Das Problem mit dem Bereuen

Datum: 11. März 2020
Redakteur:
Kategorie: Jurieren, Mittwochs-Feature

Jan Ehlert debattiert aktiv zwar nicht mehr so viel wie früher, aber macht sich dennoch weiterhin Gedanken darüber, beispielsweise die Formulierung von Themen. In diesem Mittwochs-Feature stellt er seine Gedanken zu Themen vor, bei denen ein Umstand oder eine Entwicklung bedauert oder bereut wird.

Spätestens seit die OPD-Regelkommission vor einigen Jahren das Format offiziell für Themen geöffnet hat, die keines Antrags bedürfen, sind Themen der Art: „Dieses Haus bereut (begrüßt)…“ sehr gängig auf Debattierturnieren geworden. Sie sind ein nützliches Tool für Chefjurierende, um Unausgeglichenheiten eines Themas zu vermeiden oder Themen zur Debatte zu stellen, die über keine Policy wirklich thematisiert werden können. Insofern stellen sie an vielen Stellen auch eine Bereicherung für das Debattieren da, weil nun der thematische Horizont der Teilnehmenden erweitert wird.

Debattant versunken in tiefer Trauer über Reue-Themen – © Needpix

Nichtsdestotrotz habe ich vor einiger Zeit eine gewisse persönliche Frustration mit einiger dieser Themen festgestellt, da sie, wie ich finde, oft zu einer zu starken Simplifizierung komplexer gesellschaftlicher Sachverhalte führen. Damit einhergehend ist mir bis heute an vielen Stellen nicht klar, welche Welten in bestimmten Debatten verglichen werden sollen. Zur Veranschaulichung dessen, was ich meine, möchte ich gerne einige Themen aufgreifen, die mir in der Vergangenheit begegnet sind. Dies soll in keiner Weise dazu dienen, die Personen, die die Themen gestellt haben zu diskreditieren. Wie oben schon erläutert glaube ich, dass es ein grundsätzliches Phänomen ist, sodass ich ähnliche Themen bei fast allen relativ aktiven Chefjurierenden (mich selbst eingeschlossen) finden könnte.

Auf dem Masters Cup 2019 wurde in den Vorrunden das folgende Thema gestellt: „Dieses Haus bedauert die zunehmende Entwicklung des Arbeitsplatzes zum Lebensmittelpunkt.“ Schon während der Vorbereitungszeit kamen bei mir einige Probleme auf, da ich glaube, dass man die hier beschriebene Entwicklung nicht isoliert von anderen gesellschaftlichen Entwicklungen betrachten kann. Der Bedeutungsverlust der (Groß-)familie hat mit Sicherheit dazu beigetragen, dass Menschen eher ihre persönliche Erfüllung im beruflichen suchen. Der Bedeutungsverlust von Familie ist aber auch nicht isoliert, sondern eingebettet in ein Umfeld von steigendem Reichtum, einer zunehmenden Spezialisierung die zur Multioptionsgesellschaft geführt hat und nicht zuletzt den Erfolgen der Frauenrechtsbewegung. All diese Aspekte können aber in einer solch gestellten Debatte gar nicht sinnvoll erörtert werden; stattdessen wird eine Welt konstruiert, die in allem gleich ist außer in einem zu isolierenden Aspekt. Ich glaube, dass eine solche Verkürzung dem Debattieren und den Debattierenden nicht gut tut. Die Komplexitäten und Multikausalitäten dieser Gesellschaft herauszuarbeiten und zu verstehen ist zentrale Aufgabe des politischen Diskurses in den sich das Debattieren einbettet. Und diese Problematik ist nicht einzeln in dieser Debatte vorhanden, sondern auch in vielen anderen Beispielen:

DH bereut den hohen Stellenwert des Studiums (Nikolausturnier 2019)

„Dieses Haus begrüßt den Bedeutungsverlust von ehemals großen Volksparteien zugunsten des Erstarkens von kleineren Parteien.“ (Alternatives Finalthema DDM 2016)

Ist der zunehmende Social-Media-Auftritt von Politiker*innen zu bedauern? (Finale Campus Debatte Mainz 2019)

DH bereut den zunehmenden Trend zur Selbstoptimierung (ZD Berlin 2017)

DH bereut die Ausbreitung der Gig-Economy (ZD Berlin 2017)

