weiterhin Anfänger schicken, denen sie als Redner nichts zutrauen, wird sich nichts am derzeitigen dramatischen Jurorenproblem ändern. Der zweite Juror kann und soll gerne ein Anfänger sein, aber der erste Juror muss jemand sein, der auch regelmäßig im Club juriert, sonst macht es keinen Sinn. Insofern finde ich einen Vorschlag von Andrea Gau sehr bemerkenswert, von dem ich nicht weiß, wie ernst er gemeint war: Clubs, die gute Juroren schicken, werden auch von guten Juroren juriert; Clubs, die schlechte oder gar keine Juroren schicken, müssen mit dem Vorlieb nehmen, was übrig bleibt.

  9. Jonas G. (Münster) sagt:

    Bei der ganzen Sache sollte man auch den Sinn hinter der N-1 Regelung nicht vergessen. Es gibt schlicht und ergreifend Debattierclubs a la Osnabrück, Dortmund, Düsseldorf und Wuppertal (ja in diesen Städten gibt es wirklich Debattierclubs), die häufig nicht einmal in der Lage sind 2 turnierbegeisterte Redner auf ein Turnier zu schicken. Wird diesen Club jetzt auch noch aufgebürdet einen Juror zu schicken, dann entsteht eine Barriere, die sehr kleine Clubs von der Partizipation im kompetitiven Debattieren abhält.
    Wenn es eine N-Regel geben sollte, dann muss sie also mit Augenmaß angewendet werden.

    Ansonsten ist es aber vor allem wichtig sich zu überlegen wie gute Juroren auf das Turnier kommen.
    Dinge wie das Ironman Turnier in Münster sind hier vmtl. eher Nischenlösungen, es muss vor allem Dingen bei den Leuten die viel reden und nie jurieren ein Umdenken stattfinden (und ja ich habe ungefähr 15 mal geredet und 2 mal juriert, aber ich werde 50/50 sein wenn ich fertig mit Debattieren bin 😉 )

  10. Witthaut sagt:

    Alex, die Weinkönigin hat noch nie Kosten verursacht 🙂

  11. Daniil sagt:

    ..realistischerweise müssen CJ-Panels frühzeitig die Anmeldelisten einsehen und ggf. mit Leuten reden, die dann das Turnier unterstützen bzw., wenn es ganz mau aussieht, retten kommen. Das wird auf den DDMs seit jeher so gemacht. Ansonsten sehe ich schlicht das Problem, dass im Moment der starke „Mittelbau“, also die guten, aussichtsreichen Redner und Juroren, verständlicherweise (!!) gerne selbst antreten wollen, während die alten Hasen altersschwach daheim liegen – was ich auch sehr gut verstehen kann;)

  12. Lennart Lokstein sagt:

    Das Problem dabei, erfahrenen Juroren Kosten zu subventionieren oder zu erlassen, ist die extreme Intransparenz und Möglichkeiten zum Klüngeltum, wie es gerade bei internationalen Turnieren häufig kritisiert wird. Das eigentliche Problem dabei, Juroren zu „belohnen“, ist ja, dass man im Grunde die Juroren jurieren müsste, was nur wieder neue Juroren bräuchte. Und wenn damit Geld verbunden wäre, würde es auch schnell zu Unzufriedenheit und Streit führen. Das fände ich nicht gut.

  13. Oli (HGW) sagt:

    Was kann man aus diesem Kommentarstrang mitnehmen? Es ist anscheinend so, dass z.B. in Dresden, Mainz, Tübingen oder sonstwo die Juroren auf Bäumen wachsen. Schließlich wird ja immer im Club juriert und der, der das regelmäßig macht, der soll dann bitte auch auf Turniere fahren. Wer keine Juroren mitbringt, der hat auch kein gutes Feedback verdient usw. usf.
    Jonas hat schon ganz gut aufgezeigt, dass es für kleine Clubs teils schwierig ist, überhaupt ZWEI Leute auf EIN Turnier zu bewegen. Auch für Clubs, die vielleicht etwas größer als ganz klein sind, können sich Probleme ergeben, die z.B. Alex vielleicht so nicht kennt. Wenn die durchschnittliche Teilnehmerzahl bei der wöchentlichen Clubdebatte irgendwo zwischen 4 und 8 liegt, dann erübrigt sich jede Diskussion über die Güte von Juroren, da im betreffenden Club schlicht und ergreifend kaum richtig juriert wird. Das Debattierer aus solchen strukturschwachen Clubs dann die paar Mal im Jahr, die sie an einem Turnier teilnehmen, auch noch gezielt minderwertiges Feedback bekommen sollen, damit die großen Player der Szene weiterhin ihren gewohnt hohen Jurierstandard genießen können, wirkt so erstmal befremdlich und trägt nicht zur Entwicklung schwacher Clubs bei.
    Angemessener als Sanktionen finde ich an dieser Stelle Anreize wie die Jurierseminare, die es verstärkt gibt, oder auch Senkung von Teilnehmerbeiträgen/Erstattung von Fahrkosten für Juroren, da, wo es dem Veranstalter möglich ist.

