Mainz ist neuer Meister im deutschsprachigen Debattieren

Datum: 7. Juni 2015
Redakteur:
Kategorie: Turniere, ZEIT DEBATTE

Im Finale der Deutschsprachigen Debattiermeisterschaft 2015 in Münster hat sich das Team The Good, the Bad and the Beauty aus Mainz durchgesetzt. Damit errangen Christian Strunck, Sina Strupp und Nicolas Eberle den Meistertitel. Als Opposition schlugen sie nach einer „knappen, aber eindeutigen“ Entscheidung der studentischen Jury die Potsdamer Regierung Bootsdam, bestehend aus Moritz Kirchner, Robert Pietsch und Mathias Hamann.

Bester Redner der Debatte ist Lennart Lokstein. Gemeinsam mit Jan Ehlert und Konrad Gütschow war Lennart einer der drei Fraktionsfreien Finalisten, die allesamt der Tübinger Streitkultur angehören. Für die Ehrenjury begründete der Schauspieler Ulrich Matthes die Auszeichnung damit, ihm sei „vor Staunen innerlich der Mund offen geblieben“.

Sieger (c) Carcasona

Die strahlenden Sieger aus Mainz. © Carcasona

Das Thema des Finals lautete: Bei Hinweisen auf eine Bedrohungslage gegen Großveranstaltungen oder konkreten Drohungen verbieten Verwaltungsorgane in der Regel die Veranstaltung. Sollen Großveranstaltungen in solchen Fällen nicht mehr verboten werden, wenn die TeilnehmerInnen vor Beginn über die Bedrohung informiert werden?

Hauptjurorin der studentischen Jury war Marion Seiche. Sie wurde ergänzt von Florian Umscheid, Tom-Michael Hesse, Philipp Stiel und Lukas Haffert. Daniil Pakhomenko, gemeinsam mit Florian und Marion Chefjuror des Turniers, präsidierte über die Debatte.

Die Ehrenjury bestand aus sechs prominenten Gästen. Wie Finalmoderator Jens Fischer anmerkte, führte die gerade Anzahl dazu, dass die Entscheidungsfindung vergleichsweise lange dauerte. Neben Ulrich Matthes gehörte der Jury der Journalist Theo Koll, die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Svenja Schulze, ZEIT-Redaktionsleiterin Dr. Christiane Florin, die Universitätsdirektorin Dr. Marianne Ravenstein und der Münsteraner Debattieralumnus Dr. Sebastian Berg an.

Bei der Auszeichnung des besten Redners zeigten sich Theo Koll und Ulrich Matthes begeistert von der Debatte. Matthes erzählte, er sei erst kürzlich Bundestagspräsident Lammert begegnet. „Er sagte mir ganz ernst: ‚Wir brauchen bessere Redner im Bundestag.‘“ Daher habe er nach der Debatte „auf dem Klo schon die erste SMS abgeschickt vor Begeisterung – an Lammert.“

Großen Applaus ernteten nicht nur die Sieger, sondern auch die Organisatoren aus Münster unter der Leitung von Teresa Widlok und Jonas Geisel. Außerdem wurden die Sieger in der Kategorie Deutsch als Fremdsprache geehrt. Das Finale fand im fürstbischöflichen Schloss statt, in dessen Foyer sich Gäste und Turnierteilnehmer nach der Debatte bei einem Sektempfang austauschen konnten.

Die Themen des Turniers im Überblick:

Vorrunde 1: Sollen über tragbare Geräte (Handys, Tablets) für Jugendliche im Internet nur Informations- und Bildungsangebote verfügbar sein?

VR2: Factsheet: Die christlichen Kirchen kennen unter verschiedenen Namen Strafen, die bis zur Beendigung bzw. Wiedergutmachung eines Fehlverhaltens angewendet werden (sog. Beugestrafen). Diese können vom Ausschluss von einzelnen Sakramenten (Abendmahl, Beichte, Eheschließung, etc.) bis hin zum vollständigen Ausschluss aus der Kirche reichen.
Sollen die christlichen Kirchen Gemeindemitglieder Beugestrafen unterwerfen, wenn diese gegen die Aufnahme von Flüchtlingen demonstrieren?