Neben meiner Argumentation darüber, dass eine solche Komplexitätsreduktion nicht gut für das Debattieren ist, glaube ich es gibt einen weiteren nennenswerten Aspekt, nämlich, dass diese Debatten auch aus der reinen Logik des Debattierens heraus problematisch sein können. Dazu folgendes Beispiel

Vor einiger Zeit wurde im Tübinger Debattierclub das Thema „Sind Freemium-Spiele schlecht?“ (Dieses Haus bereut Freemium-Spiele) gestellt. Julian Stastny und ich diskutierten daraufhin die Frage, welche Vergleichswelt in dieser Debatte angemessen wäre (ich glaube nicht, dass es am Ende ein eindeutiges Ergebnis gab). Diese Spiele sind natürlich eingebettet in eine Welt voller Computerspiele. Ich könnte also vergleichen, ob diese Spiele also schlechter sind als „normale“ Computerspiele. Ich könnte das aber genauso mit allen Spielen vergleichen, die auch im analogen Raum existieren, oder aber sogar den Vergleich zur Welt der menschlichen Unterhaltung im Ganzen ziehen. Abhängig von der Vergleichswelt ergibt sich eine völlig unterschiedliche argumentative Gleichheit zwischen beiden Seiten. Die Unklarheit selbst macht es auch für Teams sehr schwer, sich richtig in der Debatte zu positionieren. Dies gilt natürlich im Besonderen für eröffnende Teams in BP-Debatten, die später vielleicht noch eine ganz andere Situation zum Vergleichen vorgelegt bekommen.

Ich glaube, dass wir aus diesen beiden Gründer sehr kritisch mit dieser Art Themen umgehen sollten. Es würde mich freuen zu lernen, ob andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder zu lernen, mit welchem Hintergrund meiner Einschätzung widersprochen wird.

Jan Ehlert/cal.

Jan Ehlert ist seit 2012 für die Streitkultur als Redner und Juror aktiv. Im Jahr 2015/16 war er VDCH-Präsident und er gewann unter anderem die ZEIT-Debatte in Hamburg 2018. Er hat in Tübingen Economics and Finance studiert und arbeitet jetzt in Mainz.

Das Mittwochs-Feature: Jeden Mittwoch ab 10.00 Uhr stellt das Mittwochs-Feature eine Idee, Debatte, Buch oder Person in den Mittelpunkt. Wenn du selbst eine Debatte anstoßen möchtest, melde dich mit deinem Themen-Vorschlag per Mail an team [at] achteminute [dot] de.

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6 Kommentare zu “Das Problem mit dem Bereuen”

  1. Samuel (Tübingen) sagt:

    Ich teile Jans Einschätzung dass wir mit „DHB“ vorsichtig sein müssen und das liegt meiner Meinung nach vor allem daran dass der Operator zu oft und zu unüberlegt eingesetzt wird. Debattiertheoretisch funktioniert „DHB“ so dass die Regierung eine plausible Alternativwelt charakterisieren muss in der das zu bereuende Phänomen nicht aufgetreten ist und wir dann diese Welten miteinander vergleichen. Das funktioniert gut solange es sich um spezifisch abgrenzbare, isolierte Events handelt die genausogut auch anders hätte verlaufen können. Knappe Wahlentscheidungen z.B. „DHB dass Bush gegen Al Gore gewonnen hat“ (dieses Thema ist aus Ausgeglichenheitsgründen schlecht aber es illustriert meinen Punkt)sind ein gutes Beispiel für „DHB“ Themen.
    Leider werden oft Themen gesetzt bei denen wir ein Phänomen bereuen, dessen Ursprung oder Triebkraft auf beiden Seiten gleich ist. „DHB die Popularität populistischer Parteien“ ist kein gutes Thema weil die Gründe weshalb Populismus funktioniert (Irrationalität, Biases, schlechte Anreize in den Medien) auf beiden Seiten noch gleich sind. Wenn die Regierung eine plausible Alternativwelt skizzieren will in der es keinen Populismus gibt, muss sie gleich einen Großteil unserer Psychologie wegwerfen und wir haben eine höchst verwirrende Debatte.
    Ich würde deshalb allen werdenden oder seienden CAs und allen die im Club gerne Themen stellen raten: immer die Ursache von etwas bereuen nicht nur die Symptome. Sonst bekommt man entweder sehr kleine (wenn wir keine AfD hätten dann würde es andere Populisten geben) oder sehr verwirrende (auf unserer Seite denken Menschen immer kritisch und total rational) Debatten.