  14. Alex L. (DD) sagt:

    @Oli: Ich möchte darauf hinweisen, dass Dresden lange gesiecht hat und wir auch jetzt immer noch Probleme haben, unsere Jurorenquoten zu erfüllen. So ganz unbekannt kommt mir das also nicht vor 😉

    Ich würde aber aus deinem Kommentar eher mitnehmen, dass es offenbar sinnvoller wäre, Clubs wie Greifswald von der Bürde zu befreien, einen Juror stellen zu müssen. Denn ich bleibe dabei: Sinnvolle Jurierungen können nur dann zustande kommen, wenn man auch schon Erfahrungen im Club gesammelt hat oder wenigstens direkt vor dem Turnier am Jurierseminar teilgenommen hat.

  15. Oli (HGW) sagt:

    @Alex: das sollte auch alles etwas überspitzter daherkommen als es tatsächlich gemeint war. Trotzdem kann ich mir ganz gut vorstellen, dass einige Clubs starke Probleme haben den eigenen Juriernachwuchs zu sichern. Mein Club schickt, soweit ich das im Blick habe, häufig auch erfahrenere Debattierer als Juroren, damit unser Nachwuchs reden kann und so besser an den Club gebunden wird. Trotzdem ist es nicht besonders attraktiv zu jurieren. Da wäre finanzielle Unterstützung sinnvoll.
    Was bei Jurierungen meines Erachtens von entscheidener Bedeutung ist, ist die Besetzung der Hauptjuroren. Wenn die gut sind, dann können die auch mit einem völlig unerfahrenen Juror umgehen und den wenn nötig nacheichen (bei der letzten ZD habe ich zum ersten Mal juriert (und dann auch noch OPD) und wurde ganz gut an die Hand genommen). Vor allem da muss man wohl die Qualitätssicherung betreiben.

  16. Alex L. (DD) sagt:

    @Oli: Jein. Ja, wenn die Qualität der Hauptjuroren stimmt, kann vieles ausgeglichen werden. Aber der Preis ist dafür eine deutlich längere Zeit, die für das Jurorengespräch benötigt wird, wenn man jemanden neben sich sitzen hat, der offensichtlich noch keine innere Eichung hat und daher Punkte (verständlicherweise) willkürlich vergibt. Und diese Zeit ist nicht immer gegeben, wenn der Zeitplan eng ist.
    Zumal man auch nicht unterschätzen sollte, dass vier Mal an einem Tag Hauptjuror zu sein, enorm anstrengend ist. Optimalerweise sollten daher auf einem Turnier immer mindestens doppelt so viele Juroren sein, die das Zeug zum Hauptjuror haben, wie es Räume gibt. Und damit kommen wir wieder zum Ursprungsproblem: Es braucht genügend erfahrene Juroren!

  17. Christian (Bonn) sagt:

    In dieser Diskussion muss die Situation kleiner Clubs berücksichtigt werden.

    Ich erinnere mich an den Anfang meiner Karlsruher Zeit. Da war es schon ein Erfolg, wenn wir überhaupt ein Rednerteam zusammenbekommen haben – eine strikte „Clubregel“ wäre problematisch gewesen. Insbesondere darf man von diesen Juroren keine große Juriererfahrung erwarten – in Karlsruhe gab es zum Beispiel praktisch niemand mit Turniererfahrung.

    Der Idealfall wäre, wenn man gar keine Clubregel irgendeiner Art hat. Dazu müsste das Jurieren ausreichend attraktiv sein, wozu hier schon gute Vorschläge gemacht wurden. Außerdem könnte man über eine stärkere Honorierung der Juroren innerhalb der FDL nachdenken (Rangliste, eventuell sogar Clubpunkte). Nach meiner Erfahrung tritt vor allem bei kleinen Turnieren das Problem auf. Bei den von Tobi genannten ZEIT DEBATTEN sind doch normalerweise genug Juroren da – gerade weil viele Clubs weniger Teams als gewünscht zugeteilt bekommen.

  18. Teresa W. (Münster) sagt:

    Anknüpfend an Christian: Clubs, die leider weniger Teams bekommen auf Turnieren als sie das gerne wollen, schicken meist einfach mehr Juroren mit. Eine reine Clubregel anzuwenden wäre aber wahrscheinlich ein falsches Signal an diese Clubs insoweit sie sich denken würden, dass sie ausnahmsweise auch nur einen Juror schicken, selbst wenn sie 3 Teams im Rennen haben. Ich denke also eine 1+ Regel wäre sinnvoll. Was bedeutet 1+? Jeder Club muss 1 Juror mitbringen, ab einer Teamzahl von 2 gilt n-1. Sodass Clubs mit 1 oder 2 Teams einen Juror mitbringen müssen. Clubs mit 3 0der mehr Teams aber auf jeden Fall weiterhin die n-1 Regel erfüllen müssen. Für die finanzielle Inzentivierung und Unterstützung hätte ich auch noch eine Idee zur Erleichterung der Turnierfinanzen. Warum lässt man nicht einfach den Club 1 Team plus einen Juror bezahlen, gibt ihnen aber die Möglichkeit zu einem „judge waiver“. Bedeutet, dass sie keinen Juror schicken müssen, aber das Geld für ihn bezahlen müssen. Das werden kleine Clubs denke ich auch einsehen, denn sie wollen ja offensichtlich auch gut juriert werden. Die zusätzlichen Beiträge kann man ja als Startkapital für den Erlass der TN-Kosten für die qualifizierten Juroren nehmen, dann muss man nicht mehr so viele eigene Turniermittel aufwenden. Grundsätzlich halte ich eine Subventionierung von guten Juroren auch nicht für intransparent. Man kann als Club ja sogar Werbung damit machen welche guten Juroren kommen werden, wenn man die Liste der unterstützten Juroren veröffentlicht.