VR3: Sollen die Aktien von Aktionären, die Stammaktien eines Unternehmens für einen längeren Zeitraum halten, ein höheres Stimmrecht haben?

VR4: Soll man einen Pakt mit dem Teufel eingehen?

VR5: Sollen Heimatstaaten von IS-Terrorkämpfern und –zuträgern diesen eine Amnestie für ihre Taten im Gegenzug für Infos über den IS und ihre öffentliche Abkehr vom IS anbieten?

VR6: Soll die griechische Regierung reiche griechische Bürger enteignen, um griechische Staatsschulden zu begleichen?

VR7: Sollen Entwicklungsländer Kirchen und andere religiöse Organisationen nur dann Schulen auf ihrem Staatsgebiet betreiben lassen, wenn diese Bildung von Missionierung trennen?

Viertelfinale: Sollen 10% der Sitze des Bundestages unter Bürgerinnen und Bürgern verlost werden, die dann mit vollem Stimmrecht, fraktionsfrei und mit Rederecht dem Parlament angehören?

Halbfinale: Factsheet, sinngemäß: Großbritannien plant für Ende 2017, ein Referendum über den Verbleib in der Europäischen Union abzuhalten. Die britische Regierung hat versucht, den Verbleib an Forderungen zu knüpfen, nämlich: 1. EU-Bürger sollen in  Großbritannien erst nach vier Jahren Aufenthalt ein Anrecht auf Wohnrecht, Kindergeld und andere Leistungen des Wohlfahrtsstaates erhalten. 2. Der Nachzug von Familienangehörigen der Immigranten soll stark reglementiert werden. 3. Wenn Immigranten nach sechs Monaten keinen Job gefunden haben, sollen sie zurückgeschickt werden können.
Soll die Europäische Union Großbritanniens Forderungen im Wesentlichen erfüllen, um es in der Union zu halten?

Finale: Factsheet: Bei Hinweisen auf eine Bedrohungslage gegen Großveranstaltungen oder konkreten Drohungen verbieten Verwaltungsorgane in der Regel die Veranstaltung.
Sollen Großveranstaltungen in solchen Fällen nicht mehr verboten werden, wenn die TeilnehmerInnen vor Beginn über die Bedrohung informiert werden?

Die Tabs nach den Vorrunden, dem Viertelfinale, dem Halbfinale und dem Finale sind als PDF-Dokumente verfügbar.

Der Debattierklub Wien veröffentlichte außerdem ein Video des Finales.

hug/ama – zuletzt aktualisiert am 15.7.15, 11.00 Uhr

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6 Kommentare zu “Mainz ist neuer Meister im deutschsprachigen Debattieren”

  1. Christian L. (MD) sagt:

    Gratulation an die Mainzer und an Sabrina! Dies klingt ja nach einer famosen Veranstaltung.
    Wird in den nächsten Tagen eine Aufzeichnung (bei einem BP-Finale würde mir auch eine stenographische reichen) den Weg auf gewisse Kommunikationskanäle finden?

  2. Jonathan Scholbach sagt:

    Herzlichen Glückwunsch nach Mainz und nochmal vielen Dank an Münster für das Turnier und an die CJ für die Themen!

  3. Mark Etzel sagt:

    Auch von mir Gratulation an die Mainzer und Lennart sowie ein großes Lob an die Ausrichter!!!

    @Christian: Die Münsteraner und ich bzw. der DKWien haben das Finale aufgezeichnet. Zumindest von unserer Aufnahme weiß ich, dass sie gut gelungen ist und wir sie gerne online stellen – es wird aber evtl. länger als ein paar Tage dauern.

    P.S. Bitte auch die Sieger des DaF-Wettbewerbs (Dresden DK Mix, Rebecca Irvine) im Artikel erwähnen.

  4. Christian L. (MD) sagt:

    Wunderbar, vielen Dank!

  5. Mark Etzel sagt:

    Hier unsere Aufnahme des Finales:
    https://youtu.be/_VjLjX66T_Q

  6. Jonas Huggins sagt:

    Lieber Mark,

    den DaF-Siegern haben wir einen eigenen Artikel gewidmet – ich habe ihn im Artikel nun verlinkt.
    LG
    Jonas Huggins

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