    1. Dino (Amsterdam/Zürich/Maastricht) sagt:

      Ich glaube, das ist auch eine Schwäche von Teams, die das Thema nicht sorgfältig lesen oder behandeln. Um beim Populismus-Beispiel zu bleiben: Ich glaube, die „korrekte“ Alternativwelt wäre nicht „alle sind immer kritisch und rational“, sondern „die herkömmlichen Parteien sind mehr populistisch“, siehe USA/UK. Die Debatte dreht sich also nicht darum, ob Populismus gut oder schlecht ist, sondern ob er besser in den grossen Parteien oder in kleineren Parteien à la AfD zu Hause ist. Das wäre dann wiederum eine Debatte, die sich führen lässt. Wenn aber 80% der Teams diese Debatte verfehlt und stattdessen deinem Beispiel folgt, schliesse ich, dass das Thema nicht zugänglich genug war (und entsprechend tatsächlich schlecht).

      Generell, vor allem so lange diese Themen noch da sind – und ich hoffe eigentlich, dass sie es bleiben, denn ich finde DHB-Themen im „Schnitt“ ziemlich gut und interessant zu debattieren – sollten wir unseren Debattierern beibringen, sich erst ein realistisches Bild der Welten zu machen, und auf der Basis dieses Bildes zu debattieren. Ich glaube nicht, dass Menschen diese Themen nicht „korrekt“/realistisch debattieren können, sondern dass sie oft versuchen, eine Interpretation zu bringen, die ihrem Team hilft („kein Populismus“ ist z. B. einfacher zu argumentieren, da mehr schwarz-weiss, als „die CDU/SPD sollte populistischer sein“). Meiner Meinung nach sollte ein Team, das keine realistische Alternativwelt vorschlägt, bestraft werden, analog dazu, wie wir einen Strawman oder ein Argument ohne Nuancen bestrafen würden – das würde diese Themen automatisch ausgeglichener machen, da ich als Oppositionsführer nicht mehr erst zwei Minuten lang eine Utopie dekonstruieren muss.

  2. Anton (DCMS) sagt:

    Ich teile die grundsätzlichen Beobachtungen von Samuel dazu, dass Debatten dann besser sind, wenn isolierbare Teilmengen der Gesamtheit der Geschehnisse beobachtet werden genauso sehr wie Jans Einschätzung, dass das in vielen Themen nicht hinreichend der Fall ist.

    Ich habe aber, gerade im Gegensatz zu Dir, Jan, das Gefühl, dass das ein Problem ist, dass mitnichten exklusiv Aspekt von DHB-Motions ist; ich würde stattdessen postulieren, dass es ein Problem ist, dass DHB-Motions besonders sichtbar machen. Letzten Endes charakterisierst Du ja zwei Herausforderungen: Die Verflechtungen der beantragten SQ-Veränderung mit verwandten Themenkomplexen und die Unklarheit des Comparatives.

    Ich bin aber der Überzeugung, dass auch das zukünftige Begrüßen von Entwicklungen oder selbst das Beantragen einer spezifischen Policy mitnichten von einem größeren Zusammenhang loszulösen sind; selbst eine klare politische Maßnahme wie z.B. die Einführung einer Vermögenssteuer zieht ja eigentlich implizit mit sich eine Veränderung der grundliegenden parlamentarischen Demokratie, des diskursiven Overton-Windows etc.; wir begegnen also eigentlich immer der Herausforderung, komplexe Sachverhalte abgegrenzt und simplifiziert beobachten. Wir gehen damit aber genau so um, wie du auch DHB-Themen charakterisierst: Wir imaginieren eine zukünftige Welt, die dem von uns postulierten Verlauf ohne Veränderung exakt um diese eine Veränderung abweicht – nicht, weil es realistisch ist, sondern weil es debattentheoretisch und im Sinne des Sports geboten ist. Die Kunst ist also, wie Samuel sagt, tatsächlich Aspekte der Gesellschaft zu diskutieren, die entweder spezifisch oder abstrakt genug sind, um eine isolierte Betrachtung zu gewährleisten; der direkte Zusammenhang zum Motionstil ist aber, denke ich, nicht gegeben.