  19. Christian L. sagt:

    Ich verweise mal ganz bescheiden auf folgenden Beitrag, der vor einem halben Jahr erschien 😉
    https://www.achteminute.de/20131009/kleine-gesten-grose-wirkung-ideen-zur-jurorenforderung-im-club/

  20. Tobias Kube sagt:

    Kurzes Zwischenfazit bisher: Ich denke es ist deutlich geworden, dass das Problem zwei Dimensionen hat: 1) Wie stellen wir sicher, dass gute Juroren zum Turnier kommen? und 2) Welche Jurorenregel wird den Herausforderungen und Möglichkeiten der Clubs am ehesten gerecht?

    Zur ersten Frage sind bereits einige interessante Vorschläge diskutiert worden. Ich persönlich schließe mich der Einschätzung an, dass ein möglichst niedriger Teilnehmerbeitrag für Juroren – möglicherweise auf Kosten des sonstigen Rahmenprogramms – hierfür ein wichtiger Aspekt ist. Ein „Einkaufen“ von Juroren finde ich aus Gründen, die Lennart angesprochen hat, jedoch nicht so schön. Stattdessen sollten wir eher über strukturelle Möglichkeiten nachdenken, wie das Jurieren auf Turnieren attraktiver werden kann, auch in den Clubs (Link dazu siehe unten). Eine gute Diskussion gab es hierzu bereits auf dem Chefjurorenforum des letzten Saison-Kick-offs und einige Vorschläge wurden hier auch bereits angesprochen. In dieser Richtung sollten wir weiter nachdenken, z.B. auch auf dem nächsten Kick-off.

    Nun aber noch einmal zurück zur Ursprungsfrage des Artikels, der Anmelderegel für Juroren. Ich denke, der angesprochene Nachteil der Clubregel gegenüber n-1 – Clubs mit vielen Teamplätzen würden bei n-1 mehr Juroren mitbringen – ist eher zu vernachlässigen. Denn a) Wie häufig passiert es bei der aktuellen (begrüßenswerten!) Nachfrage nach Teamplätzen, dass Clubs drei, vier oder mehr Plätze bekommen? und b) Wie häufig passiert es, dass ein Club in solchen Fällen mit sagen wir 4 Teams tatsächlich 3 Juroren mitbringt? Sehr selten. Zudem: Die Clubregel besagt ja, dass man MINDESTENS einen Juror mitbringen muss. Wenn es in Clubs ein reges Interesse an einem Turnier, aber nur einen Teamplatz gibt, freuen sich natürlich alle, wenn der Club mehrere Juroren mitbringt. Wichtiger ist daher in meinen Augen eine Regel, die sicherstellt, dass beim Normalfall von ein bis zwei Teamstartplätzen genügend Juroren kommen (und ja: Qualität mag meist wichtiger sein, aber geringe Quantität ist spätestens dann ein Problem, wenn man mangels Juroren in OPD keine Präsidenten hat oder in BPS keine Jurorendiskussion stattfinden kann, weil es nur einen Juror pro Raum gibt – alles schon passiert). Hier kommen die Clubregel und die „Aufrundungsregel“ von Jonathan zum gleichen Ergebnis und können mit dem Problem aus meiner Sicht gut umgehen.

    Zum Problem der kleinen Clubs: Ich sehe die Problematik, würde aber trotzdem bei dem Versuch der konsequenten Einhaltung von Club- oder Aufrundungsregel bleiben. Denn erstens wäre es m.E. unheimlich schwierig, im Einzelfall angemessen zu prüfen, ob/wann ein Club „klein“ genug ist, um von der Regel befreit zu werden. Und zweitens zeigt die Verpflichtung, als Club mindestens einen Juror mitbringen zu müssen, dass die Ausbildung von Juroren auch in der Verantwortung der Clubs liegt. Und durch die Verpflichtung kann m.E. hier ein größeres Problembewusstsein entstehen. Christian Landrock hat hierzu bereits einige gute Vorschläge unterbreitet: https://www.achteminute.de/20131009/kleine-gesten-grose-wirkung-ideen-zur-jurorenforderung-im-club/

    Die n=1-Regel halte ich in BPS – um es kurz zu fassen – in erster Linie für unrealistisch und gerade für kleinere Clubs für abschreckender als Club- oder Aufrundungsregel.

