Gruppenbild mit Dame – Impressionen vom Frauen-Debattierturnier in Jena

Datum: 23. August 2011
Redakteur:
Kategorie: Turniere

Es war ein Novum. Die Debattiergesellschaft Jena lud von 17. bis 19. August zum allerersten Debattierturnier nur für Frauen ein. Die Organisatorinnen* Friederike Meyer zu Wendischhoff, Sandrina Küppers und Jonathan Scholbach luden zum Turnier mit dem Ziel, debattierende Frauen zusammenzubringen, diese zu fördern und ein Austauschforum zu schaffen. So fanden sich am Mittwochnachmittag 16 Rednerinnen aus Greifswald, Halle, Münster, Mainz, Tübingen und Jena ein. Vor sich hatten sie fünf Vorrunden und hoffentlich ein Finale. Die Erfahrungen im Debattieren waren unterschiedlich: einige waren noch Schülerinnen, andere waren ganz neu beim studentischen Debattieren und wiederum andere waren schon länger dabei. Chefjurorinnen waren Andrea Gau (Mainz), Sarah Jaglitz (Greifswald) und Dessislava Kirova (Berlin).

Fun fact number 1: Auf dem Turnier kochten die Männer. Kaffee, Kuchen und scharfes, selbstgemachtes Curry à la Clemens Lechner. Yummy!

Neben Jonathan gab es dann doch den ein oder anderen Mann auf dem Turnier. Die lieben Jenaer Jungs kümmerten sich wirklich fantastisch um unser aller leibliches Wohl: sie kredenzten Kekse, Kaffee, selbstgebackenen Kuchen, selbstgemachtes Curry, Mangolassi, vegetarische Grillspieße und selbstgemachte Kräuterbutter zu Grillkäse und Steak. Die Jungs schienen sich in ihren Rollen sehr wohl zu fühlen. Einer schien sogar seine „weibliche“ Ader entdeckt zu haben und ordnete die Kekse immer besonders hübsch an.

Fun fact number 2: Die Hälfte der Teilnehmerinnen waren Vegetarierinnen.

Die Atmosphäre auf dem Turnier wurde von den meisten als sehr entspannt, freundlich und irgendwie weniger aggressiv als sonst empfunden. Lag es daran, dass auf dem Turnier nur Frauen waren? Oder lag es daran, dass das Turnier uns alle durch die familiäre Größe und Jena’s sommerlichen Charme bezaubert hat?

Fun fact number 3: Das Turnier wurde von einem reinen Frauenteam gewonnen! Glückwunsch an Franziska aus Greifswald und Sophie aus Halle! Beste Rednerin wurde ebenfalls eine Frau: Glückwunsch an Katharina aus Münster!

Das Turnier und die grundsätzliche Idee eines Frauenturniers wurden von den Teilnehmerinnen sehr begrüßt. Wir fragten uns alle: Warum debattieren weniger Frauen? Sind Frauen erst einmal im Debattierclub (hier fängt es schon an, es kommen oft weniger Frauen als Männer), so scheint es, als würden sie mehr Ermutigung brauchen, um auf ein Turnier zu fahren. Die erfahrenen Mädels berichteten aus ihren Clubs. Viele fanden den Austausch über mögliche frauenspezifische Probleme sehr hilfreich und nahmen Ideen mit. Das Bewusstsein wurde gestärkt. Es gilt zu schauen, wie sich die Situation in den Clubs entwickelt. Die Damen wünschten sich für das nächste Frauenturnier mehr Beteiligung anderer Mädels und einen Workshop zum Debattieren. Wir freuen uns auf das nächste Frauenturnier!

P.S.: Einen ganz herzlichen Dank an unsere Tabmasterin Severin Weingarten, die extra für das Turnier ein Tabbingprogramm geschrieben hat!

*Es wird durchgehend die weibliche Form benutzt; die männliche Form ist impliziert.

Dessislava Kirova / vro / glx

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16 Kommentare zu “Gruppenbild mit Dame – Impressionen vom Frauen-Debattierturnier in Jena”

  1. Barbara sagt:

    Willkommen im Jahr 1950: „Einer schien sogar seine ‚weibliche‘ Ader entdeckt zu haben und ordnete die Kekse immer besonders hübsch an.“ Keksehübschanordnen soll weiblich sein? Da ändern auch die Gänsefüßchen nichts dran: Das ist schlimm!

  2. Luca sagt:

    Habe schon auf anderen Turnieren Jungs kochen und putzen sehen. Da war das kein „fun fact“ – sondern ganz normal… Ich habe den Eindruck wir sind schon weiter, als viele glauben.