    Ähnlich ist es auch mit der Untersuchung unklarer Counterfactuals, auch wenn ich hier einräumen würde, dass häufig ein handwerklicher Fehler der Chefjury vorliegt, wenn das Counterfactual unklar ist (die gute Version von dem Freemium-Thema geht vermutlich in die Richtung von DHB den steigenden Anteil von Freemium-Spielen an der Computerspielbranche). An und für sich ist es aber natürlich Teil des Anspruchs der Argumentationsleistung, zu skizzieren, wie die Welt ohne etwas aussähe; abgesehen von der offensichtlichen Herausforderung durch den Butterfly-Effekt, die ja häufig gekonnt ignoriert wird, ergibt sich hier aber auch ein ähnliches Szenario: Während in einer Motion, die sich eine zukünftige Entwicklung wünscht („Deutsche sollten patriotischer werden“), von Seiten der Regierung gekonnt erklärt werden muss, wie und wo sich diese Entwickung überall niederschlagen würde, muss in einem DHB-Thema von der Regierung gleichermaßen erklärt werden, wo sich eine Entwicklung bisher niedergeschlagen hat, jeweils, um ein sinnvolles Counterfactual zu konstruieren. Erst einmal sieht mir das nicht so aus, als wären das grundsätzlich so verschiedene Aufgaben, das nur erstere klare Debatten ermöglicht.

    Nun stimme ich euch aber zu, dass diese Probleme bei DHB-Motions häufiger sichtbar werden als in anderen Szenarien. Es ist ja so, dass ist die tatsächliche Eigenheit von DHB-Motions gegenüber Motions allgemein ja ihre (temporal-holistische) Retrospektivität ist – das heißt also, dass wir bei DHB-Motions viel darüber streiten, was „sonst passiert wäre“ statt darüber zu streiten „was passieren würde“. Ich vermute, dass wir bei der Skizzierung zukünftiger Entwicklungen ganz einfach weniger skeptisch sind und eine größere „suspension of disbelief“ anwenden als bei der Beobachtung vergangener Entwicklungen: Es erscheint uns einfach klarer, dass man einen vergangenen Trend vom jetzigen Zeitpunkt aus nicht holistisch betrachten können, weil wir retrospektiv realisieren, wie verstrickt alles ist; unsere Perspektive auf die Zukunft hingegen ist noch eine simplere, weil sie noch nicht mit der komplexen Realität der Vergangenheit konfrontiert ist. Dass also die Counterfactuals und Comparatives unklarer sowie die mangelnde Isolation des behandelten Themas klarer bei retrospektiven Motions erscheint, ist meiner Einschätzung nach weniger ein Problem mit DHB-Motions und viel mehr ein Indikator dafür, dass wir in unseren Debattenräumen häufig viel zu wenig realisieren, wie viel zu kurz wir greifen, wenn wir Hypothesen über die Zukunft aufstellen.

    Meine persönliche Konsequenz daraus ist aber eher, dass wir DHB-Motions zum Anlass nehmen sollten, generell darüber nachzudenken, wie gerecht wir der Realität tatsächlich werden: Wenn uns klar wird, dass die Policy-Motions von vor zwanzing Jahren heute als DHB-Motions unterkomplex und diffus erscheinen, dann ist das weniger ein Versagen der DHB-Motions und mehr ein Versagen der Fähigkeit der Debattierenden, der Komplexität des Themas gerecht zu werden. Ob das aber eine willkommene Herausforderung oder ein Indiz dafür, die Finger von gewissen Themenkomplexen sein zu lassen, sein soll, ist eine Frage, auf die ich keine definitive Antwort weiß – interessant finde ich sie aber gerade deswegen auf jeden Fall.

    1. Jan Ehlert sagt:

      Anton, ich glaube, dass du in der Gleichsetzung beider Themenarten das Faktum Policy unterschätzt. Ein klassisches Antragsthema ist mit einer tangierbaren Maßnahme verbunden. Das wir die Konsequenzen dieser ex ante nicht vollumfänglich ermessen und darstellen können ist in einer hochgradig nicht-linearen Welt eine Selbstverständlichkeit, stellt aber gleichzeitig das real existierende Dilemma politischer Entscheidungen dar, dem sich die Debatte im Kontext von Wettbewerb und realer Politik stellen muss.