  21. Tobias Kube sagt:

    Ach Christian, zwei Dumme,… 😉

  22. Nikos (Tübingen) sagt:

    Ich fände es auch gut, den Stellenwert, den Juroren im Debattieren haben, systematisch zu vergrößern. Ähnlich wie es früher mal den Nachwuchsjurorpreis auf der DDM gab, könnte man zum Beispiel auch Nachwuchsjuroren auf ganz normalen Turnieren dekorieren und belohnen. Ob es da einen Jurorenpreis gibt, oder auch einfach nur eine Nennung oder Urkunde, wenn jemand zum ersten Mal ein Finale juriert, ist ja den Ausrichtern überlassen. Aber ich finde hier ist viel Raum für Kreativität und es würde ein sehr gutes Zeichen setzen, dass wir Juroren wertschätzen.

  23. Lennart Lokstein sagt:

    Ich stimmt Nikos zu. Wir brauchen Anreize, die möglichst Transparent und nicht individuell-monetär gestaltet werden sollten. Monetär für alle gerne.

  24. Alex H. (HD) sagt:

    Ich denke, es ist eine Frage, wie wir erfahrene Juroren auf Turniere bekommen, aber eine andere, wo die Erfahrung herkommt. Was die Qualität angeht, sehe ich vor allem die Clubs in der Verantwortung.
    Wenn die Clubs das Qualitätsproblem einigermaßen in den Griff bekommen, wird die Jurierqualität auf Turnieren (vor allem) eine Frage der Quantität. Dabei sollten die Clubs auch ein verstärktes Eigeninteresse an der Ausbildung guter Juroren entwickeln – erfahrenere Juroren im Club bedeuten schließlich auch ein besseres Feedback in den wöchentlichen Debatten und da die Qualität einer Rede bekanntlich auch subjektiv ist (außer in OPD natürlich) dient es dem Fortschritt der Clubmitglieder, wenn sie von möglichst verschiedenen Juroren Feedback bekommen. Abgesehen davon hilft das Jurieren gerade Einsteigern das „Dritte Auge“ auf die Debatte zu entwickeln.
    In Heidelberg sind wir deswegen dazu übergegangen, verstärkt Neulinge mitjurieren und Feedback geben zu lassen und einzufordern, dass diejenigen, die auf drei Turnieren (Dazu zählen auch die zahlreichen Anfängerturniere) geredet haben, beim nächsten Mal jurieren um weitere Erfahrungen zu sammeln.

    Ob es im Einzelfall jedem Club möglich ist seine unerfahreneren Mitglieder zum Jurieren zu motivieren, sei mal dahingestellt. Wir haben auch nicht mit dem Debattieren angefangen, weil wir so richtig Bock auf Jurieren hatten. Und sicherlich sind auch hier die kleinen Clubs die mit den größten Problemen. Andererseits sollte es gerade dann in deren Interesse sein, ihre Juroren (wenigstens) auf Turnieren Erfahrung sammeln zu lassen. Deute ich die Kommentare von Oli und Christian Z. richtig und sollte das nicht immer möglich sein, halte ich Theresas Vorschlag eines „judge waivers“ für praktikabel, wenn wir – also die Clubs – es schaffen, unseren Mitgliedern das Jurieren schmackhaft zu machen. Und ich finde das dürfen und sollten wir auch einfordern.

  25. Xenia (MUC) sagt:

    Ich bin geneigt, mich Alex H. anzuschließen und tatsächlich für monetäre Anreize zu plädieren.
    Und zwar in der Form, dass die Turnierbeiträge von Juroren durch die der Redner quersubventi-oniert werden.

    Meiner Meinung nach geht es in allererster Linie eher weniger um die konkreten Anforderungen an die Jurorenanzahl aus einem Club bei der Turnieranmeldung (Clubregel, n-1-Regel etc.), sondern um einen generellen Anreiz, überhaupt als Juror auf Turniere zu fahren. Dieser generelle Anreiz ist wichtig, da man auf Turniere auf viele erfahrenere Juroren treffen kann und von diesen viel mehr lernen kann als beim Jurieren im Club. Dieses Gelernte kann man dann als Juror an die Redner weitergeben, indem man dann fundiertere und gerechtere Bewertungen vornimmt.

    Es wurde hier auf der Achten Minute bereits mehrmals richtig festgestellt, dass das Jurieren aktuell weniger attraktiv erscheint als das Reden. Um mehr Juroren zur Turnierteilnahme zu bewegen, gibt es meiner Ansicht nach zwei Wege: Entweder das Jurieren rein an sich attraktiver zu gestalten oder eben die Hürden zum Jurieren zu senken.

    Warum eine höhere Attraktivität des Jurierens an sich relativ schwer zu erreichen ist:
    Der naheliegendste Weg hier wäre das verstärkte Verleihung von Preisen (siehe Nikos‘ Beitrag). Dieser Vorschlag bezüglich der Jurorenpreise ist natürlich sehr interessant, löst aber meiner Meinung nach das flächendeckende Ausmaß des Jurorenproblems nicht. Z.B. beim Nachwuchs-jurorpreis der DDG wird nur eine einzelne Person aus einem größeren Gesamtpool ausgezeichnet, und das auch nur einmal im Jahr. Dies ist zwar eine sehr schöne Maßnahme, aber sie hat wie ich denke bei Weitem einfach nicht genug Hebelwirkung, um das Problem beheben zu können.
    Oder wir müssten eben inflationär so viele Jurorenpreise vergeben, was deren Attraktivität zwangsläufig senken würde, da es dem generellen Sinn von Auszeichnungen widerspricht, infla-tionär verwendet zu werden. D.h. wir können gar nicht so viele Juroren dekorieren, wie wir über-haupt brauchen, ohne dass die Jurorenpreise ihre Besonderheit verlieren.
    Mein Fazit zu solchen Maßnahmen: Kann man sehr gerne machen, allerdings lösen sie das hier diskutierte Problem nur sehr bedingt.