  3. Anja Pfeffermann sagt:

    Beim zweiten Schobbecup im vergangenen Jahr hat Willy Eintöpfe vorbereitet. Ganz alleine. Vielleicht hatte er sogar Hilfe von seinem Vater. Das weiß ich nicht mehr. Wir hielten das im Sinne der Gleichstellung jedenfalls nicht für weiter erwähnenswert. Angesichts dieser Impressionen aus Jena jedoch muss ich sagen: Danke, Willy, für deinen Erbseneintopf à la Cuauthemóc!

  4. Jörn(Dortmund) sagt:

    Anfangs habe ich dazu tendiert, diesen Artikel für eine Satire zu halten. – Seit dem ich die Kommentare dazu gelesen habe, bin ich mir sicher, dass es eine sein soll. 🙂

  5. Friederike sagt:

    Ironie 😉

  6. Leela sagt:

    Gutentag,

    Ah, how nice to see that such a tournament took off in in Germany as well. I am actually very curious to find out whether this tournament for women only met similar opposition as it did when Oxford organized it for the first (and second) time a while back. Or was there a very positive or, at least, postively curious attitude towards the outcome of this debate from the Germans? If anyone could tell me a bit more about the history of this intiative, I would greatly appreciate it! You can also send me an email about this at leela.koenig at gmail.com, I am really keen to find out more about how this was received in Germany, thanks in advance.

    As always in gratitude to Achte Minute’s efforts,
    Leela Koenig

  7. Anja Pfeffermann sagt:

    Hey Leela,

    thanks for being a loyal reader! You may find a lengthy discussion of the issue of a women-only tournament here: https://www.achteminute.de/index.php/20110523/frauen-debattierturnier-in-jena-2011/ – it’s all German, though.

    Please contact us (team [at] achteminute [dot] de) if you want more detailed information or a summary in English. We’d be happy to help.

    I’m interested in comparing the experience in both Oxford and Jena. I’m pretty sure what they faced is quite similar.

    Cheers to the Netherlands,
    Anja.

  8. Luca sagt:

    @Friederike: Was ist Ironie? Was will eure CJ denn tatsächlich/eigentlich sagen?

  9. Daniel (Frankfurt) sagt:

    Als Satire würde ich es nicht bezeichnen wollen, denn auf mich wirkt es insgesamt doch wie ein durchaus ernst gemeinter Bericht, wenn auch mit humoristischen Akzenten. Diese werden natürlich sehr sensibel aufgefasst; ach, da wird Dekorationskunstfertigkeit als weibliche Eigenschaft und das Kochen durch Männer als etwas Besonderes dargestellt. Mit solchen Dingen haben aber weibliche Personen vielleicht deutlich mehr, als man als Mann gewöhnlich wahrnimmt, zu kämpfen, und vielleicht sollte man(n) darüber nachdenken, ob man analoge Beschreibungen von Frauen (bei „Männertätigkeiten“) als ähnlich humoristisch aufgefasst hätte.

  10. Mathias sagt:

    Wurde bei Severin eigentlich auch konsequent die weibliche Form benutzt? Heißt es dann tatsächlich Sever?

  11. Leela sagt:

    Thanks a lot, Anja! No real reason to translate the German for me (I had to read bloody Nietzsche and Heidegger in German during my undergrad! 😉 ), but it would, as you already suggested, be very interesting for the European community to have a comparative article on the experiences of Jena and Oxford indeed.

  12. Manuel sagt:

    In dem Bericht über einen Frauenförderturnier alte Klischees zu unterstreichen, ist eine Sache – aber Heidegger angreifen? Das geht zu weit.

  13. Daniel (Frankfurt) sagt:

    Aber Manuel, Leela hat doch bestimmt nur Nietzsche angegriffen! 😉

  14. Leela sagt:

    Haha, Daniel is right, I did only refer to Nietzsche, and I doubt he would care (sorry about that bad joke). Also, I was not referring to the gentlemen themselves, but more the occasional torment of reading their very complex material auf Deutsch. It was some of the best stuff I ever read though, but allow me some space for venting. 😉

  15. Niels(Berlin) sagt:

    aber warum hat severin extra ein neues tab-programm geschrieben?

  16. Jörn(Dortmund) sagt:

    Vll. liegts am Tabellenstand der Bundesliga (Gladbach Erster, „wir“ nur bei Kopfstand), dass ich da im Moment grundsätzlich besonders humorlos bin, aber bitte seid so gut und verteidigt hier nicht Heidegger, schon gar nicht als Person!

Kommentare sind geschlossen.

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