      Betrachten wir Themen, die eine gesellschaftliche Entwicklung bereuen ist das etwas grundsätzlich anderes. Um das zu erläutern, möchte ich zwischen zwei Arten von Bereuen unterscheiden.

      a) Bereuen einer Policy:
      In diesem Fall ergibt sich mein Problem wenn überhaupt in erheblich abgeschwächter Form. „Dieses Haus bereut den Einmarsch amerikanischer Truppen in den Irak“ z.B. beschreibt eine singuläre politische Entscheidung, die vielfältive Auswirkungen hat, die wir auch ex post nicht vollständig voneinander entkoppeln können. Counterfactuals sind schwierig. Es gibt außerdem ein Problem mit hindsight bias („Hallo Geschichtsthemen“). In diesem Szenario muss die Entscheidung aber nicht von allen Dingen entkoppelt werden, die zu der Maßnahme geführt haben (e.g. die Psychologie von G.W. Bush und seine Wiederwahlchancen sollten in der Debatte keine Rolle spielen). Auch ein solches Thema wäre allerdings von einem klassischen Geschichtsthema abzugrenzen, weil in einem solchen tatsächlich passiertes ignoriert werden soll.

      b) Bereuen einer gesellschaftlichen Entwicklung:
      Hier liegt mein Hauptproblem. Solche Entwicklungen selbst sind das Ergebnis von unendlich vielen Vorentwicklungen. Häufig ist die Ursache irgendwo in der Psychologie des Menschen verborgen, wo Umweltreize verarbeitet werden. Die Vielzahl von Einzelentscheidungen, die zu der Entwicklung geführt hat, kann man nicht auf ein Gemeinsames zurückführen. Das zu bereuende ist damit völlig unterdefiniert und unklar. Wenn ich versuchen würde dies auf Einzelfaktoren zurückzuführen, wäre ich bei komplexen Phänomen, die als Ganze zu bereuen entweder sinnlos wäre oder eine völlig andere Debatte ergäbe, beispielsweise das marktwirtschaftliche System, die Sehnsucht danach dazuzugehören und viele mehr. Eine Welt, in der alles gleich ist bis auf die zunehmende Bedeutung der Erwerbsarbeit, ist irreal (nicht nur kontrafaktisch, sondern gar nicht möglich). Die Debatte, wie diese Welt aussähe ist also mehr als nur „moot“.

  3. Marvin Grünthal sagt:

    Hey Jan!
    Ich glaube zu wissen, welche Kritikpunkte du an den jeweiligen Themen siehst und stimme dir bis zu einem gewissen Punkt zu. Wenn ich mir die Beispielthemen genau anschaue, dann mangelt es allen außer der Volkspartei-Motion an einem vordefinierten Komparativ, bzw Vergleichswelt, wie du es nennst.
    In manchen Themen scheint mir die Vergleichswelt eindeutiger als in Anderen, was bereits gefährlich ist, weil ich natürlich je nach Position und vorheriger Auseinandersetzung/Erfahrung mit dem Thema anderen Aspekten der Analyse mehr Gewicht beimesse.

    Ohne den jeweiligen Urhebern der Motion nahe treten zu wollen (ich würde es nicht besser können) – aber könnte das nicht bedeuten, dass die Motion einfach zu offen gestaltet worden ist, da die jeweiligen Chefjuroren schon eine genaue Vorstellung davon hatten, worum es für sie in der Debatte gehen sollte?
    Das Problem der Simplifizierung von Entwicklungen und das Ignorieren von multi-faktoriellen Einflüssen bzw das übertriebene Darstellen einer monokausalen Beziehung ohne die subtile Abwägung von alternativen Faktoren scheint mir nicht unbedingt ein Problem von Bereu/Begrüß-Motions zu sein, sondern ein allgemeines Problem des Debattiersports, das wir ohne die Aufhebung eines Zeitlimits wohl nie auflösen können.

    Nun könnte es natürlich sein, dass diese Motions besonders dazu einladen, die Abwägung schwammig darzustellen, allerdings fallen mir im Moment keine konkreten Mechanismen ein, die dies bestätigen würden. Potentiell ist die Antragsbefreiung daran Schuld, dass man sich beim Formulieren solcher Themen sicher genug fühlt, den gewollten Komparativ nicht explizit in die Motion zu schreiben oder man beabsichtigt das Aufstellen einer besonders breiten Motion – ein Umstand der fast unweigerlich zu einer frustrierenden Vorbereitungszeit, besonders für eröffnende Teams führt.

    1. Jan Ehlert sagt:

      siehe mein Kommentar auf Anton

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