    Daher plädiere ich hier für den zweiten Weg: Die Hürden zu senken.
    Diese Hürden sind meiner Ansicht nach vor allem finanzieller Natur – zwar nicht nur, aber dennoch vor allem. Wenn jemand in seinem Club gar keinen Rednerplatz bekommt und als Juror fahren „muss“, dann denkt er sehr wahrscheinlich ungefähr Folgendes: „Jetzt muss ich mir nicht nur das Jurieren antun, sondern darf für diesen „Spaß“ auch noch genauso viel wie die Redner bezahlen, die sich aber auf das Reden freuen können!“
    Obwohl wir uns im Rahmen von Turnieren sicherlich auf spannende Debattierthemen, neue nette Menschen kennenlernen, neue Orte sehen etc. freuen, spielt das liebe Geld leider eine wichtige Rolle. Denn wir sind kein Golf- oder Polo-Club auf Sylt, sondern studentische Debattierer, wie oft gut auf ihr Budget achten müssen. Und wenn man auch noch auf mehrere Turniere als Juror ab-kommandiert wird, kommt da schon ein gewisses Sümmchen zusammen.
    Dazu kommen noch die Anfahrtskosten – und zwar umso mehr, je weiter ein Club vom geografi-schen VDCH-Kerngebiet entfernt ist. Daher wäre es vernünftig, zumindest die Turnierbeiträge von den Juroren auf die Redner umzuleiten.
    Und sobald die monetären Hürden für das Jurieren auf Turnieren nicht mehr so hoch sind, steigt auch der Anreiz in Clubs, dem Jurieren im Cluballtag einen höheren Stellenwert zu geben. Das Jurieren wird zu einer Tätigkeit, die man dann mehr auf Turnieren einsetzen kann, daher steigt auch die Wahrscheinlichkeit, sich auch im Club dem Jurieren mehr zuzuwenden.

    Es ist zutreffend, dass die finanzielle Last bei diesem Vorschlag für Redner größer wird. Aber das wäre doch legitim, da wir uns nicht über den Rednermangel auf Turnieren, wohl aber über den Jurorenmangel auf Turnieren beschweren. Es ist aber im Interesse der Redner, das mehr Juroren als im Status quo in den Turnierbetrieb eingebunden werden und damit nicht für sich im stillen Club-Kämmerlein irgendwie jurieren, sondern ihre Jurierfähigkeiten schrittweise durch den Einfluss erfahrenerer Juroren verbessern können.

    Daher macht es viel Sinn, eine aktuell eher ungeliebte Tätigkeit wie das Jurieren dort attraktiver zu machen, wo es für die allermeisten studentischen Debattierern am relevantesten wird: Nämlich beim finanziellen Aspekt.

  26. Alex H. (HD) sagt:

    Zu einem gewissen Grad ist die Querfinanzierung ja schon heute gängig. Aber hier mal eine ganz einfache Maßnahme, die jeder von uns schon beim nächsten Turnier umsetzen kann: Gratuliert doch auch mal Euren Juroren zum Break und zeigt Ihnen, dass auch die Redner gute Jurorierungen zu schätzen wissen.

  27. Florian Umscheid sagt:

    Dem Schnappreflex den Jurorenmangel durch das zuwerfen mit Preisen oder Geld zu lösen stehe ich ausgesprochen kritisch gegenüber, weil er m.E. nicht funktioniert. 98 v.H. der Debattierer würden die Frage „Reden oder jurieren?“ immer mit „Reden!“ beantworten. Zwei Gedanken von mir:
    Der Jurorenmangel ist nicht systemabhängig sondern Turnierabhängig. Man denke an das Geschicht tsrnier in Marburg, in dem es Panels gab, die durchaus DDM-Viertelfinals jurieren hätten können. Oder an die ZEIT DEBATTE Wien, auf die nun ja auch schon referenziert worden ist. Allerdings ist es schwierig, festzustellen, welche Turniere aufgrund welcher Faktoren ggf. Jurorenmangel haben werden, die Lösungen können also individuell sein (Vgl. Daniil und Alex)
    Zweitens, sage ich als Porzellanzerschlager-in-Chief, muss man mal schauen, wie viele der guten Rednerinnen und Redner (z.B. Finalisten und Halbfinalisten von ZDs und DDMs) regelmäßig VDCH-Turniere und besonders ZEIT DEBATTEN juriert haben. Ich behaupte, dass diese Statistik interessant sein könnte. Die Antwort auf die Abwägung „Ich kann gewinnen oder jurieren“ fällt, gerade vielen guten Rednerinnen und Redner, sehr einfach und das immer wieder, gerade bei den ZEIT DEBATTEN.

  28. Sabrina Effenberger sagt:

    Ob wir die erfahrenen Redner wirklich noch zum häufigen Jurieren und zum „Aufgeben eines Sieges“ animieren, sei mal dahingestellt, aber ich glaube, dass man schon ganz am Anfang ansetzen muss: bei den Anfängern. Ich finde es gar nicht schlecht, wenn Clubs ihre jungen Leute ziemlich schnell zum Jurieren schicken. Das mag am Anfang paradox klingen, aber es muss endlich normal werden, alle paar Turniere auch hinter dem Juriertisch zu verbringen. Das klappt nicht, wenn man die Anfänger erst zu brillianten Rednern macht und sie dann, wenn sie gut sind, auf einmal zum Jurieren zwingen oder bringen will. Dann, wenn sie auf Turnieren nicht nur Spaß haben, sondern wirklich auch was reißen können. Da ist der „Ich kann gewinnen oder jurieren“-Gedanke, den Flo schon angesprochen hab, viel zu groß.
    Ist man aber von Anfang an in einer „Debattierwelt“, in der Jurieren einfach dazugehört und nicht als verschenkter Sieg oder Zeitverschwendung angesehen wird, sondern als Beitrag zu guten Turnieren, ist es schlichtweg einfach später zu sagen: „Klar, ich fahr als Juror mit.“
    Dazu kommt, dass so auch die Juriererfahrung deutlich schneller deutlich größer ist. Ich bin noch nicht so lang dabei, kenne aber einige gute Redner, die noch nicht oft juriert haben und deswegen vielleicht weniger über die Feinheiten des Regelwerks wissen, als Leute, die schon oft dabei waren.
    Da ist es natürlich wichtig, dass eben nicht gesagt wird „Die Anfänger, die schicken wir mal jurieren“. Sondern dass da alle mitziehen und in gewisser Weise auch ein Umdenken stattfindet.
    Wichtig ist, dass es schon im Club anfängt. Dass Anfängerförderung nicht nur heißt, sie in rechten und linken Kategorien einzuweisen, sondern ihnen gleich auch mal einen Jurierbogen in die Hand drückt. Und natürlich, dass die „Älteren“ mitmachen und nicht andere schicken, sondern selbst als Juror mitfahren.
    Das können auch kleine Clubs ohne Probleme machen. Und wenn das Team dann mal nicht zustande kommt, hat man immer noch die Wahl als freier Juror hinzugehen.
    Denn wem macht die schönste Debatte im Nachhinein denn noch Spaß, wenn im Tab die Punkte wirr durcheinander purzeln?

  29. Lukas Haffert sagt:

    Ich möchte mich Florian vollumfänglich anschließen, ihm aber noch ein paar weitere Gedanken hinzufügen.

    Grundsätzlich denke ich, dass es bereits eine hervorragende Auszeichnung für gute Juroren gibt. Die nennt sich Break. Alles andere kann immer nur ein unzureichendes Substitut sein, das entweder hinter der Anerkennung durch den Break verblasst oder eben diese fehlende Anerkennung nicht kompensieren kann. Von der Tatsache mal ganz abgesehen, dass Jurorenbewertung ein noch viel subjektiveres Unterfangen ist als Rednerbewertung.

    Ich glaube darüber hinaus, dass Florian mit der Frage nach dem Jurierverhalten erfahrener und erfolgreicher Redner einen enorm wichtigen Punkt anspricht. Wenn zu viele Leute bis zum Examen immer nur als Redner auf Turniere fahren und nach dem Examen gar nicht mehr, entsteht ja ganz zwangsläufig ein strukturelles Problem. Nun kann man Leute natürlich nicht zum Jurieren zwingen. Man kann ihnen aber das Reden verbieten. Ehe sie dann gar nicht mehr kommen, kommen einige dann vermutlich doch lieber als Juroren. Die leider abgeschaffte Altersgrenze schlägt, wenn sie klug ausgestaltet ist, also zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie verkürzt nicht nur den von alten Schlachtrossen verursachten Stau auf dem Weg zum ersten ZEIT DEBATTEN-Sieg, sie sorgt auch dafür, dass auf diesem Weg umso besser juriert wird.

    Und, um danach gleich noch in ein zweites Hornissennest zu stechen: Ein Grund, warum es unattraktiv ist, als Juror auf OPD-Turniere zu fahren, ist natürlich die Aussicht, drei von fünf Runden präsidieren zu müssen…

  30. Nicolas F. sagt:

    Moin zusammen,

    seien wir ehrlich… Die meisten Leute haben einfach keine Lust Geld dafür auszugeben und ihre Freizeit zu opfern um sich mittelmäßige Debattierer als Wing anhören zu dürfen!

    Ich plädiere eindeutig für Jurorensubventionen weil wir nämlich kein Problem mit mittelprächtigen Nebenjuroren haben die mal ein oder zwei Jurierseminare besucht haben und schonmal ein Zeitdebattenhalbfinale mitjuriert haben. Wir haben ein Problem dass wir nicht genügend Topjuroren als Chairs ziehen können. Also Juroren vom Schlage eines Lukas Hafferts, Clemens Lechners oder einer Isabelle Fischer, Andrea Gau und ähnlicher. (Die Aufzählung ist spontan und weder abschließend noch als besondere Hervorhebung gegenüber anderen von mir als Topjuror verstandenen Personen zu sehen.)

    Aber von dieser Gattung haben wir in Debattierdeutschland vllt 15-20 Personen und bis auf einen DDM sind selten mehr von ihnen als 5 gemeinsam auf einem Turnier als normale Juroren anzutreffen (Damit meine ich explizit keine Chefjuryposition).
    Meines Verständnisses nach würde es das Feedback und auch Qualität des Rankings eines jeden Turniers massiv verbessern wenn ein Veranstalter es schaffen könnte zumindest jeden Raum der nicht von einem CJ juriert wird mit einer solchen Person als Chair zu besetzen. Damit man aber die notwendigen 5-10 Leute dieser Kategorie für z.B. eine Zeitdebatte ziehen kann sollte man ihnen nur ihre Freizeit wegnehmen und nicht auch noch Geld. Seien wir ehrlich: die meisten Spitzenjuroren sind auch in ihrem sonstigen Leben meist karrieretechnisch auf der Überholspur unterwegs und haben einfach wenig Zeit. Damit man diese Leute überhaupt überzeugen kann in ausreichender Zahl anzureisen auch wenn sie nur einfache Juroren sind braucht es zumindest die Notwendigkeit dass das WE die nix kostet.
    Und daher plädiere massiv für eine Förderung von Spitzenjuroren. Das kosten bei einem normalen 10-Raum Turnier die Orga bei angenommen Reisekosten von 75 EUR Bahn und 50 Jurorenbeitrag bei acht einzuladenden Topjuroren (um die 10 Räume mit ihnen und angenommenen 2 CJ füllen zu können) 1000 Euro. Wenn man bedenkt das bei 10 Räumen min. 80 Redner kommen ist dein Beitrag von 12,50 pro Nase der allerdings signifikant die Qualität des Turniers und auch die Zufriedenheit der Redner erhöht. Die wird nämlich noch stärker als von schlechter Unterkunft oder fleischfreiem (!) Essen von minderbemittelten Chairs verdorben die ihre Calls nicht erklären können oder durch Fantasiepunkte das Tab verzerren.

    Daher ganz deutlich: Einladungstopjuroren bitte besponsern.

  31. Florian Umscheid sagt:

    Und Zack! wurde die Hürde für Turnierfahrten 12,50 Euro höher. Ich weiß nicht viel aus der BWL, aber steigt der Preis, sinkt die Nachfrage. Ohne mich in den Feinheiten von flexiblen und nicht-flexiblen Nachfragekurven zu verlieren: ich hätte es lieber inklusiv als exklusiv. Das Jurieren auf ZEIT DEBATTEN mag im Durchschnitt durchschnittlich sein, aber es sind studentische Turniere, mit möglichst studentischen Teilnehmerbeiträgen und studentischen Juroren.

    Eine Überlegung noch: die extrem guten Juroren sitzt momentan immer nur in den guten Räumen (zumindest ab Runde 2 oder 3), denn da werden sie gebraucht. Wenn man aber die o.g., pars pro toto, auf schlechte Räume loslässt haben a) die o.g. auch für umsonst keine Böcke, sich das drei-fünf Runden lang anzutun, stoßen b) auf teilweise völligstes Unverständnis im Keller-Raum (auch Topjuroren sind manchmal erstaunlich abwärts inkompatibel und das macht den intendierten Effekt kaputt: es wird gut Bewertet, aber außer den richtigen Punkten haben die Rednerinnen und Redner nichts davon) und c) ist der Juroren-Break in die KO-Runden festgelegt, mit dem Effekt, dass nur noch völlige Blendgranaten als Juroren kommen/geschickt werden. Denn man braucht ja keine guten, die zehn Top-Leute sind ja da und Break als Juror – is nicht. Selbst ich würde mir scharf überlegen als Juror zu kommen, wenn zehn Juroren von oben skizziertem Format kommen würden.

    Schlussfolgerung: es gibt einen Mittelweg, wie Post 30. sieht der aber nicht aus. Der Verband und die Clubs bilden weiter aus, appellieren an die Vereine und ermutigen gute studentische Rednerinnen und Redner als Juroren zu kommen. Klar werden sich einige Teams an schlechten Juroren und schlechte Juroren an sauren Teams blutige Nasen holen, aber das ist ein Lernprozess, den auch die o.g. mitgemacht haben. Wenn wir nicht irgendwann Mittfünfziger auf der Jurorenbank haben wollen, lassen wir besser mal den Nachwuchs machen.

  32. Andrea G. (Mainz) sagt:

    Ich gebe zu, gegen massive Jurorensubventionen mag ich eigentlich schon aus Eigennutz nichts sagen… 🙂 Dennoch glaube ich nicht, dass gemessen am Ertrag die finanzielle Mehrbelastung für die Teilnehmer zu rechtfertigen wäre. Das ergibt vielleicht international Sinn, wo das gängige Praxis ist und man für den Flug zu verschiedenen Turnieren hunderte Euros aufbringen muss, aber nicht in Deutschland, wo man dann doch im Durchschnitt (mit Turnieren die mal weiter weg, mal näher dran sind) selten über 80 Euro kommt. Und für die meisten „Topjuroren auf der karrieretechnischen Überholspur“ 😉 ist das dann doch nun wirklich keine massive Auslage. Des Weiteren meine ich mich daran zu erinnern, dass der Teilnehmerbeitrag für Juroren auf der ZD Dresden nur bei 15 Euro lag und trotzdem dieselben Probleme aufgetreten sind. Das Jurieren ist (insbesondere bei potenziellen Chairs) meiner Meinung nach eher selten wirklich eine Geld-, sondern eine Zeit- und Lustfrage.

    Ich plädiere für eine ganz einfache Lösung: Die aktiven guten Redner in die Verantwortung nehmen. Die profitieren vom Turnier- insbesondere dem Zeitdebattenbetrieb nämliche am meisten und sind auch am engsten mit ihm verbunden. In Berlin gibt es zurzeit eine ganz griffige Regelung: Wer als Redner auf Turniere will, muss mindestens jedes dritte jurieren. Dies führt dazu, dass man auf jeder Zeitdebatte (meiner Erfahrung nach) sehr brauchbare Juroren aus Berlin geschickt bekommt und dazu, dass sich die Jurierqualität in den Clubs verbessert, weil hoffnungsvolle Redner neben ihrer Rednerschulung von Anfang an gleichzeitig auch eine Jurorenausbildung bekommen (was, auch wenn die meisten es nicht glauben, für die Rednerkarriere durchaus förderlich sein kann). Darum wäre mein ketzerischer Vorschlag: zwei Turniere reden, eins jurieren. Oder man knüpft das ganze an den Erfolg: Wer ins Halbfinale/Finale einer Zeitdebatte eingezogen ist, juriert das nächste (oder mindestens übernächste) Turnier.

  33. Von einer Subventionierng der besten Juroren halte ich ebenfalls wenig. Denn damit sich eine solche Subvention wirklich bemerkbar macht, muss sie auch gleichzeitig richtig viel Geld verschlingen, das anderswo fehlt oder es macht eben die Teilnehmerbeiträge extrem viel höher. Zudem glaube ich wie auch viele andere hier, dass der Zeitaspekt für die meisten namhaften Juroren ohnehin wichtiger ist. Vor allem aber finde ich es auch sehr schwierig, eine solche Liste an Juroren zu erstellen. Wer legt fest, wer drauf kommt und wer nicht darauf kommt? Irgend eine Grenze muss es ja geben. Ich könnte mir vorstellen, dass jeder, der gerne und regelmäßig juriert und nicht auf der Liste landet im besten Fall zumindest ziemlich pikiert sein wird, dass ausgerechnet er oder sie nicht auf dieser Liste steht. Und im schlechtesten Fall gibt es richtig bösen Zoff. Keine Sorge, ich rede da nicht von mir, denn meine Juriererfahrung auf Turnieren ist bisher nun wirklich vernachlässigbar – zumindest noch 😉 Trotzdem glaube ich, dass so eine Liste eine Quelle für ständigen, wirklich hässlichen (weil persönlichen) Streit wäre.

  34. Jonathan Scholbach sagt:

    Nicolas F. hat *wie immer* recht, zumindest in einer mittel- bis langfristigen Perspektive. Das darf aber nicht über den Teilnehmerbeitrag finanziert werden. Aber bspw. indem man sich auf den Kern des Turniers – Debattieren und Jurieren – konzentriert und bei der Party und dem Abendessen spart. Auch eine Transparenz-Regel, welche Ausrichter in Erklärungsnot bringt, wenn sie noch Geld übrig haben, das sie nicht für Jurorinnen ausgegeben haben, wäre sinnvoll. Der Verband könnte auch die DDM abspecken – kein Galaabend bspw. – und das Geld auf die ZDen verteilen. Auch bietet es sich an, das Budget der ZDen in zweckgebundene Bereiche aufzusplitten. Also etwa (ein willkürliches Zahlenbeispiel): 500 € für Jurorenanreize. Wenn die nicht dafür ausgegeben werden, wandern sie in den VDCH-Topf zurück. M.a.W.: einen eigenen Haushaltsposten im VDCH für Jurorenanreize.

  35. Ich fände es sehr schade, wenn an den Partys gespart werden würde.
    Turniere sind immer noch ein großes soziales Event, vor allem für die 60% der Teilnehmer die keine realistischen Break und Siegchancen haben. So entscheidet sich für viele auch an der Party, wie das Turnier im Nachhinein empfunden wurde.
    Was nützt mir die schönste Tabplatzierung, wenn ich sie nicht mit meinen Freunden feiern kann, wie soll ich eine schlechte Debatte vergessen, wenn es keine Party gibt um positive Emotionen dagegen zu setzen?

  36. Jonathan Scholbach sagt:

    Ernsthaft? Ich bin ja nicht dafür, dass grundsätzlich an den Parties gespart wird, ich meine nur, dass Jurierungen höhere Prioirität haben sollten. Man muss doch folgenden Vergleich betrachten: Was nützt mir die schönste Party, wenn ich schlecht juriert werde?

  37. Jonathan Scholbach sagt:

    OK, die Antwort darauf ist natürlich, dass ich die Party besonders brauche, um den Frust loszuwerden. Aber fahre ich dafür auf ein Turnier? Frust und Party kann ich aus zu Hause haben…

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